mini|Blick auf die Marienkirche (halblinks) und die Apostelkirche (rechts). Die Marienkirche ist eine römisch-katholische Kirche in Kaiserslautern und mit ihrem 92,5 m hohen Turm das höchste Gebäude in der Kaiserslauterer Innenstadt. Zur Marienkirchen-Gemeinde gehören rund 5200 Katholiken.
Baugeschichte Um 1880 gab es bei einer noch stetig wachsenden Einwohnerzahl von etwa 26.000 bereits etwa 10.000 Katholiken in Kaiserslautern.Festschrift 100 Jahre Marienkirche Kaiserslautern 1892-1992 Die mittelalterliche Martinskirche, damals die einzige katholische Kirche in der Stadt, konnte diese Zahl nicht fassen, doch der ursprüngliche Plan, die Martinskirche abzureißen und neu zu bauen, war im Stadtrat verworfen worden. Aus diesem Grund wurde ein Wiesengelände am Ziegelbach erworben und die Pfarrkirche St. Marien auf der Grundlage des Stadterweiterungsplans von Eugen Bindewald als axialer Mittelpunkt der Königsstraße westlich der Innenstadt konzipiert.
Am 10. November 1878 wurde der Kirchenbauverein St. Maria gegründet. Die Kirche wurde von 1887 bis 1892 im Stil der Neugotik nach Plänen des Architekten Heinrich von Schmidt aus München erbaut. Die Baukosten betrugen 430.000 Mark, sie wurden unter anderem durch eine Lotterie erwirtschaftet. Die meisten Bauarbeiten übernahmen ortsansässige Unternehmen. Die Glasmalereien der Fenster wurden nach einem Bildschema, das Stadtpfarrer Lorenz mit Zustimmung des Bauausschusses entworfen hatte, von der Glasmalerei Oidtmann in Linnich hergestellt.
Am 8. September 1892 weihte Bischof Joseph Georg von Ehrler von Speyer die Kirche. Patrozinium ist das Fest Mariä Himmelfahrt. Von 1892 bis zur Einweihung der Speyerer Gedächtniskirche 1904 war der Turm der Marienkirche der höchste Kirchturm der Pfalz.
Die Stadt hat sich innerhalb weniger Jahrzehnte um das ursprünglich im Gelände freistehende Gebäude herum ausgebreitet. Vor allem das dichtbesiedelte Kottenviertel wird auch heute noch von vielen Katholiken vornehmlich aus Portugal und Italien bewohnt, die seit den 1950er Jahren in der Kammgarnspinnerei arbeiteten und sich in der Marienkirchengemeinde integrierten.
Gebäude Die Kirche steht frei auf dem St.-Marien-Platz und zeigt als Grundriss die Form eines lateinischen Kreuzes. Der Chor ist aus städtebaulichen Gründen nach Westen ausgerichtet. An der östlichen Front des Langhauses befinden sich das Hauptportal mit Treppenaufgang sowie der weithin sichtbare 92,5 m hohe Mittelturm mit Spitzhelm und flankierenden Treppentürmen. Über der Vierung ist ein schmaler Dachreiter zu sehen. Den Wimperg über dem Hauptportal schmückt eine Marienstatue von Bildhauer J. Stolz in München, in den Giebelfeldern finden sich Reliefs mit biblischen Darstellungen.
Das neugotische Gebäude hat eine Gesamtinnenlänge von 40,54 m und besteht aus hellem Sandstein. Das Innere der dreischiffigen Hallenkirche ist etwa 12 m hoch und durch Rundpfeiler mit Knospenkapitellen gegliedert, die ein Kreuzrippengewölbe tragen. Unter dem Chorraum befindet sich eine sehr geräumige Krypta, die nur von außerhalb der Kirche zugänglich ist. Links vom Chorraum befindet sich eine Seitenkapelle, rechts eine symmetrisch dazu angelegte Sakristei. Die auf drei Kreuzgewölben ruhende Orgelempore im Osten hat eine Maßwerkbrüstung. Die Empore ist über Wendeltreppen in den beiden Ecktürmchen zu erreichen. Der Turm enthält eine Vorhalle, von der aus früher die Glocken mit der Hand geläutet wurden.
Ursprüngliche Ausstattung Die neugotische Originalausstattung ist nur noch teilweise erhalten. Sie war von der Gemeinde für die zunächst nur spärlich ausgestattete Kirche erst nach und nach angeschafft worden. Die Altäre, ein 1895 vollendeter zweiflügeliger Rosenkranzaltar als Hochaltar sowie ein 1906 aufgestellter Josefsaltar in der südlichen Seitenkapelle, wurden nach Entwürfen des Pfarrers Stiff aus Oberwinter am Rhein von den Bildhauern Gebrüder Port in Münstermaifeld ausgeführt.
1901 wurde ein Triumphkreuz im Chorbogen aufgehängt, das der Künstler Linder vom Gewerbemuseum der Gemeinde geschenkt hatte. Auffallend ist heute noch die aus Sandstein gefertigte Kanzel mit hölzernem Schalldeckel, hergestellt von Erfurt und Wüst in Stuttgart.
Der Taufstein stand ursprünglich im hinteren Teil des linken Seitenschiffs unter der Empore und trug einen hohen verzierten Kupferdeckel.
Besonders auffallend sind die von Kunstmaler Matthäus Schiestl geschaffenen Tafelgemälde (Triptychen) über den Seitenkapellen, die 1906 das Bayerischen Kultusministerium für die Marienkirche stiftete. An der linken Querschiffwand befindet sich die „Anbetung der Hirten“, an der rechten „Maria, Königin aller Heiligen“. Der gleiche Künstler schuf auch die Marienstatue in der linken Seitennische und die gegenüberstehende Antonius-Statue.
Im Jahr 1905 wurde die große Klais-Orgel fertiggestellt.
Der Boden des Langhauses war mit roten und grauen Sandsteinplatten belegt, der restliche Bau mit Mettlacher Kacheln ausgekleidet, die im Chorraum Ornamente und Lilienbänder sowie eine reich verzierte Kreuzdarstellung zeigten, im Querschiff die Symbole der vier Evangelisten und eine bildliche Darstellung des heiligen Georg. Die Platten im Chorraum und in der Marienkapelle sind noch erhalten. Der Fußboden hatte sich bald im Querschiff abgesenkt und musste 1904 erneuert werden. Es war damals schon absehbar, dass nur ein Betonboden langfristig Abhilfe bringen würde, der aber erst 1970 eingezogen wurde.
Beschädigungen im Ersten und Zweiten Weltkrieg Am 17. März 1918 fiel eine Fliegerbombe an der Südseite der Kirche, wobei zwei Menschen getötet wurden. Einige Fenster und das linke Triptychon wurden beschädigt. Es waren jedoch insgesamt nur wenig Ausbesserungsarbeiten notwendig. Lediglich das für Kriegszwecke eingeschmolzene Geläut wurde 1921 ersetzt (siehe unten).
Im Zweiten Weltkrieg wurden bei den Luftangriffen vom 28. September 1944 die Türen eingerissen und die farbigen Glasfenster vollständig zerstört sowie Teile des Daches beschädigt. Das Gebäude der Marienkirche selbst hat jedoch im Großen und Ganzen beide Weltkriege nahezu unbeschadet überstanden und ist im Gegensatz zur nicht weit entfernten Apostelkirche, die von Brandbomben getroffen wurde, nicht völlig ausgebrannt. Weil die Schwestern des nahegelegenen Instituts der Franziskanerinnen ausgebombt waren, durften sie ihre geretteten Möbel zeitweise in der Krypta der Marienkirche unterbringen, während sie selbst in die umliegenden Konvente aufgeteilt wurden.
Im Verlauf von Renovierungsarbeiten war 1936 der Hochaltar in den Lieferbetrieb nach Münstermaifeld zurückgeschickt worden. Er wurde dort jedoch durch einen Fliegerangriff vernichtet. Dieser Altar wurde 1944 durch einen neuen Marienaltar ersetzt, der nach einem Entwurf des Architekten Klostermann von dem Bildhauer Karl Baur aus München geschaffen wurde. Er zeigt Szenen aus dem Marienleben auf zwei Hochreliefs und eine Marienstatue.
Der bronzene Deckel des Taufsteins ging im Zweiten Weltkrieg verloren; ob er eingeschmolzen oder bei dem Bombenangriff beschädigt wurde, ist aus den Quellen nicht zu entnehmen.
Glasfenster mini|Chorraum im Osterschmuck
Die Bleiglasfenster zeigten im Langhaus ursprünglich verschiedene deutsche Heilige und in der Marienkapelle und im Chorraum Szenen aus dem Leben Marias. In den Maßwerkrosetten waren Symbole aus der lauretanischen Litanei eingefügt. Diese Fenster sind jedoch durch die Zerstörung im Zweiten Weltkrieg verloren gegangen, nachdem der Bombenangriff am 28. September 1944 alle Fenster zerstört hatte. Dieser harte Schlag der britischen Royal Air Force verwüstete den Westen und Nordwesten der Stadt schwer. In der Marienkirche erfolgte eine Notverglasung.
Die Fenster, die heute in der Marienkirche zu sehen sind, wurden 1954 vollendet. Pfarrer Engel gab 1952 die neuen Fenster bei dem Münchner Künstler Wilhelm Pütz in Auftrag. Pfarrer Engel wirkte an der Gestaltung und Farbgebung mit, er entwarf auch selbst Fenster. In den Jahren 1952 und 1953 wurden zuerst die seitlichen Fenster eingesetzt, 1953 und 1954 dann die Fenster im Chor erneuert. Die drei Hauptfenster im Chor erhielten Szenen aus dem Marienleben. Die Kopfteile der Fenster im Querschiff zeigen das Geheimnis der Unbefleckten Empfängnis bzw. Maria als Mutter der Kirche. In den Maßwerkrosetten des Langhauses sind wieder marianische Symbole aus der Bibel und aus der lauretanischen Litanei gestaltet worden. Das Maßwerk der Fenster über der Orgelempore zeigt Motive der Kirchenmusik. Der übrige Teil der Langhausfenster besteht aus Ornamentglas. mini|Tota pulchra Maria, südliches Querschifffenster in der Marienkirche mini|Süd-östliches Kirchenfenster über der Empore
Veränderungen der Innenausstattung Die Renovierung in den Jahren 1972 bis 1973 diente der Umgestaltung des Innenraums nach der Liturgiereform und der Stabilisierung der Fußböden durch Einzug einer Betondecke zwischen Krypta und Querschiff bzw. Chorraum. Diese Maßnahme wurde mit der Altarweihe am 8. September 1973 feierlich abgeschlossen. Der Fußbodenbelag im Querschiff wurde an den des Langhauses angepasst, da viele Platten gebrochen waren. Nur im Chorraum und der Seitenkapelle blieben die Kachelmuster erhalten.
Zwischen 1952 und 1956 fertigte der Bildhauer Carl Caire aus Kaiserslautern die Kreuzwegstationen. Die vier Vollplastiken aus Lindenholz für die Seitenaltäre stellte Karl Baur aus München 1955 her; sie sind an der Querschiffwand angebracht, die Seitenaltäre selbst wurden jedoch nach der Liturgiereform abgebaut. Die Plastiken zeigen die Heilige Familie, eine Herz-Jesu-Darstellung, den heiligen Pius X. sowie den heiligen Aloisius von Gonzaga.
Orgeln Hauptorgel mini|Klais-Orgel in der Marienkirche Schon 1891 wurde ein Orgelbauverein gegründet, doch wurde bei der Weihe der Kirche zunächst ein Harmonium verwendet. Der Orgelbaufonds brachte die Kosten in Höhe von 20.000 Reichsmark bis 1902 auf und der Bonner Orgelbauer Johannes Klais wurde mit dem Bau einer romantischen Orgel beauftragt. 1904 war zunächst der Prospekt fertig, der Gesamtaufbau erfolgte bis Februar 1905. Am 26. Februar 1905 fand die Orgelweihe statt.
1917 wurden die Prospektpfeifen aus Zinn zu Kriegszwecken beschlagnahmt und provisorisch durch Zinkpfeifen ersetzt. Durch die Luftangriffe des Zweiten Weltkrieges wurde die Orgel glücklicherweise nicht beschädigt. 1974 erfolgte ein tiefgreifender Umbau durch Paul Zimnol aus Kaiserslautern mit neuem Spieltisch und Anpassung der Klangästhetik an den neobarocken Zeitgeschmack. Dabei wurden 14 Register umgebaut bzw. ausgetauscht und vier weitere auf einer Zusatzlade angefügt.Bernhard H. Bonkhoff: Historische Orgeln in der Pfalz. München 1984. S. 266. Nachdem Luftverschmutzung im Umfeld der Kirche zu Schäden an der Windversorgung geführt hatte, wurde das denkmalgeschützte Instrument mit Hilfe eines Orgelbauvereins und Zuschüssen des Bistums Speyer 1994 durch Orgelbau Klais restauriert. Dabei wurden die Bleikondukten, die die Windladen mit dem pneumatischen Spieltisch verbinden, gereinigt und die Lederbälge ausgetauscht. Der Orgelprospekt wurde wieder mit Zinnpfeifen ausgestattet und die Änderungen von 1974 wurden teilweise rückgängig gemacht.Beschreibung der Orgel, abgerufen am 24. Februar 2024.
Die Klais-Orgel hat 47 klingende Register auf drei Manualen und Pedal. Das Instrument besitzt Kegelladen mit pneumatischen Trakturen. Eine Besonderheit sind die Hochdruckregister im Schwellwerk. Die Disposition des Instruments ist folgende:Die Hauptorgel auf www.klais.de, abgerufen am 26. Oktober 2022.