mini|hochkant=1.3|Noch 1989 waren ein dreiachsiger und ein vierachsiger Rekowagen sowie ein ehemaliger Güterzug-Gepäckwagen im Einsatz auf dem Weg nach Kleinschmalkalden (ehem. Pappenheim)

Als Rekowagen wurden bei der Deutschen Reichsbahn (DR) Eisenbahnwagen bezeichnet, die durch Rekonstruktion von Vorkriegswagen entstanden sind. Neben den in diesem Artikel behandelten Reisezugwagen wurden auch Güterwagen umgebaut. Der Begriff Rekonstruktion ist hier im Sinne des DDR-Sprachgebrauchs zu verstehen: Gemeint ist nicht die Wiederherstellung oder Nachbildung eines früheren Zustandes, sondern eine durchgreifende Modernisierung. Bei der Deutschen Bundesbahn wurden solche Fahrzeuge Umbauwagen genannt.

Vorgeschichte Wie die Deutsche Bundesbahn (DB) hatte auch die DR nach dem Zweiten Weltkrieg neben einem deutlichen Wagenmangel auch bis in die 1970er Jahre hinein mit einer erheblichen Überalterung des Reisezugwagenbestandes zu kämpfen. Noch immer bildeten drei- und vierachsige Abteilwagen preußischer und sächsischer Bauarten sowie eine Unmenge zweiachsiger Wagen aus der Zeit vor und nach dem Ersten Weltkrieg das Gros des Wagenparks für Personen- und Eilzüge. Die wenigen für den Ballungsraum- und Berufsverkehr beschafften Doppelstockzüge sowie die neuen Mitteleinstiegswagen aus den 1950er Jahren reichten nicht aus, um die wenig zeitgemäßen Betriebsmittel für den Personenverkehr zu erneuern und zu verjüngen, zumal auch ihr Unterhalt einen erhöhten Aufwand bedeutete. Wie die DB in den 1950er Jahren bei den Umbauwagen ging auch die DR dazu über, die Vorkriegswagen einer Modernisierung zu unterziehen – Rekonstruktion genannt. Dabei wurden so große Stückzahlen erreicht, dass Mitte der 1970er Jahre über die Hälfte aller DR-Reisezugwagen Rekowagen waren.

Ursprünglich wurden alle Rekowagen dunkelgrün mit grauem Dach lackiert. Dazu kamen ein weißer, dünner Zierstreifen analog zu den Modernisierungswagen unterhalb der Fenster und ein schwarz abgesetzter Streifen in Höhe des Langträgers. In den frühen 1970er Jahren entfielen beide bei Neulackierungen. Den 1984 eingeführten, chromoxidgrünen Anstrich erhielten nur noch wenige Vierachser. Wegen der Verwendung im Schnellzugdienst wurden jedoch zahlreiche Halbgepäckwagen ab 1984 in Chromoxidgrün/Beige lackiert.

Regelspurige Wagen Zwei- und dreiachsige Wagen, Gattungen Baag und Bag mini|Garnitur aus mehreren dreiachsigen Rekowagen mini|Dreiachsiger Rekowagen im Zustand der 1960er mini|Innenansicht eines Bag-Wagens mini|Zug aus Rekowagen 1980: Der Erste von links hat drei Achsen, der Zweite zwei

Einen ersten Probewagen baute das Raw „Einheit“ Leipzig im Jahr 1956 aus einem alten Länderbahnwagen um. Vom Spenderwagen, einem Abteilwagen mit Wagenkasten in Holzbauart, blieb nur der Bodenrahmen mit Laufwerk und Bremsanlage erhalten. Die Radsätze blieben gleitgelagert. Auf den Rahmen, der mit neuen Kopfstücken versehen wurde, wurde ein Wellblechboden aufgeschweißt. Ansonsten wurde ein neuer stählerner Wagenkasten hergestellt, wobei das Konzept dem der dreiachsigen DB-Umbauwagen von 1953 sehr ähnlich war. Abweichend zum Bundesbahn-Wagentyp waren nur sechs (DB: sieben) Fenster zwischen den beiden nicht eingezogenen Einstiegstüren am Wagenende vorhanden. Die Schiebetüren öffneten in Richtung Wagenende. Die Fenster entsprachen den Klappfenstern der Doppelstockwagen. Der Wagenkasten wurde für den Einbau von Wagenübergängen mit Gummiwülsten an beiden Enden über die Kopfstücke bis 150 Millimeter hinter die Pufferebene verlängert. Das Dach war an den Enden eingezogen. Ausgestattet war der Prototyp mit 44 gepolsterten Sitzplätzen der zweiten Wagenklasse und einer Toilette. Diese nahm den Raum einer Vierersitzgruppe ein und war vom Einstiegsraum aus zugänglich.

Dem ersten Wagen folgte sogleich eine Nullserie mit zwölf Fahrzeugen, bei denen das Dach aus Kostengründen wie bei den DB-Umbauwagen gerade durchgezogen war. Sonst galten die gleichen Bauprinzipien. Die Länge über Puffer betrug 13 080 Millimeter.

Die Serienwagen gingen ab 1960 im Raw Halberstadt in Produktion. Die Bodenrahmen wurden auf eine einheitliche Länge gebracht, die Länge über Puffer stieg auf 13 120 Millimeter. Gegenüber der Nullserie wurde nur noch eine Tür jeweils in Fahrtrichtung rechts vorne eingebaut, die als breite Schiebetür ausgebildet war. Zuerst bestanden diese aus Stahl mit Stangenschlössern, später wurden sie bei Überholungen im Raw Potsdam durch Aluminiumtüren mit Kiekertschlössern ersetzt. Die Toilette befand sich in einem Einstiegsraum gegenüber einer Tür. Ansonsten galten auch hier die im Prototyp eingeführten Baugrundsätze. Die Wagenübergänge konnten mit einer sechsfachen (neben der Toilette fünffachen) Falttür verschlossen werden. Die Sitze bestanden aus einem schaumgummigepolsterten Kunstlederüberzug, die Gepäckablagen waren aus Aluminium hergestellt. Die Innentüren waren ebenso aus Holz gefertigt wie die Wandverkleidung und die Fensterrahmen, die aber später in Alu ausgeführt wurden. Alle Wagen erhielten eine Niederdruckumlaufheizung (Nuhz), einige – mit dem Nebenzeichen „e“ gekennzeichnet – zusätzlich eine elektrische Heizung für 1000 Volt bei 16⅔ Hertz. Die Glühlampenbeleuchtung speiste ein riemengetriebener Generator, der Batteriekasten war unter dem Wagenboden aufgehängt.

Als Spenderwagen wurden zwei- und dreiachsige Länderbahnwagen wie auch Fahrzeuge der Einheitsbauart aus den zwanziger und dreißiger Jahren verwendet. Insgesamt entstanden somit von 1960 bis 1964 in mehreren Baulosen 712 rund 17 Tonnen schwere zweiachsige Wagen der Gattung Bg(e), ab 1966 mit Einführung der UIC-Wagennummern in Europa als Baag(e) bezeichnet. Die 19 Tonnen wiegenden 1520 Dreiachser waren bis 1966 als B3g(e) gekennzeichnet, danach als Bag(e). Gemeinsam waren beiden im Innenraum identischen Bauarten die 48 Sitzplätze.

In den Jahren 1962 und 1963 wurden einige Wagen mit Traglastenabteilen versehen, indem 16 Sitzplätze jeweils an einem Wagenende weggelassen wurden. Die Zweiachser waren als Baagtr(e) (bis 1966: Bg[e]tr), die Dreiachser als Bagtr(e) (bis 1966 B3g(e)tr) in den DR-Betriebsmittelpark eingeordnet.

Lange waren die zwei- und dreiachsigen Reko-Personenwagen im Personenverkehr der DR von großer Bedeutung. Im Jahr 1970 stellten sie 30 Prozent des Reisezugwagenbestandes. Die planmäßige Ausmusterung der Wagen begann Anfang der 1980er Jahre und war bis 1991 abgeschlossen.

Gepäck- und Postwagen Neben den Personenwagen wurde von 1963 bis 1965 vom Raw Halberstadt 280 dreiachsige Gepäckwagen der Reko-Bauart gefertigt. Diese 16,4 Tonnen schweren Wagen wurden als Pw3g(e) eingereiht. Ab 1966 hießen diese Wagen Dage und Dag. 1993 erhielten die noch im Betriebsbestand befindlichen Fahrzeuge die DB-typischen Bauartnummern 953 (mit Dampf- und elektrischer Heizung) und 954 (nur mit Dampfheizung). 113 Wagen wurden 1994 noch von der neuen Deutschen Bahn AG übernommen.

Hinzu kamen noch die ab 1961 gebauten 158 Bahnpostwagen der Bauart Posta-cl/12,8 (bis 1966 Post3-cl12,8). Diese wogen 16 Tonnen. Sowohl die Gepäck- als auch Postwagen hatten wie der Personenwagen-Prototyp und die Nullserie auf jeder Seite zwei Einstiegstüren am jeweiligen Wagenende, die jedoch im Gegensatz zur Nullserie zur Wagenmitte hin öffneten. Die Gepäckwagen verfügten zudem über drei Seitenfenster und eine zweiflügelige Ladetür und im Inneren neben dem Laderaum noch über ein Dienstabteil. Die Postwagen besaßen nur zwei Seitenfenster und eine einflügelige Schiebetür mit kleinerem Fenster. Sie waren nur für den Transport von Postrollgutbehältern vorgesehen und besaßen einen ungeteilten Laderaum. Einer der Einstiegsräume war nur eine Rangierkabine ohne Durchgang zum Laderaum. Übergangseinrichtungen und Heizung gab es nicht, lediglich eine Dampf- und elektrische Heizleitung. Die Stirnwände erhielten Ausschnitte, um den Berner Raum zu gewährleisten.

Alle zwei- und dreiachsigen Rekowagen hatten eine Wagenkastenlänge von 12820 Millimetern (Prototypen 13220), waren 3043 Millimeter breit und vier Meter hoch. Sie wurden nur in Personenzügen (ab 1991: Nahverkehrszügen) eingesetzt und waren auch nur für eine Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h zugelassen. Die einlösigen Knorr- und Westinghouse-Bremsen wurden von den Spenderfahrzeugen übernommen. Die Gleitachslager wurden beibehalten. Ende der 70er Jahre wurden sie nach und nach, bei den Zweiachsern beginnend, gegen Rollenlager ausgetauscht, wobei aus Gleitlagerradsätzen entstandene Umbauradsätze verwendet wurden. Die Mittelachsen der Dreiachser behielten die Gleitlager bis zur Ausmusterung.

Vierachsige Wagen mini|Reisezug mit vierachsigen Rekowagen in Altenberg (Erzgeb) (1992) mini|Vierachsige Rekowagen in einem Museumszug

Nach dem Erfolg der bis 1964 beschafften Rekowagen wollte die DR auch die zahlreich vorhandenen vierachsigen Abteilwagen aus Länderbahnbeständen nach gleichen Grundsätzen rekonstruieren. Dafür wurden die Untergestelle der alten Wagen ebenfalls auf gleiche Länge gebracht. Es wurden 1964 zwei Probewagen angefertigt, die eine Länge von 18,7 Metern besaßen. Diese Länge entsprach jener der Schiebebühnen des Herstellerwerkes Raw Halberstadt. Die Serienlieferung erfolgte ab 1967 als Gattung Bghw (bei Auslieferung Bghwe). Bei den ersten 50 Wagen blieben die von den Spenderwagen stammenden preußischen Regeldrehgestelle erhalten, die aber von Gleit- auf Rollenlager umgerüstet wurden. Die nächsten 300 Wagen erhielten die ursprünglichen amerikanischen Schwanenhalsdrehgestelle, allerdings auf rollengelagerte Radsätze, Wiegenträger aus Stahl und Wiegenschraubenfedern umgerüstet – eine erstaunliche Parallele zu den Vierachs-Umbauwagen der Bundesbahn von 1958. Die Schwanenhalsdrehgestelle der DB-Umbauwagen behielten allerdings ihre Wiegen-Blattfedern und hölzernen Wiegen. Alle weiteren Bghw-Wagen liefen dann auf Neubaudrehgestellen der Bauart Görlitz V und Radsätzen mit 950 Millimetern Laufkreisdurchmesser. Sie erhielten mehrlösige Druckluftbremsen der Bauart KE-GP. Damit war lauftechnisch eine Geschwindigkeit von 140 und bremstechisch von 120 km/h möglich. Die Energieversorgung der Wagenbeleuchtung erfolgte über einen Achsgenerator, anfangs einen Gleichstromgenerator mit Antrieb durch eine Gelenkwelle, bei den letzten Wagen, darunter den Halbgepäckwagen, über einen an ein Achslager angeflanschten Drehstrom-Klauenpolgenerator.

Der stählerne Wagenkasten besaß auf jeder Seite am Wagenende – im Gegensatz zu den ab 1962 entstandenen Modernisierungswagen – Drehfalttüren der UIC-Bauart. Die mit einer Gummiwulst geschützten Übergange wurden mit einer Doppelschiebetür abgeschlossen. Der Innenraum bot zwei Großräume mit 40 Nichtraucher- bzw. 24 Raucherplätzen. Die im Gegensatz zu den Zwei- und Dreiachsern deutlich besser gepolsterten Sitze hatten kopfhohe Lehnen. Die Fenster entsprachen mit dem inneren Aluminiumrahmen der späteren Bauart der Zwei- und Dreiachser. Sämtliche Rekowagen hatten einfachverglaste Fenster, die bei kalter Witterung heftig beschlugen. Am handbremslosen Ende befand sich neben der Toilette auch noch ein Stauraum mit zwei Klappsitzen. Die Innenbeleuchtung erfolgte durch Leuchtstofflampen. Die Wandverkleidungen bestanden um die Fenster aus hellgrünem Sprelacart, darunter aus dunkelgrünem Wachstuch. Bei späteren Aufarbeitungen ersetzte das Raw diese Verkleidungen bei einigen Wagen durch Sprelacart in hellem Holzdekor. Bis 1977 stellte das Raw Halberstadt 3031 Bghw-Wagen her, die 1993 die DB-Bauartnummer 522 erhielten. Die 500er Bauartnummer wies auf die bevorstehende Ausmusterung hin.