mini|Komposit mini|Komposit Komposite ( ‚das Zusammengesetzte‘) sind zahnfarbene plastische Füllungsmaterialien für die zahnärztliche Behandlung. Seit den 1960er Jahren werden die Werkstoffe auch oft als Kunststofffüllungen bezeichnet. Gelegentlich werden sie auch mit Keramikfüllungen (Synonym: Keramik-Einlagefüllung oder Keramik-Inlay) verwechselt. Das zahnmedizinische Einsatzgebiet der Komposite sind Füllungen und die Befestigung von Keramikrestaurationen, Kronen und Wurzelstiften.

Sie bestehen aus einer organischen Kunststoffmatrix, die mit anorganischen Füllkörpern (unterschiedliche Glasarten und Quarze) versetzt ist. Die Aushärtung bzw. Polymerisation der Monomere in der Kunststoffmatrix – meistens Bis-Glycidyldimethacrylat (BisGMA) und Urethandimethacrylat (UDMA) mit Verdünnern wie Triethylenglycoldimethacrylat (TEGDMA) – erfolgt durch spezielles Licht.

Die Anwendung der Komposite erfolgte anfangs fast ausschließlich im Frontzahnbereich. Inzwischen werden Komposite mit einem erhöhten Füllkörpergehalt auch im Seitenzahnbereich eingesetzt. Die Weiterentwicklung der Haftvermittler (Bonding) und die Dentin-Adhäsivtechnik ermöglichte diesen Einsatz.

Abwandlungen der Komposite sind Compomere und Ormocere. Glasionomerzemente gehören einer anderen Werkstoffklasse an. Es gibt sie auch mit Kompositanteilen.

Verarbeitung Die Komposite gelten als relativ technik-sensitiv.Shenoy, A. (2008). „Is it the end of the road for dental amalgam? A critical review“. Journal of Conservative Dentistry 11 (3): 99–107. doi:10.4103/0972-0707.45247 . PMID 20142895. Bei der Verarbeitung von Kompositen ist eine relative oder absolute Trockenlegung notwendig, die mit Watterollen oder durch Anlegen eines Kofferdams (ein über die Zähne gespanntes Gummituch) erreicht werden kann. Feuchtigkeit verringert die Haltbarkeit und die Adhäsion an Dentin und Schmelz.

Sie werden in Schichten angebracht und dadurch separat durch Licht ausgehärtet.

Vergleich gegenüber Amalgamfüllungen Komposite sind in mehreren Farben lieferbar, so dass bei sorgfältiger Farbwahl ein Farbunterschied zu den vorhandenen Zähnen nur schwer zu erkennen ist. thumb|In Mehrschichtkomposittechnik restaurierter Molar (mittlerer Zahn, zuvor Amalgam), die Fissurverfärbung ist künstlich angelegt und simuliert Alter.

Amalgamfüllungen werden im Zahn durch kleine Unterschnitte befestigt, wenn die Kavität (Hohlraum) nicht von vornherein so gestaltet ist, dass sie sich nach außen hin als sogenannter Formschluss verjüngt. Amalgam gehört zu den wenigen Legierungen, die sich bei der Abbindung ausdehnen.Paul Weikart: Werkstoffkunde für Zahnärzte, 4. Auflage, Carl Hanser Verlag, München. Dadurch sorgt das Material für einen dichten Abschluss. Andererseits kann dadurch ein Zahn, bei dem die Zahnhartsubstanz schon stark reduziert ist, „gesprengt“ werden. Bei Kompositfüllungen klebt das Material regelrecht im Zahn, so dass einerseits nur die kariöse Zahnsubstanz entfernt und keine Retentionsform geschliffen werden muss. Durch die adhäsive Befestigung kann in manchen Fällen eine Stabilisierung des Zahnes erreicht werden.

Gegenüber Zahnamalgam sind Komposite in speziellen Indikationen eine gute Alternative, jedoch kein adäquater Ersatz. Bei großen Defekten und schwierigen klinischen Situationen (wie schlechter Mundhygiene und bestimmten Allgemeinerkrankungen) ist ihre Langlebigkeit geringer.

Vergleich gegenüber Keramikfüllungen Gegenüber Inlays können Komposite mit geringerem Zeitaufwand und kostengünstiger eingesetzt werden. Die Fertigstellung erfolgt in der Regel in einer Sitzung. Durch die direkte Herstellung der Komposite-Restauration im Zahn kann teilweise eine substanzschonende Präparation der Kavität erfolgen, weil im Gegensatz zum laborgefertigten Keramikinlay keine Einschubrichtung berücksichtigt werden muss. Durch das direkte Verfahren kann auf eine Abformung verzichtet werden.

Nachteile Die Verarbeitung des Kompositfüllungsmaterials ist im Vergleich zu einer Amalgamfüllung aufwändiger und zeitintensiver, da es in mehreren Schichten aufgetragen und schichtweise mit einer Polymerisationslampe gehärtet wird, um die Polymerisationsschrumpfung des Materials zu verringern. Voraussetzung für eine dauerhaft dichte Kompositfüllung ist die adhäsive Befestigung am Zahn durch ein Anätzen mit Phosphorsäure und ein anschließendes Auftragen eines Adhäsivs. Entsprechend ist der finanzielle Aufwand gegenüber Amalgamfüllungen höher, wenn auch geringer als bei Einlagefüllungen aus Gold oder Keramik. Eine bessere Haltbarkeit von Inlays wird diskutiert, da bei Inlays eine größere Materialauswahl möglich ist und es zu keiner Polymerisationsschrumpfung und damit zu geringeren Materialverspannungen kommt (siehe Abschnitt Haltbarkeit). Die adhäsive Befestigung kann bei großen Kavitäten an den Zahnschmelzwänden Infrakturen (feine Schmelzrisse) hervorrufen, die bis zum Bruch der Kavitätenwand führen können.

Je farbgetreuer die Kompositfüllung gestaltet ist, umso schwieriger kann sich deren Entfernung gestalten, weil beim Herausschleifen des Komposits die Grenze zwischen Schmelz und Komposit kaum erkennbar ist.

Verfärbungen der Füllung durch Tee, Kaffee etc. sind möglich.

Diskutierte Wirkungen Mit der Zunahme der Kompositfüllungen, die allmählich immer mehr die Amalgamfüllungen ablösen, verschiebt sich die Kritik von den Amalgamfüllungen zu den Kompositfüllungen. Diskutiert werden mögliche schädliche Wirkungen durch:

Toxizität Mutagenität Östrogenität (durch die geringe Freisetzung des endokrinen Disruptors Bisphenol A) Allergisierung

durch die Kompositfüllungen.

Toxizität, Mutagenität und Östrogenität konnten in Studien bisher nicht belegt werden und sind nach dem derzeitigen Kenntnisstand zu verneinen.

Allergisierung Die Gefahr der Allergisierung betrifft vorwiegend den anwendenden Zahnarzt, der mit dem Monomer des Komposits und mit den Dentinadhäsiven in Hautkontakt kommt. Dadurch können allergische Hautreaktionen bis hin zu schweren allergischen Kontaktekzemen bis zur Berufsunfähigkeit ausgelöst werden. Ein Einmalhandschuh verhindert keine Monomerpenetration, da er von den relativ kleinen Monomermolekülen innerhalb von nur drei Minuten durchdrungen wird. Deshalb ist bei eventuellem Kontakt ein sofortiger Handschuhwechsel angezeigt. Monomere und Dentinadhäsiva sollten deshalb nicht vom Behandler und der Assistenz berührt werden. Die Allergisierungsrate für den Behandler ist mit 1 bis 2 Prozent höher als bei Amalgam, liegt jedoch noch weit unter der Allergisierungsrate von Erdbeeren. Bei der Nutzen-Risiko-Abwägung (Erhalt des Zahnes mit einer Kompositfüllung oder Karies, Abszess und Zahnverlust) ist die Allergisierungsgefahr für den Patienten zu vernachlässigen. (PDF; 37 kB) DZZ 54 99 1998.

Toxizität In der medizinischen Fachliteratur sind keine Fälle von Vergiftungserscheinungen durch Komposite dokumentiert. Es liegen keine klinischen Daten vor, die für eine Schädlichkeit der Kompositfüllungen sprechen. Jedoch wurde bei In-vitro-Untersuchungen an Zellkulturen die Toxizität von Kompositen gezeigt. Die dabei eingesetzten Konzentrationen waren jedoch so hoch, dass eine klinische Relevanz fraglich erscheint. Das in der Zahnmedizin eingesetzte Zinkoxid-Eugenol ist beispielsweise in vitro wesentlich toxischer.

Mutagenität BisGMA und UDMA sind in Zellkulturen nicht mutagen. Jedoch wurde bei TEGDMA in Zellkulturen eine mutagene Wirkung nachgewiesen, jedoch wurde hier eine sehr hohe Konzentration eingesetzt.

Haltbarkeit und Verlustrate von Kompositfüllungen Haltbarkeit verglichen mit Inlays Gegenüber Kompositfüllungen wurde die Haltbarkeit der mehrfach teureren Keramikinlays in einer Metastudie für einen Zeitraum von bis zu einem Jahr als ähnlich eingestuft. Für längere Betrachtungszeiträume ermöglichten die Daten der verfügbaren klinischen Langzeitstudien keine zuverlässige Aussage. In den klinischen Langzeitstudien selbst wurde festgestellt, dass es keine signifikant niedrigeren Ausfallraten von Inlays gebe.RT Lange, P Pfeiffer; Clinical evaluation of ceramic inlays compared to composite restorations (2009) Oper Dent.; 34(3):263-72, doi:10.2341/08-95Thordrup, M.; Isidor, F.; Hörsted-Bindslev, P. (2006). „A prospective clinical study of indirect and direct composite and ceramic inlays: Ten-year results“. Quintessence international (Berlin, Germany : 1985) 37 (2): 139–144. PMID 16475376.

Auch für Kompositinlays wurden in klinischen Langzeitstudien keine signifikant höheren Haltbarkeitswerte festgestellt oder es wurden Haltbarkeitsvorteile festgestellt, die jedoch als zu gering bewertet wurden, um den Mehraufwand zu rechtfertigen.Direct resin composite inlays/onlays: an 11 year follow-up. JWV Van Dijken; (2000) J Dent 28:299–306; PMID 10785294.

Haltbarkeit verglichen mit Amalgam Die Verlustrate von Kompositfüllungen war in klinischen Studien in 7 Jahren 16 % höher als bei Amalgamfüllungen. Über den gesamten Zeitraum verteilt war dieser Wert jedoch unterhalb der Signifikanzschwelle, da sowohl Amalgam, als auch Kunststofffüllungen eine insgesamt gute Haltbarkeit haben. Die „Überlebensrate“ () von Kompositfüllungen betrug nach 7 Jahren 90 %.

Im Jahre 2005 ergaben bereits Longitudinalstudien über 15 Jahre für Amalgamfüllungen und Kompositfüllungen die gleiche Lebensdauer, richtige Indikationsstellung und Verarbeitungstechnik vorausgesetzt.J. Manhart, H. Chen, G. Hamm, R. Hickel: Buonocore Memorial Lecture. Review of the clinical survival of direct and indirect restorations in posterior teeth of the permanent dentition. In: Operative dentistry. Band 29, Nummer 5, 2004 Sep-Oct, S. 481–508, . PMID 15470871. (Review). Langzeitstudien der letzten zehn Jahre mit Feinhybridkompositen weisen ebenfalls gute Ergebnisse auf. Für Ormocere und stopfbare Komposite liegen nur wenige Studien von zwei Jahren Beobachtungsdauer vor. Kompomere und Mikrohybridkomposite sind für Kaukrafttragende Restaurationen weniger geeignet und wiesen Füllungsfrakturen auf. (PDF; 236 kB), DZZ 60 (10) 2005.

Ob eine Kompositfüllung unter Kofferdam oder ohne Kofferdam zu legen ist, wird kontrovers diskutiert. Entscheidend ist, dass kein Speichelzutritt stattfinden kann.

Kritische Würdigung