mini|hochkant=1.2|Propsteikirche, die ehemalige Klosterkirche Wedinghausen Das Kloster Wedinghausen ist ein ehemaliges Prämonstratenser-Chorherrenstift in Arnsberg. Es wurde um 1170 gegründet und im Zuge der Säkularisation im Jahre 1803 aufgehoben.
Das Kloster war ein religiöses und kulturelles Zentrum der Grafschaft Arnsberg und später des Herzogtums Westfalen. Beim Aufenthalt der Kölner Erzbischöfe in der Residenzstadt Arnsberg ihres Nebenlandes, des Herzogtums Westfalen, diente die Klosterkirche vorübergehend als Kathedralkirche, ohne diesen kirchenrechtlichen Status zu besitzen.Harm Klueting: Kirche, Klöster und geistlicher Staat im Herzogtum Westfalen. In: Heimatblätter. Zeitschrift des Arnsberger Heimatbunde. Jg. 1985, S. 16. Nach der Besetzung des linken Rheinufers durch französische Truppen im Jahr 1794 wurde Wedinghausen Zuflucht des Kölner Domkapitels und Aufbewahrungsort des Dreikönigenschreins. Die Klosterkirche, welche bereits während des Mittelalters und in der Frühen Neuzeit auch Pfarrkirche der Stadt Arnsberg war, ist seit dem 19. Jahrhundert die römisch-katholische Gemeinde- und Propsteikirche St. Laurentius.
Mittelalter mini|hochkant|Graf Heinrich I. als Prämonstratenser. Als Hinweis auf seine Funktion als Klosterstifter hält er eine kleine Kirche auf einer Hand.
Vorgeschichte Im Gebiet des späteren Klosters existierte nach dem im 12. Jahrhundert zusammengestellten Propsteiregister der Abtei Essen-Werden im frühen 9. Jahrhundert ein Hof Wedinghausen.Johann Suibert Seibertz: Urkundenbuch zur Landes- und Rechtsgeschichte des Herzogtum Westfalen Bd.3 1400–1800, Nachträge. Arnsberg, 1854 S. 416 Nr. 1060: „793 u. folg. Auszüge aus dem alten Propsteiregister der Abtei Werden.“ In dessen Nähe wurde später eine erste Kirche angelegt. Graf Bernhard II. von Werl-Arnsberg († um 1059) bestimmte die Kirche zur Grablege seines Hauses. Archäologische Ausgrabungen haben Reste eines möglichen Vorgängerbaus der späteren romanischen Kirche freigelegt.Jürgen Funke: Wedinghausen. Grablege der Arnsberger Grafen und Grafenkapelle. In: Heimatblätter. Zeitschrift des Arnsberger Heimatbundes. Jg. 1994, S. 23–24. Dieser lag etwas südlich von Burg und Siedlung Arnsberg.
Wegen des Todes seines Bruders in seiner Haft – oft als Brudermord bezeichnet – wurde Graf Heinrich I. von Arnsberg von einem Bündnis hochrangiger Fürsten besiegt. Zu ihnen gehörten neben verschiedenen Bischöfen auch der Erzbischof von Köln Rainald von Dassel sowie Heinrich der Löwe in seiner Eigenschaft als Herzog von Sachsen. Da die Tat des Grafen mit einem Sakrileg verbunden war – der Bruder war während einer Messe verhaftet worden –, musste Heinrich mit einer strengen Bestrafung rechnen. Nur dank der Fürsprache Friedrich BarbarossasRegesta Imperii IV 2, 2 n. 1591. waren die Bedingungen erträglich. Heinrich musste einigen Besitz abgeben und die Arnsberger Burg vom Kölner Erzbischof nominell zum Lehen nehmen. Außerdem musste er zur Sühne geloben, ein Kloster zu gründen.Höing: Wedinghausen, S. 314.
Gründungsphase mini|hochkant|Ausgrabung der Grabkammer der Arnsberger Grafenfamilie aus dem 14. Jahrhundert (1320–1340) mit teilweise erhaltener Bemalung im Kapitelsaal des Klosters Heinrich entschied sich für eine Klostergründung des Reformordens der Prämonstratenser an der Stelle der gräflichen Grablege. Patrone des Klosters waren Laurentius und Maria. Besondere Verehrung genoss auch die heilige Benedicta von Origny; sie ist zweite Patronin der Klosterkirche.
Wedinghausen war das einzige Prämonstratenserkloster in Westfalen, das nicht dem Filiationsverband des Klosters Cappenberg angehörte. Die ersten Bewohner des Klosters kamen vielmehr aus dem niederländischen Kloster Marienweerd bei Utrecht. Das geschah keineswegs zufällig, war es doch eine Gründung der Vorfahren des Grafen aus der Adelsfamilie von Cuyck. Marienweerd behielt auch in den folgenden Jahrhunderten eine gewisse Oberaufsicht über Wedinghausen und hatte bestimmte Vorrechte. So saßen seine Vertreter den Wahlen der Klosterleiter vor. Nach dem Untergang des Mutterklosters während der Reformation übernahm die Abtei Knechtsteden diese Funktion.
Erzbischof Philipp I. von Heinsberg bestätigte 1173 die Gründung des Klosters. Damit verbunden war auch die Herauslösung aus dem Dekanatsverband und die Übertragung der Pfarrrechte für Arnsberg und Umgebung. Erzbischof Bruno von Berg verlegte das Kloster offenbar 1193 vorübergehend nach Rumbeck. Dies erwies sich bald als Fehler und das Privileg von Papst Coelestin III. von 1197 sah wieder Wedinghausen als Sitz der Gemeinschaft vor.Richtering: Wedinghausen, S. 41.
Klösterliche Gemeinschaft mini|hochkant|Der Gero-Codex aus der Zeit vor 969 war lange Zeit im Besitz des Klosters Wedinghausen
Die Prämonstratenser waren ein von Norbert von Xanten in Prémontré im Jahre 1120 gegründeter Orden regulierter Chorherren, auch Regularkanoniker genannt. Das heißt, es ist strenggenommen eine Gemeinschaft von Priestern und nicht von Mönchen. Obwohl Wedinghausen deswegen eigentlich als Stift bezeichnet werden müsste, sprach man bereits zeitgenössisch vom Kloster Wedinghausen.Richtering: Wedinghausen, S. 45.
Auch die Prämonstratenser legten das Armuts-, Enthaltsamkeits- und Gehorsamsgelübde a. Ihre Lebensweise folgte weitgehend den monastischen Standards. Dazu gehörte etwa die Einhaltung des Stundengebets und das gemeinschaftliche Mahl im Refektorium. Im Unterschied zu Mönchsorden verbanden die Prämonstratenser aber das Klosterleben mit der pfarramtlichen Seelsorge. Von Arnsberg aus wurden verschiedene Pfarrstellen in der Umgebung mit Angehörigen der Gemeinschaft besetzt.
Der Klosterleiter führte wie in anderen westfälischen Prämonstratensereinrichtungen den Titel eines Propstes. Von einer vorübergehenden Verwendung an der Wende zum 13. Jahrhundert abgesehen, trug der Vorsteher des Klosters erst nach 1518 und bis zur Aufhebung des Klosters den Titel Abt. Weitere Klosterämter im Mittelalter waren der Prior, der Subprior, der Camerarius, der Thesauraius, der Cellerarius, der Custos und der Cantor. Hinzu kam Plebanus, zuständig für den Pfarrgottesdienst.
Neben den canonici lebten in den Niederlassungen der Norbertiner auch Laienbrüder (conversi). Sie waren bis ins 14. Jahrhundert recht zahlreich. Sie waren anfangs auch mit der Verwaltung der Klostergüter befasst, später waren es vor allem Handwerker.
Bemerkenswert ist, dass Wedinghausen nicht nur Adelige aufnahm, sondern ständisch gemischt war. Dennoch dominierten Nachkommen des Ritteradels aus dem Sauerland und dem Hellweggebiet. Auch das Patriziat aus Soest war stark vertreten.Richtering: Wedinghausen, S. 45–46.
Beziehungen zu den Grafen und der Stadt Arnsberg mini|hochkant|Grabmal des Grafen Heinrich und seiner Frau Ermengard
Mit der Grafenfamilie blieb das Kloster auch weiterhin eng verbunden. Das beschränkte sich nicht nur auf Schenkungen. Heinrich I. trat nach dem Tod seiner Frau selbst als Laienbruder in das Kloster ein. Sein Sohn Heinrich II., der dem Kloster erhebliche Besitzungen überließ, erwirkte für sich und seine Frau Ermengard die Bestattung im Kloster. Ihr Sohn Konrad von Rietberg ließ 1275 die Grafenkapelle erbauen. Dessen Nachfahrin Beatrix von Rietberg, verheiratet mit Wilhelm von Arnsberg, fand ihr Grab um 1330 im Kreuzgang. Der Bruder Wilhelms trat selbst als Konventuale in das Kloster ein und wurde später Abt im Kloster Steinfeld. Der letzte Graf von Arnsberg Gottfried IV. verzichtete 1352 auf jegliche Vogteirechte.
Seit 1314 verpachtete Wedinghausen die landwirtschaftlichen Flächen des Haupthofes Evenho an Arnsberger Bürger. Darüber gab es nie Konflikte. Dagegen kam es um die Markengerechtsame immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen, die im 16. Jahrhundert ihren Höhepunkt erreichten. Zweimal jährlich hatten die Arnsberger als Pfarrkinder zum Sendgericht in Wedinghausen zu erscheinen.Richtering: Wedinghausen, S. 44–45.
Geistliche Beziehungen In Arnsberg inkorporierte das Kloster mit Hinweis auf das päpstliche Privileg von 1197 im Jahr 1323 die früher von einem Weltgeistlichen betreute Stadtkapelle St. Georg. Der dortige Gottesdienst wurde nun von einem Klosterangehörigen gehalten. In der von den Dekanatsstrukturen ausgenommenen Pfarrei Arnsberg, verfügte der Prior beziehungsweise der Abt über das Archidiakonat.Harm Klueting: Das kurkölnische Herzogtum Westfalen als geistliches Territorium im 16. und 18. Jahrhundert. In: Ders. (Hrsg.): Das Herzogtum Westfalen. Bd. 1: Das kölnische Herzogtum Westfalen von den Anfängen der kölnischen Herrschaft im südlichen Westfalen bis zur Säkularisation 1803. Münster, 2009, ISBN 978-3-402-12827-5, S. 481.
Schon zuvor griff das Kloster über den engeren Raum Arnsberg hinaus. So unterstand ihm bald sowohl die Pfarrkirche in Werl (seit 1196) als auch die alte Urpfarrei der Umgebung, St. Petri (Hüsten) (seit 1363). Hinzu kamen eine Kaplanenstelle in Bergstraße bei Werl (seit 1338) und die Vikarie in Rhynern (seit 1653). Auch die Besetzung einiger Vikarien in Werl bestimmte Wedinghausen. Dabei waren die Johannes- und Michalesvikarie mit Konventualen zu besetzen. Letztere war eine Stiftung der Erbsälzer von 1485. Erzbischof Heinrich von Molenark übertrug seine Kapelle in Werl 1231 ebenfalls an Wedinghausen.
Außerdem hatte Wedinghausen die Aufsicht über die Klöster in Rumbeck und OelinghausenVergl. zur Beziehung zu Oelinghausen: Werner Saure: Oelinghausen und seine nicht unkomplizierten Beziehungen zu Wedinghausen. In: Heimatblätter. Zeitschrift des Arnsberger Heimatbundes. Jg. 2004, S. 30–41. inne. Über die Unterstellung Oelinghausens hatte es Streit mit dem Kloster Scheda gegeben. Eine Entscheidung darüber traf das Generalkapitel in Premontre 1228 zu Gunsten von Wedinghausen. Bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches blieb Wedinghausen Mutterkloster für diese beiden Frauenstifte und stellte in der Regel die dortigen Priore, Kapläne und Beichtväter. Während Rumbeck direkt einem Propst aus Wedinghausen unterstand, konnte sich Oelinghausen bis ins 16. Jahrhundert die freie Wahl des Propstes bewahren.Richtering: Wedinghausen, S. 42–43.
Innerhalb des Prämonstratenserordens bestanden im 13. Jahrhundert Gebetsverbrüderungen bis hin zur englischen Abtei Beauchief. Im dortigen Nekrolog werden auch einige Klostervorsteher aus Wedinghausen genannt.Winfried Ortmann: „Richard der Engländer“ und die „Schwarze Hand.“ Frühe Beziehungen des Klosters Wedinghausen nach England. In: Heimatblätter 29/2008, S. 9–10.
Eine Gebetsverbrüderung bestand im 14. und 15. Jahrhundert mit dem Damenstift Freckenhorst.Wilhelm Kohl (Bearb.): Die Bistümer der Kirchenprovinz Köln. Das Bistum Münster III. Das (freiweltliche) Damenstift Freckenhorst (= Germania sacra Neue Folge, Band 10). Walter de Gruyter, Berlin 1975, ISBN 978-3-11-002098-4, S. 187.
Ökonomische Basis mini|Ehemalige Prälatur mit Hirschberger Tor
Die Prämonstratenser haben auch im Sauerland in den ersten Jahrhunderten nach ihrer Entstehung zur Verbesserung der Landwirtschaft beigetragen. Das Kloster Wedinghausen verfügte zum Zeitpunkt seiner Gründung neben dem alten Haupthof gleichen Namens über den Hof Lenole bei Rumbeck, den Hof Hachnen (im heutigen Hachen), zwei nicht genau zu lokalisierende Höfe Holthusen und Ekkinghusen, sowie den Hof am Kahlen Berg im Bereich des heutigen Arnsberger Stadtteils Schreppenberg. Sie waren verpflichtet, dem Kloster den Zehnten aus neu gerodeten Äckern zu liefern. Außerdem besaß das Kloster bestimmte Rechte an Wäldern, Weide und dem Bereich der Fischerei. Um 1185 kamen weitere Besitztümer hinzu. Das Kloster erhielt vom Grafenhaus die Rechte an den Haupthöfen Evenho (auf dem Schreppenberg) sowie Marsvelde (heute Moosfelde) bei Neheim und das Eichholz als direkt an das Kloster anschließendes Waldstück zugesprochen.