Braunschweig Hauptbahnhof, 1,6 Kilometer südöstlich der Braunschweiger Innenstadt gelegen, wurde am 1. Oktober 1960Norbert Jonscher: In: Braunschweiger Zeitung. 1. Oktober 2010, S. 22–23. eröffnet. Der Kreuzungsbahnhof mit acht Bahnsteiggleisen ersetzte den spätklassizistischen Alten Bahnhof, einen Kopfbahnhof südlich der Altstadt. Als Beispiel der modernen Architektur der 1950er Jahre steht das Empfangsgebäude unter Denkmalschutz.
Mit über 63.000 Fahrgästen täglich ist er der am zweithäufigsten genutzte Bahnhof Niedersachsens. An Spitzentagen werden bis zu 110.000 Fahrgäste gezählt. Über 25.000 Fahrgäste nutzen den Bahnhof für den städtischen Pendelverkehr und über 38.000 für den Regional- und Fernverkehr.LOK Report - Niedersachsen: 60 Jahre Braunschweig Hauptbahnhof https://www.deutschebahn.com/de/presse/presse-regional/pr-hamburg-de/aktuell/presseinformationen-regional/DB-startet-Fruehjahrsputz-im-Bahnhof-Braunschweig-13357620
Geschichte mini|Lageplan des Hauptbahnhofes mini|hochkant|Standortfrage mini|Der Hauptbahnhof kurz nach der Eröffnung (1961)
Ostbahnhof An der Stelle des heutigen Hauptbahnhofs und seines Geländes befand sich ursprünglich der Braunschweiger Ostbahnhof. Dieser wurde 1871 eröffnet, zunächst Bahnhof St. Leonhard genannt und am 1. August 1889 umbenannt.Zeitung des Vereins Deutscher Eisenbahn-Verwaltungen, Jahrgang 1889 Der Ostbahnhof diente vor allem dem Güterverkehr und wurde zum Rangieren genutzt.Karl-Heinz Löffelsend: Die Helmstedter. Braunschweig 2006, S. 54 ff.Hauptbahnhof Braunschweig 1960
Standort eines neuen Hauptbahnhofs Aufgrund des wachsenden Verkehrsaufkommens der Nachkriegszeit wurde der Bedarf nach einem neuen Hauptbahnhof immer dringender, Bau und Lage des alten Braunschweiger Kopfbahnhofs waren schon lange unvorteilhaft und nicht mehr zeitgemäß. Man entschloss sich zum Bau eines neuen Durchgangsbahnhofs im heutigen Stadtquartier Viewegsgarten südöstlich des Zentrums und nahm dabei die Planungen zur Verlegung aus den 1930er Jahren wieder auf.
Bereits in den 1930er Jahren begann man mit dem Verlegen der Gleise für den neuen Hauptbahnhof. Der endgültige Standort war ein Kompromiss, mit dem die Kosten und der abzureißende Bestand so gering wie möglich gehalten wurden.
Erste Überlegungen und Entwürfe für einen neuen Bahnhof gab es bereits 1870 im Stadterweiterungsplan von Carl Tappe.Stadterweiterungsplan der Stadt Braunschweig, entworfen von Stadtbaumeister Carl Tappe 1870 Schon damals wurde der heutige Standort favorisiert.
Mehrere Planungen von 1870 bis 1934, u. a. der Rincklake'sche Bahnhofsplan von 1889, sahen einen neuen Bahnhof im Bereich des heutigen Messegeländes in der Nähe von Eisenbüttel bzw. zwischen Eisenbüttel und dem alten Bahnhof vor. 1889 wurde ein um 180 Grad gedrehter Bahnhof am selben Standort vorgeschlagen. Eine andere außergewöhnliche Überlegung war die Idee von 1908, den künftigen Hauptbahnhof in Nord-Süd-Richtung an das Ende der heutigen Jasperallee zu setzen. Diese Idee fand jedoch wenig Anklang, da man an dieser Stelle ein intaktes bürgerliches Wohnquartier hätte durchtrennen müssen.
Über Jahre hinweg konnte keine Einigung erzielt werden. Der Umbau des alten Bahnhofs wurde abgelehnt, da er höhere Kosten fordern würde als der Bau eines neuen Bahnhofs. Die Überlegungen für einen neuen Durchgangsbahnhof stellten sich als schwierig dar, da Braunschweig bereits zum Ende des 19. Jahrhunderts um die Altstadt herum dicht bebaut war. So hätte man auch nur mit großem Aufwand eine neue Gleistrasse festlegen können.
Zwischen 1909 und 1932 gab es konkrete Planungen für einen neuen Durchgangsbahnhof im Bereich des heutigen Messegeländes, also südlich des alten Bahnhofs. Die Planungen waren soweit vorangeschritten, dass sogar Pläne und Konzepte für die Gestaltung des Stadtraums erarbeitet wurden. Nördlich vor dem Bahnhof sollte der Kaiser-Wilhelm-Platz entstehen. Vom Kaiser-Wilhelm-Platz aus sollte eine neue breite Hauptstraße in Nord-Süd-Richtung den neuen Bahnhof mit der Altstadt verbinden. Auf den Plänen wurde auch bereits nordöstlich des Bahnhofs und des Platzes Wohnbaugebiet ausgewiesen. Für die Realisierung hätten jedoch für die Gleise östlich des Bahnhofs wahrscheinlich der Südteich im Bürgerpark mit Erde aufgeschüttet und Teile der Industriegebäude (Feldschlößchen-Brauerei etc.) an der heutigen Böcklerstraße abgerissen werden müssen.
1938 wurde jedoch wieder der Entwurf von 1870 diskutiert, die ersten Planungen begannen, Gleise wurden verlegt. Der Zweite Weltkrieg führte zum vorzeitigen Ende der Arbeiten. In den 1950er Jahren wurden die Planungen wieder aufgenommen und man entschied sich 1953 dazu, den 1938 geplanten Standort beizubehalten.
Planung 1956 wurden Verträge zwischen der Stadt Braunschweig, der Deutschen Bundesbahn und der Braunschweigischen Staatsbank zum Bau des Durchgangsbahnhofs abgeschlossen. Im Mai 1956 wurde ein Ideenwettbewerb für den neuen Hauptbahnhof ausgeschrieben, 51 Vorschläge wurden eingereicht. Am 28. Mai 1956 begannen die Erdarbeiten für den Bahnsteigtunnel. Am 27. Juni 1956 wurde durch das Preisgericht das Ergebnis des Architektenwettbewerbs verkündet. Es wurden zwei zweite Preise an Bundesbahnoberrat Erwin Dürkop in Hannover und an J. Kiesewetter in Bayreuth vergeben.
Bau mini|Eingangsbereich mini|Empfangshalle mini|Unterführung vor der Umgestaltung Der erste Spatenstich für den Neubau wurde am 19. Februar 1957 durch den damaligen Bundesverkehrsminister Hans-Christoph Seebohm vollzogen. Am 7. November 1958 wurde der Bahnsteigtunnel fertiggestellt, am 21. November 1958 wurde das Richtfest gefeiert.
Am 24. März 1959 erfolgte die Grundsteinlegung für das Empfangsgebäude, und am 15. Oktober 1959 fand sein Richtfest statt. Nach dreijähriger Bauzeit und zehnjähriger Planungszeit wurde der neue Braunschweiger Hauptbahnhof am 1. Oktober 1960 eröffnet. Vorbild war der Bahnhof Roma Termini in Rom.
Nutzung Der Hauptbahnhof ist seit 1979 an das InterCity-Netz und seit 1993 an das ICE-Netz angeschlossen. Im Mai 1993 fuhr zum ersten Mal ein RegionalExpress von Braunschweig nach Magdeburg.
Seit 1993 steht das Empfangsgebäude unter Denkmalschutz.
Am 25. und 26. Oktober 2003 wurde ein neues elektronisches Stellwerk in Betrieb genommen, das zwischen Groß Gleidingen (ausschließlich) und Weddel (einschließlich) 84 Weichen und 102 Signale steuert und aus der Betriebszentrale Hannover ferngesteuert wird.ESTW Braunschweig in Betrieb. In: Eisenbahn-Revue International, , Heft 12/2003, S. 528.
Bis 2010 bestand die einzige Möglichkeit, im Braunschweiger Bahnhof mit einem Fahrrad, Kinderwagen oder Rollstuhl zu den Bahnsteigen zu gelangen, im ehemaligen Posttunnel der Bahnpost außerhalb der Bahnhofshalle am östlichen Bahnsteigende. Dessen Benutzung war jedoch (zumindest ohne Begleitung durch Bahnpersonal) durch Schilder untersagt. Fahrräder und Kinderwagen konnten alternativ auch einfach über die Treppen getragen werden. Bei Heimspielen von Eintracht Braunschweig wurde dieser Tunnel hin und wieder genutzt, um Gästefans (von der Polizei eskortiert) auf den Parkplatz und mit den dort wartenden Shuttle-Bussen zum Eintracht-Stadion zu transportieren. Die gegnerischen und teilweise rivalisierenden Fans liefen somit nicht durch die Bahnhofshalle und kamen nicht mit den heimischen Fußballanhängern in Kontakt. Die Zugänge von den Bahnsteigen zum Posttunnel wurden im Zuge der Bahnhofssanierung 2023 verfüllt und können seitdem nicht mehr genutzt werden.
Zunächst wurden nur zu den Bahnsteigen 3/4, 5/6 und 7/8 drei Aufzüge eingebaut, indem man einen Teil des Raums der östlichen Treppen nutzte. Nachdem die RegioStadtBahn-Planungen nicht mehr umgesetzt werden, wurde auch der Bahnsteig 1/2 entsprechend nachgerüstet, nun ist zu allen Bahnsteigen jeweils ein Aufzug vorhanden. In: Braunschweiger Zeitung vom 3. Juni 2010.
Im August 2020 genehmigte das Eisenbahn-Bundesamt die Stilllegung einer Reihe von Gleisen im Bahnhof.
Umgebung Im Umfeld des neuen Hauptbahnhofs begannen umfangreiche Bauarbeiten. Wesentliche Ziele waren die Realisierung der Weiterführung des Wilhelminischen Rings, einer ringförmigen Straßenanlage, die im 19. Jahrhundert von Ludwig Winter geplant wurde, der Bau eines Bahnhofplatzes und der Bahnhofstraße, die den neuen Bahnhof mit dem knapp 2 Kilometer entfernten Zentrum der Stadt verbinden sollte. Im Zuge dieser Maßnahmen wurden ab August 1958 für eine autogerechte Stadt die Häuser an der Heitbergstraße abgerissen, um der neuen Straßenführung Platz zu schaffen. Im Februar 1960 folgte der Abbruch von Wohnhäusern am Friedrichsplatz. Vor dem Bahnhof entstand der Berliner Platz, welcher erst im Laufe der 1960er und 1970er Jahre umbaut wurde. Im Zuge der Verlegung des Hauptbahnhofs wurde auch das Hauptpostamt aus der Innenstadt an den Berliner Platz verlegt. In der Nachbarschaft des Hauptbahnhofs befinden sich auch der Hauptgüterbahnhof und das Bahnbetriebswerk Braunschweig.
1970 wurde zwischen Hauptbahnhof und Hotel Atrium eine Fußgängerüberführung über den Berliner Platz fertiggestellt (Freigabe am 15. Juni 1970, 1999 abgebrochen), mit ihr wurde eine Schänke errichtet.
In den folgenden Jahren wurde das Bahnhofsviertel erneut in Sanierungsmaßnahmen einbezogen. Der erste Abschnitt wurde 1992 abgeschlossen, der zweite im Juni 2006.
Nahverkehrsterminal Von 1999 bis 2000 entstand zur Expo 2000 ein Nahverkehrsterminal direkt vor dem Empfangsgebäude. Die Einweihung der mit einer 100 Meter langen Überdachung wettergeschützten Anlage erfolgte im Mai 2000. Gleichzeitig wurden die ersten Schienen (Normalspur-Zusatzgleis) für die geplante normalspurige RegioStadtBahn im Bereich des Hauptbahnhofs verlegt. Am Nahverkehrsbahnhof sollten zusätzlich ab etwa 2014 die Linien 1, 2, 3 und 10 der RegioStadtBahn halten. Sie sollten in der ersten Ausbaustufe den Hauptbahnhof mit dem Bahnhof Braunschweig Nord und mit Salzgitter, Goslar, Bad Harzburg, Schöppenstedt, Gifhorn und Uelzen verbinden. Die Züge der geplanten RegioStadtBahn sollten zwei zurzeit nicht genutzten Bahnsteige im Nahverkehrsbahnhof nutzen, die bislang noch über keinen Gleisanschluss verfügen. Der Anschluss an das Schienennetz der DB sollte in unmittelbarer Nähe über eine Rampenauf- bzw. -abfahrt auf den Bahndamm erfolgen. Die Pläne für die RegioStadtBahn wurden im Jahr 2010 aufgegeben.
2005 wurde eine neue Straßenbahnverbindung über den Heinrich-Büssing-Ring zum Hauptbahnhof eröffnet. Sie verbindet den Hauptbahnhof mit den Stadtteilen Heidberg, Melverode und Stöckheim im Süden Braunschweigs. Der neue Streckenast nach Stöckheim wurde am 15. Oktober 2006 in Betrieb genommen.
Verkehrsanbindung Regionalverkehr Braunschweig Hbf wird von folgenden Linien bedient: