Das Waldviertel, altertümlich Viertel ober dem Manhartsberg, ist der nordwestliche Teil des österreichischen Bundeslandes Niederösterreich. Es entspricht weitgehend einer der Hauptregionen des Landes (Hauptregion Waldviertel) und in der amtlichen Statistik einer Gruppe von Bezirken (NUTS:AT124).

Als 1868 die administrativen Kreise, die sich noch an den alten Vierteln orientierten, durch politische Bezirke ersetzt wurden, verloren die Viertel ihre rechtliche Bedeutung und wurden zu reinen Landschaftsbezeichnungen.

Überblick Im Süden bildet die Donau die Grenze zum niederösterreichischen Mostviertel. Im Uhrzeigersinn von Südwesten nach Osten angrenzende Regionen sind das oberösterreichische Mühlviertel, das tschechische Südböhmen und das niederösterreichische Weinviertel mit dem markanten Manhartsberg (537 m). Letzterem verdankt es auch den Namen Viertel ober dem Manhartsberg (auch Viertel/Kreis Ober-Manharts-Berg, im 18. und 19. Jahrhundert oft abgekürzt mit V. O. M. B. oder O.M.B.).

Das Waldviertel umfasst eine Fläche von etwa 4.900 km² und wird von etwa 228.000 Personen bevölkert (Stand: 2023), dies entspricht weniger als 50 Einwohner je km².

Verglichen mit den politischen Grenzen umfasst die traditionell-landschaftliche Abgrenzung die Bezirke Gmünd, Horn, Waidhofen an der Thaya und Zwettl, dazu die Bezirke Krems und Melk links der Donau sowie die westlichsten Teile des Bezirkes Hollabrunn (wie die Gemeinden Hardegg, und teilweise die Gemeinden Maissau und Mühlbach am Manhartsberg). Kleinere Ostteile der Bezirke Krems und Horn hingegen werden zum Weinviertel gerechnet. Die wichtigsten Städte sind neben Krems die Bezirkshauptstädte Gmünd, Horn, Waidhofen und Zwettl sowie Allentsteig, Eggenburg (am Übergang zum Weinviertel), Heidenreichstein, Litschau, Schrems und Weitra.

Zu den strukturstärksten Gebieten des Viertels gehört die Flusslandschaft Wachau mit ihren Hauptorten Krems an der Donau und Spitz an der Donau. Geologisch betrachtet liegt die Wachau zu beiden Seiten der Donau im Waldviertel, denn der Dunkelsteinerwald gehört ebenfalls zur Böhmischen Masse.

Im Zentrum des Waldviertels befindet sich der nach dem „Anschluss“ 1938 angelegte Truppenübungsplatz Allentsteig, der mit 157 km² gut 3 % der Fläche einnimmt.

Verwaltung und politische Gliederung Historische Verwaltungsregion Im Zuge der Theresianischen Reformen wurde der Kreis Ober-Manhartsberg errichtet, der als unterste staatliche Einheit den lokalen Grundherren gegenüberstand. Sitz des Kreisamtes wurde Krems an der Donau. Nach dem Umbruch im Jahr 1848 und der Überführung der Herrschaften in freie Gemeinden übernahmen Bezirksämter viele Aufgabenbereiche der Kreisämter. Derartige Bezirksämter wurden 1853 für die Amtsbezirke Allentsteig, Dobersberg, Eggenburg, Geras, Gföhl, Groß Gerungs, Horn, Krems, Langenlois, Litschau, Ottenschlag, Persenbeug, Pöggstall, Raabs, Schrems, Spitz, Waidhofen, Weitra und Zwettl eingerichtet und das Kreisamt in Krems fungierte nun als zweite Instanz der Bezirksämter und war auch als Aufsichtsbehörde tätig. Diese verwaltungstechnische Struktur war bis 1867 aufrecht. Mit dem Ausgleich 1867 wurde das Waldviertel in der neuen Verfassung Österreichs von 1867, im Jahr 1868 in Bezirke (bzw. Bezirkshauptmannschaften) eingeteilt und damit der Kreis Ober-Manhartsberg aufgehoben.

Anfangs bestand das Waldviertel aus den Bezirken Horn, Krems, Waidhofen und Zwettl. Der Bezirk Gmünd wurde erst 1899 aus Teilen der Bezirke Waidhofen und Zwettl gebildet. Überdies bestand zwischen 1899 und 1938 der Bezirk Pöggstall, der aus Teilen der Bezirke Amstetten, Krems und Zwettl gebildet wurde.RGBl. Nr. 153/1899

Das alte Kreisgebilde überdauerte jedoch im Bereich der Justiz als Kreisgericht Krems, das weiterhin die zweite Instanz für die Bezirksgerichte des Waldviertels war. Zudem war das Waldviertel bis zum Inkrafttreten der Nationalrats-Wahlordnung 1971 am 1. Jänner 1971 ein eigener Wahlkreis für Nationalratswahlen mit dem Namen Viertel oberm Manhartsberg. Mit der Nationalrats-Wahlordnung 1992 wurde der Regionalwahlkreis Waldviertel eingeführt.

Hauptregion mini|hochkant=1.4|Die Hauptregionen Niederösterreichs Niederösterreich ist für die Raumplanung in fünf Hauptregionen gegliedert. Der größte Teil des Waldviertels liegt in der gleichnamigen Hauptregion Waldviertel, Ausnahmen sind Krems und die Gemeinden an der Donau, die zu NÖ-Mitte gehören, der Bezirk Melk nördlich der Donau (Hauptregion Mostviertel) und die Gegend um Hardegg, die zur Hauptregion Weinviertel gehört. Die Gemeinden des Bezirks Horn östlich des Manhartsberges gehören dagegen zur Hauptregion Waldviertel.

Statistikregion Als Gruppe von Bezirken, das ist die NUTS-3-Ebene der amtlichen EU-Statistik für Österreich umfasst das AT124 Waldviertel (Stand 2015):Gliederung Österreichs in NUTS-Einheiten. Gebietsstand 1. Jänner 2017. In: statistik.at, (PDF; 26 kB). Statutarstadt Krems an der Donau Bezirk Gmünd (vollständig) Bezirk Horn (vollständig) Bezirk Krems (vollständig) Bezirk Waidhofen an der Thaya (vollständig) Bezirk Zwettl (vollständig)

Gemeinden Zum Waldviertel gehören 99 selbstständige Gemeinden mit etwa 228.000 Einwohnern (Stand 2023).

Geografie und Natur mini|Landschaft bei Riebeis, Gemeinde Rappottenstein mini|Granitrestling in der Ysperklamm

Gliederung in Teilräume Nach dem Naturschutzkonzept von 2015 ist Niederösterreich in 124 Teilräume gegliedert (diese Einteilung wurde bereits in den 1990ern entwickelt), die in 26 Regionen zusammengefasst werden. Ausschlaggebend sind die Grenzen der Hauptregionen, sodass die Einteilung nicht rein naturräumlich ist, sondern sich auch nach der Verwaltungsgliederung orientiert.

Geomorphologie und Geologie Das Waldviertel ist eine Grundgebirgslandschaft aus Graniten und Gneisen mit Höhen bis 1000 m. Wichtigster Fluss des nordöstlichen Teils dieser nördlich der Donau gelegenen Landschaft ist der Kamp. Nördlich von Krems tritt er in das Donautal, dessen nördliche Hangkante durch alte schotterführende Terrassen, dem sogenannten Wagram, gebildet wird. Das Kamptal ist etwa 100 Meter tief in die Hochfläche des Waldviertels eingeschnitten. Das Waldviertel präsentiert sich heute als eine wellige Rumpffläche der böhmischen Masse, dessen österreichischer Teil als Großlandschaft Granit- und Gneisplateau genannt wird. Es bildet dessen östlichen Rand. Granitblöcke (Restlinge) finden sich an vielen Stellen, wie in der Blockheide Gmünd, einige davon als so genannte Wackelsteine.

Durch Verwitterung rundet sich die Form dieser Felsblöcke allmählich, weil die Erosion an den Ecken stärker wirkt als an den Flächen. Manchmal sind die Felsblöcke noch stärker gerundet, fast in der Form eines Ellipsoids. Sie kann auch durch Druckentlastung entstehen, wenn das Gestein an die Erdoberfläche kommt. Sie finden sich auch im Mühlviertel, im Bayerischen Wald sowie in anderen Gebieten des Böhmischen Massivs. Wegen ihrer auffälligen, glatten Form werden diese Felsblöcke bisweilen als Zierde in Vorgärten platziert.

Weite Teile weisen Verwitterungsböden auf, es gibt aber auch im Randbereich tertiäre Ablagerungen und auch Lößablagerungen (z. B. im Horner Becken und im Donautal).

Geologisch ist das im Westen vorkommende Moldanubikum vom im Osten vorkommenden Moravikum zu unterscheiden, das am Ostrand des Waldviertels unter das Moldanubikum abtaucht. Das Moldanubikum lässt sich weiter in die hauptsächlich aus Paragneisen aufgebaute Ostronger Einheit (Monotone Serie), in die aus verschiedenen Gesteinsserien bestehende Drosendorfer Einheit (Bunte Serie) und die Gföhler Einheit unterteilen, die hauptsächlich aus Granuliten, dem Gföhler Gneis und Amphiboliten besteht. Die schmale Drosendorfer Einheit folgt, von Drosendorf kommend, dem Ostrand des Moldanubikums, biegt dann in südwestliche Richtung ab und erreicht westlich von Gföhl vorbei an Spitz endlich Persenbeug, wo sie südlich der Donau unter jüngere Bedeckung abtaucht. In ihr befinden sich auch Bodenschätze wie Marmor oder Graphit. Westlich davon liegt die Ostronger Einheit und südöstlich die Gföhler Einheit. Alle diese Einheiten bestehen aus hochmetamorphen Gestein der variszischen Gebirgsbildung. Westlich der Linie Sarmingstein–Bad Traunstein–Zwettl–Kirchberg am Walde–Kautzen zieht sich eine aus dem Intrusivgestein Granit bestehende „Insel“, die sich weit bis ins Mühlviertel und nach Tschechien fortsetzt.

Durch das nordwestliche Waldviertel verläuft die europäische Hauptwasserscheide. Die Lainsitz, an der Gmünd liegt, entwässert nach Norden über die Moldau und die Elbe in die Nordsee und bildet so innerhalb Österreichs eine eigene hydrographische Grundeinheit (Flussgebietseinheit Elbe). Alle anderen Flüsse im Waldviertel, vor allem Kamp und Thaya, entwässern wie der Großteil des Landes über die Donau ins Schwarze Meer.

Berge Der Tischberg ist mit 1063 Metern der höchste Berg des Waldviertels. Der Große Peilstein ist mit 1061 Metern der höchste Berg im Ostrong-Massiv und der höchste Berg des südlichen Waldviertels.

Klima mini|hochkant=1.4|Jahresmitteltemperatur 1971–2000 bewohnter Orte in Österreich abhängig von deren Seehöhe mini|Landschaft bei Weikertschlag, Gemeinde Bad Großpertholz Im Waldviertel herrscht ein kontinental geprägtes Hochflächenklima vor, das im Westen (Weinsberger Wald) zum atlantisch geprägten Hochflächenklima und im Osten (Manhartsberg, unteres Kamptal) zum pannonischen Klima übergeht. Hier grenzt es an die trockenste Region Österreichs an: das nördliche Weinviertel. Im Waldviertel beträgt die durchschnittliche Jahresniederschlagsmenge 400 mm, in manchen Jahren regnet es nur 250 mm. Im inneren Waldviertel ungefähr zwischen Zwettl und Neupölla befindet sich ein inneres Trockengebiet. Trotz relativ kalter Winter sind deshalb die Schneehöhen eher gering.

Das Klima des Waldviertels ist kalt und rau. Relativ zur Seehöhe weist das Waldviertel die tiefsten Jahresmitteltemperaturen aller Messstationen der ZAMG an bewohnten Orten Österreichs auf, wobei Zwettl darüber hinaus einen Ausreißer nach unten darstellt.Klimadaten von Österreich 1971–2000. In: zamg.ac.at. Abgerufen am 15. Dezember 2021. Zwettl hält mit −36,6 °C weiters den Temperaturrekord Österreichs für die niedrigste Lufttemperatur an einem bewohnten Ort.Wikipedia: Tiefsttemperaturen (seit Beginn der Aufzeichnungen) Der Winter ist gekennzeichnet durch Schnee und Sonnenschein, der Sommer durch warme, wenig heiße Tage und kühle Nächte. Der Niederschlag nimmt in Richtung Osten ab. Es gibt eine thermische Benachteiligung in den Bezirken Waidhofen/Thaya, Zwettl und Gmünd. Weiters ist das Klima durch kurze Vegetationszeit mit häufigen Früh- und Spätfrösten gekennzeichnet. Die Windhäufigkeit ist hoch, von Herbst bis Mai tritt häufig Nebel auf. Bernhard Fürst, Cornelia Jöbstl, Iris Wagner: Das Waldviertel. Universitätsarbeit in der Arbeitsgruppe Kartographie und Geoinformation der Universität Wien, 2004.

Trotz des kühlen Klimas ist das Waldviertel das größte Rapsanbaugebiet und das zweitgrößte Ackerbaugebiet Österreichs. Die Erträge pro Flächeneinheit sind dabei höher als im Weinviertel oder Alpenvorland. Dies könnte an der hervorragenden Bodenqualität liegen. Durch die Höhenlage bedingt reift die Ernte später, was zu einer Benachteiligung aufgrund Preisverfall und niedriger Erlöse führt.

Fauna und Flora mini|Kleine, bewaldete Bichl (Bühel), die aufgrund des anstehenden Granituntergrunds nicht landwirtschaftlich genützt werden können, bieten vielen Pflanzen- und Tierarten einen wertvollen Lebensraum mini|Im westlichen Waldviertel, wie hier bei Griesbach, besteht noch eine kleinteilige, durch vielfältige Elemente geprägte Kulturlandschaft mini|Die weit verbreiteten Fichtenmonokulturen sind ökologisch bedenklich und weisen aufgrund der dichten Abdeckung fast keine Krautschicht auf mini|hochkant=1|Die Heide-Nelke (Dianthus deltoides) ist ein typisches Florenelement bodensaurer Magerrasen