Dawson Creek ist eine Kleinstadt im Nordosten von British Columbia in Kanada mit 12.178 Einwohnern. 2011 betrug die Einwohnerzahl noch 11.583. Die Stadt hat den Beinamen „Mile 0 City“ (dt. Stadt der nullten Meile), da sie den südlichen Abschluss bzw. Anfang des Alaska Highway bildet. Die zugehörige Wegmarke Mile 0 Post ist Hauptelement der Stadtflagge. Der Name Dawson Creek stammt vom Bach (englisch creek) desselben Namens, der durch die Stadt fließt und von einem Landvermesser im August 1879 nach George Mercer Dawson benannt wurde.First Traveler Through Dawson, 1879 The News, Progress Edition, 27. April 1979 Da die Stadt Dienstleistungszentrum des ländlichen Umlandes südlich des Peace River, Sitz des Peace River Regional District und Verkehrsknotenpunkt auf dem Weg von Alberta in den Teil British Columbias nördlich der Rocky Mountains ist, gab sie sich den Titel The Capital of the Peace (dt. Hauptstadt des Friedens).
Geschichte Dawson Creek war eine der Farmergemeinden, die von Euro-Kanadischen Siedlern auf deren Weg nach Westen durch die Prärie des Peace River Country gegründet wurden. Die Immigration nahm zu, nachdem den Siedlern ihre Siedlungsländereien von der kanadischen Regierung als Eigentum zugesprochen wurde (vgl. US-Homestead Act). Nach der Eröffnung einiger Geschäfte und Hotels im Jahre 1919 wurde Dawson Creek zur bedeutendsten Ansiedlung in der Gegend. Am 28. Mai 1921 wurde Dawson Creek als Co-operative Union (Genossenschaftsvereinigung) gegründet, was die Bedeutung des Ortes als Geschäftszentrum nochmals verstärkte.Coutts, M. E. (1958). Edmonton: Dawson Creek Historical Society.
Nach intensiver Landspekulation wurde die Endstation der Northern Alberta Railways drei Kilometer vom Dorf entfernt gebaut.Dorthea Calverley: The Choice of Terminal for the N.A.R.1983, [17. November 2005] Die Strecke wurde am 29. Dezember 1930 vollendet und am 15. Januar 1931 erreichte der erste Personenzug die Station. Die Eisenbahnanbindung und der Bau vieler Getreideheber zogen mehr Siedler an und führten dazu, dass Dawson Creek 1936 offiziell als Dorf (englisch village) begründet wurde. Nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs kamen seit 1939 Flüchtlinge aus dem Sudetenland in die Region und siedelten auf Land, das von der Canadian Pacific Railway gekauft und von der Canadian Colonization Association treuhänderisch verwaltet wurde.The Sudeten Settlement in the Peace River District, an article from the Calverley Collection. Auf diese Weise überstieg die Bevölkerungszahl 1941 die 500-Einwohner-Grenze,Dawson Creek. BritishColumbia.com und betrug bereits 1943 mehrere Tausend. Der Ort entwickelte sich im Jahr 1942 rasch, da tausende von US-amerikanischen Soldaten, Ingenieuren und Vertragsarbeitern zum Eisenbahnendpunkt kamen, um den Alaska Highway zu bauen.
Im Jahr 1951, nachdem die Straße fertiggestellt war und die Bauarbeiter Dawson Creek verlassen hatten, betrug seine Einwohnerzahl etwa 3.500. Der Ort erfuhr ein enormes Bevölkerungswachstum in den 1950er Jahren, besonders nachdem der British Columbia Highway 97 (John Hart Highway) und eine parallele Eisenbahnstrecke Dawson Creek mit dem Inneren British Columbias (Cariboo) und dem Lower Mainland, der Region um Vancouver, verband. In dieser Zeit wurde auch die größte Gasanlage Westkanadas gebautCalendar of Peace Country Milestones Peace River Block News, 4. August 1972. und Vertretungen der kanadischen Bundesregierung eingerichtet und die Stadt hatte 1961 etwa 11.000 Einwohner.
Das Wachstum der Stadt nahm in den 1960ern ab; seine höchste Bevölkerungszahl hatte Dawson Creek 1966 mit 12.392 Einwohnern. In den 1970er Jahren errichtete die Provinzregierung Büros in der Stadt, das Northern Lights College eröffnete einen Campus in Dawson Creek und das Einkaufszentrum Dawson Creek Mall wurde gebaut. Außerdem wurden mehrere moderne Getreideheber gebaut und die fünf alten, hölzernen Getreideheber abgebaut. Heute steht nur noch einer der historischen Getreideheber, der mittlerweile eine Kunstgalerie beherbergt. Seit den 1970er Jahren sind Bevölkerung und Wirtschaft Dawson Creeks nicht wesentlich gewachsen. Dies ist vor allem auf die nahegelegene Orte Fort St. John und Grande Prairie (in Alberta) zurückzuführen. Ersteres entwickelte sich zum Industrie-, Letzteres zum Handelszentrum der Region.
Die Zuerkennung der kommunalen Selbstverwaltung für die Gemeinde erfolgte am 26. Mai 1936 (incorporated als Village Municipality ). Seit dem 27. Juni 1967 hat Dawson Creek den Status einer Stadt.
Bevölkerung mini|links|Bevölkerungsentwicklung 1951–2004, nach BC Stats. [17. November 2005] [17. November 2005] [17. November 2005] Die kanadische Bevölkerungszählung von 1941 ermittelte 518 ständige Einwohner in Dawson Creek. Im Zensus von 1951 wurden bereits 3.589 Einwohner gezählt, was einer Versiebenfachung der Einwohnerzahl in zehn Jahren entspricht. Die Zählung von 1956 ermittelte 7.531 Einwohner. Dieses schnelle Bevölkerungswachstum ist auf den Bau des Alaska Highway im Jahr 1942 zurückzuführen, der Dawson Creek zum Endpunkt der Eisenbahn aus den USA über Alberta machte und tausende von Arbeitern in die Stadt brachte. Die neue Straße machte die Stadt zum wichtigen Umladepunkt von Lastwagen auf Züge und zu einem Verkehrsknotenpunkt auf dem Weg in den Nordosten British Columbias von Alberta aus. Seit den späten 1970er Jahren hat sich die Bevölkerungszahl von Dawson Creek dennoch kaum verändert.
Nach dem kanadischen Zensus von 2001 lebten in der Stadt 10.740 Menschen in 4.410 Haushalten. Das Durchschnittsalter ist geringer als im übrigen British Columbia, 22,4 % der Einwohner sind unter 15 Jahre alt, im Vergleich zu 18,1 % in der Provinz. 11,1 % der Einwohner sind über 65 Jahre alt, während es auf Provinzebene 13,6 % sind. Die Religion mit den meisten Anhängern ist das Christentum: 37 % der Einwohner sind Protestanten, 18 % römisch-katholisch.
Demselben Zensus zufolge betrug die Arbeitslosenquote im Jahr 2001 10,4 % und die Erwerbsquote, der Anteil der aktiven Arbeitsbevölkerung an der Gesamtbevölkerung, 69,5 %, im Vergleich zu 8,5 % bzw. 65,2 % in Gesamt-British Columbia. Dawson Creeks höhere Erwerbsquote zeigt, dass ein größerer Bevölkerungsteil arbeitet oder Arbeit sucht, die überdurchschnittliche Arbeitslosenquote deutet auf ein Überangebot an Arbeitskräften hin. Die Arbeitslosenquote hängt vermutlich auch mit der Wirtschaftsstruktur Dawson Creeks zusammen, in der saisonale und befristete Arbeitsplätze zum Beispiel in der Verarbeitung von landwirtschaftlichen Produkten, im Bergbau und bei Öl- und Gasbohrungen eine wichtige Rolle spielen. Allerdings war die Armutsquote ebenfalls unterdurchschnittlich: Sie lag 2001 bei 16,5 % im Vergleich zu 17,8 % im Provinzdurchschnitt.
Der Zensus im Jahre 2011 ergab für die Kleinstadt einen weiteren Anwuchs der Bevölkerungszahl. Die Bevölkerung der Stadt wuchs dabei im Vergleich zum Zensus von 2006 um 5,4 % an (von 10.994 auf 11.583 Einwohner), während die Bevölkerung in British Columbia gleichzeitig um 7,0 % anwuchs.
Wirtschaft Dawson Creek ist ein Vertriebs- und Dienstleistungszentrum für die Region zwischen dem Peace River im Norden und den Rocky Mountains im Süden. Die Wirtschaft der Stadt entwickelte sich vor allem auf Grundlage des Primärsektors und hängt von großen ressourcenbasierten Arbeitgebern ab. Neben der Landwirtschaft sind Einzelhandel, Tourismus und Öl- und Gasextraktion von Bedeutung.
Die Landwirtschaft war und ist der bedeutendste Wirtschaftszweig für Dawson Creek, vor allem weil die Stadt ein Verkehrsknotenpunkt für die Umladung und Versand landwirtschaftlicher Produkte von Straße auf Schiene ist. Die Stadt ist von der sog. Agricultural Land Reserve umgeben, einem fruchtbaren Anbaugebiet, dessen Böden ständig gute Erträge von Qualitätsgetreide- und Graspflanzen hervorbringen. Besonders Weizen, Hafer, Roggen, Gerste, Lein, Heu, Luzerne und Steinklee werden angebaut.Harry Giles: Dawson Creek, "The Cross Roads of the North" The Vancouver Province, 1953. Viehzucht war früher von Bedeutung, die aber nach der BSE-Krise und den damit verbundenen weltweiten Grenzschließungen für kanadische Rinder stark nachgelassen hat.
Als Dienstleistungszentrum verfügt Dawson Creek über zahlreiche Einzelhandelsunternehmen, die sowohl die ländliche Umgebung als auch die Bewohner der Stadt versorgen. Allerdings hat der Einzelhandel in den vergangenen Jahren zugunsten von Grande Prairie, der nächsten größeren Stadt in der kanadischen Provinz Alberta, an Nachfrage verloren, da in Alberta keine Provinz-Mehrwertsteuer auf Käufe im Einzelhandel existiert, während in British Columbia eine 7%ige Steuer anfällt. Insbesondere für teurere Produkte fahren deshalb Einwohner von British Columbia nach Grande Prairie. Die Situation des lokalen Einzelhandels wurde durch die Ansiedlung von Groß-Supermärkten wie Walmart noch zusätzlich erschwert. Die Einwohner fahren für teure Produkte noch immer vielfach nach Alberta, aber die großen Supermärkte bieten abgesehen davon ein Sortiment von mittelteuren und günstigen Produkten an, bei denen sich der Einkauf in Alberta bisher praktisch nicht lohnte, so dass die im Zentrum der Stadt gelegenen Einzelhändler in diesen Segmenten nun ebenfalls unter Preisdruck geraten sind.
Dawson Creek ist außerdem ein Tourismusziel und verfügt über Hotels, Motels und Camping-Parks. Die Mehrzahl der Besucher kommt nach Dawson Creek, um von dort den Alaska Highway zu befahren. Viele von ihnen fahren in Konvois auf dem Highway und treffen sich dazu in Dawson Creek.
Die Wirtschaftsaktivitäten im Erdöl- und Erdgas-Bereich, die der Wirtschaft des nahe gelegenen Fort St. John starkes Wachstum beschert haben, haben sich in den vergangenen Jahren auf Dawson Creek ausgedehnt. Funde von Vorkommen südlich der StadtCity of Dawson Creek and Fisheries Renewal BC, , Mai 2003, S. 28 und steigende Energiepreise haben die Stadt veranlasst, die Entwicklung der Erdöl- und Erdgasförderung zu unterstützen.
Verkehr und Infrastruktur mini|Vereinfachter Stadtplan von Dawson Creek Mit dem schnellen Stadtwachstum wurde Mitte des 20. Jahrhunderts auch das Straßennetz von Dawson Creek in kurzer Zeit entwickelt. Es folgt einem Gitternetz-Plan aus großen Blöcken, die untereinander nur durch einige Verbindungsstraßen verbunden sind, zum Beispiel über eine Brücke über den Bach oder über einen Bahnübergang. Da es in innerhalb der Blöcke des Gitternetzes viele Stoppschilder gibt, bewegt sich der Hauptverkehr auf den beiden Hauptstraßen. Die sind die 8. Straße (8 Street) in Nord-Süd-Richtung und die Alaska Avenue in Südost-Nordwest-Richtung. Beide Straßen treffen sich in einem Kreisverkehr, an dem eine Metallstatue den Anfang des Alaska Highway markiert. Die wichtigsten Verkehrsziele in Dawson Creek sind die Geschäfte im südlichen Teil der 8. Straße und dem Mittelteil der Alaska Avenue. Der meiste Verkehr von Alberta durchquert die Stadt, insbesondere derjenige in die ölfördernden ländlichen Gebiete; dieser Verkehr kommt von Norden über die 8. Straße und folgt dann der Alaska Avenue nach Nordwesten oder umgekehrt. Trotz des Ausweises des Highway 2 – südlich und westlich der Stadt als Gefahrgut-Strecke befahren viele LKWs dennoch die beschriebene Strecke über die 8. Straße und den Alaska Highway, wodurch vielfach der Verkehr behindert und die Straße beschädigt wird. mini|links|Zentraler Kreisverkehr mit Blick nach Süden auf die 8 Street; die Metallstatue weist den Weg nach Alaska.