Lübbecke (niederdeutsch: Lübke) ist eine Mittlere kreisangehörige Stadt im Nordosten Nordrhein-Westfalens. Mit Einwohnern gehört die ostwestfälische Stadt zum Kreis Minden-Lübbecke im Regierungsbezirk Detmold. Sie liegt am Nordhang des Wiehengebirges am Übergang in die Norddeutsche Tiefebene. Lübbecke wurde erstmals 775 als hlidbeki schriftlich erwähnt und besitzt seit 1279 die Stadtrechte.

Geographie Geographische Lage mini|Topographie des Stadtgebietes mini|hochkant|Der Wartturm auf dem Wurzelbrink

Lübbecke liegt im Nordosten von Nordrhein-Westfalen, im Norden von Ostwestfalen-Lippe, im Südwesten des Kreises Minden-Lübbecke. Die Stadt liegt im Westen der kulturhistorischen Region des Mindener Landes. Naturräumlich zählt ein Großteil des Stadtgebietes zur Norddeutschen Tiefebene. Nur die südlichen Gebiete der Stadt liegen auf dem Nordhang des Mittelgebirges Wiehengebirge, dessen Kamm im Süden weitestgehend die Grenze der Stadt markiert. Das Gebirge bedeckt rund ein Fünftel des Stadtgebietes.

Am Gebirgsrand liegen die historische Altstadt sowie die alten Kerne der meisten Stadtteile. Die restlichen Gebiete sind eher dörflich geprägt. Die nördliche Stadtgrenze bildet der Mittellandkanal. Im Nordosten der Stadt liegt das Große Torfmoor, heute das größte Moor Westfalens. Zwischen den feuchten Niederungen südlich des Mittellandkanals, dem Urstromtal der eiszeitlichen Weser, und den Höhenlagen des Wiehengebirges liegt am Gebirgsfuß ein schmaler Saum fruchtbarer Lößböden mit der Bezeichnung Lübbecker Lößland. Nördlich der Niederung liegt die nicht so fruchtbare, teils sandige, teils moorige Rahden-Diepenauer Geest. In der Geest liegen die Ortschaften Stockhausen und Alswede sowie ein Teil des Lübbecker Industriegebietes.

Die höchsten Berge Lübbeckes sind der Heidbrink (), der Wurzelbrink () und der Kniebrink (). Der Kernstadt am nächsten liegen der Reineberg (), der Heidkopf () sowie der Meesenkopf (). Die Berge im Süden der Stadt Lübbecke sind die höchsten des gesamten Wiehengebirges. Im Norden erreicht das Gebiet nur noch eine Höhe von rund . Der tiefste Punkt liegt auf rund .

Gewässer Da die Wasserscheide des Wiehengebirges die südliche Stadtgrenze bildet, wird fast das gesamte Stadtgebiet nach Norden entwässert, bis auf wenige Gebiete marginalen Umfangs am Südhang des Wurzelbrinks. In der Regel fließen die kurzen Gebirgsbäche, die zum Teil am Fuße des Gebirges entspringen nach kurzer Distanz das Tiefland erreichen, nach Norden, um dann in die Flöthe oder ein anderes größeres Fließgewässer jenseits der Stadtgrenze zu münden, wie zum Beispiel die Ronceva, die vom „Lübbecker Berg“ her die Kernstadt (größtenteils verrohrt) durchquert und über die Flöthe und die Große Aue. die die Stadt im äußersten Westen streift, die Weser erreicht. Gefördertes „Gebirgsquellwasser“ hat noch immer eine große Bedeutung für die Bierherstellung in Lübbecke.

Die Stadt Lübbecke ist arm an natürlichen stehenden Gewässern. Sowohl Kanal als auch die Seen und Teiche im Moor sind von Menschenhand geschaffen. Die größten Gewässer sind der Mittellandkanal mit etwa 50 ha Wasserfläche auf Lübbecker Gebiet, sowie ein namenloser See im Moorgebiet, der eine zusammenhängende Wasserfläche von rund 9 ha aufweist. Alle anderen Gewässer sind kleiner als 1 ha. Insgesamt bestehen 1,5 Prozent der Stadtfläche (98,2 ha) aus Wasserflächen.

Ausdehnung und Nutzung des Stadtgebietes mini|Bodennutzung mini|Mit einem Anteil von Moor, Heide und Unland von 3,3 Prozent liegt Lübbecke deutlich über dem Durchschnitt des Kreises Minden-Lübbecke (0,7 Prozent) mini|Der Bergwald des Lübbecker Wiehengebirges, hier am Westhang des Wurzelbrinks

Die Stadt hat eine Gesamtfläche von 65 km². Das Stadtgebiet hat eine maximale West-Ost-Ausdehnung von 13 km, die maximale Nord-Süd-Ausdehnung beträgt rund 9 km.

Das Gebiet der Stadt wird überwiegend landwirtschaftlich genutzt. Im Wesentlichen ist nur das Wiehengebirge bewaldet. Eine Übersicht über die Flächennutzung gibt folgende Tabelle (Stand 2014): (PDF; 316 kB).

Flächenach Nutzungsart Landwirt-schaftsfläche Wald-fläche Siedlungs-und Verkehrsfläche Wasser-fläche sonstigeNutzung Fläche in ha 3.300 1.357 1.513 93 241 Anteil an Gesamtfläche 50,7 % 20,9 % 23,3 % 1,4 % 3,7 %

Am dichtesten besiedelt ist das fruchtbare Lübbecker Lößland mit einer durchschnittlichen Einwohnerdichte von 600 bis 1000 Einw./km². Die Niederungen südlich des Kanals sind sehr dünn besiedelt. Unbewohnt sind das Wiehengebirge sowie das Große Torfmoor. Der am dichtesten besiedelte Stadtteil ist die Lübbecker Kernstadt mit rund 800 Einw. pro km² gegenüber im Schnitt 250 Bewohnern pro km² in den anderen Stadtteilen.

Der Flächenanteil der landwirtschaftlichen Nutzfläche ist geringer als im Kreisdurchschnitt (66 %), liegt aber leicht über dem Landesdurchschnitt (49,7 %). Die fruchtbaren Böden des Lübbecker Lösslands mit Ackerzahlen von 75 werden überwiegend ackerbaulich genutzt, besonders für Getreide und Hackfrüchte. Vereinzelt kommen auch Sonderkulturen vor, z. B. Erdbeeren und Obstplantagen. Abgesehen von sporadischen Flächen südlich des Gebirges ist das Grünland besonders im Norden mit seinen schlechteren und nasseren Böden vertreten. Ostwärts des Industriegebietes nehmen Wiesen und Weiden fast die gesamte Fläche ein. Innerhalb des Naturschutzgebietes Torfmoor, jedoch noch außerhalb des eigentlichen Moores, erfolgt eine aus ökologischen Gründen beinahe nur extensive weidewirtschaftliche Nutzung, vor allem durch Schafe. Das zentrale Hochmoorgebiet selbst ist aus landwirtschaftlicher Sicht Unland und wird nicht bewirtschaftet.

Die geschlossene Waldfläche des Wiehengebirges in Lübbecke war ursprünglich Buchen-Mischwald und ist heute zum größten Teil zu Fichtenwald umgestaltet. Im Tiefland gibt es nur sehr kleine Haine, die zusammen knapp 1 km² umfassen, u. a. sind dies der Stockhauser Busch, kleine Wälder im Bereich des Jachthafens und die Birkenwälder im Großen Torfmoor. Ein Teil des Moores ist mit geschlossenen Birkenbeständen bewachsen. Der relative Waldanteil ist fast doppelt so hoch wie im Kreisdurchschnitt (11,2 %).

Der relativ große Anteil an „sonstiger Fläche“ ergibt sich durch das Große Torfmoor. Moore, Heide und Unland bedecken rund 3,6 Prozent des Stadtgebietes.

Nachbargemeinden Lübbecke ist gänzlich von Gemeinden des Kreises Minden-Lübbecke umgeben. Im Norden liegt jenseits des Mittellandkanals die Stadt Espelkamp. Die gemeinsame Grenze ist rund 10 km lang. Im Osten liegt die Gemeinde Hille. Südlich der Stadt auf der anderen Seite des Wiehengebirges liegt die Gemeinde Hüllhorst. Der Kamm des Gebirges bildet auf rund 10,5 km Länge die südliche Stadtgrenze. Im Westen grenzt Lübbecke an die Stadt Preußisch Oldendorf. Hier bilden der Ostrand des Hollwinkeler Holzes und auf 1 km Länge die Große Aue eine natürliche Grenze.

Stadtgliederung mini|300px|Stadtteile

Nach § 3 der Hauptsatzung (PDF). gliedert sich das Gebiet der Stadt Lübbecke in folgende Ortschaften (Stand: 31. Dezember 2021):

Ortsteil Einwohner Anteil Fläche Einwohnerdichte Alswede 1.026 3,9 % 2,95 km² 348 Einw./km² Blasheim 1.455 5,5 % 6,46 km² 225 Einw./km² Eilhausen 710 2,7 % 3,59 km² 198 Einw./km² Gehlenbeck 3.280 12,4 % 11,13 km² 295 Einw./km² Kernstadt 15.561 58,7 % 17,81 km² 874 Einw./km² Nettelstedt 2.479 9,4 % 8,49 km² 292 Einw./km² Obermehnen 1.256 4,7 % 9,26 km² 136 Einw./km² Stockhausen 729 2,8 % 5,36 km² 136 Einw./km² Stadt Lübbecke 26.496 100 % 65,05 km² 407 Einw./km²

Keine Ortschaft im Sinne der Hauptsatzung ist die Kernstadt. Es leben knapp 59 % der Bewohner in der Kernstadt. Für jede Ortschaft wird vom Rat der Stadt ein Ortsvorsteher gewählt. Die Ortschaften sowie die Kernstadt werden im Sprachgebrauch meist als „Stadtteile“ bezeichnet.

Die Bebauung der Ortschaften Gehlenbeck und Eilhausen schließt mittlerweile übergangslos an die der Kernstadt an, wodurch sie ihren eigenen dörflichen Charakter verloren haben. Die meisten Ortschaften und die Kernstadt umfassen jeweils außer den eigentlichen Siedlungskernen mehr oder weniger große Anteile des Wiehengebirges und der siedlungsarmen Fluren im Zuge des Mittellandkanals. Lediglich die Gebiete der Ortschaften Alswede, Blasheim und Stockhausen sind auf den jeweiligen Ort und das unmittelbar an diesen angrenzende Gebiet beschränkt.

Geologie mini|Geothermische Karte von Lübbecke

Geologisch wird die Oberfläche hauptsächlich von quartären Lockergesteinen (Sand, Kies, Löß, Geschiebemergel überwiegend des Pleistozän) bestimmt. Im Wiehengebirge treten auch Gesteine des Jura, zum Beispiel Sandsteine, zutage.

Bis ins 19. Jahrhundert wurde im Wiehengebirge, im Reineberger Hagen bis hinauf zum Heidbrink Portasandstein abgebaut, der hier noch eine Mächtigkeit von bis zu drei Metern aufweist, wovon noch heute zahllose kleine, aufgelassene Steinbrüche im Wiehengebirge zeugen. Im Wiehengebirge wurde bis in die 1990er Jahre in einem großen Steinbruch Kalkstein zur Verwendung als Schotter für den Haus- und Straßenbau abgebaut. Es scheint, dass vor Jahrhunderten auch nach Erzen geschürft wurde; bei Horst Höhe gibt es einen alten Stollen.

Bis Mitte des 20. Jahrhunderts wurde im Großen Torfmoor der fossile Brennstoff Torf, überwiegend für die Verwendung im Hausbrand, gestochen. Alte Transportanlagen (Loren) waren dort bis vor einigen Jahren noch vorhanden. Aufgrund der Erschöpfung der Lagerstätten und aus Gründen des Naturschutzes wurde die Förderung aber eingestellt.

Trotz großen natürlichen Gefälles kann die Wasserkraft als Energieträger heute nicht eingesetzt werden, da aufgrund des geringen Einzugsbereiches der Gebirgsbäche diese nur wenig Wasser führen. In der Vergangenheit wurden mehrere Wassermühlen im Stadtgebiet betrieben. Am Fuße des Wurzelbrinks im Ortsteil Eilhausen ist noch heute ein Wasser-Mühlrad zu besichtigen. Die Nutzung der natürlichen Ressource Windkraft hat in letzter Zeit einen signifikanten Zuwachs erlangt. Windmühlen, unter anderem in Eilhausen, zeigen, dass dieser Energieträger von Alters her genutzt wurde. Begünstigt wird die Nutzung des Windes durch die Lage in der Norddeutschen Tiefebene.

Lübbecke eignet sich fast durchweg gut bis sehr gut zur Nutzung von geothermischen Wärmequellen mittels Erdwärmesonde und Wärmegewinnung durch Wärmepumpenheizungen. (PDF; 360 kB).

Klima mini|Niederschlagsverteilung in Lübbecke

Lübbecke liegt in der Norddeutschen Tiefebene im ozeanisch-kontinentalen Übergangsbereich Mitteleuropas von subatlantischem Seeklima und Kontinentalklima. Die Winter sind unter atlantischem Einfluss meist mild, die Sommer mäßig-warm, die Niederschläge relativ gleichmäßig verteilt. Es überwiegen westliche und südwestliche Winde, die Niederschläge mit sich führen. Durch die Lage im Lee von Wiehengebirge und Teutoburger Wald sind die Niederschläge jedoch insgesamt geringer als in den meisten Mittelgebirgsregionen Ostwestfalens, nur die Höhenlagen des Gebirges sind etwas niederschlagsreicher. Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt in den nördlichen Teilen der Stadt 680 mm und im Bereich des Gebirges etwa 800 mm.

Die Lufttemperatur beträgt im Jahresdurchschnitt 8,9 °C, wärmster Monat ist der Juli mit 16,9 °C, kältester der Januar mit 0,8 °C. An durchschnittlich 37 Tagen in den Monaten November bis März liegt die mittlere Tagestemperatur unter 0 °C. Die Zahl der Sonnenscheinstunden beträgt 1435 Stunden im Jahr, mit einer jahreszeitlichen Schwankung von 200 Stunden im Juni und 32 Stunden im Dezember.Stadt Lübbecke: Willkommen in Lübbecke. Zahlen und Fakten. Klima. Am 26. August 2010 wurde in Lübbecke mit 143, 3 Liter Regen pro Quadratmeter einer der höchsten Niederschlagsmengen an einem Tage im nordwestdeutschen Raum registriert. An diesem Tag fiel ein Fünftel der Regenmenge, die im Mittel im ganzen Jahr auf Lübbecke niedergeht.