Montreux () ist eine Stadt und eine politische Gemeinde im Bezirk Riviera-Pays-d’Enhaut des Kantons Waadt in der Schweiz. Der frühere deutsche Name Muchtern wird heute nicht mehr verwendet. Die Stadt liegt am Genfersee im Schutz von 2000 Meter hohen Berggipfeln. Die klimatischen Bedingungen und die subtropische Vegetation an der Uferpromenade machen Montreux zum Fremdenverkehrsort von internationalem Ruf, bekannt zudem als Austragungsort des Montreux Jazz Festival.
Klima Das Klima in Montreux ist über das Jahr verteilt relativ mild. Zudem fällt pro Jahr aufgrund der Lage relativ weit östlich nahe der Alpen im Vergleich zu anderen Orten am Genfersee mit insgesamt 1372 mm und 136 Regentagen recht viel Niederschlag. Es wachsen und gedeihen daher unter anderem zahlreiche südländische Pflanzenarten wie verschiedene Palmenarten, Südfrüchte und Olivenbäume. Die wenigen Eistage im Jahr und das relativ ausgeglichene Klima eignen sich gut zum Weinbau. Daher gibt es auch viele geschützte Reptilienarten wie Mauereidechsen, Zauneidechsen, Aspisvipern, Aeskulapnattern und Ringelnattern, die sich bei diesem Mikroklima wohlfühlen.
Geographie mini|Luftbild (1949) Montreux liegt auf , 24 km ostsüdöstlich der Kantonshauptstadt Lausanne (Luftlinie). Die Stadt erstreckt sich am Ostufer des Genfersees vom leicht in den See hinausragenden Schwemmkegel des Wildbachs Baye de Montreux bis auf die angrenzenden Hänge der Waadtländer Riviera am Fuss der Waadtländer und Freiburger Voralpen.
Die Fläche des 33,4 km² grossen Gemeindegebiets umfasst einen Abschnitt am Ostufer des Genfersees mit rund 5,5 km Uferlinie. Das Seeufer wird durch die beiden Schwemmkegel der Baye de Clarens und der Baye de Montreux und die dazwischen liegende Bucht gegliedert. Der ganze Uferabschnitt ist von Territet im Südosten bis Clarens im Nordwesten mit Siedlungen überbaut. Im nordwestlichen Gemeindegebiet bei Clarens schliessen an den See relativ sanft ansteigende Hänge an, ansonsten steigt das Gelände hinter dem schmalen Uferrandstreifen rasch an und erreicht auf dem Cubly bereits eine Höhe von
Der östliche, voralpine Teil des Gemeindeareals weist grosse Reliefunterschiede auf. Das Gebirge wird durch die Täler der Wildbäche Baye de Montreux und Baye de Clarens entwässert. Die Baye de Montreux fliesst nur wenige hundert Meter östlich des Stadtzentrums durch die Schlucht Gorge du Chauderon. Ihr Tal wird im Norden von den Waldhöhen Le Cubly und Les Avants flankiert. Nördlich davon befindet sich das Tal der Baye de Clarens, die in ihrem mittleren Abschnitt die Nordgrenze des Stadtgebiets bildet. Bei Chailly und Clarens liegt die Stadtgrenze westlich der Baye de Clarens bis zum Genfersee im kurzen Bach Ruisseau de la Maladaire. Im Nordosten verläuft die Gemeindegrenze über die Berge Le Folly () und Le Molard () bis zur Cape au Moine (). Südlich des Wildbachtals der Baye de Montreux gehören die Höhen von Glion und Caux zu Montreux, während die Südgrenze des Stadtgebiets entlang des Baches Veraye verläuft.
Im Osten erstreckt sich das Gemeindegebiet bis auf den Kamm der aus Kalkstein bestehenden Kette der Rochers de Naye. Wenig nördlich des Gipfels der Rochers de Naye wird mit der höchste Punkt von Montreux erreicht. Nördlich davon schliessen sich die Kalkstöcke Dent de Jaman () sowie Corbe () und Cape au Moine () an; dazwischen liegt der Passübergang Col de Jaman (). Diese Bergkette liegt auf der Wasserscheide zwischen den Einzugsgebieten von Rhone und Rhein. Ein kleiner Gemeindeteil umfasst die Alp Jaman östlich des gleichnamigen Passes, die bereits im Einzugsgebiet des Hongrin, eines Zuflusses der Saane, liegt. In dieser Zone lag der im frühen 20. Jahrhundert verlandete Bergsee Lac de Jaman.
Von der Gemeindefläche entfielen 1997 17 % auf Siedlungen, 49 % auf Wald und Gehölze, 27 % auf Landwirtschaft und rund 7 % war unproduktives Land.
Stadtgliederung mini|Teilansicht mit Hotel Eden Palace mini|Montreux: Blick nach Nordwesten Der Siedlungsschwerpunkt von Montreux liegt entlang des Ufers des Genfersees. Die ehemaligen Dörfer sind seit dem Ende des 19. Jahrhunderts zu einem einzigen verstädterten Siedlungsband zusammengewachsen. Einige Weiler am oberen Hang sowie im voralpinen Gebiet haben jedoch zumindest im Kern ihren ursprünglichen (bäuerlichen) Charakter bewahrt. Die Stadt Montreux besteht aus folgenden Stadtteilen, Dörfern und Weilern:
Clarens () auf dem Schwemmkegel der Baye de Clarens Les Planches () am Austritt der Baye de Montreux aus der Gorge du Chauderon Vernex () am Seeufer nördlich der Halbinsel von Montreux Territet () am Fuss der Höhe von Glion Baugy () leicht erhöht westlich der Baye de Clarens Chailly () am Hang westlich der Baye de Clarens Tavel () an der Baye de Clarens Brent () östlich der Baye de Clarens, gegenüber von Blonay Fontanivent () oberhalb von Clarens am Westhang des Cubly Chaulin () oberhalb von Clarens am Westhang des Cubly Chernex () oberhalb von Clarens am Westhang des Cubly Pertit () am Hang oberhalb der Halbinsel von Montreux Pallens () am Hang oberhalb der Halbinsel von Montreux Sonzier () am Südhang des Cubly über der Gorge du Chauderon Les Avants () in einer Geländemulde auf der nördlichen Talflanke der Baye de Montreux Sonloup () auf dem Berggrat oberhalb von Les Avants Orgevaux () ist eine Alp- und Ferienhaussiedlung am Südhang des Folly Glion () auf einem Geländevorsprung oberhalb der Halbinsel von Montreux Caux () auf einem Geländevorsprung oberhalb der Halbinsel von Montreux
Nachbargemeinden von Montreux sind Veytaux, La Tour-de-Peilz und Blonay – Saint-Légier im Kanton Waadt sowie Haut-Intyamon im Kanton Freiburg.
Bevölkerung BevölkerungsentwicklungJahrEinwohnerJahrEinwohner 1764 2103 1950 16.730 1798 2527 1960 17.729 1850 3181 1970 20.421 1900 13.519 1980 19.685 1910 17.850 1990 22.917 1920 16.007 2000 22.454 1930 17.662 2010 24.579 1941 14.482 Mit Einwohnern (Stand ) ist Montreux nach Lausanne und Yverdon-les-Bains die drittgrösste Stadt des Kantons. Von den Bewohnern sind 74,4 % französischsprachig, 6,2 % deutschsprachig und 4,0 % italienischsprachig (Stand 2000). Die Bevölkerungszahl von Montreux stieg vor allem in der Zeit von 1850 bis 1910 markant an und zeigte danach bis 1960 mehrere wirtschaftsbedingte Schwankungen. Seither wurde eine weitere Bevölkerungszunahme verzeichnet. Das Siedlungsgebiet von Montreux ist heute lückenlos mit denjenigen von La Tour-de-Peilz, Blonay und Veytaux zusammengewachsen.
Politik Legislative Gesetzgebende Behörde ist der von den Stimmberechtigten der Gemeinde Montreux alle vier Jahre gewählte Gemeinderat (conseil communal). Die 100 Abgeordneten werden im Proporzwahlverfahren gewählt. Die Aufgaben des Gemeinderates umfassen die Budget- und Rechnungsabnahme, die Festlegung der Gemeindereglemente und die Kontrolle der Exekutive.
Bei den Wahlen vom 8. März 2026 ergab sich folgende Sitzverteilung: FDP.Die Liberalen: 34 Sitze SP: 29 Sitze SVP: 12 Sitze Grüne: 9 Sitze Décroissance Alternatives: 7 Sitze Montreux libre: 6 Sitze GLP: 3 Sitze
Exekutive Ausführende Behörde ist der Gemeinderat (municipalité). Er besteht aus sieben Mitgliedern und wird seit 1982 vom Volk im Majorzwahlverfahren gewählt; früher oblag die Wahl des Gemeinderates dem Gemeindeparlament. Die Amtsdauer beträgt vier Jahre. Der Gemeinderat ist für die Vollstreckung der Beschlüsse des Parlamentes, für die Ausführung der Gesetzgebung von Bund und Kanton sowie für die Repräsentation und Führung der Gemeinde zuständig. Der ebenfalls auf vier Jahre gewählte Syndic (Gemeindepräsident) verfügt über erweiterte Kompetenzen.
Nationalratswahlen Bei den Schweizer Parlamentswahlen 2019 betrugen die Wähleranteile in Montreux: FDP 29,6 %, SP 20,3 %, Grüne 18,7 %, SVP 14,9 %, glp 6,9 %, POP/Sol 3,9 %, CVP 2,5 %.
Judikative Für die Strafgerichtsbarkeit ist das Bezirksgericht Vevey zuständig.
Wirtschaft Die Wirtschaft von Montreux ist vorwiegend auf den Tourismus ausgerichtet. Rund 9500 Arbeitsplätze bietet die Stadt an. Rund 1 % der Erwerbstätigen sind im primären Sektor, 13 % im industriellen Sektor und 86 % im Dienstleistungssektor beschäftigt.
An den optimal besonnten Hängen oberhalb von Clarens sowie bei Chailly und Brent wird auf zahlreichen kleineren Rebflächen Weinbau betrieben. In den höher gelegenen Gebieten herrschen der Ackerbau, die Milchwirtschaft und Viehzucht vor. In den Voralpen besitzt Montreux seit Jahrhunderten ausgedehnte Alpweiden.Paul Henchoz: Les Alpages de Montreux dans le passé: Jaman, les Gresalleys, Chamosalles. 1925.
mini|hochkant|Casino Die Industrialisierung vollzog sich in der Region in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Montreux wurde nie eine eigentliche Industriestadt, die Industrie deckte hauptsächlich den touristischen Bedarf ab. So liessen sich vor allem Holzverarbeitungsbetriebe und Hersteller von exklusiven Möbelstücken, Silberschmieden, die Schmuckwarenindustrie, die Nahrungs- und Genussmittelindustrie (Schokolade) und Druckereien nieder. Noch heute haben die Zulieferbetriebe für die Hotelbranche einen wichtigen Stellenwert, neben dem Druck- und Verlagswesen sowie der Herstellung von Laborausrüstungen und audiovisuellen Apparaten.
Die Beschäftigten des tertiären Sektors verteilen sich auf die Hotel- und Gastronomiebranche, die Verwaltung, das Banken- und Versicherungswesen, die Bildungseinrichtungen und den medizinischen Bereich. Montreux mit seinen beiden Höhenkurorten Glion und Caux verfügt über zahlreiche Privatkliniken und Seniorenheime. Caux ist seit 1946 Standort des Konferenzzentrums für Moralische Aufrüstung.
mini|links|Montreux um 1900
Tourismus mini|Blick durch die Gartenanlage auf die Fassade des Montreux-Palace Hotels, 1913 Seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Montreux zu einem der bedeutendsten Touristenorte der Schweiz. Die Entwicklung vollzog sich in drei Schritten: Die ersten Hotels wurden im Zeitraum von 1836 bis 1859 errichtet, doch war damals noch keine touristische Infrastruktur vorhanden. Erst mit dem Bau der Eisenbahn (1861), der Verbesserung der Strassen und der Errichtung der Schiffländen in Clarens und Montreux war die Stadt auch für Gäste aus dem Ausland wesentlich leichter erreichbar. Montreux wurde dank seines milden Klimas und der attraktiven Lage zu einem weltbekannten Sommerkurort. In einem dritten Schritt wurden die umliegenden Höhen durch Standseilbahnen für den Tourismus erschlossen. In den hochgelegenen Dörfern Glion, Caux und Les Avants entstanden Sanatorien. Auch entlang des Seeufers wurden weitere bedeutende Hotels gebaut, etwa das «Hôtel des Alpes» und das «Grand Hôtel» (beide 1887) in Territet, sowie das «Montreux Palace» (1905). Montreux wurde damit ein beliebter Aufenthaltsort von Monarchen (wie etwa der Kaiserin Elisabeth von Österreich) und Aristokraten, Künstlern und Philosophen, Politikern und Vertriebenen, so z. B. Pjotr Iljitsch Tschaikowski, Leo Tolstoi und Vladimir Nabokov. Letzterer lebte ab 1961 bis zu seinem Tod 1977 in einer luxuriösen Suite im Montreux-Palace.
Heute ist die Uferpromenade eine der Hauptattraktionen der Stadt. Hier stehen die Hotelpaläste, das Casino und das Kongresszentrum; man geniesst einen herrlichen Ausblick auf den Genfersee mit dem Massiv des Grammont und den Zacken der Dents du Midi.
Kultur mini|hochkant|Freddie-Mercury-Statue