Mit Internet Protocol Television (IPTV) wird die Übertragung von Fernsehprogrammen und Filmen mit Hilfe des Internet Protocols bezeichnet. Im Unterschied dazu stehen die breitbandigen Übertragungsverfahren DVB-S (über Satellit), DVB-T (über terrestrische Antennen) oder DVB-C (über Breitband-Kabel). IPTV ist damit ein Gattungsbegriff, der in sehr vielen unterschiedlichen Ausprägungen anzutreffen ist. Die unterschiedlichen Ausprägungen reichen vom einfachen IPTV über Computer oder Handy bis hin zu speziellen Endgeräten, bei denen der Benutzer gar nicht bemerkt, dass er das Internet dazu nutzt, weil er über den Fernseher eine Set-Top-Box bedient wie etwa bei Apple TV oder MagentaTV One.
Definition Der Begriff IPTV wird nicht einheitlich verwendet. Nachfolgend die bekanntesten Definitionen: Die Internationale Fernmeldeunion definiert IPTV sehr weit als „Multimediadienste“, wie Fernsehen, Video, Audio, Texte, Bilder und Daten, die über IP-basierende Netze übertragen werden und das benötigte Maß an Qualität (QoS/QoE), Sicherheit, Interaktivität und Zuverlässigkeit bereitstellen.Definition of IPTV. (MS Word) ITU, 16.–20. Oktober 2006. Der Deutsche IPTV-Verband definiert in seiner Satzung IPTV als die Übertragung von Bewegtbildern mit Hilfe des Internet Protokolls unter Verwendung beliebiger Endgeräte (mobil, stationär etc.) und aller Formen IP-fähiger Netze (offene und geschlossene Netze). Der Betrieb von IPTV in geschlossenen Netzen wird Secure IPTV genannt. Wird hingegen das Internet als Übertragungsnetz verwendet, spricht man von Internetfernsehen oder Webfernsehen/Web-TV. Mobile IPTV wiederum erlaubt eine ortsunabhängige IPTV-Nutzung durch die Verwendung einer Funkverbindung zu einem IP-basierten Netz. . Die Deutsche TV-Plattform definierte, bei der Gründungssitzung ihrer „Arbeitsgruppe IPTV“ im Herbst 2007, das „so genannte IPTV“ als „eine neue Verbreitungsform auf der Basis des ‚Internet Protocol‘ (IP)“, und grenzte diese dabei auch gegen das Internetfernsehen wie folgt ab: (PDF), In: TVZukunft, Aktuelle Informationen der Deutschen TV-Plattform, S. 3, 4/07, Oktober 2007. Beim IPTV wird von einem Telekommunikations-Anbieter einem bestimmten Nutzerkreis – den Abonnenten – ein festes Programmbouquet mit definierter Qualität in seinem Breitbandnetz zur Verfügung gestellt. Im Unterschied dazu können beim Internet-Fernsehen („TV over Internet“) beliebige Inhalte und Programme, die frei verfügbar im Netz zugänglich sind, zu jeder Zeit und überall von jedermann heruntergeladen werden. In einer Stellungnahme zur aktuellen Rechtslage definieren Kempermann/PieperOTT-TV und die Kabelweitersendung. In: Computer & Recht, 10/2013 IPTV als einen Fernsehdienst über ein geschlossenes Netz. Einige Anbieter von Programminhalten verstehen unter IPTV den frei zugänglichen Transport von Bewegtbildern über das Internet. Bei dieser Begriffsverwendung steht der freie Zugriff auf die Inhalte im Vordergrund und weniger der Aspekt der gesicherten Übertragung im Netz.
Regionale Angebote Frankreich galt im Juni 2008 mit 8,5 Millionen IPTV-Kunden im Vergleich zu 6 Millionen Kunden für Kabelfernsehen als größter IPTV-Markt, auch aufgrund der geringen technischen Reichweite von Kabelfernsehen (nur ein Viertel der Haushalte werden erreicht) und der vergleichsweise geringen Programmvielfalt im DVB-T-Angebot. Auch in Hongkong haben die Nutzerzahlen von IPTV jene des Kabelfernsehens überholt. Im Vergleich dazu empfingen in Deutschland nur 0,4 % aller Fernsehhaushalte bzw. 1 % aller Breitbandhaushalte IPTV. Variety, 10. Juli 2008 (englisch)Sprach-Datenvernetzung ermöglicht neue Kommunikationsformen Computerwoche, 9. Juli 2008Frankreich: IPTV überholt Kabel beim Pay-TV Digitalfernsehen.de, 11. Juli 2008
Seither hat sich auch in Deutschland einiges getan: 2021 wuchs die Zahl der Nutzer, die IPTV wenigstens an ihrem Hauptgerät empfangen, auf 3,24 Millionen Haushalte an. Dies entspricht einem Anteil von 8,6 %.
In Deutschland wird IPTV, je nach Einstufung des Angebots, durch das Telemediengesetz 2007 und/oder durch den Rundfunkstaatsvertrag reguliert.Christoph Enaux: (PDF; 230 kB) Bitkom, Juni 2008.
Als wichtige Merkmale von IPTV werden die Unterstützung des Next Generation Network, Bidirektionale Netze, Echtzeit- und Nicht-Echtzeitdienste angegeben. (MS Word; 211 kB). Der DVB-Standard für IPTV nennt sich DVB-IPTV.
Übertragungsverfahren Offenes Internet vs. geschlossene Netze IPTV wird bei der Verbreitung über einen Telekommunikationsdienstleister mittels eines geschlossenen Datennetzes angeboten. Dank neuer Videodatenkompressionen und Breitband-Internetzugang wird es möglich, Fernsehen oder Videos auch über das offene Internet anzubieten. Diese Form wird zum Teil auch Internetfernsehen genannt. Im Gegensatz zu IPTV über geschlossene Netze und herkömmlichem Fernsehen ist für frei verfügbares Internetfernsehen keine Funktionsgewähr gegeben, da kein Internet-Provider eine Mindestbandbreite garantiert. Es ist außerdem technisch möglich, dass ein Internetzugangsanbieter die Bandbreite konkurrierender Dienste reglementiert. Inwieweit ein solches Vorgehen zulässig ist, wird derzeit unter dem Stichwort Netzneutralität politisch diskutiert.
Hinsichtlich der prinzipiellen Funktionsmöglichkeiten sind beide Ausprägungen IPTV über geschlossene Netze und frei zugängliches IPTV (Übertragung über das Internet oder über ein Hochverfügbarkeitsnetz) weitgehend identisch. Mit Hilfe von clientseitiger Puffertechnik, die die Schwankungen der Download-Leistung aus offenen Netzen temporär und im statistischen Mittel ausgleichen kann, genügen nach einer WDR-Studie je nach Bildgröße bereits Datenraten mit mehr als 2,5 MBit/s Download-Leistung, um eine angemessene Videoqualität zu erreichen. Bei ständig steigender Datenrate werden spezielle Netze sehr schnell überflüssig sein und haben heute schon Probleme, sich am Markt durchzusetzen.heise.de IPTV-Angebot der Telekom jetzt auch über ADSL2+Telekom Probleme mit VDSL
Neben der technischen gibt es auch eine rechtliche Sichtweise. Die meisten Anbieter verbreiten die Signale auf Basis von Verträgen mit den Sendern zur Kabelweitersendung. Diese schließen jedoch meistens unter Hinweis auf §20b UrhG eine Verbreitung über das eigene Netz hinaus aus. Über fremde Netze (u. a. auch 3G- oder LTE-Netze) dürfen die Signale nicht übertragen werden.
Befürworter von IPTV über geschlossene Netze wenden ein, dass der Bestand an hochauflösenden Fernsehern in den Haushalten derzeit stetig steigt und diese Bandbreiten von mehr als 4 Mbit/s für eine angemessene SDTV-Bildqualität benötigen. Für HDTV wären Datenraten mit mehr als 8 Mbit/s nötig; außerdem sollen je Haushalt auch mehrere Fernsehgeräte zeitgleich betrieben werden können, was eine jeweilige Vervielfachung des Bandbreitenbedarfs bewirken würde. IPTV-Befürworter gehen deshalb von einem künftigen Bedarf an Internet-Bandbreite von mindestens 30–50 Mbit/s je Haushalt aus und sind der Ansicht, dass solche Bandbreiten, sowie eine IPTV-ähnliche Dienstgüte im offenen Internet mittelfristig nicht garantiert werden kann.
Client-Server vs. Peer-to-Peer Die Videodaten werden von netzbasierten Video-Servern an die Clients übertragen. Die im Netz dadurch verursachte Last wird durch die räumliche Verteilung der Video-Server im Netz bestimmt. Bei Konzentration der Video-Server an einer Lokalität kommt es durch die sternförmige Verteilung sehr schnell zu Überlastungen des Netzes.
Bei einer Peer-to-Peer Verbindung hingegen werden die Videodaten nicht von einem zentralen Server übertragen, sondern der Empfänger sammelt die Videodaten eines Beitrages von vielen verteilten Servern (meist von anderen Nutzern) auf. Durch diesen dezentralen Algorithmus können die Videodaten in einzelnen Netzabschnitten auch mehrfach oder in beide Richtungen gleichzeitig übertragen werden.
Unicast vs. Multicast Bei der Datenübertragung vom Streamingserver des Senders zum IPTV-Empfangssystem gibt es zwei Verfahren: Unicast: Beim Unicast steht jedem Zuschauer ein individueller Datenstrom zur Verfügung. Dadurch kann der Zuschauer den Startpunkt einer Sendung oder eines Videobeitrages individuell bestimmen (Video-on-Demand-Dienst). Dieses führt parallel zu einer erhöhten Netzbelastung, da jeder Stream Bandbreite benötigt. Multicast: Beim Multicast-Verfahren erhalten gleichzeitig alle Empfänger dieselben Daten vom Sender. Dadurch ist zunächst nur lineares Broadcastsystem möglich (linear, da die Reihenfolge der Sendungen nicht vom Benutzer beeinflussbar ist). Das entspricht im Wesentlichen dem Prinzip des Rundfunks. Gegenüber Unicast hat Multicast den Vorteil, dass die Netzlast für den Sender nicht mit der Anzahl der Teilnehmer steigt. In Empfängernetzwerken steigt die Netzlast dennoch erheblich. Allerdings ist ein Video-on-Demand-Dienst nicht möglich. Als Kompromiss besteht die Möglichkeit, einen Near-Video-on-Demand-Dienst anzubieten, bei dem das Video wiederholt zeitversetzt ausgestrahlt wird. Die maximale Wartezeit auf ein Video ist dann das Zeitintervall der Wiederholungen.
Datenübertragungsrate Die notwendige Datenübertragungsrate, um Bewegtbilder vom Sender zum Empfänger zu übertragen, ist von der verwendeten Kodierung abhängig. Übliche Faktoren sind: Bildgröße Farbtiefe Bildveränderungen Anzahl der Audio-Kanäle evtl. synchrone Zusatzinformationen
Üblich verwendete Kodierungsverfahren sind VC1 und H.264. Für eine PAL- oder (SDTV)-Qualität (Standard Definition Television) wird eine Datenrate von durchschnittlich 2–6 Mbit/s benötigt. Für HDTV ist eine Datenübertragungsrate von durchschnittlich 6–16 Mbit/s notwendig. Dazu ist ein Breitbandanschluss zum Teilnehmer notwendig (beispielsweise DSL, ADSL2/VDSL, Kabelmodem).
Sat-over-IP-Technik Als eine neue Variante zum Satellitendirektempfang ist die sogenannte Sat-over-IP-Technik (auch SAT>IP genannt) zu nennen. Sie ermöglicht das Umsetzen der Sat-Signale von DVB-S und DVB-S2 in der Nähe der Empfangseinheit (LNB) in IP-Pakete zur Verteilung in lokalen Netzen. Der Fernsehempfang kann dann über entsprechende DLNA-Clients erfolgen.
Empfangsgeräte IPTV über geschlossene Netze benötigt aus technischen Gründen ein vom IPTV-Veranstalter freigegebenes Gerät (Set-Top-Box) für den Empfang auf dem Fernseher. Für den Empfang auf dem PC muss der Nutzer die Multicast-Adressen der Fernsehstreams kennen, um die Programme mit entsprechender Software (beispielsweise VLC media player) empfangen zu können. – Liste bei ARD Digital Ein Programmangebot kann aus urheberrechtlichen Gründen auf eine bestimmte Art einer Ausgabe (PC oder Set-Top-Box, Fernseher u. a.) beschränkt sein. Diese Grenzen verschwimmen jedoch dadurch, dass PCs an den Fernseher angeschlossen werden oder TV-Signale auf dem PC abgespielt werden können. Das Endgerät empfängt beim IPTV Datenströme über eine Internetanbindung, teilt diese in Unterströme auf (Audio, Video, Daten etc.), dekodiert und liefert ein Bild- und Audiosignal an die Video-Audio-Ausgabeeinheit. Aus lizenzrechtlichen Gründen erfolgt durch die Set-Top-Box auch häufig eine Entschlüsselung der Videosignale. Dieses ist der hauptsächliche Grund für die Anbieter nur bestimmte Boxen zuzulassen.
Folgende IPTV-Endgeräte gibt es: PC: In der Regel ist lediglich eine Softwareinstallation notwendig (beispielsweise MediaPortal oder LinuxMCE), dabei ist auch eine Bildausgabe über ein TV-Gerät möglich. UMTS-Handys und andere mobile Endgeräte mit großem Display sind IPTV-tauglich (siehe: Mobiles Fernsehen). Set-Top-Box: Dazu wird die IPTV-Set-Top-Box im Allgemeinen auf der einen Seite an den Router (Internetanschluss) angeschlossen und auf der anderen Seite an die SCART-Buchse oder den HDMI-Eingang des Fernsehers. Reine IPTV-Fernsehgeräte gibt es derzeit erst wenige auf dem Markt, aber es existieren mittlerweile Flachbildschirme (LCD- bzw. LED-Fernsehgeräte) mit integriertem Internet-Anschluss (LAN/WLAN) sowie der notwendigen Software