Kerpen ist eine große kreisangehörige Stadt im Rhein-Erft-Kreis in Nordrhein-Westfalen, Deutschland. Die Stadt liegt im rheinischen Braunkohlerevier und in der Kölner Bucht nur wenige Kilometer westlich von Köln. Seit dem 19. März 2012 führt Kerpen den offiziellen Zusatz Kolpingstadt. Kerpen ist mit  Einwohnern () die bevölkerungsreichste Stadt des Rhein-Erft-Kreises.

Geographie Geographische Lage Östlich des Stadtzentrums Kerpen verläuft die Erft (aus der Eifel kommend) mit den Erftauen und teilt die Gemeinde, weiter östlich befindet sich die Ville. Der Neffelbach verläuft von Nörvenich kommend in nordöstliche Richtung und fließt noch auf Kerpener Gemeindegebiet in die Erft. Südlich von Kerpen ragen noch vereinzelte Ausläufer der Nordeifel in das Flachland. Kerpen liegt ebenfalls in der Jülich-Zülpicher Börde. Ein kleiner Teil des Tagebaues Hambach und ein großer Teil des Hambacher Forstes liegen auf dem Gebiet der Stadt Kerpen.

Nachbargemeinden Im Norden grenzt Kerpen an die Kreisstadt Bergheim, im Nordwesten an die Stadt Elsdorf, im Westen an die Gemeinde Merzenich und im Südwesten an Nörvenich (beide im Kreis Düren). Im Süden grenzt Kerpen an Erftstadt, im Südosten an Hürth und im Osten an Frechen.

Stadtgliederung Aufgelistet sind die Stadtteile mit ihren Einwohnerzahlen von 2021. Dazu kommen vereinzelt noch Weiler.

Ortsteil Einwohner Balkhausen 2554 Blatzheim (mit Bergerhausen, Dorsfeld, Geilrath, Niederbolheim und Gehöften) 3523 Brüggen 4762 Buir 3889 Horrem (mit Götzenkirchen) 13.098 Kerpen (Kernstadt) (mit Langenich) 15.145 Manheim-Alt 41 Manheim 1478 Mödrath 1245 Neu-Bottenbroich 953 Sindorf 18.402 Türnich 3451 Gesamt 68.541

Konfessionsstatistik

Der Anteil der Protestanten und Katholiken an der Gesamtbevölkerung sinkt jährlich um 1 Prozentpunkt. Gemäß dem Zensus 2022 waren 39,4 % der Einwohner katholisch, 13,2 % evangelisch, und 47,4 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022, Religion), abgerufen am 6. Dezember 2024 Im städtischen Durchschnitt bekannten sich 2014 noch 47 % der Bevölkerung zur römisch-katholischen Konfession und 15,4 % zur evangelischen. 37,6 % der Bevölkerung wurden als Personen ohne Angaben zu ihren Konfessionen (sofern vorhanden) statistisch geführt (2011 - 35 %).Stadt Kerpen Demographiebericht 2015

Geschichte Kerpen wurde erstmals im Jahre 871 unter dem Namen „Kerpinna“ urkundlich erwähnt.

Die Brüder Garsilius und Nikolaus von Kerpen beurkundeten als Reichsministeriale zusammen mit anderen Reichshohen am 1. August 1143 eine Königsurkunde des römisch-deutschen Stauferkönigs Konrad III. in Cochem.

Am 2. August 1276 tauscht Wenemar von Gymnich aus seinem Besitz den Ort Buschfeld gegen das im Besitz seiner Schwester Beatrix als der Witwe des Johann von Kerpen und deren Kinder befindliche Königsgut der Burg zu Kerpen ein. Im Mai 1281 bittet der englische König Eduard I. in einem Schreiben an den damaligen deutschen König Rudolf I. von Habsburg, die Reichsburgen Kerpen und Werden an Wenemar von Gymnich zu übertragen. Woraufhin König Rudolf I. von Habsburg am 16. Mai 1281 die Belehnung des „herrlich gelobten Wenemar von Gemenich“ und dessen Erben beiderlei Geschlechts mit der Burg Kerpen (an der Erft zwischen Köln und Düren) und allem Zubehör, „so wie sie Wenemar von seiner Schwester Beatrix erkauft habe“, beurkundend vornimmt.

Nur ein Jahr nach seiner eigenen Belehnung im Mai 1282 verkauft Wenemar von Gymnich seine Burg Kerpen an Herzog Johann I. von Brabant. Am 11. Februar 1284 übergab König Rudolf I. von Habsburg die Burg mit Königsbeurkundung an Johann I. von Brabant.

Nach der Schlacht von Worringen 1288 wurde Kerpen brabantische Exklave mitten im vom Kurfürstentum Köln und der Grafschaft Jülich beherrschten Gebiet, was Kerpen zu einer tatsächlichen Eigenständigkeit verhalf. Das Herzogtum Burgund übernahm das brabantische Erbe, das nach dem Tod Karls des Kühnen 1477 an das Haus Habsburg überging. Als der römisch-deutsche Kaiser und spanische König Karl V. 1522 seine Herrschaftsgebiete unter seinen Söhnen aufteilte, fiel Kerpen mit den Spanischen Niederlanden an den König von Spanien. Bis zum Frieden von Utrecht 1712 blieb Kerpen spanisch – noch in den 1970er Jahren erinnerte die heute nicht mehr existierende Gastwirtschaft „König von Spanien“ in der heutigen Stiftsstraße daran.

Anschließend wurde Kerpen mit dem ihm herrschaftlich verbundenen Lommersum eigenständige Reichsgrafschaft unter dem Grafen von Schaesberg. Mit der Besitzergreifung des Linken Rheinufers durch französische Revolutionstruppen verlor Kerpen 1794 seine Unabhängigkeit, wurde aber 1798 Kantonssitz. Zu diesem Kanton gehörten die Mairien Blatzheim, Buir, Kerpen, Sindorf und Türnich. Der Kanton Kerpen war dem Arrondissement Köln im Rur-Departement zugeteilt. 1815 wurde Kerpen nach dem Wiener Kongress Bestandteil der preußischen Rheinprovinz im Kreis Bergheim (Erft). Kerpen erhielt 1941 die Stadtrechte.

Das heutige Kerpen ist am 1. Januar 1975 aus der damaligen Stadt Kerpen und sieben bis dahin eigenständigen Gemeinden im Rahmen einer Gemeindereform durch das Köln-Gesetz von 1974 entstanden. Die Stadtteile sind überwiegend noch immer durch große freie Flächen voneinander getrennt und haben sich daher eine gewisse Eigenständigkeit erhalten.

Die Stadtteile Mödrath und Bottenbroich wurden aufgrund des Braunkohletagebaus Frechen in den 1950er Jahren umgesiedelt. Die Einwohner des alten Mödrath bekamen ein Baugebiet im Nordosten Kerpens zugewiesen, die Einwohner Bottenbroichs ein Baugebiet im Osten Horrems. Ein Überbleibsel der Umsiedlung ist das Präfix „Neu-“ im Namen Neu-Bottenbroich.

Der Ortsteil Manheim, heute Manheim-Alt, sollte ursprünglich 2022 dem Tagebau Hambach weichen. Die Einwohner bestimmten in einer Abstimmung Kerpen-Dickbusch als Umsiedlungsstandort. Der neue Standort Dickbusch wurde seit dem Frühjahr 2012 als Manheim-neu bebaut und heißt seit 2025 wieder Manheim. Seit 2016 können auch hinzugezogene Einwohner Grundstücke erwerben.

Politik

Stadtrat Die Kommunalwahlen seit 2009 führten zu folgenden Ergebnissen:

Partei/Liste CDU SPD Grüne FDP Linke BBK* UWG Piraten** AfD Gesamt Wahlbeteiligung2020Sitze171282211124651,14 %%37,6625,0417,805,093,262,611,833,143,581002014Europawahl / Kommunalwahlen / Integrationsratswahl 2014, abgerufen am 19. Januar 2015. Sitze 19 15 5 2 2 1 1 1–4646,23 % % 40,97 32,88 10,66 4,75 4,29 3,17 1,19 2,09–1002009Sitze181554211––4654,26 %%38,8533,3210,538,944,202,891,27––100 * Bürger Bündnis Kerpen** Piraten Kerpen

Liste der Bürgermeister von 1979 bis heute von bis Name Partei 1979 1987 CDU 1987 1999 SPD 1999 2004 CDU 2004 2015 SPD 2015 2025 CDU 2025 SPD

Städtepartnerschaften Sankt Vith, Belgien, seit 1975 Oświęcim (Auschwitz), Polen, seit 1997

Um die Beziehungen durch Vereine, Schulen und Politik kümmert sich der Partnerschaftsverein. Die Partnerschaft mit St. Vith ist aus den Beziehungen der nach dem Versailler Vertrag aus dem Eisenbahnknoten St. Vith zum neuen Knoten Mödrath (an der Bahntrasse zur Ahr) umgesiedelten Bediensteten der Reichsbahn entstanden. Seit 1975 wird die Partnerschaft von der Stadt gepflegt.

Die Partnerschaft mit Oswiecim (Auschwitz) wurde 1997 beurkundet. Seit 1991, also direkt nach der Öffnung Polens zum Westen, pflegte das Tagesheimgymnasium (THG) Kerpen schon eine Schulpartnerschaft mit einem Lyzeum in Oswiecim. Diese Schulpartnerschaft wird auch heute noch zwischen dem Europagymnasium Kerpen und der Oberschule in Oswiecim weiter gepflegt.

Wappen, Banner und Flagge

Wappen

Flagge

Als Banner: „Gold (Gelb)-Rot-Gold (Gelb) im Verhältnis 1:4:1, längsgestreift mit dem über die Mitte nach oben verschobenen Wappenschild der Stadt.“

Als Hissflagge: „Gold (Gelb)-Rot-Gold (Gelb) im Verhältnis 1:4:1, längsgestreift mit dem zur Stange verschobenen Wappenschild.“

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Museen mini|Geburtshaus Kolpings in Kerpen

Das Adolph-Kolping-Museum in Kerpen wurde in einem Nebengebäude des Hauses eingerichtet, das Adolph Kolpings Bruder an der Stelle von Kolpings Geburtshaus neu erbaut hatte. Haus und Ausstellung wurden aus Anlass des 200. Geburtstags des Namensgebers gründlich renoviert und neu geordnet.Rhein-Erft-Kreis (Hrsg.): Museen und Privatsammlungen an Rhein und Erft, 2. Aufl. 2009, S. 30 f. Haus für Kunst und GeschichteRhein-Erft-Kreis (Hrsg.): Museen und Privatsammlungen an Rhein und Erft, 2. Aufl. 2009, S. 32 f. Museum H. J. BaumRhein-Erft-Kreis (Hrsg.): Museen und Privatsammlungen an Rhein und Erft, 2. Aufl. 2009, S. 34 f. Das Museum für Rennsportgeschichte in der Villa Trips in Kerpen-Horrem war vor allem der Erinnerung an den verunglückten Rennfahrer Graf Berghe von Trips gewidmet.Rhein-Erft-Kreis (Hrsg.): Museen und Privatsammlungen an Rhein und Erft, 2. Aufl. 2009, S. 36 f. Es ist seit Januar 2015 endgültig aufgelöst. 5000 Teile der Sammlung wurden vereinbarungsgemäß in das Prototyp-Museum, Hamburg, als Dauerleihgaben überstellt. Der schriftliche Nachlass geht ans Stadtarchiv und steht dort auch der Forschung zur Verfügung.Kölner Stadt-Anzeiger, Rhein-Erft, 13. Januar 2015, S. 31. Die Welt der Schumachers, RennsportmuseumRhein-Erft-Kreis (Hrsg.): Museen und Privatsammlungen an Rhein und Erft, 2. Aufl. 2009, S. 38 f. Schreibmaschinenmuseum QWERTZUIOPÜ in Kerpen-SindorfBernd Imgrund, Nina Osmers: 111 Orte im Kölner Umland, die man gesehen haben muss, Verlag Emons, Köln, 2010, ISBN 978-3-89705-777-7, Ort 53. Traktorenmuseum der Gebrüder Stollenwerk auf der Wasserburg BergerhausenRhein-Erft-Kreis (Hrsg.): Museen und Privatsammlungen an Rhein und Erft, 2. Aufl. 2009, S. 42. Naturkundemuseum „Martin Reimer“ der Stadt Kerpen in Kerpen-BrüggenRhein-Erft-Kreis (Hrsg.): Museen und Privatsammlungen an Rhein und Erft, 2. Aufl. 2009, S. 53.

Bauwerke mini|hochkant|Stiftskirche St. Martin im Ortskern von Kerpen mini|hochkant|Schloss Loersfeld

Im Stadtkern Stiftskirche: Der Kirchturm von St. Martinus ist mit seinen 78 m nach dem Kölner Dom und dem Bonner Münster der dritthöchste im Erzbistum Köln. Der achtseitige Spitzhelm, der nach einem Brand durch Blitzschlag 1817 verkürzt wurde, ist 1902 wieder um 12 m zur alten Höhe ergänzt worden.Aus „Die Denkmäler des Rheinlandes“ von Annaliese Ohm und Albert Verbeek. S. 88 ff. Evangelische Johanneskirche von 1853, neuromanisch Neue Moschee am Marktplatz Schloss Loersfeld mit sehenswertem Schlosspark An die Alte Kerpener Burg erinnert nur ein Hügel in der Nähe „Burgstraße“ und „An der alten Burg“. Burg Mödrath Der jüdische Friedhof

In den Ortsteilen Burg Bergerhausen in Kerpen-Bergerhausen Ev. Johannes-Bugenhagen-Kirche in Kerpen-Blatzheim Kommandeursburg in Kerpen-Blatzheim Der gotische Torbogen der ehemaligen Burg Brüggen in Kerpen-Brüggen Der jüdische Friedhof in Kerpen-Brüggen Die Kirche St. Josef in Kerpen-Brüggen Die Kirche St. Cyriakus in Kerpen-Götzenkirchen Burg Hemmersbach in Kerpen-Horrem Clemenskirche in Kerpen-Horrem Der jüdische Friedhof in Kerpen-Sindorf Die Kirche St. Ulrich in Kerpen-Sindorf, erbaut 1484 Schloss Türnich in Kerpen-Türnich

Mühlen Obermühle (Kerpen) Langenicher Mühle Sindorfer Mühle

Parks Papsthügel auf dem Marienfeld, dem Veranstaltungsort des Weltjugendtags 2005 Park Schloss Türnich mit der sogenannten Lindenkathedrale Park Burg Bergerhausen

Naturdenkmäler Kerpen liegt mit den Naturschutzgebieten Kerpener Bruch/Parrig und Dickbusch, Lörsfelder Busch, Steinheide im Naturpark Rheinland. Das neue Informationszentrum für den nördlichen Teil des Naturparks, die Gymnicher Mühle an der Erft, liegt jenseits der Grenze zu Gymnich. Seit wenigen Jahren ist auch das Rekultivierungsgebiet des ehemaligen Braunkohletagebaus Frechen zu einer Naturlandschaft mit mehreren Seen etc. geworden; es ist seit dem Papstbesuch zum XX. Weltjugendtag im Jahre 2005 unter dem Namen Marienfeld bekannt. Der größte See hier ist der Boisdorfer See.

Sport