mini|Epitaph des Bischofs Georg von Slatkonia im Wiener Stephansdom mini|Moritzbrunner Altar, 1548, Jurakalkstein, Bayerisches Nationalmuseum Loy Hering (* 1484/85 in Kaufbeuren; † nach dem 1. Juni 1554 in EichstättPeter Reindl: Loy Hering. Zur Rezeption der Renaissance in Süddeutschland. Basel 1977.) war ein deutscher Bildhauer der Renaissance.
Leben und Wirken Loy Hering erhielt seine Ausbildung ab 1499 bei dem Augsburger Bildhauer Hans Beierlein. 1510 bis 1512 weisen ihn die Augsburger Steuerbücher auf. Noch vor diesen Jahren ist eine Studienreise nach Venedig und in die Lombardei wahrscheinlich, da Hering seither Formen und Techniken der norditalienischen Renaissance verwendete. 1513 verließ er Augsburg und ließ sich in Eichstätt nieder. Um 1515 sind erste bildhauerische Arbeiten Herings zu fassen. 1519 wurde Hering in den inneren Rat gewählt. Später hatte er mehrmals (1523/24, 1527, 1533 und 1540) das Bürgermeisteramt inne und bekam nach und nach alle städtischen Ehrenämter übertragen.
Erhalten sind gegen 200 zugeschriebene Werke, davon fünf urkundlich belegt; die meisten sind aus Stein, in Holz fast nur Großkruzifixe. Die Steinwerke Loy Herings bestehen aus Rotmarmor, aber hauptsächlich aus Eichstätter Jurakalkstein (Jura-Marmor). Loy Herings großer Förderer war der Eichstätter Fürstbischof Gabriel von Eyb, der ihm nicht nur selbst Aufträge gab, sondern ihm auch Aufträge von Verwandten vermittelte. Mit seinen Söhnen und Gesellen führte Hering eine der fruchtbarsten Künstlerwerkstätten der deutschen Renaissance und versorgte fast den ganzen deutschen Sprachraum. Franz Dietheuer würdigte Loy Hering 1969 wie folgt: „Seine weit zerstreuten Werke waren Anregung und unerreichtes Vorbild für viele Nachfolger im deutschen Süden. Als Freund Dürers setzte er viele Stiche von diesem in Stein um, ohne dabei sklavisch der Vorlage zu folgen oder seinen Stil zu verlieren. (...) Mit der Feinheit seines Meisselschlages, besonders mit seiner Meisterschaft im malerischen Relief, gehört Hering zu den bedeutendsten Meistern seiner an Talenten so reichen Zeit. An seinem markanten Stil, an sich gleichbleibenden Typen und Ornamenten sind seine Werke unschwer zu erkennen.“Eva Stünke: Dürer-Nachfolge in der Reliefplastik, unter besonderer Berücksichtigung des Eichstätter Meisters Loy Hering. Jess, Dresden 1940.
In Schloss Neuburg/Donau war Hering auch als Innenarchitekt tätig.
Werke (Auswahl) Kreuzigungsgruppe, mehrere Epitaphien und Grabplatten, im Dom zu Eichstätt, darunter das Epitaph von Christoph von Pappenheim Mehrere Epitaphien für Angehörige der Adelsfamilie von Eyb Wappensteine Eichstätter Bischöfe aus Eichstätter Marmor, im Hochstift Eichstätt Epitaph für Wilhalm von Muhr, in der Wallfahrtskirche Bergen bei Neuburg Sakramentshäuschen in der Pfarrkirche St. Vitus in Kottingwörth Gnadenstuhl des Mauritius-Altars in Moritzbrunn, heute im Bayerischen Nationalmuseum München Marmor-Epitaph für Friedrich den Älteren, Markgraf von Hohenzollern in Heilsbronn in Mittelfranken Stein-Kruzifix in der Klosterkirche des Franziskaner-Klosters in Schwaz in Tirol Epitaph für Schenk Philipp von Limpurg Speckfeld, in der Einersheimer Matthäuskirche Denkmal für Abt Georg Truchseß von Wetzhausen in Auhausen, 1521 Sakramentshaus in der Klosterkirche von Auhausen, 1521 Grabmal des Bamberger Fürstbischofs Georg III. Schenk von Limpurg († 1522) im Bamberger Dom Epitaph für Herzog Erich I. von Braunschweig-Lüneburg und seine Gemahlinnen Herzogin Katharina von Sachsen und Elisabeth von Brandenburg in der St. Blasiuskirche, Hannoversch Münden, nach 1524 und vor 1540Peter Reindl: Loy Herings Epitaph in Hann. Münden als Typus eines süddeutschen Renaissance-Epitaphs. In: Niederdeutsche Beiträge zur Kunstgeschichte. 1971, S. 143–187. Relief Jüngstes Gericht, Eichstätter Ostenfriedhof, 1536 Epitaph für Alexej I. Thurzo († 1543), in der Pfarrkirche St. Jakobus in Leutschau/Zips (heute Levoča/Slowakei)Edwin Patzelt: Ein Epitaph des Eichstätter Bildhauers Loy Hering in Leutschau / Zips. In: Sammelblatt des Historischen Vereins Eichstätt. Band 86, 1993, S. 63–65. Epitaph für Markgraf Georg den Frommen von Brandenburg (1484–1543), in der ehemaligen Klosterkirche von Heilsbronn bei Ansbach Epitaph des Hans Sigmund Marschalk von Pappenheim († 1545), im ehemaligen Dominikanerkloster Eichstätt (heute Gabrieli-Gymnasium) Grabmal des Niklas Graf Salm nach 1530 Votivkirche in Wien Epitaph für Bischof Georg von Slatkonia vor 1519, Stephansdom in Wien Epitaph für Jobst Truchseß von Wetzhausen 1524, Deutschordenskirche in Wien Wandgrab der Margarethe von Eltz 1519, in der Karmeliterkirche in Boppard Kaminofen mit gemeißelten Marmorintarsien von Pfalzgraf Friedrich II. und von Löwen gehaltenen Wappensteinen im Pfalzgrafenschloß in Neumarkt, um 1530 Bauinschrift am Schloss in Bächingen an der Brenz, um 1531 Epitaph für Melchior von Stain in der Kirche St. Martin in Jettingen-Scheppach Epitaph für den Würzburger Fürstbischof Konrad II. von Thüngen († 1540) im Würzburger DomStefan Kummer: Architektur und bildende Kunst von den Anfängen der Renaissance bis zum Ausgang des Barock. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Vom Bauernkrieg 1525 bis zum Übergang an das Königreich Bayern 1814 (= Geschichte der Stadt Würzburg. Band 2). Theiss, Stuttgart 2004, ISBN 3-8062-1477-8, S. 576–678 und 942–952, hier: S. 580 f. Epitaph für Bernhard von Hyrnhaim und Margaret von Watzmannsdorf Kenotaph für Philipp von Hutten († 1546) in der Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Sondheim in der Stadt Arnstein in Unterfranken
Literatur
Fritz Dworschak: Loy Hering als Medailleur. In: Archiv für Medaillen- und Plakettenkunde. Band 5, 1925/26, S. 148 ff. Felix Mader: Loy Hering. Ein Beitrag zur Geschichte der deutschen Plastik des XVI. Jahrhunderts. Gesellschaft für Christliche Kunst GmbH, München 1905 (x16px|alt=|link=|Commons online auf commons). Peter Reindl: Loy Hering: Zur Rezeption der Renaissance in Süddeutschland. Basel, 1977 (= Dissertation an der Universität Erlangen-Nürnberg 1961). Heinz Stafski: Loy Hering (ca. 1485–nach 1554). In: Gerhard Pfeiffer (Hrsg.): Fränkische Lebensbilder. Band 3 (= Veröffentlichungen der Gesellschaft für Fränkische Geschichte, Reihe VII A. Band 3). Kommissionsverlag Ferdinand Schöningh, Würzburg 1969, S. 101–108.
Einzelnachweise
Weblinks
Hering, Loy auf Deutsche Biographie (Biographie von 1969, auch mit Werkverzeichnis und Literaturliste auf damaligem Kenntnisstand) Loy Hering auf Deutsche Digitale Bibliothek (68 Bilder zu Werken) Loy Hering auf Bildindex der Kunst & Architektur (bildindex.de, 71 Bilder zu Werken) 500 Jahre Loy Hering in Eichstätt auf YouTube (2:28 min, Hrsg. Bistum Eichstätt)
Kategorie:Bildhauer (Deutschland) Kategorie:Geboren im 15. Jahrhundert Kategorie:Gestorben im 16. Jahrhundert Kategorie:Mann