mini|Stativ mini|Kleinstativ mit flexiblen Beinen Das Stativ ( ‚feststehend‘) dient dem Aufstellen von Kameras, Leuchten, Mikrofonen, Laborgeräten oder Messinstrumenten.
Ein Stativ hat in der Regel drei Stützbeine, die oft als Teleskopbeine in der Länge variabel sind. Sie bestehen überwiegend aus Metall oder Holz. Kleine Stative für kleine Fotoapparate oder Smartphones sind mehrheitlich aus Kunststoff, insbesondere deren biegsame Beine. Das aufzustellende Teil wird auf dem Stativkopf befestigt.
In Labors und im Chemie- und Physikunterricht wird das aufzustellende Teil an einer Stativstange (oder an einem Stativrahmen) befestigt. Die Stativstange ist mit einer Bodenplatte verbunden oder sie wird in einen separaten Stativfuß gesteckt.
Vermessungsstative mini|Vermessungsstativ mit aufgesetztem „Untersatz“ zur Horizontierung und Messgerät Besonders robust und stabil sind manche Vermessungsstative (auch Dreibein) aus lackiertem oder mit Kunststoff überzogenem Holz. Sie können Gewichte bis 20 kg tragen und verwinden sich dennoch so wenig, dass Messgenauigkeiten bis zu einer Bogensekunde (1") möglich sind.
Das für die Stativbeine häufig verwendete Eschenholz ist besonders langlebig, relativ schwer, doch dadurch sehr gut schwingungsdämpfend. Durch den Lack ist es auch unempfindlich gegen feuchte Witterung.
Charakteristisch für Vermessungsstative ist der massive Stativkopf (meist aus Aluminiumguss) mit seiner kreisrunden Öffnung von 6 bis 8 cm Durchmesser. Über ihr wird das Messinstrument von unten mit der sogenannten Herzschraube angeklemmt. Diese kräftige Schraube ist hohl, sodass durch sie ein optisches oder ein Laserlot zum Boden durchvisieren kann. Der Stativkopf selbst ist starr, das Zentrieren über dem Vermessungspunkt erfolgt mit dem Lot oder, bei älteren Messgeräten, mittels Lotschnur durch geringfügiges Verschieben des Theodolits, bevor die Herzschraube fest angezogen wird. Die Stellschrauben für die Horizontierung des Messgerätes sind im Gerät selbst oder in einer eigenen Untersetzplatte integriert.
Fotostative mini|Miniatur-Tischstativ mit Kugelgelenkkopf mini|Gorilla-Stativ Während es bei Vermessungsstativen vor allem auf Stabilität ankommt, wird bei Fotostativen meist ein Kompromiss zugunsten von Handlichkeit, Vielseitigkeit und Gewicht eingegangen. Diese sind darum meist leichter als Vermessungsstative, dafür aber auch weniger stabil. Außerdem besitzen sie häufig eine ausziehbare Mittelsäule, durch die die Kameraposition noch erhöht werden kann, wodurch sich die Stabilität aber weiter verringert. Bei einigen Stativen lässt sich die Mittelsäule auch umgekehrt montieren, was Kamerapositionen in Bodennähe ermöglicht.
Stative werden in der Fotografie meist verwendet, um bei schlechten Lichtverhältnissen (Innenräume, Dämmerung, Dunkelheit), die eine lange Belichtungszeit erfordern, scharfe, verwacklungsfreie Bilder zu erzeugen. Dabei kann die Blende beliebig geschlossen werden, um die Schärfentiefe zu erhöhen oder um die Blende optimal für eine hohe Schärfeleistung des Objektives zu wählen, da die Objektive meist bei mittleren Blendenwerten die beste Abbildungsqualität haben. Auch kann bei Digitalkameras eine niedrige Sensorempfindlichkeit für rauscharme Aufnahmen gewählt werden.
Ein Stativ ermöglicht deckungsgleiche Mehrfachbelichtungen. So kann man etwa bei hellem, hartem Licht entstehende Schatten, welche dunkel und detaillos wirken, durch Mehrfachbelichtung ausgleichen (HDR).
Bei sehr langen Brennweiten ist die Verwacklungsgefahr wegen der großen Winkelauflösung besonders groß, so dass hier ein Stativ (fast) unentbehrlich ist.
Auch angesichts der hohen Pixeldichte (Pixelpitch; von engl. pixel pitch) von Bildsensoren digitaler Kameras kommt dem Stativ im Hinblick auf die Bildschärfe eine größere Bedeutung zu, da die hohe Pixeldichte eher (siehe Faustregel zur „Freihandgrenze“) zu Verwacklungsunschärfen führt.
Darüber hinaus ermöglicht das Stativ eine sorgfältigere Kameraausrichtung und Bildgestaltung. Die bei Großformatkameras häufig eingesetzte Mattscheibeneinstellung erfordert zwingend den Einsatz eines Statives. Zur Vermeidung von Verwacklungen bestehen einige Alternativen, die jedoch ein Stativ nicht in jedem Fall ersetzen können: die Empfindlichkeit (ISO/ASA) erhöhen, was jedoch die Körnung der Bilder (analoge Fotografie) oder das Bildrauschen (digitale Fotografie) verstärkt die Blende öffnen und die Verschlusszeit verkürzen, wodurch aber die Schärfentiefe geringer wird ein Blitzgerät verwenden eine Kamera oder ein Objektiv mit Bildstabilisierung verwenden.
mini|Fotostativ mini|Klemmstativ
Fotostative dienen auch dazu, das Gewicht einer schweren Kamera zu tragen. Wichtig ist dies etwa bei der Naturfotografie, bei der man die Kamera beispielsweise auf ein Vogelnest richtet, um den richtigen Moment abzuwarten. Speziell große und schwere Teleobjektive verfügen über eigene Anschlüsse zur Befestigung auf Stativen.
Die häufigsten Bauformen für Fotostative sind: Dreibeinstative (auch Tripod genannt): Sie sind oft aus Kunststoff, dem Leichtmetall Aluminium, aber auch aus Holz oder kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff („Carbon“) gebaut. Einbeinstative (auch Monopod genannt) sind sehr handlich, haben viel weniger bewegliche Teile und sind leichter als Dreibeinstative. Sie lassen sich in der Regel nicht frei aufstellen und dienen nur als stabilisierende Stütze. Haupteinsatzbereich ist die Reportage- und Sportfotografie mit Teleobjektiven. Säulenstative werden meist stationär in der Studiofotografie eingesetzt, da sie einen großen vertikalen Bewegungsbereich ermöglichen. Tischstative oder Ministative sind sehr klein. Sie werden oft für Webcams oder kleine Digitalkameras verwendet. Klemmstative sind in Form einer Schraubzwinge gebaut. Damit lassen sich Kameras und vor allem Zubehör an Objekten wie Tischplatten, Geländern oder Fensterscheiben befestigen. Dies kann besonders hilfreich sein, um etwa aus einem Auto heraus zu fotografieren. Schulterstative besitzen einen Bügel, der auf den Schultern des Fotografen aufliegt, und stützen sich zudem an dessen Brust ab.
Weitere Sonderformen von Stativen sind: Saugnapfstative: Sie dienen zur Befestigung an glatten Oberflächen wie Fensterscheiben oder Autodächern. Beanbags: Mit Granulat gefüllte Beutel, die passend zur Unterlage und Form der Kamera modelliert werden können, um eine relativ stabile Positionierung der Kamera zu ermöglichen. Baumschrauben, oft integriert in Klemmstative, sind händisch in Rinde oder Holzspalten eindrehbar. Magnete können schaltbar oder flexibel sein und dadurch ablösbar auf Eisenflächen haften. Ministative mit drei plastisch biegsamen Schwanenhalsbeinen, die in Gummikugeln auslaufen Spezial-Klemmstative, z. B. mit drei biegsamen, gummierten „Armen“ zum Umgreifen von festen Gegenständen wie Laternenmasten oder Ästen Kettenstative als Sonderform des Einbeinstativs Hochstative: Sie werden z. B. in der Architekturfotografie eingesetzt. Gängige Ausfahrhöhen sind 10–15 m.
Stativkopf mini|Panoramakopf mini|Verschiedene Stativköpfe Zwischen Stativ und Kamera sitzt üblicherweise ein Stativkopf, welcher die Bewegung bzw. die Ausrichtung der Kamera ermöglicht. Dies kann ein Kugelkopf (auch: „Kugelgelenkkopf“), ein Dreiwegeneiger oder ein Getriebeneiger sein. Besondere Stativköpfe sind Panoramaköpfe zur Aufnahme von Panoramafotografien aus mehreren Einzelbildern und Teleneiger für Aktionaufnahmen mit langen Telebrennweiten. Um die Einzelbilder passgenau aneinander zu reihen, verfügen Panoramaköpfe in der Regel über Gradeinteilung und Wasserwaagen für jede Rotationsachse (Libellen). Werden unterschiedliche Kameras mit demselben Stativ eingesetzt, ist eine Ausstattung des Stativkopfs mit einer Schnellwechselplatte hilfreich.
Stativgewinde mini|hochkant|links|DIN-4503-Stativgewinde an einer Schraube für Kameragurt Als Stativgewinde bezeichnet man das Schraubgewinde für das zu haltende Gerät. Aus historischen Gründen haben viele Stativanbindungen kein metrisches ISO-Gewinde, sondern ein Zollgewinde in den Größen ″ und ″. Während früher oft der britische Standard BSW (Whitworth-Gewinde) mit einem Flankenwinkel von 55° eingesetzt wurde, wird heute der amerikanische Standard UNC mit 60° Flankenwinkel verwendet. Da Steigung und Durchmesser von BSW und UNC gleich sind und nur die Flankenwinkel variieren, passen alte und neue Systeme meist ohne größere Schwierigkeiten zusammen. In der ISO 1222 (früher DIN 4503) werden Stativanschlüsse für Kameras und Zubehör inklusiv eventueller Verdrehsicherungen behandelt.
An Sucherkameras, Spiegelreflexkameras, Mittelformatkameras, Schnellwechselplatten und Stativköpfen wird ein -Zoll-20-Gang-UNC-Gewinde (ca. 6,35 mm Außendurchmesser und 5,2 mm Innendurchmesser, Steigung 1,27 mm) verwendet. Einige Mittelformatkameras und so gut wie alle Großformatkameras sowie die meisten Verbindungen zwischen Stativen und Stativköpfen verwenden -Zoll-16-Gang-UNC-Gewinde (ca. 9,6 mm Außendurchmesser und 8 mm Innendurchmesser, Steigung 1,5875 mm). Diese Gewinde finden auch bei Mikrofonstativen Anwendung.
Stativschraube Die Stativschraube befestigt die Kamera am Stativ. Oft wird eine Wechselplatte per Stativschraube an der Kamera befestigt und die Wechselplatte dann auf dem Stativkopf mit einer speziellen Klemmbefestigung montiert. Seltener wird die Kamera direkt an den Stativkopf geschraubt. Die Stativschraube besitzt oft als Rändelschraube einen vergrößerten griffigen Schraubenkopf zum festen manuellen Verschrauben. Sie ist zumeist mit Wechselplatte bzw. Stativkopf unverlierbar verbunden. Bzgl. Gewinde gilt ebenfalls die ISO 1222 (siehe Abschnitt Stativgewinde).
Film- und Videokamerastative Film- und Videokamerastative (Nachfolgend: Stative) haben die Aufgabe, die Kamera auf einer bestimmten Höhe zu halten, und ermöglichen ein Schwenken und Neigen in beliebige Richtungen. Ein Verdrehen der Kamera ins Hochkantformat, das bei Fotostativen oft durch ein zusätzliches Gelenk ermöglicht wird, ist bei Videostativen nicht vorgesehen. Verwendet werden sowohl normale Stative, die auch in der Fotografie zum Einsatz kommen, als auch spezielle Dolly-Stative, die hauptsächlich im Filmbereich eingesetzt werden, um Kamerafahrten stabil auszuführen.
Stativbeine Stativbeine bestehen aus einer ausziehbaren Konstruktion, die die Höhenverstellung ermöglicht. Hier wird besonderer Wert auf Stabilität, Verwindungs- und Schwingungsfreiheit gelegt. Die ersten Stativbeine sind aus lackiertem Holz hergestellt worden. Hölzerne Stative wurden bis vor etwa 40 Jahren hauptsächlich eingesetzt und zunächst von Rohrkonstruktionen aus Stahl-, später aus Aluminiumlegierung abgelöst, so dass Holzstative heute nur noch geringere Verbreitung haben. Heute werden meist kohlenstofffaserverstärkte Kunststoffrohre eingesetzt. Edelstahldornen an den Beinen sorgen für die nötige Stabilität am Boden. Je nach Bodenbeschaffenheit gibt es zusätzlich Bodenspinnen, Rollspinnen oder Stativschuhe, um den Boden zu schonen und für einen festen Halt zu sorgen. Stativbeine sind in verschiedenen Größen verfügbar, die Höheneinstellungen von ca. 50 bis 200 cm Objektivhöhe ermöglichen.
Stativanschluss Der Stativanschluss ist in verschiedenen Standards verfügbar. Das ermöglicht die Montage verschiedener Schwenkköpfe (herstellerunabhängig).
mini|hochkant|Kugelanschluss OH mini|Kugelschale OH mini|Mitchell-Platte