Günter Stahnke (* 10. Oktober 1928 in Misdroy, Kreis Usedom-Wollin, Provinz Pommern; † 11. November 2018) war ein deutscher Film- und Theaterregisseur. Mehrere seiner Filme wie Monolog für einen Taxifahrer (1962) und Der Frühling braucht Zeit (1965) wurden in der DDR verboten.
Leben und Wirken Günter Stahnke wurde 1928 in Misdroy bei Stettin in Pommern geboren. Sein Großvater war wahrscheinlich der Lehrer Gustav Stahnke (1864–1933). Die Familie zog nach Berlin, wo er zur Schule ging.
Um 1951 besuchte Günter Stahnke die neu gegründete Theaterschule in West-Berlin.Günter Stahnke DEFA-Stiftung (Memento), mit detaillierten biographischen Angaben Danach war er als Schauspieler in Potsdam, Frankfurt/Oder und Ost-Berlin tätig. Er studierte Pädagogik und schrieb Theater- und Filmrezensionen für das FDJ-Zentralorgan Junge Welt. In dieser Zeit wurde er Mitglied der SED.
Ab etwa 1958 war Günter Stahnke Regieassistent bei der DEFA. Ab 1962 drehte er dort eigene Filme als Regisseur, darunter zwei Fernsehopern von Kurt Schwaen zusammen mit dem Schriftsteller Günter Kunert. Die zweite Fetzers Flucht wurde zwar anlässlich des 10. Gründungsjahres des Deutschen Fernsehfunks noch gesendet, dann aber bald wegen Formalismus-Vorwürfen heftig kritisiert. Sein unmittelbar nächster Film Monolog für einen Taxifahrer (1962) wurde noch vor der Erstausstrahlung verboten. Danach erhielt er zur Wiedergutmachung die Regie für den Film „Der Frühling braucht Zeit“ über Mängel in der Industrieproduktion, der aber kurz nach der Uraufführung un Folge des XI. Plenum des ZK der SED (Kahlschlagsplenum) vom Dezember 1965 wie andere Filme auch verboten wurde. Günter Stahnke wurde von der DEFA entlassen und fand zwei Jahre lang keine Anstellung im künstlerischen Bereich.
Ab 1968 konnte er als Regisseur am Metropol-Theater in Berlin Musicals und Revuen inszenieren, darunter Can Can von Cole Porter als DDR-Premiere.Hans Joachim Reichhardt: 25 Jahre Theater in Berlin. Theaterpremieren 1945–1970, Henschel, Berlin 1972, S. 113, Erstaufführung am 9. Juni 1968 Kurz danach konnte er auch beim Deutschen Fernsehfunk als Regisseur arbeiten. Sein erster Film Telegenerell (1969), eine Verwechslungshumoreske (zusammen mit Klaus Gendries) erhielt den ersten westlichen Filmpreis für einen DDR-Fernsehfilm. Danach drehte Günter Stahnke etwa 40 weitere Filme, meist Schwänke und Fernsehlustspiele. Fischzüge (1972) wurde stark zensiert, Familie Birnchen (1975) wieder verboten.
1989 wurde sein verbotener Film Der Frühling braucht Zeit wiederaufgeführt, 1990 wurde Monolog für einen Taxifahrer mit 28-jähriger Verspätung erstmals aufgeführt und erhielt viel Anerkennung und einen Filmpreis. Danach wandte sich Günter Stahnke vor allem Bühnentätigkeiten zu und gründete 2001 das Theater der Komödianten. mit ehemaligen Kollegen.
Günter Stahnke war zuerst mit der Schauspielerin Doris Abeßer verheiratet, mit der er einen Sohn (* 1963) hatte. Ab 1974 war er mit der Schauspielerin Helga Piur verheiratet, mit der er viele Jahre in Fredersdorf bei Berlin lebte.
Filmographie (Auswahl) Regie Fernsehfilme, wenn nicht anders angegeben 1962: Vom König Midas 1962: Fetzers Flucht (nach Erstausstrahlung verboten) 1962/1990: Monolog für einen Taxifahrer (DEFA für TV, verboten, erst 1990 gezeigt) 1964: Doppelt oder nichts (Zweiteiler) 1965: Der Frühling braucht Zeit (nach Erstaufführung verboten) 1969: Märchenbrunnen 1969: Telegenerell 1971: Ein fremdes KindEin fremdes Kind Fernsehen der DDR (Memento) 1973: Fischzüge 1975: Männerwirtschaft (Fernsehschwank) 1975/1982: Familie Birnchen (Fernsehschwank, verboten) 1979: Wo warst du heute nacht, Caroline?Wo warst du heute Nacht, Caroline? Fernsehen der DDR (Memento) 1981: HaustheaterHaustheater Fernsehen der DDR (Memento) 1984: Familie intakt (Fernsehschwank-Reihe) 1986: König Karl 1986:MarianneMarianne Fernsehen der DDR (Memento) 1987: EmmaEmma Fernsehen der DDR (Memento) 1987: Maxe Baumann aus Berlin 1989: Mann im Schrank (Fernsehschwank)Mann im Schrank Fernsehen der DDR (Memento) 1989: Der Schlüssel zum Glück 1990: MarionMarion Fernsehen der DDR (Memento) 1990: Klein, aber Charlotte (7 Teile)Klein aber Charlotte Fernsehen der DDR, Klein, aber Charlotte. Episodenführer Fernsehen der DDR (Memento) 1996: Der Millionär
Regieassistenz 1959/1969: Wo der Zug nicht lange hält
Darsteller 1972: Florentiner 73 1973: Fischzüge
Literatur Günter Agde: Zwischen Mahlsteinen. Der Regisseur Günter Stahnke und sein Film 'Der Frühling braucht Zeit (1965). In: Filmblatt, Nr. 48, Frühjahr 2012, , S. 33–45. Theater der Komödianten. Interview mit dem 'Prinzipal' und Regisseur Günter Stahnke. In: Grün-As. 2003/2004 (Informationen) Ralf Schenk: Günter Stahnke ist tot. Nachruf auf DEFA-Filmregisseur. In: Berliner Zeitung vom 19. November 2018 (Text) Ralf Schenk: Mitten im Lauf. Dem Filmregisseur GünterStahnke zum 90. Geburtstag. In: Berliner Zeitung vom 9. November 2018
Weblinks Günter Stahnke DEFA-Stiftung (Memento)
Zeitzeugengespräch Günter Stahnke DEFA-Stiftung, über Dokumentarfilm von 2014
Einzelnachweise
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