mini|Umweltverschmutzung ist ein negativer (technologischer) externer Effekt Als externen Effekt (auch Externalität) bezeichnet man in der Volkswirtschaftslehre und Umweltökonomik die nicht ausgeglichenen Auswirkungen einer ökonomischen Entscheidung, die nicht dem Entscheidungsträger angelastet werden können, weil zwischen dem Entscheidungsträger und dem von der Entscheidung Betroffenen keine über einen Preis- oder Marktmechanismus vermittelte Beziehung besteht.Dirk Piekenbrock, Gabler Kompakt-Lexikon Volkswirtschaft, 2002, S. 111

Allgemeines Die beiden Akteure, der Entscheidungsträger als Verursacher und der Betroffene, sind also keine Marktteilnehmer. Verursacher und Betroffener sind zudem nicht identisch.Verlag Dr. Th. Gabler GmbH (Hrsg.), Gabler Volkswirtschafts-Lexikon, 1990, S. 243 Externe Effekte werden also nicht über Marktpreise abgegolten, die Entscheidungen eines Wirtschaftssubjekts wirken sich jedoch einseitig auf die Nutzenfunktion eines anderen Wirtschaftssubjekts aus.Verlag Dr. Th. Gabler GmbH (Hrsg.), Gabler Volkswirtschafts-Lexikon, 1990, S. 139 Die Produktionsfunktion eines Unternehmens und die Nutzenfunktion eines Privathaushalts können Betroffene sein, wenn diese Funktionen ein von einem anderen Entscheidungsträger kontrolliertes Element enthalten.

Externe Effekte stören das reibungslose Funktionieren eines Marktes.Andrea Schrage, Straßenmaut und Verkehrsstaus, 2005, S. 7 Treten externe Effekte auf einem Markt auf, führen sie zu einem Marktversagen, weil die tatsächliche Marktentwicklung und die Pareto-effiziente Ressourcenallokation nicht mehr übereinstimmen.Bodo Sturm/Carla Vogt, Umweltökonomik: Eine anwendungsorientierte Einführung, 2018, S. 28 Der Hersteller eines Gutes mit positiven externen Effekten trägt Kosten, an denen sich nicht alle Nachfrager beteiligen, Hersteller von Gütern mit negativen externen Effekten müssen nicht alle Kosten tragen, die durch die Produktion ihrer Güter verursacht werden. Daraus lässt sich folgern, dass bei Gütern mit positiven externen Effekten mit einer Unterversorgung zu rechnen ist und bei Gütern mit negativen externen Effekten es zu einer Überversorgung durch den Markt kommt.Raoul André Kirmes, Informelle technische Vorschriften und Wettbewerb, 2014, S. 101 Deshalb forderte Arthur Cecil Pigou, dass der Staat bei diesem Marktversagen eingreifen müsse, indem er durch Staatsinterventionen die externen Kosten internalisiere.Arthur Cecil Pigou, The Economics of Welfare, 1920, S. 168

Die Internalisierung ist eine Strategie, externe Kosten dem Verursacher anzulasten bzw. ihm externe Erträge zu vergüten, um die durch externe Effekte entstandene Fehlallokation zu beseitigen.Dirk Piekenbrock, Gabler Kompakt-Lexikon Volkswirtschaft, 2002, S. 175 Verursachungsgerechtigkeit ist das Resultat einer Internalisierung sämtlicher Kosten, und internalisierte externe Effekte können Indikator für Verursachungsgerechtigkeit sein.Reinhard Steinlechner, Die schlanke Stadt: Kostenwahrheit als mögliches Steuerungsinstrument für Raumplanung, 2007, S. 5 Fehlende Verursachungsgerechtigkeit kann (wie auch Externalitäten) zu Marktversagen führen und staatliches Eingreifen erfordern. Gelingt die Internalisierung, gibt es kein Marktversagen mehr. Hier setzt das Coase-Theorem an, das durch Verhandlungen eine Problemlösung anbietet. Die Umweltökonomik und Ressourcenökonomik bieten Strategien zur Internalisierung externer Effekte an.

Bei Allmendegütern (etwa Straßen, Wälder, Gewässer) kann es zur Übernutzung (Verkehrsinfarkt, Überweidung, Überfischung, Überjagung) kommen, weil keine oder zu geringe Marktpreise verlangt werden. Im Verkehrsstau ist eine Übernutzung der Verkehrsnetze zu sehen.Bodo Sturm/Carla Vogt, Umweltökonomik: Eine anwendungsorientierte Einführung, 2018, S. 37

Wenn von Gütern oder Dienstleistungen ausschließlich externe Effekte ausgehen, handelt es sich um öffentliche Güter oder Kollektivgüter,Dirk Piekenbrock, Gabler Kompakt-Lexikon Volkswirtschaft, 2002, S. 111 die nicht marktfähig sind. Die Auswirkungen ökonomischer Entscheidungen müssen sich auf Unbeteiligte erstrecken und werden von niemandem bezahlt oder ausgeglichen.N. Gregory Mankiw, Grundzüge der Volkswirtschaftslehre, 3. Auflage, Stuttgart, 2004, S. 221–227

Volkswirtschaftlich gesehen begründen sie eine Form von Marktversagen und können staatliche Interventionen notwendig werden lassen. Ein Beispiel sind die durch die Allgemeinheit zu tragenden Folgen des Klimawandels, die nicht im Flugticketpreis einer Flugreise oder im Preis von Rindfleisch enthalten sind, obwohl der Konsum dieser Produkte durch den CO2- bzw. Methan-Ausstoß in einem erheblichen Maß zum Klimawandel beiträgt. Diese Folgen sind somit ein externer Effekt des Konsums dieser Produkte und eine CO2-Bepreisung ein Weg der Internalisierung dieser externen Kosten.

Definition der Neuen Institutionenökonomik Aus Sicht der neuen Institutionenökonomik ist eine ökonomische Entscheidung mit unkompensierten Auswirkungen auf Dritte zunächst als Interdependenz zu sehen. Ein externer Effekt liegt dann vor, wenn die Interdependenz im Rahmen des vorhandenen Ordnungsrahmens nicht in die Entscheidung mit einbezogen wird. Da die Schaffung eines Ordnungsrahmens als Staatsaufgabe gesehen wird, ist die Externalität vielmehr als Staatsversagen zu deuten. Bei dieser Definition ist also nicht nur die gegenseitige Beeinflussung relevant, sondern auch entscheidend, warum es zu dieser Interdependenz kommt.Friedrich Breyer/Martin Kolmar, Grundlagen der Wirtschaftspolitik, Mohr Siebeck/Tübingen, 2010, S. 255–260.

Externe Kosten und externe Erträge Externe Kosten (oder soziale Kosten) sind in Geldeinheiten bewertete negative externe Effekte, externe Erträge (oder externer Nutzen) sind in Geldeinheiten bewertete positive externe Effekte.Dirk Piekenbrock, Gabler Kompakt-Lexikon Volkswirtschaft, 2002, S. 111

Der Begriff „externe Kosten“ wurde 1920 von Arthur Cecil Pigou in die Volkswirtschaftslehre eingeführt, als er den Rauch aus einem Fabrikschornstein beschrieb.Arthur Cecil Pigou, The Economics of Welfare, 1920, S. 32, 160 f. Karl William Kapp legte 1958 eine umfangreiche Sammlung von empirischem Material vor.Karl William Kapp, Volkswirtschaftliche Kosten der Privatwirtschaft, Mohr (Siebeck)/Tübingen, 1958, S. 145; deutsche Übersetzung von: The Social Costs of Private Enterprise. Harvard University. Press, Cambridge/Massachusetts, 1950Lorenz Jarass/Gustav M. Obermair/Wilfried Voigt, Windenergie: Zuverlässige Integration in die Energieversorgung, Berlin/Heidelberg, 2009, S. 94

Arten Negative externe Effekte Externe Kosten fallen vor allem im Energie- und Verkehrsbereich an. Im Verkehr stellt sich die Situation wie folgt dar: Jede Verkehrsleistung umfasst einen bestimmten Nutzen (in der Regel das Erreichen eines Ziels) und Kosten. Diese Kosten bzw. der Nutzen fallen allerdings nicht vollständig bei denjenigen an, die die Verkehrsleistung in Anspruch nehmen (Verkehrsnutzer). Einige dieser Kosten werden anderen Personen bzw. der gesamten Gesellschaft angelastet. Man kann daher zwischen den „internen“ oder privaten Kosten, die von der an der Verkehrsleistung beteiligten Person getragen werden (z. B. Zeitaufwand, Fahrzeug- und Kraftstoffkosten) und den „externen Kosten“ (den Kosten, die von anderen getragen werden, z. B. Straßenbau und -instandhaltung, Folgekosten von Abgasemissionen, StraßenlärmsanierungEidgenössisches Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation: Strassenlärmsanierung: positive Entwicklung, aber noch grosser Handlungsbedarf. In: admin.ch, 4. Februar 2020, abgerufen am 5. Februar 2020.) unterscheiden. Die Summe aus beiden Kostenarten wird als „soziale Kosten“ bezeichnet (nicht zu verwechseln mit Sozialkosten). Negative externe Effekte entstehen dann, wenn das Wohlbefinden eines Individuums durch die Tätigkeiten eines anderen Individuums beeinträchtigt wird, das diese „Nebeneffekte“ bei seinen Entscheidungen nicht berücksichtigt. Davon ausgehend können negative externe Effekte einerseits von der Produktionsseite (z. B. Luftverschmutzung einer Fabrikanlage) oder auch von der Konsumseite (z. B. lautes Musikhören am späten Abend) her entstehen.

Positive externe Effekte Beispiele für positive externe Effekte sind:

Ein Unternehmen investiert in einen Standort und schafft damit Arbeitsplätze. Infolge kommt es zu weiteren Investitionen und Umsatzsteigerungen in Bäckereien, Apotheken und so weiter und der Ort nimmt einen Aufschwung. In einer Straße siedelt sich ein populärer Laden an. Die Straße wird dadurch belebter und auch die anderen Läden machen dadurch mehr Umsatz. Eine Firma führt Forschung und Entwicklung durch und veröffentlicht die Ergebnisse. Sie hat zwar dadurch selbst einen Gewinn, andere Firmen profitieren jedoch ebenfalls davon. Ihre Mitarbeiter gewinnen bei der Arbeit wertvolles Spezialwissen und setzen teilweise ihren beruflichen Weg in anderen Unternehmen fort. Der Gebrauch eines Parfüms hat eine (oft) angenehme und daher Nutzen erhöhende Wirkung auf andere, wir erwarten jedoch keine monetäre Entschädigung dafür. Der Angerufene eines Telefongespräches gelangt in den Genuss einer kostenlosen Kommunikation. Der Eigentümer eines Grundstücks baut einen Deich oder eine Straße. Andere profitieren, indem sie sich im Schutzbereich des Deiches oder im Nutzungsbereich der Straße ansiedeln.

Positive externe Effekte können auf der Produktions- oder auch auf der Konsumseite liegen.

Im Sinne der öffentlichen Wohlfahrt werden Tätigkeiten, die einen positiven externen Effekt verursachen, in zu geringem Maße durchgeführt. So kann angenommen werden, dass ohne entsprechende Förderung wenig öffentliche Forschung im industriellen Bereich durchgeführt wird. Dem kann durch Definition und den Schutz von geistigen Eigentumsrechten (z. B. in Form von Patenten) teilweise entgegengewirkt werden. Ein großer Teil des Bildungsmarktes und der Forschung wird aber in allen Ländern öffentlich finanziert oder hoch subventioniert. In der Erwartung positiver Externer Effekte können somit Subventionen vergeben werden. Dabei liegen die externen Effekte oft auch im Bereich Umwelt oder in der Schaffung von Arbeitsplätzen.

Die von einem externen Nutzen profitierenden Dritten werden in manchen Konstellationen als Trittbrettfahrer bezeichnet, da sie ein Gut nutzen, ohne dafür zu zahlen. An dieser Stelle wird oft der Deichbau diskutiert. Baut der Eigentümer eines Grundstücks, das sich nahe an einem überflutungsgefährdeten Gewässer befindet, einen Deich, so genießen die dahinter liegenden Grundstücke zwar den Schutz durch den Deich, die Kosten muss aber nur der Eigentümer des Deichs tragen. Somit wird der Deich von einigen als Beispiel eines öffentlichen Gutes betrachtet, welches vom Staat über Steuergelder finanziert werden muss. Dennoch haben es in den vergangenen Jahrhunderten Deichverbände geschafft, die Kosten für Deiche auf die Nutznießer ohne staatliche Eingriffe zu verteilen.

Beispiele Die abstrakten Beschreibungen finden sich im Alltag in folgenden Beispielen wieder. Die Hauptsektoren, an denen externe Effekte erklärt werden können, sind insbesondere Umwelt oder Verkehrswesen.

Umwelt Umweltschäden stellen ökonomisch gesehen ein Problem negativer externer Effekte dar.Michael Fritsch, Marktversagen und Wirtschaftspolitik, 2014, S. 138 Umweltschäden werden durch Umweltverschmutzung verursacht. Dazu gehören Abgase, Abwässer, Abfall (entsorgte Stoffe in fester Form bzw. in Behältern), Schadstoffe und unter Umständen auch Mikroorganismen sowie nicht-stoffliche Emissionen wie Strahlung, aber auch Lärm und Lichtverschmutzung. Diese externen Kosten müssen monetarisiert werden und werden durch alle Wirtschaftssubjekte (Unternehmen, Privathaushalte, Staat) verursacht, diesen aber meist nicht angelastet.

Die Umweltpolitik versucht, durch Gebote, Verbote, Auflagen, Umwelthaftungsgesetz, Ökosteuern und Grenzwerte die Umweltschäden zu begrenzen oder gar zu verhindern.

Externe Kosten bei der Energieerzeugung