Die Lausche (tschechisch Luž, ) ist mit der höchste Berg im Zittauer Gebirge und im gesamten Lausitzer Gebirge sowie die höchste Erhebung in Deutschland östlich der Elbe.

Lage und Umgebung Die Lausche erhebt sich über dem Dorf Waltersdorf auf nördlicher und der kleinen Siedlung Myslivny (Jägerdörfel) auf südlicher Seite. Direkt über den Bergrücken verläuft die Staatsgrenze zwischen Deutschland und Tschechien. 700 Meter östlich des Gipfels befindet sich der Pass Wache / Stráž. Am nördlichen Fuß liegt in der vom Kohlflössel durchflossenen Eisgasse die Siedlung Neue Sorge mit dem Sorgeteich. Westlich erhebt sich die Finkenkoppe, im Nordwesten der Weberberg.

Geschichte Wegen der augenfälligen Gestalt hieß der Berg noch 1538 im Waltersdorfer Kirchenbuch Spitzer Stein, auch Spitzberg war gebräuchlich. Erst 1631 tauchte die heutige Bezeichnung Lausche auf und verdrängte bis ins 19. Jahrhundert die vormaligen. Der Name leitete sich entweder vom alttschechischen louče für Scheidung, Trennung, Grenze ab oder von luschen, was „auf Wild lauern“, „im Verborgenen liegen“ bedeutet. Bis ins 20. Jahrhundert sprachen die Einwohner von Waltersdorf und Großschönau vom Mittagsbarg, wobei Mittag als Synonym für Süden zu verstehen ist.Ernst Gäbler: Wanderungen um Waltersdorf. In: Jonsdorf Waltersdorf. (= Brockhaus Wanderheft. Heft 69). 6. Auflage. VEB F. A. Brockhaus Verlag, Leipzig 1971, S. 50.Eberhard Garbe, Peter Hennig: Lausche-Baude in Waltersdorf. In: Bergbauden und Aussichtstürme der Oberlausitz – einst und jetzt. Oberlausitzer Verlag Frank Nürnberger, Spitzkunnersdorf 2011, ISBN 978-3-941908-15-4, S. 8–10.Christa Rölke, Alfred Rölke, Karin Rölke, Peter Rölke: Die Lausche und ihre Bergbaude. In: Wander- & Naturführer Zittauer Gebirge. 2. Auflage. Berg- & Naturverlag Rölke, Dresden 2014, ISBN 978-3-934514-17-1, S. 132–133.

Vom 16. bis ins 20. Jahrhundert wurde am Nordhang in bedeutendem Umfang Sandstein abgebaut. Namen wie Wändebruchstiege und Steinbruchweg erinnern bis heute daran. Verwendung fand der Naturstein z. B. als Türstock oder für Steinmetz- und Bildhauerarbeiten. Johann Benedict Carpzov berichtete 1719 in seinem Buch Neueröffneter Ehren-Tempel merckwürdiger Antiquitäten des Marggraffthums Ober-Lausitz von mehreren Erzabbauversuchen an der Lausche und dem benachbarten Butterberg. Sie sollen bis ins Jahr 1538 zurückzuverfolgen sein, gewonnen wurde u. a. Silbererz.Andreas Gerth: A 75 (T) – Die Gegend von Waltersdorf und der Lausche. In: Reise in die Erdgeschichte der Oberlausitz, des Elbsandsteingebirges und Nordböhmens. Teil 2 (Tertiär und Quartär). Oberlausitzer Verlag Frank Nürnberger, Spitzkunnersdorf 2013, ISBN 978-3-941908-44-4, S. 721–725.

Die touristische Erschließung des Berges ist eng mit Carl Friedrich Mathes verbunden. Gab es zuvor nur einen steilen Pfad am Osthang, legte der Waltersdorfer Krämer und Schuhmacher 1805 einen weiteren Wanderweg zum und einen Rastplatz auf dem Gipfel an. Angeblich ein Traum inspirierte ihn, 1823 den serpentinigen Lausitzer Weg und die Lausche-Baude, zunächst ein einfaches Holzhäuschen, zu errichten. Bis zur Erteilung der Schankkonzession am 31. Juli 1824 kam noch ein Pavillon hinzu. Zur Wasserversorgung diente der 1823 in Stein gefasste Lauscheborn, eine Quelle im mittleren Nordhang. Die 120 Höhenmeter wurden mittels Eseln überwunden. 2005 wurde die Einfassung des Borns erneuert.Christa Rölke, Alfred Rölke, Karin Rölke, Peter Rölke: Über Weberberg, Dreiacker und Kammweg auf den Gipfel der Lausche. In: Wander- & Naturführer Zittauer Gebirge. 2. Auflage. Berg- & Naturverlag Rölke, Dresden 2014, ISBN 978-3-934514-17-1, S. 90–105.

Mit Inseraten in den Priviligierten Zittauischen Nachrichten sprach Mathes wanderfreudige Naturfreunde an, pries besonders Aussicht, Sonnenunter- und -aufgänge. Die Werbung führte zu einem sprunghaften Anstieg der Besucherzahlen. 1825 baute er eine Kegelbahn und 1830 einen Tanzplatz hinzu. Zeitgenossen berichteten von Harfnerinnen, Drehorgelspielern und Tänzen zum Geigenspiel. Ab Mai 1831 verkaufte Ignaz Krische Glaswaren als Souvenir, am 15. Mai 1881 feierte der Steinschönauer sein 50-jähriges Gipfeljubiläum. Der Blick von der 1833 angefügten, kleinen Aussichtstribüne wurde vielfach mit jenem von der Schneekoppe gleichgesetzt.

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts hielten Mitglieder der Freikirche Bergpredigten auf der Lausche ab. 1851 weilte Ferdinand der Gütige im Schloss Zákupy (Reichstadt) und unternahm Ausflüge in die Umgebung. Extra für den österreichischen Kaiser wurde der Böhmische Weg in Serpentinen über den Südhang geführt. Da dieser Zugang bequemer war als der nördliche, wählte ihn später nicht nur Friedrich August II., König von Sachsen, auch die Eselsgespanne holten das Wasser für die Baude jetzt vom Lauschebrunnen.

Nach mehreren Um- und Neubauten durch die Nachkommen von Carl Friedrich Mathes konnten die Gäste der Lausche-Baude zwischen dem Sächsischen Gastzimmer und den Böhmischen Stüberl wählen. Die Namen waren nicht zufällig gewählt, denn mitten durch den Hausflur führte die Staatsgrenze zwischen dem Königreich Sachsen und dem Kaisertum Österreich, ähnlich den Bauden auf dem Hochwald-Südgipfel. Bezahlt wurde in beiden gängigen Währungen.

Im Rahmen der königlich-sächsischen Triangulation war die Lausche Station 5 des Netzes 1. Ordnung (Mitteleuropäische Gradmessung). Nach Erteilung der Baugenehmigung am 8. Mai 1863 errichtete der sächsische Gradmessungskommissar Christian August Nagel im Oktober 1863 eine der später nach ihm benannten Säulen. Der Baugrund lag auf böhmisch-österreichischem Gebiet (heute Česká republika), die Baukosten betrugen 826 Mark. Der sächsische Vermessungspfeiler wurde 1941 abgerissen, zeitweise existierte auch ein zweiter, böhmischer Pfeiler. 1936 und 1962 fanden auf dem Gipfel astronomische Beobachtungen statt.Interessengemeinschaft Nagelsche Säulen, Staatsbetrieb Geobasisinformationen und Vermessung Sachsen (Hrsg.): Station Lausche Luž. In: Historische Vermessungssäulen in Sachsen. Schütze Engler Weber Verlags GbR, Dresden 2012, ISBN 978-3-936203-18-9, S. 51.

Die steigenden Besucherzahlen ließen die alte Berggaststätte zu klein werden. Dank des Einsatzes mehrerer sächsischer Vereine konnte 1892 eine neue, größere Lausche-Baude errichtet werden, getrennt in einen deutschen und einen österreichischen Teil. Im ersteren wurde Zittauer, im zweiten Böhmisch-Zwickauer Bier ausgeschenkt. Die Gasträume waren behaglich mit Kachelöfen, hölzernen Wänden und ausgestopften Vögeln ausgestattet. Gleichzeitig entstanden direkt in der Mitte des Gebäudes ein zehn Meter hoher, hölzerner Aussichtsturm sowie die heutige Ausführung des Lausitzer Wegs auf der Nordseite.

Schon vor dem Jahr 1900 rodelten die Waltersdorfer Kinder mit ihren Kasehitschen (oberlausitzer Wort für einen einfachen, hölzernen Kinderschlitten) den steilen Nordhang herab, dies gilt als Beginn des hiesigen Wintersportgebiets. 1898 initiierte der Lauschenwirt nach Vorbildern aus dem Riesengebirge ein Hörnerschlittenrennen. Seit den 1930er Jahren beherrschten vor allem am Sonntag die Skisportler die Hänge. 1969 wurden drei alpine Skipisten angelegt, die westliche für Slalom, die mittlere für Riesenslalom und die östliche unterhalb der Hubertusbaude für Abfahrtslauf, die beiden letzteren mit Lift.

Die 1923 oder 1928 errichtete Lausche-Sprungschanze ermöglichte nach Umbauten 1955/56 Weiten von 50 Meter. Der obere Teil des Aufsprungs bestand aus einer Holzkonstruktion. 1972 wurde die Sportstätte wegen Baufälligkeit abgebrochen. Erhalten blieb der hölzerne Kampfrichterturm, der heute als Skiheim des Alpinen Skivereins Lausche e. V. dient.

Nach dem Zweiten Weltkrieg (1939–1945) sperrten Stacheldrahtzäune die Staatsgrenze ab. Der Touristenstrom auf den Gipfel und ins Berggasthaus, damalige Eigentümerin Alma Goldberg, versiegte. Am 8. Januar 1946 besuchten viele Waltersdorfer eine Landfilmvorstellung. Beim Wechsel der Filmrollen gegen 18 Uhr sprach sich die Schreckensnachricht schnell herum – die Lausche-Baude brennt. Nach dem weithin sichtbaren Feuer blieben nur die bis heute erkennbaren Grundmauern übrig. Die Unglücksursache konnte und sollte nie geklärt werden, vermutet wurde Brandstiftung. Pläne zum Wiederaufbau bestanden seit den 1960er Jahren, wurden aber nie umgesetzt. 1967 wurden die am nördlichen Mittel- und Oberhang erhalten gebliebenen Rest des montanen Mischwaldes zum 11,7 Hektar großen Naturschutzgebiet Lausche erklärt. Nach der Entfernung der Grenzbefestigungen in den 1970er Jahren war der Gipfel wieder von beiden Seiten zugänglich.

Nach vielen Jahren Planung wurde in den Jahren 2018 bis 2020 auf dem Lauschegipfel um den bestehenden Sendemast herum eine Aussichtsplattform von der Gemeinde Großschönau für 950.000 Euro errichtet. In diesem Zusammenhang konnte auch das Gipfel-Plateau neu gestaltet werden. Die Freigabe der Aussichtsplattform erfolgte am 21. August 2020, dem Tag der Oberlausitz. Der für den Bau benötigte Beton sowie die Bauteile wurden mit einem Hubschrauber auf den Gipfel transportiert.

Die Sage vom Wundervogel auf der Lausche Eine Sage über die Lausche lautet so: Nur ausgesprochen selten lässt sich auf der Lausche ein Vogel von wunderlicher Gestalt beobachten. Sein Kopf und Schnabel scheinen von einem Lämmergeier zu stammen, die großen Fittiche vom Fregattvogel, der Schwanz vom Sekretär und der Ständer vom Storch. Das wunderschöne Gefieder ist von einzigartiger Farbenpracht. Dieses so seltsame anmutende Tier ist nichts anderes als ein mit einem bösen Fluch belegter Prinz aus dem Böhmerlande. Der Jüngling galt wegen seines schönen Gesichtes und der reizenden Gestalt, der Fertigkeit in allen Künsten und Wissenschaften seiner Zeit, der menschenfreundlichen und wohltätigen Wesensart als das vollkommene Leitbild eines Fürsten. Nur ein Laster haftete ihm an, er frönte etwas zu übereifrig der Jagd.Frank Nürnberger: Die Sage vom Wundervogel auf der Lausche. In: Großes Oberlausitzer Sagenbuch. Oberlausitzer Verlag Frank Nürnberger, Spitzkunnersdorf 1998, ISBN 3-933827-01-9, S. 34–35.

Es geschah bei einem Streifzug an den Ausläufern der Lausche. Zur Mittagsstunde umkreiste ein majestätischer Adler den Berg. Vom Bogen des Prinzen ausgesandt traf ein weit wie niemals zuvor fliegender Pfeil den König der Lüfte und dieser stürzte aus dem Himmel gen Boden. Der unglückliche Zufall wollte es, dass er in einen damals auf der Lausche befindlichen Garten eines Zauberers fiel. Der in den schwarzen Künsten bewanderte Mann schreckte durch das dabei verursachte Getöse aus seinem Mittagsschlaf empor und ward wütend über die Schäden an den Sträuchern und Blumen. Als er den Schützen mit seinem Bogen gewahr, griff der Magier zu seinem Zauberstab, berührte ihn damit und sprach die Worte: „Sei einer des Geschlechts, wovon du einen getötet, so lange, bis dich ein Jäger, der seiner Herrschaft nie etwas veruntreut hat, erlegt!“ Der Prinz wartet bis zum heutigen Tag auf seine Erlösung.

Geologie Die Lausche lagert marinen Sandsteinserien der Oberkreide auf, welche dem Nordostrand des Böhmischen Kreidebeckens zuzuordnen sind. Aufschlüsse befinden sich in den ehemaligen Steinbrüchen etwa 750 m nord- bis nordwestlich des Gipfels (Helleberg-, Mittel- und Wändesteinbruch). Am Fuß der Lausche lässt sich der Sandstein anhand einiger Lesesteine bis auf ca. 710 m NN nachweisen, Aufschlüsse fehlen allerdings. Es ist anzunehmen, dass die in dieser Höhenlage anzutreffenden Sandsteine dem oberen Unterconiac (ca. 89 Mio. Jahre) angehören.Niebuhr, B., Wilmsen, M., Voigt, T., 2020: Die Oberkreide (Cenomanium–Mittelconiacium) im Zittauer Sandsteingebirge (Deutschland, Tschechien). – Zeitschrift der deutschen Gesellschaft für Geowissenschaften 171: 163–197.