Jean-Michel Saive (* 17. November 1969 in Lüttich) ist ein ehemaliger belgischer Tischtennisspieler. Er wurde Europameister 1994, Vizeweltmeister 1993 und nahm an sieben Olympischen Spielen teil.
Erfolge Saive war seit 1985 ununterbrochen bester belgischer Tischtennisspieler. 1985, 1986 und 1987 gewann er bei den nationalen belgischen Meisterschaften den Einzel-, Doppel- und Mixedwettbewerb. Insgesamt wurde er 25-mal Belgischer Meister im Einzel, mindestens sechsmal im Doppel, mindestens siebenmal im Mixed und mindestens 12-mal im Mannschaftswettbewerb. Bereits 1984 war er Sieger bei der Schüler-Europameisterschaft.
Er nahm von 1988, als Tischtennis olympischer Sport wurde, bis 2012 an sieben Olympischen Spielen teil. Bei den Eröffnungsfeiern der Olympischen Spiele 1996 und 2004 war er der Fahnenträger der belgischen Mannschaft. Seit 1983 war er bei allen Weltmeisterschaften vertreten. 1993 wurde er Vizeweltmeister im Einzel. 1994 führte er die ITTF-Weltrangliste an.
Saive kam 1983 zum Verein TTC Jülich (2. Mannschaft, 2. Bundesliga) und spielte seitdem bei mehreren Bundesligavereinen, ab 1996 beim TTF Bad Honnef und zwischendurch auch in Belgien bei Royal Villette Charleroi (ab 1997) und in Frankreich beim Klub S.S.S.S Tours. 2012 verließ er Royal Villette Charleroi und schloss sich dem Brüsseler Verein Logis Auderghem an.
Der internationale Durchbruch gelang ihm 1993, als er die Internationalen Meisterschaften von China gewann. Er besiegte im Endspiel Ma Wenge mit 3:2.
Im Februar 1994 siegte er beim europäischen Ranglistenturnier Europe TOP-12 und erklomm dadurch die Spitze der Weltrangliste. Wenige Monate später wurde er Einzel-Europameister. Im Herbst bestätigte Saive seine Vormachtstellung in Europa mit dem Gewinn des European Masters Cup. Am Jahresende erreichte er das Endspiel beim World Cup in Malaysia, wo er (wie schon bei der WM 1993) gegen den Franzosen Jean-Philippe Gatien unterlag.
Nach dem frühen Aus bei der WM 1995 in Tianjin, als er als Topgesetzter scheiterte, verlor er die Spitzenposition in der Weltrangliste. Durch den Sieg bei den Qatar Open Anfang 1996 schaffte er es, noch einmal Platz 1 in der Weltrangliste erklimmen.
Im Jahr 2001 gewann er mit seinem Club Royal Villette Charleroi die Weltmeisterschaft, wurde Europa-Championsleague-Sieger und gewann außerdem den Pokal der Pro-Tour-Einzelspielerweltmeisterschaft. Zudem erreichte er mit der belgischen Nationalmannschaft das Endspiel bei der WM in Osaka gegen China.
Insgesamt errang Saive 130 Medaillen (51 Gold-, 38 Silber- und 41 Bronzemedaillen).
Er war 1991 und 1994 belgischer Sportler des Jahres und erhielt 1988 den Fairplay-Preis der UNESCO.
Bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking wurde Saive neben den Athleten Zoran Primorac (CRO) und Jörgen Persson (SWE) für die sechste Teilnahme am olympischen Tischtenniswettbewerb ausgezeichnet. Damit hatte Jean-Michel Saive neben Primorac und Persson an allen Olympischen Spielen seit der Einführung des Tischtenniswettbewerbs 1988 in Seoul teilgenommen.
Im Dezember 2015 gab er sein internationales Karriereende bekannt, 2019 zog er sich komplett vom Leistungssport zurück,
Nach der aktiven Karriere 2021 wurde Jean-Michel Saive Präsident des Belgischen Olympischen Komitees. Zudem ist er beim Weltverband ITTF Mitglied der Arbeitsgruppe für die Weltrangliste.
Privat Saives Eltern waren spielstarke Tischtennisspieler. Sein Vater Jean-Paul belegte 1971 Platz 10 in der belgischen Rangliste, seine Mutter Jeanine gewann 1969 die Meisterschaft Belgiens im Doppel B. Saives jüngerer Bruder Philippe Saive ist auch ein belgischer TT-Nationalspieler.
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