Die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) ist die einzige Volluniversität in Schleswig-Holstein. Sie wurde 1665 gegründet und ist nach ihrem Gründer, dem Herzog Christian Albrecht von Schleswig-Holstein-Gottorf, benannt. Die Kieler Universität ist die älteste und größte Hochschule in Schleswig-Holstein. Alumni und Forscher der Universität wurden mit 12 Nobelpreisen ausgezeichnet.
Die CAU nahm ab 2006 mit einer Graduiertenschule und zwei Exzellenzclustern („Ozean der Zukunft“ und „Entzündungen an Grenzflächen“) an der Exzellenzinitiative des Bundes teil. Seit 2018 verfügt sie erneut über zwei Cluster („ROOTS – Konnektivität von Gesellschaft, Umwelt und Kultur in vergangenen Welten“ und „Precision Medicine in Chronic Inflammation“), deren Förderungsdauer bis 2032 verlängert wurde. Damit zählt die CAU zu den erfolgreichsten Hochschulen im bundesweiten Wettbewerb. Die Universität arbeitet eng mit dem GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel und dem mit der Hochschule assoziierten Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW) zusammen. Über einige gemeinsame Berufungen ist die CAU auch personell eng mit beiden Institutionen verbunden.
An der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel waren im Wintersemester 2024/25 24.925 Studenten eingeschrieben. Die Universität ist in acht Fakultäten organisiert, an denen über 400 Professoren lehren. Die Universität bietet mit mehr als 190 Studiengängen ein breites Fächerspektrum.
Die Geschichte der Universität mini|Campus der CAU mini|Blick auf den Christian-Albrechts-Platz mit dem Uni-Hochhaus, dem Audimax, der Mensa I und weiteren Gebäuden.
Vorgeschichte Pläne, in den Herzogtümern Schleswig und Holstein eine eigene Universität zu gründen, waren bereits im 16. Jahrhundert entstanden, doch die 1563 von Paul von Eitzen vorgelegten Pläne wurden ebenso wenig umgesetzt wie das 1620 vom dänischen König verfolgte Projekt einer Hochschule in Flensburg, das infolge Dänemarks Teilnahme am Dreißigjährigen Krieg scheiterte. Auch an Schleswig als Standort wurde zwischenzeitlich gedacht.
1652 hatte Herzog Friedrich III. nach einem langen Verfahren endlich das kaiserliche Privileg erlangt, auf seinem Territorium eine Universität zu gründen, dennoch kam es erneut zu Verzögerungen. Erst einige Jahre nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde das Vorhaben unter Friedrichs Sohn und Nachfolger verwirklicht. Als Universitätsstandorte standen damals Schleswig oder Kiel zur Wahl; auch Flensburg wurde in Betracht gezogen. Da das Herzogtum Schleswig als dänisches Lehen nicht zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation gehörte, fiel die Wahl schließlich auf Kiel im gottorfschen Teil des südlich der Eider gelegenen deutschen Herzogtums Holstein.
Der Rat der Stadt Kiel konnte dem Herzog auch das günstigere Angebot machen, so dass sich Christian Albrecht und sein Kanzler, der kaiserliche Kommissarius Johann Adolf Kielmann, dafür entschieden, die neue Hochschule in Kiel, auf unbestritten deutschem Boden, anzusiedeln. Die Bürger der Stadt hatten zwar zunächst erhebliche Bedenken geäußert, da man fürchtete, die Studenten könnten „mit Fressen, Sauffen und allerley leichtfertigem Wesen sehr ärgerlich seyn.“ Doch zuletzt setzten sich jene durch, die sich von der neuen Universität wirtschaftliche Vorteile versprachen. Kielmann wurde aufgrund seiner Verdienste um die Gründung der Hochschule wenig später vom Kaiser als „Johann Adolph Kielmann von Kielmannsegg“ in den erblichen Adelsstand erhoben.
Gründung 1665 mini|links|Grundriss des ersten Universitätsgebäudes im ehemaligen Kloster (1665) Als Christiana Albertina bzw. Academia Holsatorum Chiloniensis (Holsteinische Universität zu Kiel) gründete Herzog Christian Albrecht von Schleswig-Holstein-Gottorf die Universität am 5. Oktober 1665. Das Siegel der Universität mit dem lateinischen Spruch Pax optima rerum („Frieden ist das beste der Güter“, Silius Italicus) entwarf Samuel Rachel, erster Kieler Professor für Natur- und Völkerrecht.
mini|Titelblatt des ersten Vorlesungsverzeichnisses Lectionum für das Wintersemester 1665–1666Wintersemester 1665–1666. In: Personal- und Vorlesungsverzeichnis der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. 25. November 1665, . |alt=LECTIONUM In Academia Holsatica Chiloniensi proximo semestri, bono cum Deo, habendarum & jamtum feliciter inchoatarum CATALOGUS, Statim quidem post Inaugurationem Academiae contextus, sed ob quaedam impedimenta publicatus demum d. XXV. Novembris Anno cIↄIↄcLXV. – CHILONI, Literis JOACHIMI REUMANNI, Acad. Typogr. Der Lehrbetrieb der nördlichsten Universität im Heiligen Römischen Reich begann im ehemaligen Kieler Kloster mit siebzehn Professoren (darunter bereits bedeutende Gelehrte wie Christian Kortholt, Daniel Georg Morhof und Johann Daniel Major) und 162 Studenten. Der Herzog behielt sich und seinen Nachfolgern das Privileg vor, selbst als Rektor (Rector magnificentissimus) zu fungieren, die Leitung der Hochschule lag daher faktisch beim Prorektor (dem Prorector magnificus). Die Hochschule gliederte sich von Beginn an in die klassischen vier Fakultäten: Theologie, Jura, Medizin und die Freien Künste. Bereits 1666 gab es die ersten Rigorosa.
Wie andere frühneuzeitliche Hochschulen sollte die Neugründung den steigenden Bedarf an ausgebildeten Verwaltungsfachleuten decken. Außerdem erhöhte die Existenz einer eigenen Universität das Prestige des jeweiligen Landesherren. Die Universität erhielt rechtliche Privilegien wie Steuerfreiheit, eigene Gerichtsbarkeit und Vertretung als eigener Stand im Landtag.
Die Finanzierungsmittel der Kieler Universität stammten aus den Erträgen des Amtes Bordesholm, weshalb die Professoren auch noch lange in der Bordesholmer Klosterkirche bestattet wurden. Den Grundstock der Universitätsbibliothek bildeten die Bestände der ehemaligen Klosterbibliothek, ergänzt um teils sehr wertvolle Werke aus der Eutiner Stiftsbibliothek. 1669 erließ der Herzog, der als protestantischer Landesherr zugleich oberster Bischof (summus episcopus) war, die Anordnung, dass jeder Theologe, der künftig in Holstein oder Schleswig beschäftigt werden wolle, mindestens zwei Jahre in Kiel studiert haben müsse.
Entwicklung bis zum Ende der dänischen Herrschaft Die Zarin Katharina II., deren Ehemann in Kiel geboren worden war, beauftragte nach seinem Tod in ihrer Eigenschaft als Herzogin von Holstein-Gottorf den Architekten Ernst Georg Sonnin mit dem Bau eines neuen Universitätsgebäudes. Dieser schlichte Backsteinbau in Rustikalgliederung konnte 1768 nach zweijähriger Bauzeit in der Kattenstraße bezogen werden.Jörg Talanow: Kiel – so wie es war. Band 2. Droste, Düsseldorf 1978, S. 15. Der Vorlesungsbetrieb lief hier bis 1876. Das Gebäude diente danach seit 1877 bis zur Zerstörung im Zweiten Weltkrieg als Museum Vaterländischer Altertümer.Hartwig Beseler, Niels Gutschow: Kriegsschicksale Deutscher Architektur. Band I: Nord. Wachholtz, Neumünster o. J, S. 9 f.
Im Vertrag von Zarskoje Selo vom 27. August 1773, der die Erbfolge und Territorien in Schleswig-Holstein neu regelte, verzichtete Katharina im Namen ihres Sohnes auf Holstein-Gottorf. Seitdem gehörten Holstein und Kiel sowohl zum Dänischen Gesamtstaat als auch zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Noch im selben Jahr wurde die Pflicht eines zweijährigen Studiums in Kiel auf alle Beamten in Schleswig und Holstein ausgedehnt. Als 1776 das Indigenatsgesetz erlassen wurde, wonach nur in den Territorien der dänischen Krone Geborene in den Staatsdienst treten durften, blieb die Kieler Universität eine Ausnahme. Ihre Professoren kamen weiterhin aus allen deutschen Territorien.
Die CAU war um 1800 nicht nur die nördlichste deutsche Hochschule, sondern zugleich auch die südlichste Universität des Dänischen Gesamtstaates, da Holstein vom dänischen König in Personalunion – der Monarch herrschte über Kiel also in seiner Eigenschaft als Herzog von Holstein – regiert wurde, staatsrechtlich aber nicht zu Dänemark, sondern zu Deutschland gehörte. Daraus ergab sich eine wichtige Rolle im kulturellen Austausch zwischen Skandinavien und Mitteleuropa.
Besonders zwischen 1815 und 1848 war die Kieler Universität zudem ein wichtiges Zentrum der deutschen Burschenschaftsbewegung und des Liberalismus. 1817 nahmen so auch Kieler Burschen der neu gegründeten Burschenschaft Teutonia zu Kiel am Wartburgfest teil, ihr Wahlspruch lautete „Teutonia sei’s Panier“. Um 1830 zählte die Universität über 400 Studenten. Zum Kreis der Lehrenden gehörten die Juristen Georg Christian Burchardi, Niels Nikolaus Falck, Johann Friedrich Kierulff und Eduard Osenbrüggen, die Historiker Johann Gustav Droysen und Georg Waitz, der Agrarhistoriker und Nationalökonom Georg Hanssen und der Philologe, Archäologe und Musikhistoriker Otto Jahn. Unter den Studenten waren damals Theodor Mommsen, Ludwig Ross und Theodor Storm.
Während der Revolution von 1848 und dem anschließenden Dreijahreskrieg um Schleswig spielte die CAU ebenfalls eine wichtige Rolle. Professoren und Studenten waren mehrheitlich deutschgesinnt, weshalb unter patriotischen Dänen das folgende Bonmot kursierte: „Lüge ist auch eine Wissenschaft, sprach der Teufel, und studierte in Kiel.“
Nach der deutschen Niederlage im „Dreijahreskrieg“ mussten viele deutschgesinnte Studenten das Land verlassen. So zählte die Universität im Jahr 1857 insgesamt 50 Dozenten, darunter 22 ordentliche und neun außerordentliche Professoren, allerdings nur noch etwa 200 Studenten.Pierer’s Universal-Lexikon, Stichwort Kiel
Die Kieler Universität in preußischer Zeit bis 1933 mini|Hauptgebäude (1893) mini|Siegelmarke K. Kuratorium der Universität Kiel Mit dem Deutsch-Dänischen Krieg endete die Herrschaft des Königreichs Dänemark über das Herzogtum Schleswig und das Herzogtum Holstein. Nach dem Deutschen Krieg entstand dann 1867 aus den beiden vormaligen Herzogtümern die preußische Provinz Schleswig-Holstein. Auch Kiel kam unter preußische Verwaltung. Die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel verlor ihre rechtlichen Privilegien und war nun unter den zehn Universitäten in Preußen die kleinste;Mit 241 von insgesamt 8219 Studenten (1876); Statistik im Universal-Lexikon der Gegenwart und Vergangenheit, 6. Auflage, Leipzig 1878, Bd. 14, S. 661. im Jahr 1869 stand sogar ihre Schließung zur Diskussion.
Parallel zum Wachstum der Stadt beschleunigte sich nach 1867 aber auch das Wachstum der Universität, doch gewann sie für Selbstverständnis und Außenwahrnehmung Kiels nicht die Bedeutung, wie sie etwa Göttingen, Heidelberg oder Münster besaßen, da der Aufstieg zur Großstadt vor allem auf der Kaiserlichen Marine und den Werften beruhte.
Der Botanische Garten der Universität war die erste Einrichtung dieser Art in Deutschland, und kurz vor 1900 wurde die Hochschule durch zahlreiche Neubauten (entworfen von Martin Gropius) den gestiegenen Studentenzahlen angepasst. Ein Teil dieser Gebäude existiert noch und beherbergt einige Bereiche des Uniklinikums. Ein Lehrstuhl für Astronomie wurde etwa 1850 eingerichtet, und als 1871 die Sternwarte Altona bei Hamburg aufgelöst wurde, kamen die meisten ihrer Instrumente (ein Repsold-Meridiankreis und 3 Refraktoren) als Grundausstattung nach Kiel: 1874 wurde die Universitätssternwarte in Kiel errichtet. Mit zunehmender Luftverschmutzung verlor das Observatorium allerdings an Bedeutung. Seit etwa 1960 besteht mit der Sternwarte Kiel wieder eine kleine Sternwarte.
Um 1900 zählte die CAU neben Breslau, Marburg und Königsberg zu den angesehenen Universitäten Preußens. Nicht nur viele Kieler Studenten fanden im Ersten Weltkrieg den Tod, sondern auch Professoren wie Max L. Strack. Während der Kieler Matrosenaufstand 1918 das Ende der Monarchie herbeiführte, blieb die Universität überwiegend nationalkonservativ geprägt.
mini|links|Hans Geiger war von 1925 bis 1929 Professor in Kiel, wo er den Geigerzähler erfand.
Zeit des Nationalsozialismus