Die Nelken (Dianthus) bilden eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Nelkengewächse (Caryophyllaceae). Die 320 bis 600 Arten kommen in den gemäßigten Gebieten der Nordhalbkugel vor.
Beschreibung Vegetative Merkmale Bei Nelken-Arten handelt es sich meist um ausdauernde, selten ein- (Dianthus armeria) oder zweijährige krautige Pflanzen. Selten sind darunter Kleinsträucher wie etwa Dianthus fruticosus. Manche Nelken-Arten bilden Polster. Es werden kräftige Pfahlwurzeln und manchmal dünne oder kräftige Rhizome gebildet. Die aufrechten bis aufsteigenden, einfachen oder verzweigten Stängel sind rund oder kantig. Typisch für alle Nelkengewächse ist die dichasiale Verzweigung.
Bei gegenständigen Laubblätter sind Blattstiele vorhanden oder fehlen. Die einfachen, schmalen, parallel- oder meist einnervigen Blattspreiten sind linealisch, lanzettlich bis eiförmig.
Generative Merkmale mini|hochkant|Früchte der Landnelke (Dianthus caryophyllus) Die Blüten stehen einzeln oder zu mehreren in endständigen, zymösen oder kopfigen Blütenständen zusammen. Die grünen bis trockenen Hochblätter sind paarweise vorhanden oder sie fehlen. Am Grunde der Blüten stehen ein bis drei Paare grüne bis trockene Deckblätter, die zu breiten Schuppen reduziert sein können. Manchmal ist ein Außenkelch vorhanden.James Cullen, Sabina G. Knees, H. Suzanne Cubey: The European Garden Flora. Volume II, Second Edition, Cambridge Univ. Press, 2011, ISBN 978-0-521-76151-2, S. 191–197. Viele Arten sind gynodiözisch – es sind also weibliche und zwittrige Exemplare vorhanden – oder triözisch – es sind also männliche, weibliche und zwittrige Exemplare vorhanden – oder manche Arten sind gynomonözisch – auf einem Exemplar befinden sich weibliche und zwittrige Blüten.
Die zwittrigen oder eingeschlechtigen, radiärsymmetrischen Blüten sind fünfzählig mit doppelter Blütenhülle (Perianth). Die Blüten mancher Arten duften. Die fünf grünen bis rötlichen Kelchblätter sind an ihrer Basis röhrig verwachsen. Die Kelchröhre endet in fünf Kelchzähnen mit je drei bis acht Nerven; die Kelchzähne sind kürzer als die Kelchröhre. Die meist trockenen Ränder der Kelchzähne sind rot bis weiß. Die fünf genagelten Blütenkronblätter sind gewöhnlich gezähnt, gekerbt oder zerschlitzt. Die Farben der Kronblätter reichen von weiß über rosafarben und rot bis purpurfarben; manchmal sind sie gefleckt oder sie sind innen dunkler. Bei dieser Gattung ist nie eine Nebenkrone vorhanden; das unterscheidet sie von anderen verwandten Gattungen (Silene). Die Kronblätter sind oft „bärtig“ in der Kronröhre. Es sind zwei Kreise mit je fünf fertilen Staubblättern vorhanden. An der Basis der Staubfäden sind Nektarien vorhanden. Zwei Fruchtblätter sind zu einem oberständigen, einkammerigen Fruchtknoten verwachsen mit vielen Samenanlagen. Die dünnen Stempel mit zwei oder zweiästigen Griffeln weisen eine Länge von 0,7 bis 6 Millimetern auf. Öfters wird ein Gynophor oder Karpophor gebildet. Die Narben sind papillös.
Die Blütenformel lautet:
Die im Kelch aufrecht stehende, gestielte Kapselfrucht ist eiförmig bis zylindrisch und das „Karpophor“ ist öfters noch vorhanden. Die Kapselfrucht öffnet sich am oberen Ende mit vier Zähnen oder kurzen Fruchtklappen und enthält 40 bis über 100 Samen. Die schwärzlich-braunen Samen besitzen keine Flügel oder Anhängsel.
mini|Illustration von Prachtnelke (Dianthus superbus) und Heidenelke (Dianthus deltoides) in Billeder af nordens flora 1917ff., Volume 2, 344
Verbreitung Nelken-Arten kommen in den gemäßigten Gebieten der Nordhalbkugel vor. Das natürliche Verbreitungsgebiet umfasst hauptsächlich Eurasien (vom Balkan bis Zentralasien). Besonders viele Arten kommen im Mittelmeerraum vor. Es gibt wenige südafrikanischen Arten. In China gibt es 14 Arten, eine davon kommt nur dort vor. Zwei Arten kommen nur in Taiwan vor. Von den sechs in Nordamerika vorkommenden Arten ist nur Dianthus repens dort ursprünglich beheimatet. In vielen Teilen der Welt sind einige Arten Neophyten.
Systematik Die Gattung Dianthus wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, S. 409 aufgestellt. Die Blütenpracht und den Duft der Nelken hat Linné im botanischen Gattungsnamen Dianthus festgehalten, d. h. Zeus-Blume ( und ánthos für „Blume, Blüte“). Synonyme für Dianthus s str. sind: Caryophyllus , Tunica
Die Gattung Dianthus gehört zur Tribus Caryophylleae innerhalb der Familie der Caryophyllaceae. Innerhalb der Tribus Caryophylleae wurde der Umfang der Verwandtschaftsgruppe um die Gattung Dianthus kontrovers diskutiert. Es wurden Arten in andere Gattungen ausgegligiert. Madhani et al. 2018 zeigen, dass diese Gattung Dianthus nur monophyletisch ist, wenn sie sehr weit als Dianthus s l. (Syn.: Caryophyllus , Cylichnanthus , Diosanthos , Plumaria , Velezia ) aufgefasst wird.
mini|Alpen-Nelke (Dianthus alpinus) mini|Sand-Nelke (Dianthus arenarius) mini|Büschel-Nelke (Dianthus armeria) mini|Bartnelke (Dianthus barbatus) mini|Dianthus brevicaulis mini|Dianthus broteri mini|Dianthus charidemi mini|Chinesische Nelke (Dianthus chinensis) mini|Heide-Nelke (Dianthus deltoides) mini|Pfingstnelke (Dianthus gratianopolitanus) miniatur|Habitus und Blütenstände von Dianthus hyssopifolius subsp. gallicus mini|Dianthus knappii mini|Dianthus microlepis mini|Dianthus nardiformis mini|Dianthus nudiflorus mini|Dianthus pavonius mini|Dianthus pendulus mini|Dianthus petraeus mini|Feder-Nelke (Dianthus plumarius subsp. regis-stephani) mini|Hainburger Feder-Nelke (Dianthus praecox subsp. lumnitzeri) mini|Busch-Nelke (Dianthus seguieri subsp. glaber) mini|Späte Feder-Nelke (Dianthus serotinus) mini|Dolomiten-Nelke (Dianthus sternbergii) mini|Dianthus subacaulis mini|Pracht-Nelke (Dianthus superbus) mini|Stein-Nelke (Dianthus sylvestris) mini|Radiärsymmetrische Blüte von Dianthus zonatus
Es gibt etwa 320 Arten in der Gattung Dianthus s str. oder bis zu 600 Arten in der Gattung Dianthus s l. Hier eine Auswahl: Dianthus abchasicus : Sie kommt im Kaukasusraum vor. Dianthus acantholimonoides : Sie kommt nur im westlichen Kaukasusraum vor. Dianthus acicularis : Sie kommt im europäischen Teil Russlands, in Sibirien, Kasachstan und Xinjiang vor. Dianthus acrochlorus : Sie kommt in der Türkei vor. Dianthus algetanus : Sie kommt in Spanien vor. Alpen-Nelke oder Ostalpen-Nelke (Dianthus alpinus ) Dianthus anatolicus : Sie kommt in der Türkei, auf Inseln in der Ägäis, in Syrien, im Irak, Iran in Pakistan und in Indien vor. Dianthus ancyrensis : Sie kommt in der Türkei vor. Dianthus andronakii : Sie kommt in der Türkei vor. Dianthus androsaceus : Sie kommt in Griechenland vor. Dianthus anticarius : Sie kommt in Spanien vor. Sand-Nelke (Dianthus arenarius ) Raue Nelke oder Büschel-Nelke (Dianthus armeria ) Dianthus arpadianus : Sie kommt in der Türkei, in Griechenland und auf Inseln in der Ägäis vor. Dianthus arrostii : Sie kommt auf Sardinien, Sizilien, in Algerien und Marokko vor. Dianthus atschurensis : Sie kommt nur im östlichen Transkaukasien vor. Dianthus balansae : Sie komm nur in der Türkei vor. Bartnelke (Dianthus barbatus ) Dianthus behriorum : Sie komm nur im früheren Jugoslawien vor. Dianthus benearnensis : Sie kommt in Spanien und Frankreich vor. Dianthus bessarabicus : Sie kommt in Griechenland, Rumänien und Republik Moldau vor. Dianthus bicolor (Syn.: Dianthus preobrashenskii ): Sie kommt im Kaukasusraum vor. Dianthus biflorus : Sie kommt in Griechenland vor Dianthus borbasii : Sie kommt in zwei Unterarten in Osteuropa, in Kasachstan, in Sibirien und im Kaukasusraum vor. Dianthus brevicaulis : Sie kommt in der Türkei vor Dianthus broteri : Sie kommt in Portugal und Spanien vor. Dianthus callizonus : Sie kommt nur in Rumänien vor. Dianthus calocephalus : Sie kommt in der Türkei, im Iran, in Armenien und Aserbaidschan vor. Dianthus campestris (Syn.: Dianthus roseoluteus ): Sie kommt in fünf Unterarten in Ost- und Südosteuropa, im westlichen Sibirien und in der Türkei vor. Dianthus candicus (Syn.: Petrorhagia candica , Fiedleria candica ): Diese Neukombination erfolgte 2018. Dieser Endemit kommt nur auf Kreta vor. Dianthus capitatus : Sie kommt in zwei Unterarten in Ost- und Südosteuropa, in der Türkei und im Kaukasusraum vor. Dianthus carbonatus : Sie kommt in der Ukraine und in der Republik Moldau vor. Dianthus carmelitarum : Sie kommt in der Türkei vor Kartäuser-Nelke (Dianthus carthusianorum ) Landnelke, auch Gartennelke genannt (Dianthus caryophyllus ) Dianthus caucaseus : Sie kommt in Aserbaidschan, Armenien und Georgien vor. Dianthus charidemi : Sie kommt in Spanien vor Chinesische Nelke (Dianthus chinensis ): Sie kommt ursprünglich in China, Kasachstan, Korea, Sibirien, Russlands Fernem Osten und in der Mongolei vor. Sie wird als Zierpflanze verwendet und ist in vielen Teilen der Welt ein Neophyt. Dianthus ciliatus : Sie kommt in Italien, Kroatien und Albanien vor. Dianthus cinnamomeus : Sie kommt in zwei Unterarten in der Türkei, auf Kreta und auf Inseln in der Ägäis vor. Dianthus cintranus (Syn.: Dianthus multiceps ): Sie kommt in Portugal, Spanien, Algerien, Marokko und Tunesien vor. Hügel-Nelke (Dianthus collinus ): Sie kommt von Österreich und Polen bis zur Ukraine vor. Dianthus corymbosus : Sie kommt in Griechenland und in der Türkei vor. Dianthus costae : Sie kommt in Spanien vor. Dianthus crassipes : Sie kommt in Portugal und Spanien vor. Dianthus cretaceus : Sie kommt in der Türkei, im Iran und in Aserbaidschan vor. Dianthus cribrarius : Sie kommt in der Türkei vor. Dianthus crinitus : Sie kommt in Tunesien, Algerien, Libyen, auf Inseln in der Ägäis, auf der Arabischen Halbinsel, im Kaukasusraum, in Westasien, Zentralasien, Pakistan und Indien vor. Dianthus crossopetalus : Sie kommt im Iran und in Armenien vor. Blutnelke (Dianthus cruentus) : Sie kommt in zwei Unterarten in Griechenland, Nordmazedonien, Albanien, Bulgarien und in der Türkei vor. Dianthus cyprius : Dieser Endemit kommt nur auf Zypern vor. Dianthus cyri : Sie kommt in Ägypten, in Westasien, im Kaukasusraum und auf der Arabischen Halbinsel vor. Dianthus daghestanicus : Sie kommt nur in Dagestan vor. Heide-Nelke oder Delta-Nelke (Dianthus deltoides ) Dianthus desideratus : Sie kommt in Griechenland vor. Dianthus diffusus : Sie kommt in Griechenland, in Nordmazedonien, Bulgarien, auf Inseln in der Ägäis und in der Türkei vor. Dianthus diutinus : Sie kommt in Ungarn, Serbien und Rumänien vor. Dianthus dobrogensis : Sie kommt in Rumänien und in Bulgarien vor. Dianthus elatus : Sie ist im nördlichen Xinjiang, Kasachstan und im westlichen Sibirien verbreitet. Dianthus eldivenus : Sie kommt in der Türkei vor. Dianthus elegans : Sie kommt auf griechischen Inseln, in der Türkei, in Syrien und Libyen vor. Dianthus elongatus : Sie kommt in der Ukraine vor. Dianthus engleri : Sie kommt in der Türkei vor. Dianthus eretmopetalus : Sie kommt in der Türkei vor. Dianthus erythrocoleus : Sie kommt in der Türkei und im Iran vor. Dianthus eugeniae : Sie kommt in der Ukraine und im europäischen Teil Russlands vor. Dianthus ferrugineus : Sie kommt in Italien vor. Dianthus fischeri : Sie kommt in der Ukraine, in Republik Moldau und im europäischen Teil Russlands vor. Dianthus floribundus : Sie kommt in der Türkei und in Armenien vor. Dianthus formanekii : Sie kommt in Griechenland und Nordmazedonien vor. Dianthus freynii : Dieser Endemit kommt nur in Bosnien und Herzegowina vor. Dianthus fruticosus : Sie kommt in acht Unterarten in Griechenland vor. Dianthus furcatus : Sie kommt in fünf Unterarten in Spanien, Frankreich und Italien vor. Dianthus galicicae : Dieser Endemit kommt nur in Nordmazedonien vor. Dianthus giganteiformis : Sie kommt in zwei Unterarten in Österreich, Ungarn, Kroatien, Italien, Bulgarien, Rumänien, in der Slowakei und auf der Krim vor.