Enontekiö [] (nordsamisch Eanodat, ) ist eine Gemeinde im finnischen Teil Lapplands. Sie ist knapp 8400 Quadratkilometer groß und hat nur Einwohner (Stand ). Diese dünn besiedelte Gemeinde liegt im äußersten Nordwesten des Landes zwischen Schweden und Norwegen.

Im Norden Enontekiös liegt die höchste Erhebung Finnlands, am 1324 Meter hohen Haltitunturi, wo das Gemeindegebiet Anteil am Skandinavischen Gebirge hat. Verwaltungssitz der Gemeinde ist der Ort Hetta. Etwa ein Fünftel der Bevölkerung Enontekiös gehört dem Volk der Samen an. Haupterwerbszweige sind der Tourismus und die Rentierzucht.

Geografie Lage und Ausdehnung Die Ausbuchtung zwischen schwedischer und norwegischer Grenze, die vom Gemeindegebiet Enontekiös eingenommen wird, nennt man „Arm“ (finnisch Käsivarsi), weil die Grenzen Finnlands vor dem Zweiten Weltkrieg auf der Landkarte die Form einer Frauengestalt, der „Jungfrau Finnland“ hatten und das Gebiet als deren erhobener rechter Arm erschien.

Das weite und nur sehr dünn besiedelte Gemeindegebiet ist mit 8.392 Quadratkilometern mehr als dreimal so groß wie Luxemburg. Enontekiö ist nach Inari und Sodankylä flächenmäßig die drittgrößte Gemeinde Finnlands. Mit nur 0,22 Einwohnern pro Quadratkilometer ist sie nach Savukoski die am zweitdünnsten besiedelte finnische Gemeinde.

Nachbargemeinden von Enontekiö sind Inari im Osten, Kittilä im Südosten und Muonio im Süden, sowie im Westen auf schwedischer Seite die Gemeinde Kiruna und im Norden auf norwegischer Seite Storfjord, Kåfjord, Nordreisa und Kautokeino. Die gemeinsame Grenze Enontekiös mit den beiden Nachbarstaaten ist insgesamt mehr als 450 km lang. Die Grenze mit Schweden bilden dabei der Fluss Muonionjoki und dessen Zufluss Könkämäeno.

Dörfer mini|Hetta ist der Hauptort Enontekiös mini|Schwedisch-finnische Grenze in Kaaresuvanto Der Hauptort Hetta liegt im Süden der Gemeinde und hat rund 530 Einwohner. Eine Ortschaft mit dem Namen Enontekiö gibt es nicht, allerdings wird Hetta oft auch mit dem Namen der Gemeinde bezeichnet. Andere wichtige Orte sind das Dorf Kilpisjärvi nahe dem Dreiländereck Finnland-Schweden-Norwegen sowie Kaaresuvanto und Palojoensuu, die sich beide an der Grenze zu Schweden am Muonionjoki befinden.

Die Dörfer Enontekiös konzentrieren sich auf den Südteil und die Ufer der Flüsse Könkämäeno und Muonionjoki im Westen der Gemeinde. Oft befindet sich am gegenüberliegenden schwedischen Ufer ebenfalls ein Dorf, das meist denselben Namen (beziehungsweise dessen schwedische Namensform) trägt, zum Beispiel Kaaresuvanto / Karesuando. Abseits der Flussläufe ist das Käsivarsi-Gebiet dagegen fast völlig unbewohnt.

Zu Enontekiö gehören folgende Dörfer (samische Namensformen, sofern vorhanden, in Klammern): Hetta (Heahttá) Jatuni Kaaresuvanto (Gárasavvon) Kelottijärvi Ketomella Kilpisjärvi (Gilbbesjávri) Kultima (Gulddán) Kuttanen (Cuhttás) Leppäjärvi (Leaibejávri) Luspa Markkina Maunu Muotkajärvi Näkkälä (Neahčil) Nartteli Nunnanen (Njunnás) Palojärvi (Bálojávri) Palojoensuu (Bálojotnjälbmi) Peltovuoma (Bealdovuopmi) Ropinsalmi Saivomuotka Sonkamuotka Vähäniva Vuontisjärvi (Vuottesjávri) Ylikyrö

Topografie mini|Blick vom Termisvaara auf die Ausläufer des Skandinavischen Gebirges. In seinem Nordzipfel hat Enontekiö als einzige Gemeinde Finnlands Anteil am Skandinavischen Gebirge. Dadurch und durch die Lage im hohen Norden Finnlands unterscheidet sich Enontekiö geologisch wie landschaftlich stark vom Rest des Landes.

Am Haltitunturi, mit einer Höhe von 1324 Metern, liegt die höchste Erhebung Finnlands. Ebenso liegen alle 21 anderen Eintausender des Landes in Enontekiö. Der neben dem Haltitunturi wohl bekannteste und landschaftlich markanteste Berg ist der 1029 Meter hohe Saana, der sich über das Dorf Kilpisjärvi erhebt. Der Südteil der Gemeinde ist weniger gebirgig, doch erheben sich auch hier vereinzelt Fjells (tunturi, Anhöhen, die die Baumgrenze überragen) aus der ansonsten eher flachen Umgebung. Unter anderem ragt ein Teil des Pallastunturi-Ounastunturi-Massivs in das Gemeindegebiet Enontekiös hinein.

mini|links|Der Kilpisjärvi Etwas über fünf Prozent der Gemeindefläche besteht aus Gewässern. Mehrere große Flüsse haben ihren Ursprung in Enontekiö: Der Muonionjoki, Ounasjoki, Ivalojoki und einer der Quellflüsse des Tenojoki nehmen ihren Ursprung in der Gemeinde. Dem verdankt Enontekiö auch seinen Namen: Eno ist ein altes finnisches Wort für „Strom“ und tekiö leitet sich vom Verb tehdä „machen“ ab. Die 825 Seen im Gemeindegebiet sind allesamt eher klein. Die größten Seen sind der Pöyrisjärvi, der Kilpisjärvi beim gleichnamigen Dorf und der Ounasjärvi bei Hetta.

Flora und Fauna mini|Im Norden des Gemeindegebiets ist die Vegetation bereits sehr karg. Die Vegetation in Enontekiö ist durch die extreme nördliche Lage sehr karg. Die Nordgrenze des Verbreitungsgebiets der Fichte entspricht etwa der Südgrenze der Gemeinde, auch die Kiefer kommt nur bis circa 20 km nördlich von Hetta vor. Nördlich davon wachsen nur noch Birken. Die Baumgrenze liegt bei circa 600 Metern, oberhalb davon herrscht eine tundraartige Vegetation vor.

Im unteren Bereich werden die Heideflächen von Sträuchern wie Betula nana, Vaccinium myrtillus und Empetrum hermaphroditum dominiert, während in den Fjellheiden der höheren Lagen Salix herbacea, Empetrum und Alpengräser mit Flechten und Moosen vorkommen. In den Gebirgen des Nordwestens gibt es reichlich Cassiope tetragona.

Der größte Teil des Gemeindegebiets besteht aus solchen Hochflächen oder Mooren, die vor allem an den Flussläufen vorherrschen. Nur 19 % der Fläche Enontekiös ist bewaldet. Rund 70 % der Gesamtfläche steht unter Naturschutz unterschiedlichen Grades. (finnisch) In Enontekiö liegen Teile des Nationalparks Pallas-Yllästunturi sowie die Wildnisgebiete Käsivarsi, Pulju, Pöyrisjärvi und Tarvantovaara.

Wegen der harschen klimatischen Bedingungen ist die Fauna Enontekiös nicht gerade artenreich. Dafür leben in der Gemeinde arktische Tierarten, die im südlicheren Finnland fehlen, etwa Berglemming, Polarfuchs, Schneeeule, Mornellregenpfeifer, Alpenschneehuhn und Ringdrossel. Neben den halbdomestizierten Rentieren sind vor allem Kleinsäuger und verschiedene Vogelarten zahlreich.

Klima mini|Winter in Enontekiö Das Klima Enontekiös wird von der extrem nördlichen Lage, der im Vergleich zum restlichen Finnland größeren Höhenlage und der Nähe des Arktischen Ozeans geprägt. Durch den mäßigenden Einfluss des Golfstroms sind die Winter nicht ganz so harsch wie im kontinentaler geprägten Zentrallappland, dafür ist der Sommer kürzer und kühler.

Im Jahresdurchschnitt weist Enontekiö die niedrigsten Temperaturen Finnlands auf. In Kilpisjärvi im Norden des Gemeindegebiets liegt das langjährige Mittel bei −2,3 °C (zum Vergleich: Helsinki circa +5 °C, Berlin ca. +9 °C). Der wärmste Monat ist der Juli mit einer mittleren Durchschnittstemperatur von +10,9 °C, der kälteste der Januar mit −13,6 °C. Diese niedrige Jahresmitteltemperatur deutet auf verbreitetes Auftreten von Permafrost, insbesondere an windexponierten Stellen, die im Winter nur eine dünne Schneedecke aufweisen. Verbreitetes Auftreten von Permafrost wurde durch geoelektrische Sondierungen nachgewiesen.

Unter diesen extremen klimatischen Bedingungen dauert die Wachstumsperiode nur etwas über 100 Tage, dafür ist der Winter mit einer Dauer von knapp 200 Tagen sehr lang. Die mittlere jährliche Niederschlagsmenge beträgt 459 mm. (englisch)

In der kalten Jahreszeit können erhebliche Mengen an Schnee fallen: Die höchste jemals in Finnland registrierte Schneehöhe wurde am 19. April 1997 mit 190 cm in Kilpisjärvi gemessen.Finnisches Institut für Meteorologie: Suomen ja maapallon sääennätyksiä (finnisch) Eine bleibende Schneedecke fällt in der Regel im Oktober und schmilzt erst wieder gegen Ende Mai.Finnisches Institut für Meteorologie: Talven lumista ja lumisuudesta (finnisch) An geschützten Stellen kann der Schnee noch länger liegen bleiben, so wird in Kilpisjärvi traditionell zur Mittsommernacht ein Skilauf veranstaltet.

Das Gemeindegebiet Enontekiös liegt etwa zwischen 200 und 300 Kilometern nördlich des Polarkreises. Entsprechend herrschen extreme jahreszeitliche Unterschiede in der Sonnenscheindauer: In Kilpisjärvi scheint zwischen 22. Mai und 22. Juli die Mitternachtssonne. Entsprechend herrscht zwischen 25. November und 17. Januar die Polarnacht (kaamos). (Dateidownload) (finnisch). Nirgendwo sonst in Finnland treten Polarlichter so häufig wie in Enontekiö auf: In der Gegend um Kilpisjärvi kann man während der dunklen Jahreszeit bei klarem Wetter in durchschnittlich drei von vier Nächten dieses Naturschauspiel beobachten. (englisch)

Geschichte Vorgeschichte und schwedische Zeit Die älteste menschliche Besiedlung in Enontekiö entstand nach dem Rückzug der Gletscher gegen Ende der letzten Eiszeit, als Angehörige der Komsa-Kultur von der Eismeerküste her einwanderten. Die ältesten Besiedlungsspuren stammen vom Ufer des Ounasjärvi-Sees und werden auf die Zeit um 6000 v. Chr. datiert. (englisch) Später entstand durch die Vermischung dieser steinzeitlichen Urbevölkerung und der ab dem 3. Jahrtausend v. Chr. einwandernden Finno-Ugrier die samische Bevölkerung Lapplands, die in Enontekiö lange beherrschend blieb. Anfangs lebten die Einwohner Enontekiös von Jagd und Fischerei und hielten nur wenige Rentiere als Zugtiere.

In der frühen Neuzeit geriet Enontekiö im Zuge der Christianisierung der bis dahin schamanistischen Samen unter schwedischen Einfluss. Im 16. Jahrhundert wurde die erste Kirche Enontekiös erbaut. Es handelte sich um einen kleinen Holzbau im Dorf Rounala am rechten, heute zu Schweden gehörenden Ufer des Könkämäeno-Flusses. Die Kirche soll der Überlieferung nach von drei zum Christentum übergetretenen samischen Brüdern errichtet worden sein.

Sie war ein zentraler Treffpunkt, an dem sich die Samen zu kirchlichen Zeremonien versammelten, zu dem Händler anreisten, um ihre Waren feilzubieten, und an dem schwedische Beamte zu bestimmten Zeiten Gerichtssitzungen abhielten. 1611 wurde im Dorf Markkina eine neue Kirche erbaut. Nachdem diese zerstört worden war, entstand an derselben Stelle 1661 ein Nachfolgebau.

Ab Ende des 17. Jahrhunderts verbreitete sich die auf der Haltung großer Rentierherden beruhende rentiersamische Kultur von Norwegisch- und Schwedisch-Lappland her kommend in Enontekiö. Die Rentiersamen Enontekiös hatten eine nomadische Lebensweise und zogen mit ihren Tieren im jährlichen Zyklus zwischen Sommer- und Winterweiden aus den Nadelwaldgebieten im Süden Enontekiös bis hin zur Eismeerküste nach Kåfjord, Kvænangen und Nordreisa.

Die letzten Nomaden Enontekiös wurden erst in den 1960er Jahren sesshaft, die Kultur der Rentiersamen hat sich aber nach wie vor in der großformatig betriebenen Rentierhaltung bewahrt. Ab dem 17. Jahrhundert ließen sich die ersten finnischen Neusiedler im Süden Enontekiös nieder und führten die sesshafte Ackerbaukultur ein. Durch die finnische Zuwanderung und die Assimilierung der alteingesessenen samischen Bevölkerung entstand mit der Zeit eine finnische Bevölkerungsmehrheit.

Russische Zeit Als Schweden 1809 im Vertrag von Fredrikshamn das Gebiet des heutigen Finnland an Russland abtrat, wurde auch Enontekiö zu einem Teil des neugegründeten Großfürstentums Finnland. Weil die Kirche von Markkina durch die schwedisch-russische Grenzziehung auf dem falschen Ufer auf schwedischer Seite stand, trug man sie 1826 ab und flößte ihre Balken den Muoniojoki nach Palojoensuu herunter, wo die nunmehr vierte Kirche Enontekiös errichtet wurde.