mini|Maico-Mobil Emblem Maico ist eine Marke für Fahrräder, Motorräder und Autos, die im schwäbischen Poltringen und Pfäffingen bei Tübingen in Unternehmen der Familie Maisch hergestellt und vertrieben wurden. Es wurde 1926 von Ulrich Maisch als Maisch & Compagnons gegründet. Bis 1987 war das Unternehmen in unterschiedlichen Gesellschaften in Familienbesitz. Die Firma wurde mehrfach verkauft, der Markenname blieb jedoch in Familienbesitz.
Zum 1. Januar 2026 waren in Deutschland noch 1758 Maico-Krafträder zum Straßenverkehr zugelassen.
Gründung Ulrich Maisch, der in Poltringen ein Sägewerk betrieb, begann 1926 auch Fahrräder und Fahrradzubehör herzustellen. Im Januar 1931 übernahmen seine Söhne Otto Maisch, Kaufmann, 26 Jahre alt, und Wilhelm Maisch, Techniker, 23 Jahre alt, die Fahrradfertigung und überführten sie sowie das Sägewerk in das Unternehmen Otto und Wilhelm Maisch OHG, das im Tübinger Handelsregister unter der Nummer 239 am 27. Februar 1934 eingetragen worden war. Wilhelm war für die Fertigung und Otto für den Verkauf zuständig.Eckhard Ströbel: Schwungvoll in die Firmenkrise, aus der Geschichte der Maico-Motorradwerke in Pfäffingen und Herrenberg, Schwäbisches Tagblatt, 13. Mai 1983.
Das erste Motorrad 1934 begannen die Brüder mit der Fertigung von Kleinmotorrädern in Poltringen. 1938 und 1939 wurden die Produktionsanlagen nach Pfäffingen verlegt und der Bau von weiteren Werkshallen begonnen.Festschrift 50 Jahre Maico, 1931−1981, Maico-Werke 1981, Wirtschaftsarchiv Baden-Württemberg.
Die ersten Versuchsversionen der Maico-Motorfahrräder waren mit einem 60-cm³-Motor der ILO-Motorenwerke ausgestattet. In Serie wurden überwiegend 98-cm³-Motoren von Fichtel & Sachs und die leistungsfähigeren 118-cm³- und 150-cm³-ILO-Motoren eingebaut. Auch die Verwendung von 60-cm³-ILO-, Saxonette-, 200-cm³-Bark- und 125-cm³-Sachs-Motoren in kleiner Stückzahl ist nachweisbar.
Durch den Schell-Plan der nationalsozialistischen Regierung, der auf eine Reduzierung der Typenvielfalt im deutschen Fahrzeugbau abzielte, war Maico ab 1939 gezwungen, ein Einheitsmodell zusammen mit den Herstellern Hecker, Tornax und UT zu bauen. Dieses Modell, die K 125 mit 125-cm³-ILO-Doppelportmotor (Einzylinder mit zwei Auspuffrohren) wurde federführend von Maico entwickelt und auch während des Krieges, neben der Produktion von Zulieferteilen für die Rüstungsproduktion, in kleiner Stückzahl gebaut. Für den Export waren die 98-cm³- und 118-cm³- Modelle weiterhin lieferbar.
1941 musste die Herstellung von Motorrädern eingestellt werden, weil die Produktion von Teilen für die Rüstungsindustrie angeordnet wurde.
Nachkriegszeit mini|Maicomobil mini|Maico Blizzard
Eingeschränkte Produktion und Neugründung Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte die Produktion von Fahrzeugen nicht direkt wieder aufgenommen werden, da es an wichtigen Grundmaterialien fehlte. Maico wandte sich kurz der Herstellung von Spielzeug und Holzvergasern zu.
Nachdem Otto Maisch im August 1945 aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt war, bemühte er sich, die Fahrradfertigung wieder aufzubauen. Zunächst musste er Materialien für die Fertigung auftreiben. Als zu Beginn des Jahres 1946 französische Besatzungstruppen überraschend begannen, die besten Fertigungsmaschinen im Werk Pfäffingen zu demontieren und das gesamte Produktionsmaterial zu beschlagnahmen, schafften Otto und Wilhelm Maisch eine Grundausstattung an Werkzeugen in einer nächtlichen Aktion nach Herrenberg in der amerikanischen Besatzungszone. Dort gründeten sie die Firma Maico Fahrzeugfabrik GmbH, in der beide Brüder gleichberechtigte Geschäftsführer waren und wo sie wieder Fahrräder herzustellen begannen.
Eigene Motorenentwicklung Nach der Währungsreform im Jahre 1948 nahm die Nachfrage nach Zweirädern rasant zu. Maico kehrte wieder zum Bau von Motorfahrrädern zurück, zunächst unter Verwendung des neuen 98-cm³-Sachsmotors mit Magura-Drehgriffschaltung. Die Produktion der attraktiveren K 125 war stark gebremst durch mangelnde Lieferfähigkeit und Qualitätsprobleme des Motorenlieferanten ILO-Süd im amerikanisch besetzten München und dauernde Schwierigkeiten, die knappen Motoren über die Besatzungszonengrenze ins französisch besetzte Pfäffingen auszuführen. So entwickelte und produzierte Maico zunächst verbesserte Nachbauten von ILO-Kurbelwellen und -Getrieben für den Ersatzteilbedarf, um im Herbst 1948 erstmals einen eigenen Motor für das neue Modell M 125 zu präsentieren. Der von Willi Tetzlaff konstruierte M-125-Motor (sogenannter Maico-Spitzmotor) entspricht nur optisch seinem ILO-Vorbild, tatsächlich war es eine Neuentwicklung. Wesentliches Unterscheidungsmerkmal zum ILO ist die Dreigang-Drehgriffschaltung von Magura.Firmengeschichte Maico, abgerufen am 1. April 2018.
Hubraumstärkere Varianten dieses Motors fanden in den Motorrädern M 150 und M 151 und auch in den Motorrollern „Maicomobil“ MB 151 und MB 175 Verwendung. Ab Anfang 1952 war für die Modelle M 175, MB 175 und wenige Exemplare der M 151 ein neues Viergang-Fußschaltgetriebe in der alten Gehäuseform (sog. „Maico-Spitzmotor“) verfügbar.
1953 wurden die Maico-Motoren neu gestaltet. Die Hauptabmessungen blieben erhalten, die Lichtmaschine wurde ins Gehäuse integriert, das äußere Erscheinungsbild wurde geglättet und hielt sich in dieser Form über 20 Jahre lang fast unverändert. Diesen Motortyp (sog. „Maico-Rundmotor“) gab es in unterschiedlichen Hubraumvarianten in den Motorrädern M 175, M 200 „Fanal“, „Passat“, M 175 S, M 200 S, „M 250/M 277 Blizzard“, den Motorrollern „Maicomobil MB 200“ und „Maicoletta“ 175, 250 und 277 und in zahlreichen Sportmaschinen. Ebenfalls 1953 entwickelte Chefkonstrukteur Ulrich Pohl auch ein modernes Hinterradschwingen-Fahrwerk, das erstmals mit den Modellen M 175 S und M 200 S vorgestellt wurde. Das Spitzenmodell ab 1953 war jedoch die „Taifun“, eine innovative Zweizylinder-Zweitakt-Maschine, wahlweise mit 350 oder 400 cm³ Hubraum. Das 400-cm³-Modell leistete 22,5 PS bei 5200/min. Eine Besonderheit der Taifun besteht darin, dass die Kettenspannung beim Ein- und Ausfedern konstant bleibt, denn der Drehpunkt der Hinterradschwingenlagerung liegt in der Achse des Kettenantriebsritzels. Wegen des dramatisch schrumpfenden Motorradmarktes musste aber schon 1957 die Produktion der Taifun wieder eingestellt werden. Einzylindrige M-Modelle wurden bis Anfang der 70er-Jahre produziert, insbesondere die Derivate der M 250, z. B. das olivgrüne Bundeswehrkrad M 250/B oder auch das moosgrüne bayrische Polizeimotorrad M 250/SII.
Sportliche Erfolge 1952 beteiligte sich ein Fahrerteam von Maico an der Internationalen Sechstagefahrt und gewann. Die Brüder Maisch sahen im internationalen Rennsport eine wirkungsvolle Möglichkeit, für ihr Fabrikat zu werben und engagierten sich im Motorradsport immer stärker und erfolgreicher: Namen wie Gottlieb Haas, Uli Pohl, Willy Bauer, Erwin Schmider und Hans Maisch, der Sohn von Wilhelm Maisch, stehen bis Ende der 1970er Jahre für zahlreiche sportliche Erfolge der Maico-Motorräder und Maico-Fahrer.
So wurde die Deutsche Motocross-Meisterschaft 1956 in der Klasse bis 175 cm³ Hubraum von Maico dominiert: die ersten 10 Plätze errangen Fahrer auf der GS 175, die von 1956 bis 1959 gebaut wurde, aber zeitgleich auch als Straßenversion MC 175 mit gleicher Leistung angeboten wurde.
Mopeds Auf der IFMA 1956 wurde das Moped Maico Wiesel mit Sachs-Motor präsentiert.
Maico-Autos Gründung einer eigenen Pkw-Firma Ab 1954 ließ das allgemeine Interesse an Motorrädern in Deutschland nach, die Nachfrage nach kleinen Automobilen stieg. Otto und Wilhelm Maisch entschieden, jetzt auch kleine Autos herzustellen. Dafür wurde am 1. Januar 1953 eine weitere Firma gegründet, die Maico-Werk-GmbH Pfäffingen. Als Grund für die Gründung einer weiteren Firma wurde damals vom Unternehmen genannt, die Betriebsgewinne, die in den Firmen Otto & Wilhelm Maisch OHG und Maico Fahrzeugfabrik GmbH Herrenberg erzielt wurden, „abzufangen“. Dadurch sollte die Steuerlast verringert werden. Maico beschäftigte in ihren drei Gesellschaften zwischenzeitlich 650 Mitarbeiter.Volker Grub: Schlussbericht des Konkursverwalters Dr. Volker Grub im Konkursverfahren der Firma Maico Fahrzeugfabrik GmbH vom 18. Mai 1994, Wirtschaftsarchiv Baden-Württemberg, Bestand Y 517.
Die Fahrzeuge Die Brüder Maisch kauften 1955 aus der Konkursmasse der rheinischen Automobilfabrik Thorndahl & Cie. die Nachbaurechte und Presswerkzeuge für einen zweisitzigen Kleinwagen mit der Markenbezeichnung „Champion“. Maico war das dritte Unternehmen, das versuchte, das Auto Champion nachzubauen. Zwei andere Firmen hatten dies zuvor ebenfalls versucht. Beide scheiterten.
mini|PKW Maico 500 Die Fahrzeuge hatten Ganzstahlkarosserie, wassergekühlte Heinkel-Zweizylinder-Zweitakt-Reihenmotoren von 400 und 450 cm³ Hubraum mit 15 bzw. 18 PS Leistung. Sie erreichten Höchstgeschwindigkeiten von 80 bzw. 90 km/h. Das erste Modell war von September 1955 bis Juni 1956 die von der Rheinischen Automobil-Fabrik, Henning Thorndal übernommene zweisitzige Cabriolimousine Champion H 400, von der Maico 1374 Stück nahezu unverändert als MC 400/H baute.
Erfolgreicher war der 1955 auf der IAA vorgestellte viersitzige Typ MC 500/4, von dem 6301 Stück zum Preis von 3665 DM verkauft wurden. Nur Kleinserien erlebten hingegen das Kombimodell MC 500 G (insgesamt 21 Stück, Preis 4500 DM), das viersitzige Modell MC 400/4 und das 110 km/h schnelle 20-PS-Modell 500 Sport nach einem Entwurf von Beutler, das bis Ende 1957 hergestellt wurde (nur 4 Stück). Außer dem 500 Sport waren auch diese Modelle Weiterentwicklungen des Champion-Kleinwagens.
Pkw-Scheibenbremse von Maico 1962 kaufte Maico von der Entwicklungsgesellschaft Oswald Josef Rosamowski (OJR) ein fertiges Patent einer Ring-Scheibenbremse, um die schwache Produktion im Winter mit einem weiteren Geschäftsfeld auszulasten. Die nun angebotene Maico-Scheibenbremse als Nachrüstlösung für Pkw sollte interessierte Sportfahrer als Kunden ansprechen. Maico bot Umrüstsätze außer für den VW 1200 und 1500 ebenso für den Porsche 356, den Karmann Ghia sowie den Peugeot 404 an.
Ende der Pkw-Produktion Die von Maico verkauften Stückzahlen reichten bei weitem nicht aus, die Produktionskosten zu decken. Im August 1957 berichtete Der Spiegel über angebliche Mängel am Viersitzer und korrigierte sich später. Die Publikation führte jedoch sofort zu einem deutlichen Absatzrückgang. Ein Rechtsstreit, den die Maico-Werk-GmbH gegen den Spiegel führte, war erfolglos. Der Absatz des Autos blieb weit hinter den Erwartungen des Unternehmens zurück. Ein Antrag auf Staatshilfe, den Maico beim Wirtschaftsministerium in Stuttgart einreichte, wurde abgelehnt. Am 17. März 1958 war die Maico-Werk-GmbH zahlungsunfähig und meldete Konkurs an. Konkursverwalter wurde der Tübinger Rechtsanwalt Gerhard Breuer. Otto und Wilhelm Maisch wurden später vor dem Landgericht Tübingen wegen betrügerischem Bankrott, fortgesetztem Betrug und Unterschlagung angeklagt. Unter anderem wurde ihnen vorgeworfen, nach der Zahlungsunfähigkeit drei Lastzüge mit Rollern und Motorrädern in Überseekisten in eine leerstehende Scheune in Herrenberg verbracht zu haben und damit der Konkursmasse entzogen zu haben. Am 31. Juli 1960 wurde Otto Maisch wegen betrügerischem Bankrott und Untreue zu 20 Monaten Haft verurteilt. Eine Revision wurde verworfen.
Die Produktion 1959 bis 1967 Allgemeines mini|Feldjäger mit einer M 250/B, Militärhistorisches Museum der Bundeswehr Das Unternehmen beschäftigte 1959 rund 500 Arbeitnehmer. Wegen des nachlassenden Interesses an Straßenmotorrädern und der wenig erfolgreichen Kleinwagenproduktion setzte Maico fortan auf Gelände- und Motocross-Motorräder. Die sportlichen Maschinen von Maico genossen zu dieser Zeit einen guten Ruf und waren erfolgreich.
Militärmotorrad M 250/B