Der Bergbau im Sauerland (hier weitgehend konzentriert auf das ehemals kölnische Sauerland) auf Eisen und Nichteisenmetalle war eine der Grundlagen der vorindustriellen wirtschaftlichen Entwicklung dieser Region bis teilweise ins frühe 20. Jahrhundert. Erste Anfänge lassen sich bis in die Antike zurückverfolgen. In dieser Zeit wie auch im Mittelalter war der Blei- und Kupferbergbau von großer Bedeutung. In der frühen Neuzeit trat der Eisenbergbau in den Vordergrund. Insbesondere während des 16. Jahrhunderts blühte der Bergbau. Danach war die Entwicklung wechselhaft. Vor dem Hintergrund der industriellen Entwicklung erlebte der Bergbau im 19. Jahrhundert einen erneuten vorübergehenden Aufschwung. Am Ende des Jahrhunderts wurde der Eisenerzbergbau weitgehend eingestellt, während andere Bereiche teilweise noch weit bis ins 20. Jahrhundert betrieben wurden. Heute erinnern einige Besucherbergwerke an die montanindustrielle Vergangenheit der Region. In den letzten Jahren ist auch die montangeschichtliche Erforschung des „vergessenen Reviers“ in Gang gekommen.

Natürliche Voraussetzungen Das Sauerland als Teil des rheinischen Schiefergebirges weist in diversen Verdichtungszonen verschiedene abbauwürdige Nichteisenmetalle wie Blei, Zink und Kupfer auf. Dazu gehören die Reviere um Brilon, Marsberg, Ramsbeck und Olpe. Braun- und Roteisenerz kommt dagegen fast in der gesamten Region vor. Neben dem Erz bieten die zahlreichen Flüsse und Bäche gute Voraussetzungen zur Nutzung der Wasserkraft. Das Holz der Wälder, verarbeitet zu Holzkohle, kann zur Verhüttung genutzt werden.

Früher Bergbau Antiker Bergbau Früheste Belege für den Bergbau im Sauerland gibt es für die frühe römische Kaiserzeit, in vorrömischer Zeit wurde bislang kein Bergbau sicher nachgewiesen.

Ein deutlicher Fundniederschlag der vorrömischen Eisenzeit in verschiedenen Höhlen sowie die Anlage mindestens einer Wallburg im Warsteiner Raum (Bilsteinhöhle, Eppenloch, Hohler Stein, Wallburg auf den Schafsköppen bei Kallenhardt) wie auch in anderen Bereichen des Sauerlandes belegt eine Besiedelung des eher unwirtlichen Berglandes, die auch mit dem relativen Reichtum an Eisenerz in Zusammenhang gebracht wird. Sichere Spuren eisenzeitlichen Bergbaus oder eisenzeitlicher Verhüttung fehlen jedoch bisher. Die Datierung von in den 1930er Jahren im Lörmecketal ausgegrabenen Rennöfen ist unklar, die damals publizierte eisenzeitliche Datierung muss als nicht gesichert gelten.

Die neuere Forschung geht mittlerweile davon aus, dass zur Zeit der römischen Herrschaft in Germanien in der Gegend von Brilon Blei gewonnen wurde. Jüngste archäologische Funde bestätigen dies.Fund im Sauerland: LWL untersucht römisch-kaiserzeitlichen Verhüttungsplatz bei Brilon Ob die Lagerstätten im Besitz des Kaisers waren, der Abbau selbst an Unternehmer verpachtet wurde und das plumbum Germanicum bis in den Mittelmeerraum exportiert wurde, ist derzeit Gegenstand einer Diskussion zwischen Epigraphikern und Montanarchäologen. Unklar ist auch, ob das Römerlager Kneblinghausen zum Schutz möglicher Betriebe unter römischer Regie errichtet wurde. Bis nach Sardinien gibt es zahlreiche Funde von Bleibarren aus dem Gebiet um Brilon aus römischer Zeit. Noch nicht geklärt, aber nicht ausgeschlossen ist, dass auch um das spätere Marsberg Kupfer abgebaut wurde.

Bergbau im Mittelalter Archäologisch lässt sich der Erzbergbau bis mindestens ins frühe Mittelalter belegen. In der Nähe von Soest wurde eine Saline aus dem 6./7. Jahrhundert ausgegraben. Dabei fand man Reste von Bleipfannen zum Salzsieden. Auch dieses Material dürfte aus der Nähe von Brilon gekommen sein. Einen schriftlichen Beleg für die Bleigewinnung in diesem Gebiet gibt es für 1103.

mini|Der Berg Bilstein bei Marsberg war eines der Zentren des mittelalterlichen Kupferbergbaus in der Region

Marsberger Kupfererz wurde bereits im 8. Jahrhundert gefördert und in der villa Twesine nahe der Diemel östlich von Marsberg verarbeitet. Man hat dort 36 Öfen und Röstgruben gefunden, die sich mit Hilfe von Keramikfunden auf die Zeit zwischen 700 und 750 datieren lassen. Wilfried Reininghaus vermutet, dass die karolingische Eroberung der Eresburg neben strategischen Gründen auch die Sicherung der dortigen Erzvorkommen zum Ziel hatte.

mini|hochkant|links|Im Felsenmeer bei Hemer wurde zeitweise intensiv Eisenerzbergbau betrieben

In karolingischer Zeit begann ein Aufschwung der Besiedlung, die sich bis ins 14. Jahrhundert in die Höhenregionen vorschob, sowie des Bergbaus. Unklar ist, inwieweit sich die Einfälle der Ungarn ausgewirkt haben. Sicher ist, dass in ottonischer und salischer Zeit ein erneuter Aufschwung stattgefunden hat: Für die Zeit zwischen 999 und 1155 finden sich im Felsenmeer bei Hemer zahlreiche Bergbau- und Verhüttungsreste. Die Verhüttung erfolgte in Rennfeueröfen. In Ramsbeck belegen Radiokohlenstoffdatierungen untertägigen Abbau am Bastenberg um das Jahr 1000. Die Bedeutung des Montangewerbes nahm bis etwa 1350 zu.

Erhebliche Bedeutung für den Aufschwung hatten die Klöster. So war das Kloster Bredelar seit der Gründung 1196 im Montangewerbe aktiv und hatte einen großen Anteil an der Ausdehnung der Eisengruben im Raum Diemel-Hoppecke. In dem zum Kloster gehörenden Dörfern Giershagen, Messinghausen und Rösenbeck wurden Kupfer und Eisen gewonnen. Zur materiellen Grundausstattung des Klosters Grafschaft gehörten insbesondere Besitzungen, die in bergbaulich aktiven Gebieten etwa um Hemer und Attendorn lagen. Auch das Frauenkloster Oelinghausen war zumindest zeitweise im Montansektor aktiv.

Burgen des hohen Adels lagen in der Nähe von Eisenerzvorkommen. Dies belegt die Rüdenburg bei Arnsberg in unmittelbarer Nähe des Eisenberges, an dem man Pingenfelder gefunden hat.

Auch die Entwicklung der Städte hing mit dem Bergbau eng zusammen. Horhusen (heute Niedermarsberg) erlangte bereits um 10. Jahrhundert nicht zuletzt als Folge der nahegelegenen Kupferproduktion Bedeutung als Marktsiedlung. Im Ort wurden Waren aus Kupfer und Eisen produziert und vertrieben. Der Aufstieg Attendorns zu einer bedeutenden Stadt des kölnischen Westfalens hing auch mit den nahen, leicht zugänglichen Erzvorkommen des Ebbegebirges zusammen. Die Entscheidung für den Standort der 1242 gegründeten Stadt Eversberg wurde von den lokalen Erzvorkommen beeinflusst. In der Nähe hat man ebenfalls Pingen gefunden. Ähnliches gilt auch für andere von den Grafen von Arnsberg oder den Erzbischöfen im 12. oder 13. Jahrhundert gegründeten Städte und Freiheiten, die oft in lokalen Bergrevieren lagen und die montanwirtschaftlichen Erzeugnisse in der Handel brachten. Brilon wurde ein Zentrum der Buntmetallgewinnung und war ökonomisch eng mit der Stadt Soest verbunden.

Konflikte um den Besitz der Gruben gab es 1273, als die Herren von Padberg ihre Ansprüche anmeldeten. Beigelegt wurde die Auseinandersetzung durch die Vermittlung der Städte Marsberg und Korbach. Die Verhüttung oberflächennahen Eisenerzes mittels Rennfeueröfen dürfte in dieser Zeit in der gesamten Region verbreitet gewesen sein. Von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung sowohl in der Grafschaft Mark wie auch im Bereich des Herzogtums Westfalens war die Herstellung von Waffen und Rüstungen. Iserlohn und Marsberg waren neben Soest und Dortmund am Hellweg Zentren der Rüstungsproduktion.

Zunehmend konzentrierte sich der Kupferabbau auf das Gebiet um Marsberg, während bei Brilon vor allem Galmei und Blei gewonnen wurde. In der Gegend von Plettenberg soll der Bergbau auf Kupfer seit 1338 in den Bärenberger Stollen umgegangen sein. Für Endorf lässt eine urkundliche Erwähnung eines Eisenwerkes aus dem Jahr 1348 bergbauliche Aktivitäten vermuten. Dort und in Bönkhausen gab es seit dem 14. Jahrhundert auch Bleibergbau.

Im Bilsteintal bei Warstein (wenige hundert Meter von der Bilsteinhöhle entfernt) wurden um 1900 Eisenhüttenplätze ausgegraben, deren Datierung ins Mittelalter eventuell vertretbar ist. Über diese Grabungen sind derzeit keine schriftlichen Aufzeichnungen bekannt, nicht einmal die genaue Lage der Öfen lässt sich ermitteln. Im Herbst 2006 wurde in diesem Bereich ein Rennofenstandort neu aufgefunden; weitere Befunde weisen auf Eisenproduktion hin. Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Bergbaubezirk nur 150 Meter oberhalb des Ofenstandortes. Hier einen direkten Zusammenhang anzunehmen, liegt nahe, aber noch fehlen datierbare Funde. Dieser Abbaubereich (in der Waldflur „Gössel“, im 19. Jahrhundert als Schießstand genutzt, heute teilweise Luchsgehege des Warsteiner Wildparks) hat eine Größe von mindestens 1,5 Hektar und macht einen mehrperiodigen Eindruck. Benachbart liegt ein heute verfüllter Bergbaustandort, die „Winterkuhle“. Diese erscheint bereits in einer Urkunde von 1489, was für mittelalterliche Zeitstellung von Bergbau und Eisenproduktion im Bilsteintal spricht. Flurnamen in Urkunden des ausgehenden Mittelalters und der frühen Neuzeit weisen auch auf eine „Kupferkuhle“ und eine „Bleikuhle“ hin, die nicht genau zu lokalisieren sind. Der Bereich „Kupferkuhle“ ist vom modernen Kalksteinabbau weitgehend zerstört, die „Bleikuhle“, von der Urkunde im Bereich „Dahlborn“ lokalisiert, lässt sich im Gelände bisher nicht finden. Möglicherweise reicht der Abbau auch im Bereich Oberhagen bis ins späte Mittelalter zurück. Ein 1364 erwähntes „smedewerk“ (Eisenhütte mit angeschlossenem Hammer) kann im Bereich der späteren Eisenhütte am Fuße des Oberhagens gelegen haben.

Nicht ganz klar ist, ob der Bergbau im Sauerland von den Wirtschaftskrise im Spätmittelalter stärker betroffen wurde. Es gibt Hinweise, dass der Bergbau auf Eisen weiter betrieben worden ist. Im märkischen Sauerland kamen mit den Floßöfen und Frischfeuern neue Techniken auf. Sie wurden im Bereich der späteren Kreise Olpe und Arnsberg übernommen, während im östlichen Bereich die ältere Technik weiter vorherrschte. Für eine gewisse Krise spricht, das einige Bergbauorte wie Blankenrode oder die erste Siedlung Bleiwäsche wüst fielen. Nach 1470 erholte sich die Montanwirtschaft wie überall in mitteleuropäischen Bergrevieren zwar, im Gegensatz zu den großen Bergbauzentren, in denen der Bergbau ab 1475 wieder florierte, kam es im Sauerland allerdings zu keinem vergleichbaren Aufschwung.

Ab dem Ende des 14. Jahrhunderts lassen sich Bestrebungen des Erzbischofs von Köln nachweisen, das in der Goldenen Bulle von 1356 festgehaltene Bergregal des Landesherren zu beanspruchen. Dies ist bei einer Verleihung des Bergrechts bei Rüthem um 1390 erkennbar. Eine verschärfte Auseinandersetzung zeigt sich 1482 bei der Beschwerde der Familie von Neheim über den Entzug des Zehnts auf Blei aus dem Gericht Stockum. Das Landrecht spielte gegenüber dem Bergrecht aber noch im 16. Jahrhundert eine Rolle.

Frühe Neuzeit Bergbau im 16. Jahrhundert