mini|300px|Gandersumer Kirche

Moormerland ist eine aus ursprünglich elf eigenständigen Dörfern gebildete Einheitsgemeinde im Landkreis Leer in Ostfriesland. Sie ist im innerostfriesischen und auch im niedersächsischen Vergleich eine relativ dicht besiedelte ländliche Gemeinde, am dichtesten im Südosten ihres Gebiets, nahe der Kreisstadt Leer. Moormerland hat  Einwohner und ist nach der Kreisstadt die zweitgrößte Gemeinde im Landkreis und nach Emden, Aurich, Leer und Norden – noch vor den Städten Wittmund, Weener und Wiesmoor – die fünftgrößte Kommune Ostfrieslands. Sitz der Gemeindeverwaltung ist Warsingsfehn.

Der Name Moormerland stammt von einer friesischen Landesgemeinde, die sich vor und während der Häuptlingszeit in diesem Gebiet befand. Das Moormerland war die Heimat des Geschlechts der ostfriesischen Häuptlinge Ukena, die zu Beginn des 15. Jahrhunderts eine einflussreiche Rolle in der ostfriesischen Geschichte spielten. Es ist neben dem Overledingerland, dem Lengenerland und dem Rheiderland eine der vier historischen Landschaften im Landkreis Leer, umfasste jedoch ein deutlich größeres Gebiet als die heutige Gemeinde. Der Ortsteil Oldersum ist historisch bedeutend als früherer Handelsort an der Ems, vor allem aber als Ort des Oldersumer Religionsgesprächs, das den Anstoß zur Reformation in Ostfriesland gab.

Wirtschaftlich ist die Gemeinde von Landwirtschaft, Tourismus und mittelständischen Produktions-, Handwerks- und Handelsbetrieben geprägt. Die Kommune ist in deutlichem Maß eine Auspendler-Gemeinde, vor allem in die Nachbarstädte Emden und Leer.

Geografie Lage und Ausdehnung Moormerland liegt im nordwestlichen Teil des Landkreises Leer an der Ems mit einer Uferlänge von etwa zehn Kilometern. Der Fluss, der meist ungefähr in Süd-Nord-Richtung fließt, beschreibt dort einen Bogen und biegt nach Westen in Richtung Dollart um. Moormerland liegt innerhalb des Städtedreiecks Emden–Aurich–Leer und wird damit von den drei größten ostfriesischen Städten „eingerahmt“. An zwei dieser Städte, Emden und Leer, grenzt die Gemeinde unmittelbar an. Nahe gelegene Großstädte sind Oldenburg (zirka 54 Kilometer ostsüdöstlich) und Groningen in den Niederlanden (zirka 62 Kilometer westsüdwestlich). Das Regionale Raumordnungsprogramm des Landkreises Leer teilt dem Hauptort Warsingsfehn sowie den Orten Neermoor und Veenhusen die Funktion eines Grundzentrums für das Gemeindegebiet zu.www.landkreis-leer.de: Regionales Raumordnungsprogramm des Landkreises Leer 2006, PDF-Datei, S. 13 nach ursprünglicher Paginierung, abgerufen am 21. Januar 2012.

Benannt wurde die Gemeinde nach der gleichnamigen friesischen Landesgemeinde des Mittelalters. Die Landesgemeinde umfasste neben dem modernen Moormerland auch das Gebiet der heutigen Samtgemeinden Jümme und Hesel sowie der Stadt Leer. Das Moormerland ist eine der vier historischen Regionen auf dem Gebiet des Kreises Leer. Neben dem Moormerland sind dies das Rheiderland am gegenüberliegenden Ufer der Ems sowie das Lengenerland und das Overledingerland. Nach den beiden letztgenannten sind seit den 1970er Jahren ebenfalls moderne Gemeinden benannt (Westoverledingen, Uplengen).

Die Gemeinde erstreckt sich auf 122 Quadratkilometern, was sie flächenmäßig zur zweitgrößten im Landkreis Leer (nach Uplengen) und zur neuntgrößten Ostfrieslands macht. Bei rund 22.500 Einwohnern ergibt sich eine Einwohnerdichte von rund 184 pro Quadratkilometer. Sie liegt damit über dem ostfriesischen (rund 148) und auch über dem niedersächsischen (etwa 166), jedoch unter dem Durchschnitt der Bundesrepublik Deutschland mit ungefähr 229 Einwohnern pro Quadratkilometer. Die größte Ost-West-Ausdehnung beträgt ungefähr 17,2 Kilometer zwischen der Grenze zur Samtgemeinde Hesel in der Gemarkung Jheringsfehn und der Grenze zur Stadt Emden bei Gandersum, die größte Nord-Süd-Ausdehnung etwa 10,7 Kilometer zwischen dem Fehntjer Tief im Norden und der Grenze zur Stadt Leer südlich von Veenhusen.

Gemeindegliederung Die Gemeinde Moormerland besteht aus elf Ortschaften. Sie sind nachfolgend nach ihrer Einwohnerzahl (in Klammern) sortiert (Stand: 31. Dezember 2011).Gemeinde Moormerland: ; die Einwohnerzahlen beruhen auf eigenen Erhebungen der Gemeinde, weswegen sie höher liegen als die vom Statistischen Landesamt für 2007 ermittelten, vgl. Abschnitt Einwohnerentwicklung weiter unten.

Ortschaft Einwohner zugehörige Ortsteile Warsingsfehn 7593 Warsingsfehnpolder, Rorichmoor Neermoor 4641 Neermoor-Kolonie Veenhusen 3898 Veenhusen-Kolonie Jheringsfehn 2448 – keine weiteren – Oldersum 1516 – keine weiteren – Boekzetelerfehn 760 Boekzeteler Hoek Hatshausen 576 Ayenwolde, Büschersfehn, Königshoek Tergast 489 – keine weiteren – Rorichum 424 – keine weiteren – Terborg 109 Sautelersiel Gandersum 89 – keine weiteren – Gesamt 22.543 —

Der Bevölkerungsschwerpunkt befindet sich im Südosten der Gemeinde beiderseits der Autobahn mit den Ortsteilen Warsingsfehn, Jheringsfehn, Veenhusen und Neermoor, in denen zusammen etwa 18.500 der gut 22.000 Einwohner der Gemeinde leben. Insbesondere die Ortsteile Warsingsfehn und Veenhusen sind zusammengewachsen, Lücken in der Bebauung gibt es kaum. Der Übergang von Warsingsfehn nach Jheringsfehn ist ebenfalls fließend. Neermoor westlich der Autobahn wird zwar durch deren Trasse von den beiden Fehnen getrennt. Die Flächen beiderseits der Autobahn sind jedoch fast lückenlos von Gewerbebetrieben bebaut.

Im Nordwesten des Gemeindegebietes findet sich mit Oldersum, Tergast, Rorichum und Gandersum ein zweiter, aber sehr viel kleinerer Siedlungsschwerpunkt. Auch Oldersum und Rorichum sind enger zusammengewachsen. Im Norden der Gemeinde gibt es hingegen nur die kleinen Dörfer Hatshausen und Ayenwolde mit ausgeprägt lockerer Bebauung sowie weitere Wohnplätze und weite unbebaute, teils als Naturschutzgebiete ausgewiesene oder landwirtschaftlich genutzte Flächen. Der Südwesten des Gemeindegebietes entlang der Ems ist ebenfalls sehr dünn besiedelt, wird landwirtschaftlich genutzt und hat keinen Siedlungskern.

Nachbargemeinden Im Nordwesten grenzt die Gemeinde Moormerland an die kreisfreie Stadt Emden, im Norden an die zum Landkreis Aurich gehörenden Gemeinden Ihlow und Großefehn. Die Grenze zur Gemeinde Ihlow wird überwiegend vom Fehntjer Tief gebildet, die Grenze zur Gemeinde Großefehn vollständig vom südlichen Arm des Fehntjer Tiefs sowie vom Timmeler Meer und dem Boekzeteler Meer, die beide vom südlichen Arm des Tiefs durchflossen werden. Im Osten grenzt Moormerland an drei Mitgliedsgemeinden der Samtgemeinde Hesel: Neukamperfehn, Hesel und auf einem sehr kurzen Abschnitt Holtland. Südlich des Gemeindegebietes liegt die Kreisstadt Leer. Die Gemeinde Jemgum liegt jenseits der Ems im Rheiderland, die Flussmitte bildet die Grenze.

Oberflächengewässer, Moore und andere Feuchtgebiete mini|hochkant|Sauteler Kanal aus der Luft mini|Schöpfwerk am Sauteler Kanal mini|Naturschutzgebiet Boekzeteler Meer (Vordergrund) und das Freizeitgebiet Timmeler Meer (Hintergrund) mit Sportbooten Das Gemeindegebiet von Moormerland gehört hydrologisch zum Flusssystem der Ems.

Die Gemeinde wird im Westen von der Ems begrenzt, die dort bereits Seeschiffstiefe aufweist. Zwei größere Fließgewässer sind das Fehntjer Tief und der Sauteler Kanal, deren Quellen auf dem Gebiet der Nachbargemeinde Großefehn liegen. Sie dienen der Entwässerung der tief liegenden Gebiete. Für diese Aufgabe ist der Entwässerungsverband Oldersum verantwortlich.

Während das Fehntjer Tief in seinem Oberlauf natürlichen Ursprungs ist und mäandrierend nach Westen fließt, ist der Sauteler Kanal ein künstlich angelegtes Gewässer, das Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre zur Verbesserung der Entwässerung angelegt wurde. Pläne zum Bau des Kanals gab es jedoch schon einige Jahrzehnte früher. Der Sauteler Kanal entwässert ein Gebiet von rund 20.000 Hektar (200 Quadratkilometer) und damit etwas mehr als 1/16 der gesamten ostfriesischen Landfläche. Er hat eine Länge von ca. 23 Kilometern. Der Kanal beginnt wenige hundert Meter westlich von Aurich-Oldendorf in der Nachbargemeinde Großefehn und mündet südlich des Moormerländer Ortsteils Terborg mit einem Schöpfwerk in die Ems.Badewien/Saathoff/Müller: Moormerland im Wandel 1973-1998. 1999, S. 172/173.

Vom Sauteler Kanal zweigen die Fehnkanäle der Ortschaften Warsingsfehn, Jheringsfehn und Boekzetelerfehn ab. Die kleineren unter ihnen heißen Wieken und sind zu schmal und zu flach, um selbst von kleineren Motorbooten befahren werden zu können. Während der Abtorfung der Fehne wurden sie allerdings mit flachgehenden Booten befahren (bzw. getreidelt), die den gestochenen Torf abtransportierten. Größere Fehnkanäle wie der Warsingsfehnkanal und die Heuwieke können von Motorbooten befahren werden. Der Warsingsfehnkanal ist mit dem Rorichumer Tief und über die Heuwieke mit dem Fehntjer Tief verbunden. Das Fehntjer Tief endet in Emden, von dort ist das Wasserstraßennetz im Landkreis Aurich über weitere Kanäle angebunden. Das Rorichumer Tief endet in Oldersum und von dort führt das Oldersumer Tief ebenfalls zum Fehntjer Tief; es besteht auch ein Durchlass zur Ems. Der Sauteler Kanal ist auf dem Gebiet der Nachbargemeinde Neukamperfehn über den Neuefehnkanal mit dem Fehntjer Tief verbunden, so dass nahezu sämtliche Wasserstraßen der Gemeinde untereinander und über das Fehntjer Tief mit Kanälen in den Nachbargemeinden verbunden sind. Der Ems-Seitenkanal, der den Emder Hafen mit dem Hafen in Oldersum verbindet und parallel zur Ems verläuft, wurde ebenfalls künstlich angelegt.

Auf dem Gemeindegebiet befindet sich mit dem Boekzeteler Meer ein Niedermoorsee, die Gemeinde grenzt an das westliche Ufer des Timmeler Meeres. Ein weiterer, wenn auch deutlich kleinerer Moorsee ist das Wolfsmeer im Südosten der Gemeinde. Bei Neermoor und Veenhusen gibt es mehrere Baggerseen, aus denen Sand gewonnen wird. Am östlichen Dorfrand von Tergast befinden sich mehrere Seen, die teils der Trinkwassergewinnung für die Stadtwerke Emden dienen, teils mit Fischen besetzt wurden und für Angler zur Verfügung stehen; einige von ihnen waren früher Kiesgruben.Klaus Euhausen: Tergast. In: Arbeitsgruppe der Ortschronisten der Ostfriesischen Landschaft, PDF-Datei, Abschnitt 8, abgerufen am 8. Mai 2011

Das Gemeindegebiet wird von Mooren, Niederungen und Feuchtgebieten geprägt. Naturräumlich gehört die Gemeinde zum Übergangsbereich zwischen den ostfriesischen Geestgebieten und den Marsch- und Niederungslandschaften der Ems. Ursprünglich bestanden große Teile des Gebietes aus Hoch- und Niedermooren, die seit dem 18. Jahrhundert durch Fehnkultur, Entwässerung und Torfabbau kultiviert wurden. Charakteristisch sind die langgestreckten Fehnsiedlungen entlang künstlich angelegter Kanäle und Tiefs. Von besonderer Bedeutung ist die Fehntjer-Tief-Niederung, eine der größten zusammenhängenden Feuchtwiesenlandschaften Nordwestdeutschlands. Die Niederung wird von zahlreichen Tiefs, Kanälen und Entwässerungsgräben durchzogen und besitzt eine hohe Bedeutung für Wiesenvögel sowie andere Arten der Feuchtgebiete. Teile der Landschaft stehen unter Natur- und europäischem Vogelschutz.

Zu den wichtigsten Schutzgebieten auf dem Gemeindegebiet gehört das Naturschutzgebiet „Fehntjer Tief und Umgebung Nord“ (NSG WE 201). Es umfasst Feucht- und Nasswiesen, Röhrichte sowie offene Wasserflächen entlang des Fehntjer Tiefs und ist Teil des Natura-2000-Netzes.

Im weiteren Umfeld der Gemeinde liegen zudem Hochmoorbereiche wie das Stapeler Moor, die als Relikte der ehemals großflächigen ostfriesischen Hochmoore teilweise renaturiert werden. Daneben bestehen kleinere geschützte Biotope, darunter Moorreste, Röhrichte und naturnahe Gewässerabschnitte. Die Betreuung zahlreicher Feuchtgebiete erfolgt durch regionale Naturschutzstationen und Landschaftspflegeeinrichtungen.

Schutzgebiete mini|Niederungsgebiet am Fehntjer Tief in Großefehn, Moormerland und Ihlow: Die Aufnahme entstand auf Moormerländer Gemeindegebiet mit Blickrichtung Großefehn