mini|Gemeindegebiet von Alzenau

Alzenau (, bis 31. Dezember 2006 amtlich Alzenau i.UFr.)StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands. In: Destatis, siehe 2007.Die Unterscheidung „in Unterfranken“ wurde zur Abgrenzung von Alzenau in Schlesien, damals zum Deutschen Reich zugehörig, heute Polen, verwendet. Bis zum 1. Juli 1972 war sie Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises. ist eine Kleinstadt im Nordwesten des unterfränkischen Landkreises Aschaffenburg. Sie ist eine von 13 leistungsfähigen kreisangehörigen Gemeinden in Bayern. Hier fand 2015 die Bayerische Gartenschau „Natur in Alzenau“ statt.

Geographie und Naturraum mini|299px|Alzenau vom Hahnenkamm gesehen (2015) Geographische Lage Alzenau liegt am östlichen Rand des Rhein-Main-Gebietes im unteren Kahlgrund. Die meisten Stadtteile befinden sich auf oder zwischen den Ausläufern des Spessarts mit dem Höhenzug des Hahnenkamm (), welcher das östliche Stadtgebiet dominiert. Das westliche Areal der Kommune weist hingegen eine flache Topografie auf und bildet den Übergang in die Mainebene mit den Nachbarorten Kahl und Karlstein.

Der topographisch höchste Punkt der Stadt befindet sich auf dem Gipfel des Hahnenkamms mit , der niedrigste liegt östlich von Dettingen am Forchbach auf .

Der Hauptort Alzenau selbst liegt zwischen Kälberau und Kahl am Main auf und wird von der Kahl durchflossen. Südlich von Alzenau befindet sich die Ortschaft Wasserlos. Der höchste Punkt der Gemarkung Alzenau befindet sich unterhalb des Gipfels des Hahnenkamms mit , der niedrigste liegt an der Kahl auf .

Über die A 45 bzw. mit der Kahlgrundbahn sind Aschaffenburg, Hanau oder Frankfurt am Main schnell erreichbar.

Natur Das Stadtgebiet liegt im Naturpark Spessart. Mit rund 2600 ha Wald und 85 ha Weingärten besteht der Name Stadt im Grünen wohl zu Recht. Ein bedeutendes landschaftliches Element ist in Alzenau die große Zahl von (auch der Alzenauer Schnapsbrennerei dienlichenMartin Droschke: Um Alzenau herum […]. In: Franken 2024. Franken-Wissen für das ganze Jahr. Emons Verlag, Köln 2023, ISBN 978-3-7408-1797-8, Blatt 27. Oktober. (zum „Tag der Brennereien“) süddeutsch) Streuobstwiesen, die mit ihren hochstämmigen einzelnen Bäumen einen wichtigen Lebensraum für selten gewordene Arten wie Neuntöter oder Steinkauz darstellen. Das Pflanzen derartiger Obstbäume wird von der Stadt finanziell gefördert. Ökologisch sehr bedeutend sind darüber hinaus die Sandmagerrasenflächen im Naturschutzgebiet „Alzenauer Sande“, auf denen einige bedrohte und gefährdete Ödlandarten einen Lebensraum finden.

Am 18. August 2019 bildete sich über dem Saarland eine ostwärts ziehende Superzelle, die im Rhein-Main-Gebiet ihren Höhepunkt erreichte. Die schweren orkanartigen Fallböen daraus zerstörten etwa 200 ha des Alzenauer Waldes.Das Amts- und Mitteilungsblatt der Stadt Alzenau vom 23. August 2019, Ausgabe Nr. 17. Besonders der Unterwald um die Alzenauer Sande, das Prischoß und der Hauckwald waren betroffen. Auch die mehrere Zentimeter großen Hagelkörner und der extreme Starkregen richteten enorme Schäden an.

Auf dem Stadtgebiet von Alzenau befinden sich einige Seen: Hörsteiner See (Gemarkung Hörstein) Meerhofsee (Gemarkung Alzenau) Neufeldsee (Gemarkung Wasserlos)

Nachbargemeinden

Stadtgliederung mini|Gemeindeteile und Gemarkungen von Alzenau Es gibt sechs amtlich benannte Gemeindeteile. Die Einteilung in Stadtteile erfolgte deckungsgleich zu den Gemeindeteilen. Stadtteil/Gemeindeteil Siedlungstyp Einwohner. In: alzenau.de, abgerufen am 9. Januar 2021. Höhe (m ü. NHN) 20px|klasse=noviewer Albstadt Pfarrdorf 1280 160 20px|klasse=noviewer Alzenau Hauptort 7306 126 20px|klasse=noviewer Hörstein ehemaliger Markt 3199 150 20px|klasse=noviewer Kälberau Pfarrdorf 1359 139 20px|klasse=noviewer Michelbach Pfarrdorf 2963 141 20px|klasse=noviewer Wasserlos Kirchdorf 2560 173 Stadt Alzenau 18.667 Der Weiler Dörsthöfe, das Schloss Maisenhausen, die Herrnmühle sowie die Siedlung Birkenberg sind keine amtlich benannten Gemeindeteile. Die untergegangenen Dörfer Bruchhausen und Prischoß befanden sich auf dem heutigen Gebiet der Stadt Alzenau.

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Albstadt, Alzenau, Hörstein, Kälberau, Michelbach und Wasserlos. Die Gemarkung Alzenau hat eine Fläche von 18,129 km². Sie ist in 5600 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 3237,34 m² haben.

Inoffizielle Gliederung

Der Hauptort Alzenau ist in mehrere, nicht offiziell festgelegte Wohngebiete gegliedert. Nachfolgend eine Übersicht ausgewählter Wohngebiete:

Sachsenhausen befindet sich im Osten und ist der älteste Ortsteil von Alzenau. Er ging aus dem noch älteren Dorf Wilmundsheim vor der Hart hervor. Die Siedlung bestand zunächst nur aus der „Wilmundsheimer“- und der „Märkerstraße“ (bis 1972 Freigerichter Straße). Umgangssprachlich nannte man diesen Bereich auch „Pann“, da der Straßenverlauf auf Landkarten die Form eine Pfanne hatte.

Das Wohngebiet Elze liegt im Nordwesten des Hauptortes Alzenau und entstand ab den 1930er Jahren.Bebauung des Alzenauer Wohngebietes Elze in der Zeitreisefunktion im BayernAtlas Es erstreckt sich südlich der Kahlgrundbahn in etwa von der Rodenbacher Straße nach Westen bis etwa zur Dieselstraße. Der ursprüngliche FlurnameFlurname Elze im BayernAtlas leitet sich von Erlen ab und ging auch auf den Namen des heute versiegten Elzegrabens über. Außerdem könnte eine Verbindung zum Ortsnamen von Alzenau bestehen. Siehe dazu Name von Alzenau.

Oberschur entstand als Siedlung ab 1905 im Süden der KernstadtBebauung des Alzenauer Wohngebietes Oberschur in der Zeitreisefunktion im BayernAtlas und lag ursprünglich ungefähr im Dreieck zwischen Gunkelsrainstraße, Mühlweg und Prischoßstraße.

Die Siedlung Neu-Frankfurt , auch nur Siedlung genannt, im Südwesten der Kernstadt, wurde ab den 1950er Jahren bebaut.Bebauung des Alzenauer Wohngebietes Neu-Frankfurt in der Zeitreisefunktion im BayernAtlasZusammenleben im ehemaligen "Freien Gericht vor dem Berge Welmisheim" Das Gebiet reicht von der Einhardstraße nach Westen Richtung Sportplätze. Nördlich und südlich wird Neu-Frankfurt von der Prischoßstraße und der Siedlungstraße begrenzt.

Das Wohngebiet Bonsbeune , auch Bons Beune, Bannsbeune oder nur Beune genannt, liegt im Westen von Alzenau im Bereich von Bernhard- und Beunestraße. Der Name kommt vom ursprünglichen Flurnamen „Bernhards Beine“. Bereits 1926 wurde das erste Haus gebaut, das lange Zeit alleine stand. Erst gegen 1960 folgten zwei weitere Gebäude. Nach 1980 wurde das Wohnviertel ausgebaut.

Das jüngste und zugleich kleinste Wohngebiet „In den Mühlgärten“ befindet sich zentral in Alzenau gelegen, zwischen dem Hauckwald und dem Fluss Kahl. Durch das Wohngebiet führt die gleichnamige Straße. Benannt wurde es nach einem alten Flurnamen im Gebiet hinter der ehemaligen Papiermühle, aus der später die frühere Cellulose-Fabrik hervorging. Nach dem Abbruch der alten Fabrikgebäude 1989 wurde in den 90er Jahren an deren Standort die Siedlung errichtet.Bebauung des Alzenauer Wohngebietes „In den Mühlgärten“ in der Zeitreisefunktion im BayernAtlas

Name Etymologie Das der städtischen Siedlung vorangehende Dorf Wilmundsheim vor der Hart änderte im 16. Jahrhundert seinen Namen in Alzenau. Für die Etymologie von Wilmundsheim siehe: Name von Wilmundsheim. Der Ortsname Alzenau geht auf den Namen der gleichnamigen Burg zurück, deren Ursprung aber nicht genau bekannt ist. Es werden drei Erklärungen genannt: Die Gründungssage der Burg erklärt den Namen mit der Rettung des Burgherrn der in Kälberau gelegenen Randenburg. Seine Frau habe ihn auf ihren Schultern davongetragen; als ihr die Last zu schwer wurde und ihr Mann bat, sie möge ihn zurücklassen, antwortete sie nur „all zu nah“ und schleppte ihn noch über eine nahegelegene Anhöhe. Dort soll der Randenburger eine neue Burg gegründet haben, die er in Gedenken an diese Rettung „Allzunah“ nannte.Zum Ursprung dieses ätiologischen Sagenmotivs siehe Burg Weibertreu. Wolf-Armin von Reitzenstein führt den Burgnamen „Allzunah“ darauf zurück, dass die darunterliegende Siedlung oder die Gegner des Burgbesitzers unter der Burg viel zu leiden gehabt hätten. Der Burgname sei dann mit dem frühneuhochdeutschen Grundwort au (Wiese) versehen und auf die Siedlung übertragen worden. Der Name Alzenau wird auch als Verballhornung der alten Wörtern Altze – vergleiche urgermanisch *alisō – für „Erle“ und ahe für „bach“ erklärt. Der damit gemeinte mit Erlen bestandene Bach beschreibt also den Lauf des Flusses Kahl, an dem die kleine Siedlung unterhalb der Burg entstand. Die gleiche Namenswurzel steckt auch im Flurnamen (und seit den 1930er Jahren auch Wohngebiet von Alzenau) Elze.

Die Endung „au“ wurde entweder von anderen naheliegenden Orten wie Kälberau oder Hanau abgeschaut oder durch eine Art Rechtschreibreform im Mainzer Bistum geändert. Die Zusatzbezeichnung „in Unterfranken“, zeitweise auch „in Mainfranken“, wurde im 20. Jahrhundert zur Abgrenzung von Alzenau in Schlesien (heute Polen) geführt. Im Kahlgründer Dialekt wird die Stadt Alsenah, seine Einwohner Alsenehcher genannt.

Frühere Schreibweisen Frühere Schreibweisen des Ortes aus diversen historischen Karten und Urkunden: Jahr Schreibweise 953 Vuillimundesheim 1000 Uuillimuntesheim 1175 Willemundesheim 1282 Wilmosheim 1311 Wilmuotsheim 1339 Wilmatsheym 1361 Wylmutzheym 1487 Wolmetßheim bey Altzenahe 1515 Wolmezheim vel Alzena 1529 Altzenaue 1805 Alzenau 1929 Alzenau in Unterfranken 2007 Alzenau

Geschichte Urgeschichte In der Gemarkung Alzenau gibt es archäologische Fundstellen von Gräbern der Glockenbecherkultur (2600 v. Chr.), Brandgräbern der älteren Urnenfeldzeit (~1000 v. Chr.) und Siedlungen und Gräbern der Hallstattzeit (ältere Eisenzeit).

Mittelalter mini|Burg Alzenau

Erstmals schriftlich erwähnt wurde Alzenau bzw. Wilmundsheim im Seligenstädter Zinsregister im ausgehenden 9. Jahrhundert als Uuilimuntesheim.

Alzenau war der Hauptort des gleichnamigen Gerichts Alzenau und war eines der vier Gerichte, die das Freigericht Alzenau bildeten. Der älteste erhaltene Beleg für das Freigericht stammt von 1309. Die goldenen Reiser im Stadtwappen symbolisieren dieses Erbe. Das Freigericht war zwar reichsunmittelbar, aber das Reich verpfändete oder vergab das Gebiet immer wieder. So wechselten die Landesherren, zu denen die Herren und späteren Grafen von Hanau, die Herren von Randenburg und die Herren von Eppstein zählten.

Die Erzbischöfe und Kurfürsten von Mainz waren seit der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts im Besitz des Wildbanns und errichteten zum Schutz ihrer örtlichen Rechte zwischen 1395 und 1399 die Burg Alzenau, rechts der Kahl, gegenüber von Wilmundsheim. 1401 wurden der Siedlung unterhalb dieser Burg durch König Ruprecht von der Pfalz die Stadt- und Marktrechte verliehen, ohne dass es dann auch zu einer städtischen Entwicklung kam.Heinrich Gottfried Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter. Erlangen 1863, S. 32 (). Später verschmolz das alte Wilmundsheim mit der Siedlung rechts der Kahl, von der es den Namen übernahm.

Neuzeit Im Jahr 1500 belehnte der römisch-deutsche König Maximilian I. den Erzbischof von Mainz und den Grafen von Hanau-Münzenberg gemeinsamen mit dem Freigericht Alzenau, das sie nun als Kondominat verwalteten. Mit der Einführung der Reformation in der Grafschaft Hanau entwickelte sich zwischen den beiden Landesherrn eine auch religiöse Konkurrenz, die eine Ausbreitung des Protestantismus behinderte. Alzenau blieb katholisch und die kirchliche Jurisdiktion bei den Erzbischöfen von Mainz.

Von 1601 bis 1605 fand im Freigericht Alzenau eine Hexenverfolgung statt. In deren Folge wurden 34 Menschen aus Alzenau auf dem Scheiterhaufen als Zauberer oder Hexen lebendig verbrannt.Peter Gbiorczyk: Zauberglaube und Hexenprozesse in der Grafschaft Hanau-Münzenberg im 16. und 17. Jahrhundert. Shaker, Düren 2021, ISBN 978-3-8440-7902-9, S. 163.