Hüllhorst (niederdeutsch: Hüllhuost), amtlich Gemeinde Hüllhorst, bisweilen auch Großgemeinde HüllhorstSieheː ORTSGESPRÄCH 2/2022, Seite 3, ist eine Gemeinde in Nordrhein-Westfalen, Deutschland und gehört zum Kreis Minden-Lübbecke in Ostwestfalen-Lippe.
Geografie Geografische Lage mini|Das Gemeindegebiet fällt allgemein von Norden nach Süden ab Das Gemeindegebiet liegt im Nordosten Nordrhein-Westfalens, im Süden des ostwestfälischen Kreises Minden-Lübbecke. Naturräumlich liegt die Gemeinde in der Hügellandschaft der Ravensberger Mulde. Das Gemeindegebiet wird im Norden (in gewisser Weise aufgrund des Verlaufes des Höhenzuges von Nordwesten bis Nordosten) vom Wiehengebirge begrenzt, auf dessen Kamm überwiegend die Grenzen zur Stadt Lübbecke, im Westen auch zur Stadt Preußisch Oldendorf, im äußersten Südwesten zur Gemeinde Rödinghausen und ganz im Osten zur Gemeinde Hille verlaufen. Mit dem Heidbrink, 320 m ü. NN, besitzt die Gemeinde Hüllhorst zusammen mit Lübbecke den höchsten Gipfel dieses Gebirges. Der 315 Meter hohe Kniebrink liegt komplett auf Hüllhorster Territorium. Insgesamt gehört jedoch nur ein schmaler, zwischen 200 und 500 Meter breiter Streifen des bewaldeten Wiehengebirges zum Gemeindegebiet, da dieses Gebirge ein typisches Pultschollengebirge ist und sanft nach Norden, jedoch schroff nach Süden abfällt. Bedeutendste Übergange im Wiehengebirge sind die Kahlewart sowie die B239 am Reineberg, die jedoch beide keinen wirklichen einschneidenden Pass im Gebirge darstellen. Nach Süden und Osten gibt es keine natürlichen Grenzen, das Gemeindegebiet geht geographisch übergangslos in die Nachbargemeinden über. Im Osten gegen Bad Oynhausen verläuft eine markante Hochspannungsleitung, die dann weiter über die Wallücke als künstliches Bauernlineal entlang der Gemeindegrenze verläuft und diese für den Betrachter markiert.
Der überwiegende Teil des Gemeindegebietes ist Teil der Ravensberger Mulde, einer überwiegend hügeligen und zertalten Beckenlandschaft. Zahlreiche von Menschenhand ausgeformte Täler (Sieke) schneiden in die Landschaft teils unvermittelt ein. Ein bekanntes Tal ist das Nachtigallental, das im Grenzgebiet der Ortsteile Büttendorf, Hüllhorst und Oberbauerschaft südlich des kleinen Dorfes Hobrink liegt. Das gesamte Gemeindegebiet fällt nach Süden kontinuierlich ab. Daher wird das Gebiet überwiegend nach Süden zur Werre hin entwässert. Wichtigster Zufluss auf dem Gebiet der Gemeinde sind der Rehmerloh-Mennighüffer Mühlenbach sowie dessen Nebenfluss Tengerner Bach. Im Süden bei Huchzen fällt das Gemeindegebiet bis auf eine Höhe von rund 65 Metern ab.
Die nächstgelegenen Großstädte sind Bielefeld (30 Kilometer südlich) und Osnabrück (50 Kilometer westlich).
Geologie mini|Geothermische Karte von Hüllhorst Die Ravensberger Mulde besteht ganz überwiegend aus Tonmergel-, Kalk- und Sandsteinen des Erdmittelalters (Trias, Jura und Kreide). Die ein bis zwei Kilometer starken Sedimente wurden im Verlauf der Erdgeschichte herausgehoben und durch gebirgsbildende Vorgänge in Sättel, Mulden, Horste und Gräben zerlegt. In diesem Bruchfaltengebirge sind die früher ungestört übereinander folgenden Gesteinsschichten heute nebeneinander und zum Teil auch in überkippter Lagerung angeordnet. Im tieferen Untergrund sind die Gesteine des Erdaltertums (Devon, Karbon, Perm) anzutreffen.
Aufgrund des komplizierten geologischen Baus der Gemeinde bestehen große qualitative Unterschiede in den Grundwasservorkommen. Aufgrund der Versalzung des tieferen Untergrunds (Steinsalz und Gips) sind viele Wasservorkommen nicht als Trinkwasser nutzbar.
Das Gemeindegebiet besteht großflächig aus fruchtbaren Ackerböden (Parabraunerden), die aus Löß entstanden sind. Vornehmlich durch Verwitterung bildeten sich sandig-lehmige bis lehmig-tonige Braunerden.
Hüllhorst eignet sich von Süden nach Norden zunehmend mittelmäßig bis sehr gut zur Nutzung von geothermischen Wärmequellen mittels Erdwärmesonde und zur Wärmegewinnung durch Wärmepumpenheizungen (vgl. dazu die nebenstehende Karte). (PDF; 369 kB)
Ausdehnung und Nutzung des Gemeindegebiets Die Gemeinde nimmt eine Fläche von 44,73 km² ein. Ihr Gebiet erstreckt sich recht länglich am Wiehengebirge entlang. Die maximale Ost-West-Ausdehnung beträgt etwa 11 km, die größte Nord-Süd-Ausdehnung etwa 5 km.
mini|Schnathorst, dahinter Holsen, rechts das Wiehengebirge Die fruchtbare Lößlandschaft förderte bereits früh eine intensive landwirtschaftliche Nutzung. Wälder gibt es daher nur noch in Restbeständen, vorwiegend in den zahlreichen Tälern, z. B. im Benkhöfer Bruch und im bergigen Wiehengebirge. Im Gegensatz zu den Nadelwäldern des Wiehengebirges handelt es sich bei den Wäldern in den Talungen überwiegend um Laub- und Niederwälder. Von den Einheimischen werden diese auch „Busch“ genannt (z. B. Rehbusch u. a.). In diesen Talungen befindet sich auch der größte Teil des Grünlandes, der meist als Weide genutzt wird und als Siek ausgeprägt ist. Die lößbedeckten Hochflächen werden bis hinauf zum Bergwald des Wiehengebirges genutzt. Die folgende Tabelle zeigt die genaue Flächennutzung.
Fläche nachNutzungsart Siedlungs- undVerkehrsfläche Landwirt-schaftsfläche Wald-fläche SonstigeFreiflächen Fläche in Hektar 872 2.963 581 57 Anteil an der Gesamtfläche 19,5 % 66,2 % 13,0 % 1,2 %
Nachbargemeinden Die Nachbargemeinden sind im Uhrzeigersinn im Westen beginnend Preußisch Oldendorf, Lübbecke, Hille, Bad Oeynhausen (alle Kreis Minden-Lübbecke), Löhne, Kirchlengern, Bünde und Rödinghausen (alle Kreis Herford).
Gemeindegliederung mini|Die Ortschaft Schnathorst vom Wiehengebirge aus
Die Gemeinde Hüllhorst besteht laut Hauptsatzung § 1 aus folgenden Ortschaften:
Ortschaft Einwohner Die Ortschaften der Gemeinde Hüllhorst 450px|zentriert Ahlsen-Reineberg 928 Bröderhausen 662 Büttendorf 783 Holsen 958 Hüllhorst 2.799 Oberbauerschaft 3.051 Schnathorst 2.735 Tengern 1.992
Einwohnerzahlen: Stand 31. Dezember 2022.
Diese Ortschaften entsprechen weitestgehend den ehemals selbstständigen Gemeinden, die 1973 nach dem Bielefeld-Gesetz vom 24. Oktober 1972 zum 1. Januar 1973 zur Gemeinde Hüllhorst zusammengefasst wurden. Nur die ehemals kleinste Gemeinde im Land Nordrhein-Westfalen, Huchzen (45 Einwohner zum 31. Dezember 2006), erhielt keinen Status als Ortschaft, sondern wurde der Ortschaft Tengern zugeordnet. Die Exklave der ehemaligen Gemeinde Ahlsen-Reineberg, Auf der Lage, fiel an den Ortsteil Hüllhorst.
Klima Das Klima in Hüllhorst wird durch die Lage im ozeanisch-kontinentalen Übergangsbereich Mitteleuropas und durch seine Lage in der Ravensberger Mulde bestimmt. Das Gebiet liegt überwiegend im Bereich des subatlantischen Seeklimas, weist aber temporäre kontinentale Einflüsse auf. Die Winter sind unter atlantischem Einfluss meist mild, die Sommer mäßig-warm, die Niederschläge relativ gleichmäßig verteilt. Die Jahresmitteltemperatur liegt bei etwa 8,5 °C, wobei die Höhenlage diese beeinflusst. Die Höhenlagen des Wiehengebirges sind rund 0,5 °C kühler. Die Niederschläge sind maßgeblich durch die geschützte Beckenlage beeinflusst. Der Teutoburger Wald und das Eggegebirge schirmen die Ravensberger Mulde gegen die vom Atlantik kommenden, feuchten Wetterfronten aus Vorzugswindrichtung Süd-West ab. Die mittlere Jahresniederschlagsmenge liegt bei rund 750 mm. Für konkrete monatliche Werte wird insbesondere auf das in vergleichbarer naturräumlicher Lage liegende und benachbarte Rödinghausen verwiesen.
Geschichte mini|Ziegelei Watermann in Schnathorst um 1900 Die heutige Gemeinde Hüllhorst entstand in einer Gebietsreform nach dem Bielefeld-Gesetz vom 24. Oktober 1972 zum 1. Januar 1973. Die einzelnen Ortsteile sind jedoch bereits länger bezeugt.
In Hüllhorst wurde beim Bau eines Feuerwehrhauses eine Siedlung entdeckt, die sich in die Zeit zwischen 800 und 600 v. Chr. datieren ließ. Neben Wohnhäusern fanden sich im Jahr 2026 Überreste von Vorratskammern und Abfallgruben. In Ostwestfalen stellt der Fundort eine Seltenheit dar, denn nur in Werther und Minden wurden vergleichbare Entdeckungen gemacht.2.500 Jahre alte Siedlung im Kreis Minden-Lübbecke entdeckt, WDR, 3. März 2026.
Die meisten der heutigen Ortschaften werden im 11. und 12. Jahrhundert erstmals erwähnt: Ahlsen-Reineberg: 1290 erstmals bezeugt. Die Gründung des Ortsteils der zum Bistum Minden gehörenden Domäne Reineberg und dessen Burg Reineberg geht vermutlich bis auf das Jahr 1220 zurück. Die Burg Reineberg wurde bis vermutlich 1230 fertiggestellt, aber 1723 abgerissen. Bröderhausen: Die Ortschaft wurde im Jahre 1250 erstmals urkundlich erwähnt Büttendorf: urkundlich erstmals erwähnt im Jahre 1042 Holsen: im Jahre 1260 erstmals urkundlich erwähnt Hüllhorst: erstmals 1290 bezeugt Oberbauerschaft: Die Ursprünge gehen zurück auf die erste urkundliche Eintragung der Gemeinde Beendorf aus dem Jahre 1121. Später wurden fünf Ortsteile, darunter auch Beendorf, zusammengelegt, die den Namen Oberbauerschaft erhielten. Oberbauerschaft wird Anfang des 17. Jahrhunderts erstmals urkundlich erwähnt. Schnathorst: 1244 erstmals schriftlich erwähnt Tengern: erstmals im Jahre 1151 urkundlich erwähnt
An Stelle der abgerissenen Burg Reineberg entwickelte sich eine Siedlung. Das alte Amt Reineberg bestand bis 1807 und gehörte zum preußischen Fürstentum Minden. 1648 ging das Bistum Minden in ein weltliches Fürstentum über und wurde Teil Preußens. Zwischen 1807 und 1813 war das Gebiet de facto französisch. Von 1807 bis 1810 gehörte Hüllhorst zum Kanton Reineberg des napoleonischen Satellitenstaats Königreich Westphalen. Von 1811 bis 1813 gehörte Hüllhorst unmittelbar zu Frankreich und war dort Sitz der Mairie Hüllhorst im Kanton Quernheim des Arrondissements Minden im Departement der Oberen Ems.
Nach dem Ende der Franzosenzeit wurde das Gebiet 1816 zunächst Teil des preußischen Kreis Bünde. Nach dessen Auflösung wurde das Gebiet der heutigen Gemeinde 1832 Teil des Kreises Lübbecke. Die Gemeinden im heutigen Gemeindegebiet waren ab 1843 verwaltungstechnisch im Amt Schnathorst (etwa 1870 umbenannt in Amt Hüllhorst) zusammengefasst. Rechtlich blieben die neun Mitgliedsgemeinden (Huchzen noch selbstständig) selbstständig. Seit der Kommunalreform 1973 gehört die neu gegründete Großgemeinde in den Grenzen des alten Amtes zum Kreis Minden-Lübbecke. Eine Benennung der Gemeinde in Gemeinde Reineberg wurde diskutiert aber abgelehnt.
In früherer Zeit hatte das Gebiet der heutigen Gemeinde Hüllhorst fast ausschließlich bäuerliche Bevölkerung, die im fruchtbaren Ravensberger Hügelland. Als zusätzliche Einnahmequelle entwickelte sich zunächst das Textilhandwerk. In protoindustrialistischer Heimarbeit wurde Flachs zum bekannten Ravensberger Leinen versponnen und verwoben. Mit Aufkommen der mechanischen Webstühle wurde diese Erwerbsform unrentabel. Ab etwa 1860 entwickelte sich im Ravensberger Land und in Hüllhorst eine blühende Zigarrenfabrikation. Diese Industrie erlebte ihren Niedergang in der Nachkriegszeit in Deutschland.
Namengebung