Carlo Ancelotti (* 10. Juni 1959 in Reggiolo) ist ein ehemaliger italienischer Fußballspieler und heutiger ‑trainer.

Ancelotti ist einer der erfolgreichsten Trainer der europäischen Vereinsgeschichte. Er ist der bislang einzige Trainer, der die Meisterschaft in allen fünf europäischen Topligen gewann (Italien, England, Frankreich, Deutschland und Spanien).Real Madrid zum 35. Mal Meister orf.at, 30. April 2022, abgerufen am 2. Mai 2022 Mit fünf Titeln als Trainer ist er Rekordsieger der Champions League, er gewann zwei Mal mit der AC Mailand und drei Mal mit Real Madrid. Seit 2025 ist er Trainer der brasilianischen Nationalmannschaft.

Als Spieler gewann Ancelotti mit der AC Mailand zwei Mal den Europapokal der Landesmeister und drei Mal die Italienische Meisterschaft. Mit der italienischen Nationalmannschaft wurde der Mittelfeldspieler bei der Weltmeisterschaft 1990 Dritter.

Spielerkarriere Vereine AC Parma und AS Rom Carlo Ancelotti ist der Sohn eines Milch- und Käsebauern aus der oberitalienischen Kleinstadt Reggiolo in der Emilia-Romagna. Als Jugendlicher wechselte Ancelotti zur AC Parma und debütierte 1976 im Alter von 17 Jahren für den Klub in der Serie C. 1979 wechselte er zur AS Rom, mit der er 1982/83 unter Nils Liedholm die Meisterschaft und zwischen 1980 und 1986 viermal die Coppa Italia gewann. In dieser Zeit entwickelte sich Ancelotti als Mittelfeldspieler zum Leistungsträger der Mannschaft und Nationalspieler. In der Zeit von 1984 bis 1987 war er zudem Kapitän.

AC Mailand Von 1987 bis 1992 spielte Ancelotti für die AC Mailand. Bis 1991 wurde er von Arrigo Sacchi trainiert. Ancelotti war ein Spieler des Teams (u. a. mit Franco Baresi, Alessandro Costacurta, Roberto Donadoni, Ruud Gullit, Paolo Maldini, Frank Rijkaard und Marco van Basten), das den Spitznamen Gli Immortali („Die Unsterblichen“) trug und in zwei Jahren sechs Titel gewann, darunter den Europapokal der Landesmeister 1989 und 1990.

Nationalmannschaft Nachdem er zuvor elfmal für die U21- und dreimal für die Olympia-Auswahlmannschaft Italiens zum Einsatz gekommen war, nahm Ancelotti mit der A-Nationalmannschaft an der vom 30. Dezember 1980 bis 10. Januar 1981 in Uruguay ausgetragenen Mundialito teil und erzielte im dritten Gruppenspiel beim 1:1 gegen die Niederlande sein erstes Länderspieltor mit dem Treffer zum 1:0 in der siebten Minute.

Ancelotti gehörte dem von Enzo Bearzot betreuten italienischen Kader bei der WM 1986 in Mexiko, bei der Europameisterschaft 1988 in Deutschland und auch dem Aufgebot bei der Weltmeisterschaft 1990 in Italien, bei der er mit der Mannschaft Dritter wurde, an. In der Zeit von 1981 bis 1991 bestritt er für die A-Nationalmannschaft 26 Länderspiele.

Titel als Spieler International (alle AC Mailand) Sieger des Europapokals der Landesmeister (2): 1989, 1990 Weltpokalsieger: 1989 UEFA-Super-Cup-Sieger: 1990

Italien Meister (3): 1983 (AS Rom), 1988, 1992 (beide AC Mailand) Pokalsieger (4): 1980, 1981, 1984, 1986 (alle AS Rom) Supercupsieger: 1988 (AC Mailand)

Trainerkarriere Nach seiner Karriere als Spieler entschied sich Ancelotti, als Fußballtrainer zu arbeiten. Als Co-Trainer unter seinem ehemaligen Vereinstrainer Arrigo Sacchi betreute er die italienische A-Nationalmannschaft. Mit ihr erreichte er das Finale der Weltmeisterschaft 1994, das mit 2:3 im Elfmeterschießen gegen Brasilien verloren wurde.

Im Sommer 1995 unterzeichnete Ancelotti beim Zweitligisten AC Reggiana seinen ersten Vertrag als Cheftrainer. Ihm gelang in seiner Premierensaison der Aufstieg in die Serie A. Nach einer Saison wechselte er im Sommer 1996 zur AC Parma, mit der er 1996/97 Vizemeister wurde und 1997/98 als Sechster die Spielzeit beendete.

Juventus Turin Im Februar 1999 folgte Ancelotti dem zurückgetretenen Marcello Lippi als Trainer bei Juventus Turin nach. Er übernahm die Mannschaft auf dem neunten Platz und beendete die Saison 1998/99 als Sechster. In der Champions League führte er Juve, das in den drei vorherigen Spielzeiten jeweils das Endspiel erreicht hatte, nach einem 3:2-Gesamtsieg über Olympiakos Piräus ins Halbfinale. Dort traf man auf Manchester United und Alex Ferguson. Nachdem das Spiel in Manchester zunächst mit 1:1 geendet hatte, ging das Rückspiel vor heimischen Publikum mit 2:3 verloren, womit die Alte Dame den vierten Finaleinzug in Folge verpasste. Im anschließend Sommer 1999 gewann er mit Juventus den UEFA Intertoto Cup. In den Spielzeiten 1999/2000 und 2000/01 wurde er jeweils knapp hinter Lazio Rom bzw. der AS Rom Zweiter der Meisterschaft. In der Spielzeit 2000/01 war er mit der Mannschaft in der Gruppenphase der Champions League gescheitert, woraufhin ihm im Sommer 2001 sein Vorgänger Lippi nachfolgte.

Die zwei Jahre in Turin schilderte Ancelotti in einem Interview Jahre später als negatives Erlebnis. Er fühlte sich von Teilen der Fans der Alten Dame aufgrund seiner Milan-Vergangenheit gehasst und konnte teilweise seine Wohnung nur unter Polizeischutz verlassen.

AC Mailand mini|Carlo Ancelotti als Trainer der AC Mailand (2007) Nach der Entlassung von Fatih Terim unterschrieb Ancelotti einen Dreijahresvertrag bei Milan und übernahm am 7. November 2001 den Trainerposten. Ancelotti war bei seiner Ernennung die Wunschlösung der Verantwortlichen der AC Mailand. Zum Zeitpunkt seines Amtsantritts befanden sich die Rossoneri, mit denen er als Spieler u. a. zwei Scudetti und zwei Landesmeisterpokale gewonnen hatte, in einer Krise. Ancelotti führte den Verein ins UEFA-Pokal-Halbfinale, in dem man dem von Matthias Sammer trainierten Borussia Dortmund mit 3:5 unterlag und beendete die Meisterschaft auf dem vierten Tabellenplatz, wodurch man sich für die Champions League qualifizierte. Nachdem er anfangs öffentlich von Vereinspräsident Silvio Berlusconi wegen der defensiven Spielweise der Mannschaft kritisiert worden war, brachten ihm die disziplinierten Auftritte des Teams letztendlich Respekt ein.

Für die Saison 2002/03 verpflichtete Milan mit Andrea Pirlo und Rui Costa zwei wichtige Neuzugänge. Außerdem entwickelten sich Filippo Inzaghi und Andrij Schewtschenko unter Ancelotti zu einem starken Sturmduo. Ancelottis erste volle Saison sollte direkt zu einem großen Erfolg werden. In der Liga reichte es zwar nur für Platz drei, Elf Punkte hinter Meister Juventus, dafür aber spielten die Rossoneri starke Kampagnen in den Pokalwettbewerben. So schafften Ancelottis Schützlinge nach Siegen über die US Ancona, Chievo Verona und die AC Perugia den Einzug ins Endspiel der Coppa Italia, wo man auf die AS Rom treffen sollte. Ähnlich erfolgreich verlief die Kampagne in der Champions League. Nachdem man beide Gruppenphasen auf dem ersten Platz beendet hatte, traf man im Viertelfinale auf Ajax Amsterdam gegen das man sich nach Hin- und Rückspiel mit 4:3 durchsetzte. Im anschließenden Halbfinale kam es zu einem Derby della Madonnina. Die Partien gegen Inter Mailand fanden beide im Giuseppe-Meazza-Stadion statt und endeten in zwei Remis – 0:0 im Hin- und 1:1 im Rückspiel – worauf Milan aufgrund der Auswärtstorregel (beide Partien hatten in Mailand stattgefunden, das Hinspiel galt jedoch offiziell als Heim- und das Rückspiel als Auswärtsspiel) in sein erstes Champions-League-Finale seit 1995 einzog. Im Finale in Manchester kam es zu einer inner-italienischen Partie, da man dort auf Ancelottis Ex-Verein Juventus Turin und Marcello Lippi traf. Das Spiel in Old Trafford wurde nach 120 torlosen Minuten mit 3:2 im Elfmeterschießen gewonnen und Ancelotti sicherte sich seinen ersten Champions-League-Titel als Trainer. Als Gewinner der Champions League qualifizierten sich Ancelotti und Milan für den europäischen Supercup sowie den Weltpokal. Wenige Tage nach dem Triumph in Manchester folgte der Sieg in der Coppa Italia über die von Ancelottis Ex-Trainer Fabio Capello geleitete AS Rom, womit das „europäische Pokal-Double“ vervollständigt wurde.

Zur Saison 2003/04 wechselte der brasilianische Mittelfeldspieler Kaká zur AC Mailand und wurde in den folgenden Jahren zu einem Schlüsselspieler von Ancelottis Milan. Seine zweite volle Saison beendete Ancelotti mit dem Gewinn der Meisterschaft. Nach den Vizemeisterschaften mit der AC Parma und Juventus Turin war dies Ancelottis erster Meistertitel in seiner Trainerkarriere. Im August 2003 gewann Ancelotti mit den Rossoneri durch einen 1:0-Sieg über den von José Mourinho geführten FC Porto seinen ersten europäischen Supercup. Im Dezember 2003 unterlag man im Weltpokal den Boca Juniors unter Carlos Bianchi. Nach einem 1:1-Unentschieden verlor man mit 1:3 im Elfmeterschießen gegen den amtierenden Copa-Libertadores-Gewinner. In den beiden K.o.-Wettbewerben scheiterte jeweils die Titelverteidigung. In der Champions League verlor Milan im Viertelfinale mit 4:5 knapp gegen Deportivo La Coruña, wobei Ancelottis Schützlinge das Hinspiel im San Siro mit 4:1 gewonnen und das Rückspiel zwei Wochen später mit 0:4 verloren hatten. Im Pokal scheiterte Milan unterdessen im Halbfinale mit einer Gesamtniederlage von 1:6 nach Hin- und Rückspiel deutlich an Lazio Rom unter Roberto Mancini. Im Sommer 2004 verlängerte Ancelotti seinen Vertrag um drei Jahre bis 2007.

In der folgenden Spielzeit 2004/05 misslang die Verteidigung des Scudetto – man beendete die Spielzeit als Zweiter. Dafür erreichte Ancelottis Mannschaft nach Siegen über Manchester United, den Stadtrivalen Inter Mailand und die PSV Eindhoven erneut das Finale der Champions League, in dem man auf den FC Liverpool unter Rafael Benítez traf. In das Finale im Atatürk-Olympiastadion in Istanbul ging man als Favorit. Dem wurde die Mannschaft zunächst auch gerecht, indem sie die erste Halbzeit dank eines Tores von Kapitän Paolo Maldini und zwei Treffern Hernán Crespos mit einer 3:0-Führung beendete. In einer der bekanntesten Aufholjagden der Fußballgeschichte kassierte Milan in der zweiten Halbzeit drei Gegentore, womit es nach 90 Minuten 3:3 stand. Auch in der Verlängerung änderte sich nichts mehr am Spielstand und Ancelottis AC Mailand unterlag im Elfmeterschießen mit 2:3.

Nach der Entlassung von Trainer Juan Ramón López Caro im Januar 2006 versuchte Real Madrid Ancelotti als neuen Übungsleiter nach Madrid zu holen. Trotz der Avancen der Madrilenen entschied sich dieser gegen einen Wechsel und verlängerte im März 2006 seinen noch bis 2007 laufenden Vertrag in Mailand um ein Jahr bis Juni 2008. Im Rahmen des italienischen Fußball-Skandals 2005/2006 erhielten die Rossoneri im Sommer 2006 einen Punktabzug für die folgende Serie-A-Saison, was einen Gewinn des Scudetto unwahrscheinlich werden ließ. In Reaktion darauf richtete sich Ancelottis Fokus auf die Champions League, die nun die beste Chance auf einen Titel bot. Am Ende der Saison erreichte der Verein das Finale in Athen, wo er erneut auf den FC Liverpool traf. Anders als in Istanbul zwei Jahre zuvor setzte sich dieses Mal die AC Mailand nach zwei Toren von Filippo Inzaghi mit 2:1 durch. Ancelotti gewann damit seinen zweiten Champions-League-Titel. Anfang Juni 2007 verlängerte er seinen Vertrag um weitere drei Jahre. www.fussball24.de, 29. März 2007.