Brennen muss Salem (engl. Originaltitel: ’Salem’s Lot) ist ein Horror-Vampirroman des amerikanischen Schriftstellers Stephen King. Das Buch erschien als zweiter Roman Kings in seiner Erstauflage im Jahr 1975 bei Doubleday in New York und wurde einer der größten Erfolge des damals noch weitgehend unbekannten Autors. 1976 wurde das Buch für den 1976 World Fantasy Award nominiert.
King schrieb Brennen muss Salem als moderne Variante und Hommage an Bram Stokers Dracula. Während der Arbeiten an dem Roman entstand auch die Kurzgeschichte Briefe aus Jerusalem wahrscheinlich als frühere Einleitung, die wie Brennen muss Salem in der fiktiven Kleinstadt Jerusalem’s Lot in Maine spielt. Das Buch wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und auch mehrfach verfilmt.
Entstehung mini|hochkant|Stephen King, 1984
Das Buch ist nach Carrie der zweite veröffentlichte Roman von Stephen King, entstand aber früher. Ursprünglich sollte der Roman The Second Coming (deutsch: Die Wiederkehr) heißen; dies wurde abgeändert in Jerusalem’s Lot und schließlich in den US-Titel ’Salem’s Lot. In seinem Sachbuch Danse Macabre schrieb Stephen King, dass er, als er die Idee hatte, einen Vampirroman zu schreiben, er versuchen wollte, diesen „teilweise als eine literarische Hommage zu gestalten.“ Aus diesem Grund lehnte er das Buch stark an Bram Stokers Dracula an und verfolgte eine „absichtliche Ähnlichkeit“ mit der Vorlage. Nach seinem Eindruck entwickelte sich dabei zunehmend der Eindruck, er spiele „ein interessantes Spiel literarischen Racquetballs: Brennen muss Salem selbst war der Ball, und Dracula war die Mauer, gegen die [er] immerzu spielte, und [er] beobachtete, wo und wie er abprallen würde, damit [er] wieder schlagen konnte.“ Nach seinem Eindruck kam es dabei zu „einigen höchst interessanten ‚Abprallern‘“ und er führte dies darauf zurück, „dass [sein] Ball im zwanzigsten Jahrhundert existierte, [seine] Wand aber sehr stark ein Produkt neunzehnten Jahrhundert war.“
Inhalt und formaler Aufbau Aufbau und Handlungsorte Die in Brennen muss Salem dargestellte Geschichte ist durchweg fiktiv und folgt einer zeitlich geradlinigen Erzählung. Das Buch trägt eine Widmung an Naomi Rachel King, die älteste Tochter von Stephen und Tabitha King, mit den Worten „… promises to keep“. Der Prolog wird eingeleitet mit einem Zitat des griechischen Schriftstellers Giorgos Seferis:
Es ist nach dem Prolog in drei Hauptteile und darin in mehrere nach den Hauptpersonen benannte Kapitel unterteilt, die wiederum in durchnummerierte Abschnitte aufgesplittet werden. Der erste Teil trägt die Bezeichnung „Das Marsten-Haus“ und wird durch ein Zitat von Shirley Jackson aus ihrem Roman Spuk in Hill House eingeleitet. Der zweite, unbezeichnete, Teil beginnt mit dem Gedicht Der Eiskrem-Kaiser von Wallace Stevens sowie einem weiteren Zitat von Giorgos Seferis. Der dritte Teil mit dem Titel „Die verlassene Stadt“ wird von Zitaten aus dem Rock-’n’-Roll-Song Endless Sleep von Jody Reynolds, der Geschichte Das Geisterschloss von Edgar Allan Poe sowie der Textzeile „Tell you now that the whole town is empty“ aus dem North Country Blues von Bob Dylan eingeleitet.
Die Erzählperspektive ist die eines übergeordneten Erzählers, der vor allem die konkreten Handlungen wie auch die Gedanken und Erinnerungen der Haupt- und Nebenpersonen wiedergibt. Dabei konzentrieren sich die Darstellungen vor allem auf die Hauptpersonen Ben Mears und Susan Norton. Auch der hauptsächliche Handlungsort der Geschichte, Jerusalem’s Lot, ist fiktiv, werden jedoch im Prolog als Kleinstadt östlich von Cumberland und zwanzig Meilen nördlich von Portland in Maine in Neuengland verortet. Der Prolog beschreibt die Flucht von Ben Mears und dem jungen Mark Petrie nach den Geschehnissen in Jerusalem’s Lot und benennt Central Falls im Bundesstaat Rhode Island als Zwischenstation, bevor die Reise in einem Dorf mit dem Namen Los Zapatos in Mexiko endet.
Handlung In seiner Kindheit betritt der junge Ben Mears in seiner Heimatstadt Jerusalem’s Lot, kurz Salem’s Lot genannt, das Marsten-Haus; Gerüchten zufolge ein Spukhaus. Benannt wurde es nach dem ehemaligen Besitzer Hubert Marsten, der dort seine Frau ermordete und sich anschließend das Leben nahm. Ben glaubt, bei diesem Besuch Hubert Marsten lebend an einem Strick hängend gesehen zu haben. Nach 25 Jahren kehrt Ben – inzwischen ein erfolgreicher Schriftsteller – nach Jerusalem’s Lot zurück, auch um sich seinen Ängsten zu stellen. Er nimmt sich vor, das alte Marsten-Haus zu mieten und es zum Gegenstand, zumindest aber zur Inspiration für ein neues Buch zu machen. Unerwartet stellt er fest, dass das viele Jahre leerstehende Haus bereits verkauft ist.
Die Besitzer, Kurt Barlow und Richard Straker, eröffnen im Dorf ein Antiquitätengeschäft. Schon bald gibt es erste Todesopfer in Salem’s Lot. Ein Hund wird aufgespießt am Friedhofszaun aufgefunden. Ein Kind verschwindet; dessen Bruder stirbt kurz danach. Ein Lehrer ist bei dem Tod des Totengräbers im Nebenraum und hört verdächtiges Schlürfen. Diverse Menschen sterben an Blutarmut.
Ben Mears geht der Sache trotz Angst und Gefahren mit Hilfe seiner Freundin Susan Norton, des Jungen Mark Petrie, des Priesters Callahan, des Arztes Jim Cody und des Englischlehrers Matt Burke auf den Grund, da er Vampire hinter den Vorkommnissen vermutet.
Mark und Susan statten dem Marsten-Haus einen Besuch ab, in dessen Verlauf Mark von Straker gefangen genommen wird. Er kann sich jedoch befreien und verletzt Straker stark, der danach wegen seiner Unachtsamkeit von Barlow hingerichtet wird. Susan wird ein weiteres Opfer von Barlow, der wie vermutet tatsächlich ein jahrhundertealter Vampir ist. Ben ist nun endgültig entschlossen, Barlow zu töten.
Ein erster Angriff auf Barlow scheitert jedoch, dieser bringt Mark Petries Eltern um und zwingt Callahan, sein Blut zu trinken. Dieser kann infolgedessen seine Kirche nicht mehr betreten und tritt eine Odyssee durch Amerika an. Mark Petrie und Jim Cody finden währenddessen das Versteck von Barlow. Bei einem Versuch ihn zu töten fällt Cody in eine Falle und stirbt. Ungefähr zur gleichen Zeit stirbt Matt Burke an den Folgen eines Herzinfarktes. Getrieben vor Wut spüren Ben und Mark Barlow erneut auf, und Ben gelingt es, unmittelbar nach Sonnenuntergang dem erwachenden Vampir einen Holzpflock durch das Herz zu treiben. Danach fliehen die beiden und überlassen die Stadt den restlichen Bewohnern, die mittlerweile alle zu Vampiren geworden sind. Nachdem sie einige Zeit in einem mexikanischen Dorf untergetaucht sind, kehren sie nach Salem’s Lot zurück und legen ein Feuer, um die Stadt und deren untote Bewohner endgültig zu vernichten.
Rezeption Brennen muss Salem wurde vor allem als Hommage und Adaption des klassischen Vampirromans Dracula von Bram Stoker betrachtet und entsprechend behandelt. Er orientiert sich entsprechend an der Vorlage als Musterbeispiel der viktorianischen Schauerliteratur, die sich durch sein gesamtes frühes Werk zieht. Seine Idee, die Handlung aus den schattigen Bergen von Transsylvanien in eine Kleinstadt in Maine der 1970er Jahre zu velegen, um sie zu „einem neuen, modernen Leben“ zu „erwecken“ und der „Unwirklichkeit des Vampirmythos“ Stokers „die alltägliche Wirklichkeit von Jerusalem’s Lot“ entgegenzusetzen, mündet darin, die bekannte Vampirgeschichte für eine neue Generation neu zu interpretieren und zugänglich zu machen. Durch die Wahl der fiktiven Kleinstadt in dem US-Bundesstaat, in dem King selbst aufgewachsen ist und den er gut kennt, macht er den Stoff greifbar und authentisch. Er baut zudem seine eigenen frühen Erfahrungen mit dem Horror-Genre ein, die sich als Hommage an Comics seiner Jugend in den 1950ern darstellen lassen.
Beziehung zu Bram Stokers Dracula mini|hochkant|Einband der englischen Erstausgabe von 1897
Der gesamte Plot der Geschichte in Brennen muss Salem stellt eine Adaption von Dracula dar. Ursprünglich sollte der Roman den Titel The Second Coming tragen, was ebenfalls deutlich auf eine Adaption des klassischen Dracula-Stoffes hinweist. Zudem wird der Roman Dracula von Stoker in dem Buch von Stephen King mehrfach erwähnt und King habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass sein Roman „eine große Verbeugung vor Dracula“ sei.
Er baute diverse direkte Parallelen in den Roman ein, zu denen etwa das Pfählen der Geliebten des Protagonisten, Susan Norton, gehörte, die selbst zum Vampir wurde und von ihm getötet werden musste. Diese Szene ist inhaltlich stark angelehnt an die Pfählung von Lucy Westenra durch ihren Verlobten in Stokers Roman. Auch das Trinken des Vampirbluts, das bei Stoker durch Mina Murray Harker geschieht, griff King auf; hier trinkt der Ortspriester Peter Callahan das Blut des Vampirs und verbrennt sich die Hand, als er die Kirche betreten will, um seine Absolution zu empfangen, so wie Mina sich in Dracula die Hand an der von Van Helsing gereichten Hostie verbrennt.
Der Name der Nebenfigur Richard Throckett Straker ist eine Mischung des Namens des Schriftstellers Stoker mit dem seiner Hauptfigur Jonathan Harker. Die Darstellung des Meister-Vampirs Kurt Barlow ist sehr nahe an Dracula orientiert, da er ebenfalls mit markantem Gesicht und Adlernase sowie mit einem dichten Schnurrbart beschrieben wird. Eine weitere Übereinstimmung ist, dass beide Vampir-Fürsten zunächst als alte Männer auftreten, die sich im Laufe der Geschichte durch Blutkonsum verjüngen.
In Danse Macabre berichtet King allerdings auch von einer Szene, die es nicht in die Endfassung des Romans geschafft habe. Diese bezieht sich auf die Ratten, die auf der Müllhalde und an anderen Orten in Salems Lot vorkommen, von King jedoch im Roman später nicht mehr thematisiert wurden. Bezugnehmend auf eine Szene in Dracula wollte er die Ratten als Gehilfen der Vampire einsetzen, die in der Lage seien, „niedere Tiere zu befehligen“. Er schrieb dazu:
Nach seiner Darstellung ließ King in seiner Ursprungsversion den Arzt Jimmy Cody durch die Ratten von der Müllhalde im Keller des Gasthofs zerfleischen: „Sie greifen Jimmy zu Hunderten an, und wir werden mit einer Schilderung verwöhnt […], wie der gute Doktor die Treppe wieder hinaufstolpert und dabei von Ratten bedeckt ist. Sie sind in seinem Hemd, krabbeln in seinen Haaren, beißen in ihn in Hals und Arme. Als er den Mund aufmacht, um Mark eine Warnung zuzurufen, springt ihm eine hinein und nistet sich wuselnd dort ein.“ Obwohl er selbst seine ursprüngliche Fassung sehr gut fand, nahm er in einer Fußnote in Danse Macabre zu dieser Beschreibung Bezug auf die von ihm geschriebene Geschichte Spätschicht und schrieb, dass ihm im Nachhinein die Ähnlichkeit der Rattenszenen aus beiden Geschichten nicht gefiel, die nach seiner Ansicht ein wenig Selbstplagiat war. Ersetzt wurde sie in Brennen muss Salem durch eine weniger brutale Szene, bei denen der Arzt beim Fall von der Treppe durch Messer, deren Spitzen nach oben weisen, aufgespießt wird.
Auf erotische Darstellungen, die die sexuelle Überwältigung durch den Vampir demonstrieren und die ein wesentliches Element von Stokers Dracula sind, hat King nach eigener Darstellung weitgehend verzichtet. Stattdessen ersetze er sie in für King typischer Weise laut Marcel Feige durch „die typischen Ängste des kleinen Bürgers auf dem Land“.
Bezüge zur viktorianischen Schauergeschichte Tony Magistrale, einer der ersten Literaturwissenschaftler, der sich mit dem Werk von Stephen King befasste, stellt Brennen muss Salem neben Shining sowie die Kurzgeschichten Erdbeerfrühling, Das Schreckgespenst und Spätschicht in den Kontext der viktorianischen Schauerliteratur nach Beispiel von Edgar Allan Poe und benennt sie als Beispiele dafür, wie King physische Schauplätze als Spiegelbild der psychologischen Verfassung einer Figur nutzt.