Valencia (deutsch []; spanisch []; valencianisch und offiziell València [], deutsch veraltet: Valentz, Valenzia) ist eine Großstadt im östlichen Teil Spaniens. Die Hauptstadt der autonomen Valencianischen Gemeinschaft (offiziell Comunitat Valenciana) und der Provinz Valencia liegt an der Mittelmeer-Küste und ist mit Einwohnern (Stand: ) nach Madrid und Barcelona die drittgrößte Stadt des Landes. In der Provinz Valencia leben rund zweieinhalb Millionen Menschen.

Valencia ist Sitz des römisch-katholischen Erzbistums Valencia, das bis auf das 6. Jahrhundert zurückgeht, aber nach dem Ende der maurischen Herrschaft neu begründet wurde. Bischofskirche ist die Kathedrale von Valencia, deren Patrozinium an Mariä Himmelfahrt gefeiert wird. Schutzpatrone ist María de los Desamparados, lokal als „La Maredeuta“ bezeichnet.

mini|320x320px|Palau de les Arts, Valencia

Geographie mini|Satellitenbild Valencia liegt an der spanischen Mittelmeerküste, etwa 360 km östlich von Madrid, an der Mündung des Flusses Turia und fast genau auf der gleichen geografischen Breite wie die Insel Mallorca. Der Fluss Turia wurde nach verheerenden Überschwemmungen in den 1950er Jahren (letztmals 1957) aus der Stadt heraus verlegt; das ehemalige Flussbett wurde in einen Park umgewandelt. Die Stadt besitzt drei Strände (Playa de las Arenas, Playa de Malvarrosa und Playa de la Patacona).

Klima In Valencia herrscht ein ausgeprägtes Mittelmeerklima. Die Durchschnittstemperatur beträgt 18,3 °C, die monatlichen Mittelwerte liegen zwischen 11,8 °C im Monat Januar und 26,1 °C im Monat August. Die Tageshöchsttemperaturen im Januar liegen bei durchschnittlich 16,4 °C.Standard climate values. València AEMET, abgerufen am 10. Juli 2018. Im Winter fallen die Temperaturen fast nie unter 4–8 °C, an warmen Wintertagen können Tageshöchstwerte von 18–25 °C erreicht werden. Im Sommer sind bis zu 40 °C möglich, während die Temperaturen nachts auf 20–25 °C fallen. Die relative Luftfeuchtigkeit ist hoch, wodurch das Kälte- und Wärmeempfinden verstärkt wird.

Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt etwas weniger als 475 mm. Es regnet vor allem im Frühjahr und Herbst, jeweils etwa fünf Tage im Monat. Die erste Oktoberwoche ist für ihre starken Niederschläge bekannt. Die Sommermonate Juni, Juli und bis Mitte August sind nahezu niederschlagsfrei.

Die mittlere Wassertemperatur in Valencia liegt von Juni bis Oktober über 22 °C, und sie erreicht im August mit 27 °C ihr Maximum. In den Wintermonaten beträgt die mittlere Wassertemperatur 14–16 °C.

Gliederung mini|Stadtteile Valencias mit der Frischwasserlagune im Süden (weiß, ohne Nummer)

Einige der heutigen Stadtteile waren früher eigenständige Siedlungen bzw. Dörfer, die vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Stadt Valencia angegliedert wurden, darunter Beniferri, Benimaclet, Patraix und Russafa um 1877; Benimàmet und Orriols um 1887; Borbotó, Campanar, Mauella, Poble Nou de la Mar und Vilanova del Grau um 1897; und Benifaraig, Carpesa und Massarrojos um 1900.

+Stadtviertel nach StadtteilenCiutat Vella La Seu – La Xerea – El Carme – El Pilar – El Mercat – Sant FrancescL’Eixample Russafa – El Pla Del Remei – Gran ViaExtramurs El Botànic – La Roqueta – La Petxina – ArrancapinsCampanar Campanar – Tendetes – El Calvari – Sant PauLa Saïdia Marxalenes – Morvedre – Trinitat – Tormos – Sant AntoniEl Pla del Real Exposició – Mestalla – Jaume Roig – Ciutat UniversitàriaL’Olivereta Nou Moles – Soternes – Tres Forques – La Fontsanta – La LlumPatraix Patraix – Sant Isidre – Vara de Quart – Safranar – FavaraJesús La Raiosa – L’Hort de Senabre – La Creu Coberta – Sant Marcel·lí – Camí ReialQuatre Carreres Montolivet – En Corts – Malilla – La Fonteta de Sant Lluís – Na Rovella – La Punta – Ciutat de les Arts i les CiènciesPoblats Marítims El Grau – El Cabanyal i el Canyamelar – La Malva-rosa – Beteró – NatzaretCamins al Grau Aiora – Albors – La Creu del Grau – Camí Fondo – Penya-rojaAlgirós L’Illa Perduda – Ciutat Jardí – L’Amistat – La Bega Baixa – La CarrascaBenimaclet Benimaclet – Camí de VeraRascanya Els Orriols – Torrefiel – Sant LlorençBenicalap Benicalap – Ciutat de l’Artista Faller

+Gemeinden der StadtPobles del Nord Benifaraig – Poble Nou – Carpesa – Cases de Bàrcena – Mauella – Massarrojos – BorbotóPobles de l’Oest Benimàmet – BeniferriPobles del Sud El Forn d’Alcedo – El Castellar-l’Oliveral – Pinedo – El Saler – El Palmar – El Perellonet – La Torre – Faitanar

Geschichte Antike 138 v. Chr. wurde die Stadt Valentia [] vom römischen Konsul Decimus Iunius Brutus Callaicus gegründet, wie der Historiker Titus Livius berichtet. Etwa hundert Jahre später wurde Valentia Edetanorum als eine der ersten hispanischen Städte römische Kolonie. Die römische Siedlung lag dort, wo sich heute der Kern der Altstadt um die Kathedrale befindet, etwa vier Kilometer vom Meer entfernt auf einer Flussinsel im Turia.

Mittelalter Unter westgotischer Herrschaft kaum entwickelt, machte die Stadt nach der arabischen Eroberung 711 rasche Fortschritte und erreichte im Kalifat von Córdoba 15.000 Einwohner.

In der Zeit der Taifa-Königreiche herrschten die Amiriden und die Dhun-Nuniden in „Balansiya“. Im 11. Jh. ließen die Amiriden eine neue Stadtmauer errichten, bei der es sich um die älteste handelt, deren genauer Verlauf heute noch bekannt ist.

1094 eroberte El Cid, ein kastilischer Adliger, die Stadt. Die Eroberung erfolgte nicht im Auftrag eines der christlichen Reiche der Halbinsel, sondern auf eigene Rechnung des Cid, der sich zum „Herren von Valencia“ (Señor de Valencia) proklamierte und sich so eine Art Privatkönigreich schuf. Er konnte die Stadt gegen mehrere Angriffe der Almoraviden verteidigen, und nach seinem Tod im Jahr 1099 gelang es auch seiner Witwe Jimena, Valencia noch bis 1102 zu halten.

1102 fiel Valencia zunächst an die Almoraviden, wenig später – wie der gesamte islamische Herrschaftsbereich auf der Halbinsel – an die Almohaden. Nach dem Sieg der vereinigten christlichen Heere über die Almohaden in der Schlacht bei Las Navas de Tolosa (1212) zerfiel das maurische Spanien wieder in einzelne Kleinkönigreiche, darunter auch wieder eine Taifa von Valencia.

mini|Einzug König Jakobs I. von Aragonien im Jahr 1238, Wandmalerei im Castillo de Alcañiz Sie wurde schließlich 1238 von König Jakob I. von Aragonien erobert, der nach fünfmonatiger Belagerung am 9. Oktober (heute als Día de la Comunidad Valenciana (spanisch) oder Dia de la Comunitat Valenciana (valencianisch) regionaler Feiertag des Jahres) in die Stadt einzog. Er machte die ehemalige Taifa als Königreich Valencia zu einem Teilkönigreich der Krone von Aragon.

Mitte des 14. Jh. wurde eine neue Stadtmauer errichtet, die den geschützten Bereich im Vergleich zum maurischen Vorgängerbau auf 142 Hektar verdreifachte.

Im 15. Jh. wuchs die Stadt rasant und entwickelte sich zu einem der größten Mittelmeerhäfen sowie zu einem bedeutenden Handels- und Finanzzentrum. Ein großer Wirtschaftszweig war dabei die Seidenweberei. Anfang des 15. Jh. hatte die Stadt etwa 40.000 Einwohner, 1483 lebten schon etwa 75.000 Menschen hier. In dieser Zeit entstanden zahlreiche gotische Stadtpaläste, darunter die Lonja de la Seda („Seidenbörse“). Joanot Martorell, Autor von Tirant lo Blanch, und der Dichter Ausiàs March sind berühmte Valencianer aus dieser Zeit.

Auch die erste Druckerpresse auf der iberischen Halbinsel stand in Valencia. 1478 wurde die erste Bibel in einer romanischen Sprache (Valencianisch) gedruckt. Dies wird Bonifaci Ferrer zugeschrieben. Mit Künstlern aus den italienischen Herrschaftsgebieten der Krone von Aragón zeigte auch die neue Kunstepoche der Renaissance ihre ersten Äußerungen auf der Iberischen Halbinsel in Valencia.

Neuzeit mini|L’Albufera de València, 1563, Anton van den Wyngaerde Am Handel mit der Neuen Welt, der bis ins 18. Jh. ausschließlich über die andalusischen Häfen Sevilla und Cádiz abgewickelt wurde, hatte Valencia keinen Anteil, so wie der Rest der Krone von Aragón.

1520 – gleichzeitig mit dem Comuneros-Aufstand gegen König Karl I. (der deutsche Kaiser Karl V.) in Toledo und anderen Städten von Kastilien – erhoben sich in Valencia die in Bruderschaften (Germaníes) zusammengeschlossenen Zünfte. Nachdem im April 1521 bei Villalar die königliche Reiterei über die aufständischen Comuneros gesiegt hatte, wurde auch der Germanías-Aufstand niedergeschlagen.

Die Ausweisung der Morisken, die insbesondere auf dem Land noch einen großen Teil der arbeitenden Bevölkerung stellten, aus den Ländern der Krone von Aragón im Jahr 1609 stürzte das Königreich Valencia und seine Hauptstadt in eine tiefe wirtschaftliche Krise, von der sie sich im Laufe des Jahrhunderts nur langsam erholten.

Während des Spanischen Erbfolgekriegs (1701–1714) stand Valencia auf der Seite Karls von Österreich. Nach dem Sieg der Bourbonen in der Schlacht bei Almansa am 25. April 1707 verloren die Stadt und das Königreich Valencia ihre Privilegien und Selbstverwaltung, als der neue König Philipp V. die alten Strukturen auflöste und eine zentralisierte Monarchie schuf.

Während der Napoleonischen Kriege konnten die Franzosen die Stadt lange Zeit nicht in ihre Gewalt bekommen. Nachdem am 23. Mai 1808 in Valencia bekannt geworden war, dass in Bayonne Karl IV. und sein Sohn Ferdinand VII. unter dem Druck Napoleons zugunsten dessen Bruders Joseph Bonaparte auf die spanische Krone verzichtet hatten, bildete sich unter dem Druck der Bevölkerung eine Verteidigungs-Junta, die im Juni 1808 einen ersten Angriff französischer Truppen abwehren konnte. Der Krieg gegen die Franzosen wird Unabhängigkeitskrieg in Spanien genannt. Auch eine weitere Belagerung durch napoleonische Truppen im März 1810 schlug fehl. Erst im Januar 1812 gelang Marschall Suchet die Eroberung Valencias, das dann bis Juli 1813 von den Franzosen besetzt blieb. Unter anderem wurde der Königspalast Valencia von den französischen Truppen völlig zerstört.

In der zweiten Hälfte des 19. Jh. wurden die Stadtmauern, die die Stadt in ihrer weiteren Entwicklung zunehmend einengten, niedergerissen, im Westen und Süden entstanden neue Stadtteile mit breiten, schachbrettartig angelegten Straßen (die heutigen Bezirke Eixample und Extramurs). In der Altstadt wurden nach dem Abriss mittelalterlicher Häuserblöcke die beiden großen Plätze Plaza del Ayuntamiento und Plaza de la Reina angelegt.

20. Jahrhundert In den ersten Jahrzehnten des 20. Jh. stand die valencianische Architektur unter dem Zeichen des Modernisme, der sich noch heute in den Fassaden zahlreicher bürgerlicher Wohnhäuser, dem Bahnhof Estación del Norte und den Markthallen Mercat Central und Mercat de Colón zeigt. Während des Spanischen Bürgerkrieges 1936–1939, gehörte Valencia zu dem von den Republikanern kontrollierten Gebiet und war ab November 1936 anstelle des unmittelbar in der Kampfzone gelegenen Madrid Regierungssitz der Republik; im November 1937 verlegte die republikanische Regierung ihren Sitz jedoch weiter nach Barcelona. Die Stadt litt sehr unter den Bombardements von Maschinen der italienischen und der deutschen Luftwaffe. Sie fiel am 30. März 1939 als eine der letzten Städte in dessen Francos Hände.

mini|Park im ehemaligen Flussbett des Turia, September 2006