Der Stabschef des Weißen Hauses (; Abk. WHCS) ist der ranghöchste Mitarbeiter im Executive Office des Präsidenten der Vereinigten Staaten. Die volle Bezeichnung der Position lautet Assistant to the President and Chief of Staff (deutsch: Assistent des Präsidenten und Stabschef). Der Stabschef wird gelegentlich als „zweitmächtigster Mensch in Washington“ (nach dem Präsidenten) bezeichnet. Seit dem 20. Januar 2025 wird das Amt von Susie Wiles geführt.
Das Amt wurde 1946 unter der Bezeichnung Assistant to the President (deutsch: Assistent des Präsidenten) geschaffen. 1961 erhielt es seinen heutigen Namen. Der Amtsinhaber wird vom Präsidenten ernannt und ggf. auch entlassen. Dabei bedarf es nicht der Zustimmung des Kongresses.
Aufgaben und Geschichte Vor 1946 gab es die Positionen des Sekretärs des Präsidenten (Secretary to the President) und des Appointments Secretary, die die Aufgaben einer Vielzahl von heutigen Mitarbeitern und Organen des Weißen Hauses übernahmen. Das Amt eines Assistenten des Präsidenten wurde während der Präsidentschaft von Harry S. Truman geschaffen, um der stark gewachsenen Exekutive Herr zu werden, und übernahm fast alle Aufgaben, die vorher dem Sekretär des Präsidenten zugeordnet waren. Mit dem Ende von Trumans Amtszeit als Präsident wurde auch die Position des Sekretärs des Präsidenten abgeschafft.
Amt und Titel des Stabschefs des Weißen Hauses im heutigen Sinne wurden von Präsident Dwight D. Eisenhower geschaffen, der aus seiner militärischen Karriere die Funktion eines Chefs des Stabes kannte und in seinem zivilen Amt in gleicher Weise einen „Gatekeeper“ zwischen sich selbst und Mitarbeitern bzw. Außenstehenden etablieren wollte. Als Neuling im politischen Leben entschied sich Eisenhower für Llewelyn Sherman Adams, der als langjähriger Gouverneur von New Hampshire jene Erfahrung einbrachte, die dem Präsidenten selbst fehlte.Chris Whipple: The Gatekeepers. How the White House Chiefs of Staff define every Presidency. Broadway Books, New York 2018, ISBN 978-0-8041-3826-0, S. 18f.
Die Aufgaben des Stabschefs hängen stark vom Präsidenten ab, allerdings ist er im Allgemeinen für die Verwaltung des restlichen Personals und des Kalenders des Präsidenten zuständig. Der Stabschef hat außerdem die Pflicht, den Zugang zum Präsidenten zu kontrollieren. Außerhalb der formellen Amtsbeziehung ist der Stabschef oft der wichtigste politische Berater des Präsidenten und häufig auch ein enger Freund.
Einige Präsidenten, so John F. Kennedy, verzichteten auf die Einsetzung eines Stabschefs. Präsident Carter hatte erst am Ende seiner Amtszeit einen Stabschef. Alle Präsidenten außer Harry S. Truman und Lyndon B. Johnson hatten mehrere Stabschefs. Die durchschnittliche Amtszeit beläuft sich auf etwa zweieinhalb Jahre.
Die meisten Stabschefs waren vorher Politiker, und viele führen ihre politische Karriere später fort. Beispiele dafür sind die beiden Stabschefs unter Gerald Ford, Donald Rumsfeld und Dick Cheney, die später beide Verteidigungsminister wurden, letzterer sogar Vizepräsident. Richard Nixons Stabschef, der Offizier Alexander Haig, und Ronald Reagans Stabschef James Baker wurden beide später Außenminister.
Kritiker bemängeln, dass sich ein aktiver Stabschef unter einem eher passiven Präsidenten, der sich aus den Details der Regierungsarbeit heraushält, zu einem Quasi-Premierminister entwickeln kann. Während der Präsidentschaft Ronald Reagans übten James Baker und Donald Regan ihr Amt wie Quasi-Premierminister aus. Howard Baker, der Donald Regan als Stabschef folgte, stand solch einer Situation eher kritisch gegenüber.Vgl. dazu David B. Cohen: From the Fabulous Baker Boys to the Master of Disaster: The White House Chief of Staff in the Reagan and G. H. W. Bush Administrations. In: Presidential Studies Quarterly. Vol. 32, No. 3, September 2002, S. 463–483.
Im Vergleich dazu wurde Andrew Card, der Stabschef in der Bush-Regierung bis zum 14. April 2006, nicht als sehr machtvoll angesehen. Dies ist größtenteils darauf zurückzuführen, dass Bush lieber direkt mit seinen Ministern agierte. Ebenso waren Präsident Clintons Stabschefs aufgrund von Clintons Amtsführung, der immer den direkten Zugang zum Regierungsgeschehen suchte, im Allgemeinen relativ machtlos. Der Präsident mit den meisten Stabschefs war Barack Obama, welcher in seinen beiden Amtszeiten fünf Stabschefs berief.
Dem Stabschef stehen ein oder mehrere Stellvertreter zur Seite, die für verschiedene Aufgabenbereiche zuständig sind. Die Zuteilung unterscheidet sich in jeder Präsidentschaft. Unter Donald Trump gab es die Position des Hauptstellvertreters (Principal Deputy), der den anderen Stellvertretern vorgesetzt war.
Liste der Stabschefs des Weißen Hauses StabschefBild Präsident Amtszeit John Roy Steelmanzentriert|rahmenlos|137x137px Harry S. Truman 12. Dezember 1946 bis20. Januar 1953 Llewelyn Sherman Adamszentriert|rahmenlos|143x143px Dwight D. Eisenhower 20. Januar 1953 bis7. Oktober 1958 Wilton Burton Persons 7. Oktober 1958 bis20. Januar 1961de facto: Kenneth Patrick O’DonnellKenneth O’Donnell, W. Marvin Watson und James Robert Jones wurden nicht zum Stabschef ernannt, sondern füllten diese Funktion als Appointments Secretary aus.zentriert|rahmenlos|128x128px John F. Kennedy 20. Januar 1961 bis22. November 1963de facto: William Marvin Watsonzentriert|rahmenlos|128x128px Lyndon B. Johnson 1. Februar 1965 bis26. April 1968de facto: James Robert Joneszentriert|rahmenlos|114x114px 26. April 1968 bis20. Januar 1969 Harry Robbins Haldemanzentriert|rahmenlos|145x145px Richard Nixon 20. Januar 1969 bis30. April 1973 Alexander Meigs Haig Jr.zentriert|rahmenlos|128x128px 4. Mai 1973 bis21. September 1974 Donald Henry Rumsfeldzentriert|rahmenlos|143x143px Gerald Ford 21. September 1974 bis20. November 1975 Richard Bruce Cheneyzentriert|rahmenlos|100x100px 20. November 1975 bis20. Januar 1977William Hamilton McWhorter Jordanzentriert|rahmenlos|146x146pxJimmy Carter 18. Juli 1979 bis11. Juni 1980 Jack Hearn Watson Jr.zentriert|rahmenlos|148x148px 11. Juni 1980 bis20. Januar 1981 James Addison Baker IIIzentriert|rahmenlos|100x100pxRonald Reagan 20. Januar 1981 bis4. Februar 1985 Donald Thomas Reganzentriert|rahmenlos|137x137px 4. Februar 1985 bis27. Februar 1987 Howard Henry Baker Jr.zentriert|rahmenlos|126x126px 27. Februar 1987 bis1. Juli 1988 Kenneth M. Dubersteinzentriert|rahmenlos 1. Juli 198820. Januar 1989 John Henry Sununuzentriert|rahmenlos|129x129pxGeorge Bush 20. Januar 1989 bis16. Dezember 1991 Samuel Knox Skinnerzentriert|rahmenlos 16. Dezember 1991 bis23. August 1992 James Addison Baker IIIzentriert|rahmenlos|114x114px 23. August 1992 bis20. Januar 1993 Thomas F. McLarty, IIIzentriert|rahmenlos|101x101pxBill Clinton 20. Januar 1993 bis17. Juli 1994 Leon Edward Panettazentriert|rahmenlos|131x131px 17. Juli 1994 bis20. Januar 1997 Erskine Boyce Bowleszentriert|rahmenlos|124x124px 20. Januar 1997 bis20. Oktober 1998 John David Podesta Jr.zentriert|rahmenlos|152x152px 20. Oktober 1998 bis20. Januar 2001 Andrew Hill Card Jr.zentriert|rahmenlosGeorge W. Bush 20. Januar 2001 bis14. April 2006 Joshua Brewster Boltenzentriert|rahmenlos|126x126px 14. April 2006 bis20. Januar 2009 Rahm Israel Emanuelzentriert|rahmenlos|134x134pxBarack Obama 20. Januar 2009 bis1. Oktober 2010 Peter Mikami Rouse(geschäftsführend)zentriert|rahmenlos|125x125px 1. Oktober 2010 bis13. Januar 2011 William Michael Daleyzentriert|rahmenlos|100x100px 13. Januar 2011 bis27. Januar 2012Jacob Joseph Lewzentriert|rahmenlos|142x142px 27. Januar 2012 bis20. Januar 2013 Denis Richard McDonoughzentriert|rahmenlos|100x100px 20. Januar 2013 bis20. Januar 2017 Reinhold Richard Priebuszentriert|rahmenlos|131x131pxDonald Trump 20. Januar 2017 bis31. Juli 2017 John Francis Kellyzentriert|rahmenlos|150x150px 31. Juli 2017 bis2. Januar 2019John Michael Mulvaney(geschäftsführend)zentriert|rahmenlos|114x114px 2. Januar 2019 bis31. März 2020Mark Randall Meadowszentriert|rahmenlos|100x100px 31. März 2020 bis 20. Januar 2021Ronald Alan Klainzentriert|rahmenlos|144x144pxJoe Biden20. Januar 2021 bis8. Februar 2023Jeffrey Dunston Zientszentriert|rahmenlos|144x144px8. Februar 2023 bis 20. Januar 2025Susie Wileszentriert|rahmenlos|144x144pxDonald Trumpseit 20. Januar 2025
Literatur Chris Whipple: The Gatekeepers. How the White House Chiefs of Staff define every Presidency. Broadway Books, New York 2018, ISBN 978-0-8041-3826-0. Michael Nelson: The Presidency and the Political System. Sage, 10. Auflage 2014. ISBN 978-1-4522-4043-5. Bradley H. Patterson: The White House Staff: Inside the West Wing and Beyond. Brookings Institution Press, 2004. Terry Sullivan (Hrsg.): The Nerve Center: Lessons in Governing from the White House Chiefs of Staff. Texas A & M University Press, College Station 2004, ISBN 1-58544-349-2.
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