mini|Zwei Hippies beim Woodstock-Festival, 1969
Als Hippie (von = ‚angesagt‘),Michael Fallon: Über die Begriffsbezeichnung Hippie (englisch), abgerufen am 17. Februar 2009. auch Acidhead,Titel Thesen Temperamentfarben: Flower child oder im deutschsprachigen Raum Blumenkind, bezeichnet man ein Mitglied der in den 1960er Jahren in den Vereinigten Staaten von Amerika entstandenen großen gegenkulturellen Jugendbewegung, für die unter anderem Naturverbundenheit, Konsumkritik sowie der Bruch mit den damals gängigen Lebens- und Moralvorstellungen im Sinne einer friedlicheren und humaneren Welt zentral war.
Die Hippiebewegung fand ihren gesellschaftspolitischen Höhepunkt in der Friedensbewegung gegen den Vietnamkrieg und prägte das Leitwort Flower-Power für die Gewaltlosigkeit sowie das Motto Make love, not war (‚Macht Liebe, nicht Krieg‘). Später ging sie in den alternativen Bewegungen sowie einer Vielzahl von neuen Subkulturen und Szenen wie der Goa- und der Punk-Szene auf.
Sie hatte einen großen Einfluss auf das Denken und Handeln der heutigen Welt. So beförderte sie bedeutend die sexuelle Revolution, den Umweltschutz, Antirassismus sowie die allgemeine Auflösung der damals gängigen autoritären Machtstrukturen in Familie und Gesellschaft. Auch mit ihrem Stil beeinflusste die Hippie-Bewegung stark alle Aspekte der Mainstream-Kultur, darunter Mode, Film und Musik.
Ursprung und Ideale mini|Hippies in Amsterdam, 1973 mini|Festivalbesucher, 1974
Die von San Francisco ausgehende HippiebewegungZeittafel der Hippie-Kultur (englisch), abgerufen am 17. Februar 2009. stellte die ihrer Meinung nach sinnentleerten Wohlstandsideale der Mittelschicht in Frage und propagierte eine von Zwängen und bürgerlichen Tabus befreite Lebensvorstellung. Im Vergleich zur 68er-Bewegung und den Gammlern dominierten dabei stärker gemeinschaftliche (Selbstverwirklichung) als gesellschaftspolitische Konzepte; teilweise überschnitten sich die Ideale der Bewegungen.
„Denn anders als die Gammler wollten sie nicht nur dem Leistungsdruck der Gesellschaft entfliehen, sondern zugleich neue, menschlichere Lebensweisen und Umgangsformen finden.“Zitat nach Klaus Farin, Jugendkultur in Deutschland 1950 bis 1989. Teil 2, Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2006. Im Bestand der Deutschen Nationalbibliothek. Die Idee von einem humaneren und friedlicheren Leben wurde mit dem Schlagwort Flower-Power belegt, das 1965 vom US-amerikanischen Dichter Allen Ginsberg geprägt und oft synonym zur gesamten Hippiebewegung verwendet wurde.https://www.dwds.de/wb/Flowerpower Diese Ideale wurden versuchsweise in neuartigen, oft ländlichen Kommunen umgesetzt.
Mit ihrer Verweigerung der bestehenden gesellschaftlichen und politischen Normen und Werte führte die Hippie-Kultur entsprechende Ansätze der Beat Generation weiter, zu der u. a. William S. Burroughs, Neal Cassady, Charles Plymell, Jack Kerouac und Allen Ginsberg zählten. Im Nonkonformismus der Beat Generation der 1950er Jahre wurden die Friedensbewegung, freie Liebe, Drogenkonsum sowie fernöstliche Religionen thematisiert und geschah eine Aufarbeitung des Faschismus in Deutschland bis in die Universitäten.
Ein wesentlicher Einfluss auf die Bewegung wird von vielen Beobachtern halluzinogenen Drogen, insbesondere LSD, zugeschrieben. Erfahrungen aus LSD-Trips gingen in die Kultur, Philosophie und Politik der Bewegung ein. Nachdem die Substanz verboten worden war, verlagerte sich deren Produktion in Untergrundlabore. In zahlreichen Musikstücken und Filmen wurden LSD-Erfahrungen verarbeitet, auch in der breiten Öffentlichkeit und in der Wissenschaft waren sie ein Thema.
In der Literatur stellten Bücher wie Die Pforten der Wahrnehmung von Aldous Huxley, The Way of Zen von Alan Watts, die Werke der Beat Generation oder die Werke Carlos Castanedas Inspirationsquellen der Hippiebewegung dar.
Im Bereich Sexualität betonten die Hippies die Freiheit des Individuums und beschleunigten so die sexuelle Revolution. Sie propagierten die Freie Liebe, vor allem außerehelichen Geschlechtsverkehr, aber auch Homosexualität und Gruppensex, die damals verpönt und gesellschaftlich geächtet waren.Skip Stone: Hippies From A to Z (1999), abgerufen am 21. August 2025.
Kultur mini|Typisches Hippie-Auto: Renault 4 mini|Hippie-Bekleidung mini|Hippie-Accessoires mini|Typisches Hippie-Fahrzeug: VW-Bus
Bands wie Grateful Dead, The Beatles, The Rolling Stones, The Who, Santana, Musiker wie Janis Joplin, Jimi Hendrix, Melanie und Jim Morrison, Künstler wie Robert Crumb, Schauspieler wie Peter Fonda und Arlo Guthrie sowie Aktivisten wie Ken Kesey und Allen Ginsberg zeigen unterschiedliche Facetten der pluralen, heterogenen Hippie-Bewegung. Oftmals stellten Hippies eine Bohème dar, wie in den Vierteln Haight-Ashbury in San Francisco und Greenwich Village in New York, wo sie als Subkultur Orte des Undergrounds schufen.
Mode In ihrem Bekleidungsstil setzte die Hippie-Bewegung der industriell gefertigten Massenmode provokativ eine Antimode entgegen. Durch Eigenproduktion mittels Nähen, Färben und Stricken setzte man sich von der Konsumgesellschaft ab und entzog sich damit deren marktwirtschaftlichen Verwertungsinteressen. Das Tragen dieser Kleidung demonstrierte somit nicht nur Individualität und Kreativität, sondern auch eine Absage an die bestehende Wirtschaftsordnung.Kathrin Fahlenbrach: Protest-Inszenierungen, Visuelle Kommunikation und kollektive Identitäten in Protestbewegungen, Springer 2002, S. 202
In dieser Kultur etablierte sich ein eigener Musik- und Kleidungsstil. Im grafischen Bereich nahm sie Einfluss auf die Plakatkunst und die Gestaltung von Schallplattenhüllen. Manche trugen wallende Batikgewänder mit bunten Farben und zumeist die sogenannten Jesuslatschen an den Füßen oder liefen barfuß. Als Frisuren waren sowohl bei Männern als auch Frauen lange Haare, oft mit Dreadlocks, beliebt, daneben gab es aber auch ausgefallenere Frisuren und oft bunt gefärbte Haare. Charakteristisch ist, dass es kaum geschlechtsspezifische Unterschiede in der Kleidung gab, was das Aufbrechen von Geschlechterrollen symbolisierte.
Dreadlocks und der Kleidungsstil wurden ab den 1970er Jahren von den indischen Sadhus abgeleitet, die in Goa die Hippieszene nicht nur äußerlich stark beeinflussten. Verbreitet waren auch Gegenstände wie Räucherstäbchen und Duftkerzen. Hippies schmückten sich zum Zeichen für Frieden und Liebe mit Blumen, einem Attribut, das die Modeindustrie bald verwertete und damit gesellschaftsfähig machte. Sie wurden daher von der Boulevardpresse „Blumenkinder“ genannt.
Musik Die Hippieszene war musikalisch vielfältig. Die Musikrichtungen reichten von diversen Spielarten der Rockmusik wie Space Rock, Folk Rock, Jazz Rock, Bluesrock und anderen progressiven Richtungen wie Progressive Rock bis hin zu Folk und Weltmusik. Generell charakteristisch war eine harmonische, friedliche Stimmung.
Die psychedelische Musik, neben Folk der dominante Musikstil während des Höhepunktes der Hippiebewegung in den späten 1960er Jahren, war bei vielen Musikern durch Konsum von Psychedelika geprägt. In den 1970er Jahren kam der Reggae als beliebte Musik in die Szene. Ein bekanntes Lied, das direkt auf den Ursprung der Hippiekultur und die Blumen Bezug nimmt, ist der Hit San Francisco (Be Sure to Wear Flowers in Your Hair) von Scott McKenzie, der 1967 in Deutschland zwei Monate lang auf Nummer eins der Charts war. Vorgänger war der Song All You Need Is Love von den Beatles, der ebenfalls für die Zeit bezeichnend war und sechs Wochen die Hitparade anführte.
Ein berühmt gewordener musikalischer Höhepunkt, der zugleich den Beginn der Endphase der nicht kommerzialisierten Hippiebewegung einleitete, war das Woodstock-Festival. Geradezu stellvertretend für die Hippie-Ära steht das Musical Hair. Ein musikalisch und melodiös eingängiges Beispiel, das die Emotionen dieser Ära einfängt, ist das 1967 aufgenommene Album Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band der Beatles. Das Album war ein Gesamtkunstwerk, das Lebensfreude und neuen Zeitgeist ankündigte: „A splendid time is guaranteed for all“ (aus dem Song Being for the Benefit of Mr. Kite!).
Der Hippiezug nach Asien
Kennzeichnend für diese Bewegung war ebenfalls der große Aufbruch in den Osten Richtung Indien mit seiner orientalischen Mystik. Niedrige Drogenpreise sowie ein damals äußerst kostengünstiges Leben trugen ebenfalls dazu bei, die Attraktivität dieses Ziels zu erhöhen. Auf dem Weg dorthin wurde Kabul als Durchgangsstation bekannt sowie das Kathmandutal als Endziel der Hippies auf der Suche nach individueller Freiheit.
Der Aufbruch nach Osten umfasste mehrere Seiten: Die kulturelle Seite bestand in der Suche nach sich selbst. Die Lebensweise der Hippies mit ihrem Traum von Freiheit, Frieden und Liebe konnte ihrer Meinung nach hauptsächlich in anderen Kulturen umgesetzt werden. Kleidung, Denkweise und Haarlänge unterlagen anderen Normen oder Standardwerten. Die nomadenhafte Seite war die Suche nach neuen Horizonten.
Der Film Easy Rider avancierte auch deswegen zum Kultfilm, weil er die Sehnsucht der Jugendlichen nach Freiheit symbolisierte, unter anderem in Indien, einem Land der Dritten Welt, in dem die sozialen Unterschiede derart enorm waren, dass sie sich dem Verständnis der meisten Europäer entzogen (Kastensystem). Wachgerüttelt durch die sozialen und politischen Bewegungen Ende der 1960er Jahre, sollten neue Wege erschlossen werden. Mystik, Drogen oder Religion wurden als Inspirationsquelle zu Hilfe gezogen.
Anfang der 1970er Jahre waren diese Jugendlichen sich bewusst geworden, dass sie Suchende sind, auf der Suche nach einer Mystik, die mit Drogen den Zugang zu den Pforten der Wahrnehmung öffnen sollte. Eines der Vorbilder des Indienzugs war Hermann Hesses Siddharta. Viele Leser fühlten sich davon angesprochen. Doch trotz der weithin bekannten Counter-culture ( für ‚Gegenkultur‘) wurde Amerika dennoch kein Hippieziel der Europäer, sondern blieb, auch wegen des Vietnamkrieges, eher ein abschreckendes Beispiel.
In Abneigung gegen die Vereinnahmung durch das autoritäre System entwickelte sich in den Gästehäusern des Hippie-Trails eine Subkultur, die eigene Normen und Richtlinien suchte. Soziologisch bestanden die Hippies im Wesentlichen aus westeuropäischen und nordamerikanischen Mittelstandskindern, überwiegend unter 30 Jahren, aus Auswanderern und Aussteigern, Lebenskünstlern und Bohemiens, Studenten, Arbeitsverweigerern, Fahnenflüchtigen und Drogenkonsumenten.
Zeitgenössische Betrachtung Hippies wurden von konservativen Kreisen und dem Mainstream als Arbeitsscheue, Gammler, Chaoten und Langhaarige diffamiert.Blumenkinder des Bösen. Vgl. hierzu: Der Spiegel vom 30. Januar 2009. Als die Hippie-Kultur zum Gewaltrausch wurde. Von Constantin Alexander. Abgerufen am 18. Februar 2009 Sie wurden als Aussteiger betrachtet, die sich dem Leistungsprinzip und den bürgerlichen Konventionen und Moralvorstellungen nicht unterwarfen, sondern entzogen. Ihnen wurden häufig, im abwertenden Sinne, pauschal politische Bestrebungen wie Sozialismus, Anarchismus oder Kommunismus unterstellt, obwohl es durchaus anarchistische Tendenzen innerhalb der Hippiebewegung und der Gegenkultur gab, jedoch keine staatssozialistischen Interessen und Ideologien. Liebe an der Spitze der Werthierarchie wurde in diesem Zusammenhang nicht in einem egozentrischen, sondern in einem gemeinschaftlichen Sinne verstanden.
Auflösung und heutiges Fortbestehen mini|In einigen warmen Regionen, wie hier an der Küste Sardiniens (Valle di Luna, Capo Testa), wohnen Hippies teilweise in Höhlen oder selbsterrichteten Unterkünften mini|hochkant|Rainbow Gathering, Russland, August 2005