mini|hochkant=1.25|Blick auf Weiden (2016) Weiden in der Oberpfalz (amtlich Weiden i.d.OPf.) ist eine kreisfreie Stadt im ostbayerischen Regierungsbezirk Oberpfalz. Sie liegt 100 km östlich von Nürnberg und 35 km westlich der Grenze zu Tschechien am Fluss Waldnaab sowie am Westrand des Oberpfälzer Waldes. Mit rund 43.000 Einwohnern ist Weiden nach Regensburg und Amberg die drittgrößte Stadt der Oberpfalz und die größte Stadt der nördlichen Oberpfalz, deren Oberzentrum sie bildet.
Seit dem 14. Jahrhundert stellte Weiden durch die Lage an der Goldenen Straße von Nürnberg nach Prag einen zentralen Knotenpunkt dar und entwickelte sich davon ausgehend zu einem wichtigen Handelsstandort. Bedeutend ist Weiden seit dem 19. Jahrhundert bis heute als Standort für Porzellanproduktion mit zwei ansässigen Produktionsstätten. Des Weiteren hatte die Textilproduktion einen prägenden Einfluss auf die Stadt.
Mit dem Standort der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden hat Weiden Bedeutung als Hochschulstadt. Die Stadt ist Mitglied der Metropolregion Nürnberg mit 3,6 Millionen Einwohnern.
Geographie Naturraum und Landschaft Weiden in der Oberpfalz liegt an der Schnittstelle der Naturräume Oberpfälzer Hügelland und Vorderer Oberpfälzer Wald. Im Stadtgebiet sind diese überregionalen Natureinheiten durch die weitläufigen, von Wanderwegen gut erschlossenen Waldgebiete Manteler Forst/Altenstädter Wald und Fischerberg vertreten. Das Landschaftsbild ist durch die Tallandschaft der Waldnaab, eingebettet zwischen die welligen, kiefernbestandenen Hügelketten des Oberpfälzer Bruchschollenlandes (des so genannten Deckgebirges) im Westen und die schroffe Formenvielfalt des uralten kristallinen Grundgebirges im Osten geprägt. Der Auenbereich der Waldnaab erstreckt sich als natürlicher Grünzug von Nord nach Süd durch das gesamte Stadtgebiet. Insgesamt befindet sich das Stadtgebiet im Naturpark Nördlicher Oberpfälzer Wald und ist Ausgangspunkt vieler Wandermöglichkeiten in einer abwechslungsreichen Landschaft. In Weiden befinden sich neun Landschaftsschutzgebiete und ein Geotop (Stand März 2017).
Nachbargemeinden Die kreisfreie Stadt Weiden umgibt der Landkreis Neustadt an der Waldnaab mit der gleichnamigen Kreisstadt im Norden. Am Stadtgebiet liegen unmittelbar im Uhrzeigersinn folgende Städte und Gemeinden an: Altenstadt an der Waldnaab, Neustadt an der Waldnaab, Störnstein, Theisseil, Waldthurn, Vohenstrauß, Irchenrieth, Bechtsrieth, Schirmitz, Pirk, Luhe-Wildenau, Etzenricht, Weiherhammer, Mantel, Schwarzenbach (Oberpfalz) und Parkstein. Im Westen grenzt zudem das gemeindefreie Gebiet Manteler Forst an die Stadt.
Landesplanung Die Stadt befindet sich in der Planungsregion Oberpfalz-Nord (6).
Stadtgliederung mini|links|hochkant=2.2|Stadtteile Weidens
Es existieren 15 Stadtteile, die in je drei bis acht, insgesamt 83, statistische Bezirke weiter untergliedert sind.
Nr. Stadtteil Flächekm² Bevölkerung* Bemerkungen Einwohnerdichte (Personen pro Quadratkilometer) 01 Altstadt 0,98 3.943 Südliche Altstadt mit historischem Stadtkern4023 02 Scheibe 0,86 2.296 Nördliche Altstadt2669 03 Hammerweg 4,32 5.559 1286 04 Weiden-Ost II 10,45 2.829 mit Tröglersricht, Zollhaus, Almesbach 270 05 Weiden-Ost I 3,14 2.490 792 06 Bahnhof-Moosbürg 2,55 1.466 574 07 Fichtenbühl 1,27 1.192 mit Ermersricht938 08 Stockerhut 1,80 3.953 2196 09 Lerchenfeld 1,45 4.459 3075 10 Weiden-West 5,03 2.062 mit Brandweiher 409 11 Rehbühl 1,53 6.538 4273 12 Mooslohe 5,50 3.559 mit Moosöd 647 13 Neunkirchen 11,50 1.718 mit Frauenricht, Latsch, Halmesricht, Spitalöd, Wiesendorf149 14 Rothenstadt 11,73 3.145 mit Ullersricht, Neubau, Maierhof, Mallersricht, M.-Ziegelhütte268 15 Weiden-Land 8,43 235 Muglhof, Matzlesrieth, Unterhöll, Mitterhöll, Trauschendorf, Oedenthal27 Stadt Weiden 70,54 45.444 612 * Haupt- und Nebenwohnsitz 31. Dezember 2021
Flächennutzung Das Stadtgebiet Weidens besteht aus der eigentlichen Kernstadt und mehreren Eingemeindungen. Das Oberzentrum setzt sich aus neun Gemarkungen zusammen.
Gemarkung Fläche in Hektar Weiden i. d. OPf. 3450 Frauenricht 817 Rothenstadt 686 Gemarkung Fläche in Hektar Neunkirchen b.Weiden 528 Muglhof 519 Mallersricht 450 Gemarkung Fläche in Hektar Matzlesrieth 325 Schwarzenbach 201 Manteler Forst 77
Fläche und Flächennutzung Fläche in ha 7054 Siedlungsfläche in % 20,8 Verkehrsfläche in % 8,8 Landwirtschaftsfläche in % 34,2 Waldfläche in % 31,3 Wasserfläche in % 1,1 Fläche anderer Nutzung in % 3,8
Geschichte
Der Name der Stadt leitet sich entweder von dem Vorkommen des Weidenbaumes (althochdeutsch wida, mittelniederdeutsch wide) oder von einem „Ort zum Weiden, Futter suchen“ (althochdeutsch weida, mittelhochdeutsch weitha) ab und bedeutet „Platz bei den Weiden oder Platz zum Weiden“.Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 19. Auflage. Walter de Gruyter Verlag, Berlin 1963, S. 848.
13. bis 18. Jahrhundert mini|Ansicht von Merian 1665 Im Jahr 1241 wurde der Ortsname „bei den Weiden“ das erste Mal in einer Erbauseinandersetzung des Königs Konrad IV. mit den Vohburgern, Markgrafen des Nordgaus, als „apud Weithaa“ erwähnt; es wird aber davon ausgegangen, dass bereits um das Jahr 1000 eine Ansiedlung bestand. Am Schnittpunkt zweier bedeutender Handelsstraßen gelegen, der Goldenen Straße in Ost-West-Richtung und der Magdeburger Straße von Süden nach Norden, entwickelte sich Weiden in der Oberpfalz schon bald als Handels- und Umschlagplatz. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts war Weiden erst nach weniger Zeit mit der Planungsstadt zu einer Stadt herangewachsen. Die Stadt befand sich auf Reichsland und hatte einige Privilegien, welche auch Reichsstädte hatten. Als solche wurde auch Weiden dreimal erwähnt. Die Stadt war seit dem 15. Jahrhundert Sitz eines der sieben Gerichte des Gemeinschaftsamts Parkstein-Weiden, in denen der Parksteiner Landrichter zusammen mit zwölf Geschworenen in Fällen der hohen und niederen Gerichtsbarkeit urteilte. Das Veste Haus war der ehemalige Verwaltungssitz des Gemeinschaftsamtes Parkstein-Weiden, in welchem der „Landschreiber zu Weiden“ seinen Sitz hatte. Auch der „Rentmeister zu Weiden“ ist hier belegt. Von 1585 bis 1593 war Weiden die Residenz des Pfalzgrafen Friedrich. Im Jahr 1531 hatte Weiden in der Oberpfalz bereits 2200 Einwohner. Zwei Stadtbrände, der Dreißigjährige Krieg und die Pest brachten der Stadt Rückschläge, von denen sie sich erst am Ende des 18. Jahrhunderts erholte. Zwischen 1634 und 1635 und wiederum von 1648 bis 1650 war Weiden von schwedischen Truppen besetzt, zuletzt unter dem Heerführer Königsmarck. Ab 1714 gehörte der Ort vollständig zum Herzogtum Pfalz-Sulzbach, 1777 kam der Ort zu Kurbayern. Der eigentliche Aufschwung der Stadt begann 1863, als Weiden an das Eisenbahnnetz angeschlossen wurde. Mit der Ansiedlung bedeutender Glas- und Porzellanbetriebe wuchs die Einwohnerzahl, und um die Jahrhundertwende waren es bereits knapp 10.000 Einwohner.
19. und 20. Jahrhundert mini|Ansichtskarte Bahnhofstraße 1921 Im Jahr 1856 wurde seitens der Stadt konkrete Forderungen nach einer Eisenbahnanbindung nach Weiden formuliert. Nach langen Verhandlungen und intensiven Bemühen wurde 1860 schließlich der Bau der Eisenbahnstrecke Schwandorf-Weiden-Bayreuth durch den bayerischen Landtag beschlossen. Im Jahr 1863 erreichte der erste Personenzug Weiden auf der neu fertiggestellten Bahnstrecke Regensburg–Weiden. In den kommenden Jahren folgten weitere Streckenverbindungen nach Eger, Nürnberg, Tirschenreuth sowie Eslarn, Kirchenthumbach und Erbendorf. Während die Industrialisierung in Weiden zunächst eher zögerlich begann, wurde mit der Errichtung der Porzellanfabrik der Gebrüder August und Conrad Bauscher im Jahr 1881 der erste große Industriebetrieb in Weiden etabliert. Auf deren hochrangigen Erfolg folgten später weitere bedeutende Betriebe wie die Glashütte Moosbürg und die Porzellanfabrik Seltmann. Das königliche Eisenbahn-Ausbesserungswerk (EAW), welches 1896 seinen Betrieb als „königliche Centralwerkstätte“ aufnahm, prägte die Entwicklung der Stadt ebenfalls entscheidend zu einem großen Anteil mit. Im Zuge des wirtschaftlichen Aufstiegs und großen Zuzuges verzeichnete Weiden ein im Vergleich zu anderen ähnlich großen Städten enormes Bevölkerungswachstum. Um den Altstadtkern herum wurden gänzliche neue stattliche Wohnviertel errichtet, die das Stadtbild bis heute entscheidend prägen. Am 1. Januar 1919 wurde die Stadt kreisfrei durch die Verfügung des ersten republikanischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner (USPD) vom 17. Dezember 1918.
Zweiter Weltkrieg bis Gegenwart Während des Zweiten Weltkriegs befand sich neben einer Kaserne der Wehrmacht im Westen der Stadt das Kriegsgefangenen- und Straflager Stalag XIII B. Die zwischen 1940 und 1945 ums Leben gekommenen französischen und sowjetischen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter wurden in eine Grabanlage auf dem Stadtfriedhof an der Gabelsbergerstraße umgebettet.Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation. Band 1, Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 198. Von 1938 bis 1945 befand sich im nahegelegenen Flossenbürg das KZ Flossenbürg.
Zum Ende des Zweiten Weltkrieges, am 5. April 1945, wurde Weiden wieder von Tieffliegern angegriffen. 15 Flugzeuge bombardierten das Gebiet zwischen Wasserwerk und Friedhof mit 51 Spreng- und über 1000 Brandbomben. Dem Kriegstagebuch der 8th Air Force kann man entnehmen, dass Weiden an diesem Tag von 30 B-17 „Flying Fortress“ mit 94,3 Tonnen Bomben angegriffen worden ist.Roger A. Freeman: Mighty Eighth War Diary. Jane’s Publishing, London / New York / Sydney 1981, ISBN 0-531-03735-5, S. 480. Am 16. April 1945 um 8.30 Uhr nahmen amerikanische Flieger den Bahnhof unter Beschuss, dabei explodierte ein Güterzug mit hochexplosivem Sprengstoff. 60 Menschen kamen durch die Explosion ums Leben. In der Nacht vom 22. April 1945 zog sich die Wehrmacht aus Weiden zurück, damit war der Krieg für die Stadt zu Ende.German Vogelsang: SIE KOMMEN! Die letzten Kriegstage in der Oberpfalz 1945. Amberg 2015, ISBN 978-3-95587-008-9, S. 10, 38–40.
Zwischen 1945 und 1955 stieg die Einwohnerzahl durch den Zuzug von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen auf über 40.000. Weiden hat diesen Zuwachs gehalten, die Wirtschaftskraft und Infrastruktur ausgebaut. Der Sender Weiden in der Oberpfalz wurde 1956 stillgelegt.
Seit 1989 profitiert Weiden von der Deutschen Wiedervereinigung und der Öffnung der Grenze zwischen Deutschland und Tschechien, durch die es aus seiner Randlage befreit wurde. Schwere Schläge erlebte die Fußgängerzone, als erst das Kaufhaus Dänner und dann auch noch das Kaufhaus Hertie schlossen. Gut zehn Jahre vergingen durch die Planung, eine abgesprungene Investorengruppe und schließlich Fertigstellung, bis das neue Einkaufszentrum Nordoberpfalz-Center 2019 eröffnet wurde.
Eingemeindungen
Am 1. Januar 1914 wurde die Gemeinde Moosbürg mit den Gemeindeteilen Moosbürg, Ermersricht, Fichtenbühl und Leihstadtmühle eingemeindet. Am 1. Februar 1915 folgten die Gemeindeteile Tröglersricht und Zollhaus der ehemaligen Gemeinde Edeldorf. mini|80px|Wappen von Rothenstadt Am 1. Juli 1972 erfolgten die folgenden Eingemeindungen: Gemeinde Frauenricht mit den Gemeindeteilen Frauenricht, Halmesricht, Latsch und Spitalöd Gemeinde Muglhof mit den Gemeindeteilen Muglhof, Matzlesrieth (im Jahr 1938 eingegliedert), Mitterhöll, Unterhöll, Oedenthal und Trauschendorf Gemeinde Neunkirchen b.Weiden mit den Gemeindeteilen Neunkirchen, Brandweiher und Wiesendorf
Am 1. Mai 1978 kamen die Gemeinde Rothenstadt mit den Gemeindeteilen Rothenstadt, Maierhof, Mallersricht (am 1. Juli 1972 eingegliedert), Neubau, Ullersricht und der Gemeindeteil Moosöd der Gemeinde Altenstadt a.d.Waldnaab hinzu. Am 1. November 2006 erfolgte die Eingemeindung von 202 ha aus dem gemeindefreien Gebiet „Manteler Forst“ wegen des Neubaus eines Logistikzentrums.
Bevölkerung Einwohnerentwicklung von 1900 bis 2019