mini|hochkant|Querschnitt und Grundriss des Grabes Das Thrakergrab von Kasanlak ( oder Казанлъшка гробница) ist ein tholosartiges Kuppelgrab aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. in der Nähe der Stadt Kasanlak in Zentral-Bulgarien. Es liegt nahe der antiken thrakischen Hauptstadt Seuthopolis und gilt als das am besten erhaltene Kunstwerk der Thrakerzeit in Bulgarien.
Die außergewöhnlich gut erhaltenen Wandmalereien gelten laut UNESCO als Meisterwerk der hellenistischen Malerei. Das Original ist aus konservatorischen Gründen nicht zugänglich, direkt daneben wurde eine originalgetreue Nachbildung für Besucher errichtet.
1979 erfolgte die Aufnahme in die UNESCO-Welterbe-Liste.
Entdeckung Das Grab wurde am 19. April 1944 zufällig beim Ausheben eines Schützengrabens auf dem Hügel Tyulbeto entdeckt und war in der Antike bereits ausgeraubt worden. Bei der Auffindung fanden sich noch die Skelette eines Mannes und eines Pferdes sowie Keramik und eine Amphora.
Beschreibung Architektonisch besteht das Grab aus einem 1,84 m breiten und 2,60 m langen, rechteckigen Dromos (Gang), einem rechteckigen Vorraum (1,12 × 1,96 m, Höhe 2,25 m) und der kreisrunden, kuppelförmigen Tholos-Kammer (Durchmesser 2,65 m, Höhe 3,25 m). Die Ziegelsteinwände wurden mit einer Stuckschicht überzogen und anschließend bemalt. Die Erbauung wird in die erste Hälfte des 3. Jahrhunderts v. Chr. datiert.
Vorraum und Grabkammer sind mit Wandgemälden geschmückt. Die Malereien im Vorraum zeigen Kampfszenen und ein Wagenrennen. Die Kuppel der Grabkammer stellt ein thrakisches Herrscherpaar bei einem Abschiedsmahl dar: Der Herrscher sitzt mit einem goldenen Lorbeerkranz auf einem Thron und hält in einer Hand ein Weingefäß; mit der anderen fasst er das Handgelenk seiner ihm gegenübersitzenden Frau. Umgeben sind sie von Dienerinnen, von denen eine ein Schmuckkästchen trägt, sowie von Musikantinnen, Kriegern und Pferden.
Die Malereien wurden in zwei Techniken ausgeführt: als Nassfresko für die figürlichen Darstellungen und als Tempera für die Farbgebung von Boden und Wänden. Als Grundfarben dienten Rot, Schwarz, Weiß und Gelb.
Welterbestatus Die Aufnahme in die UNESCO-Welterbeliste erfolgte 1979. Begründet wird der herausragende universelle Wert durch die Erfüllung der Kriterien (i), (iii) und (iv): Das Grab gilt als Meisterwerk des thrakischen Schaffensgeistes (i). Die Fresken belegen das hohe Niveau der Kultur und Malerei in Thrakien (iii) und stellen eine bedeutende Entwicklungsstufe der hellenistischen Grabkunst dar (iv). Ihre außergewöhnliche Erhaltung unterstreicht ihre Stellung als eines der wichtigsten archäologischen Zeugnisse Bulgariens.
Siehe auch Thrakergrab von Sweschtari – ein weiteres thrakisches Kuppelgrab im Tal der thrakischen Könige, ebenfalls UNESCO-Welterbe
Literatur Ljudmila Schiwkowa: Das Grabmal von Kasanlak. Bongers, Recklinghausen 1973. Iwan Wenedikow, Todor Gerasimow: Тракийското изкуство. Sofia 1973. Iwan Marazow: К иконографии и семантике росписей Казанлыкской гробницы. In: Pulpudeva, Band 2, 1976, S. 367–381. Iwan Marazow: Към семантиката на стенописите от Казанлъшката гробница. In: Изкуство, Jg. 28, Nr. 7, 1978, S. 21–25.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Archäologischer Fund (Bulgarien) Kategorie:Erbaut im 3. Jahrhundert v. Chr. Kategorie:Kasanlak Kategorie:Tal der thrakischen Könige Kategorie:Tholos Kategorie:Welterbestätte in Europa Kategorie:Welterbestätte in Bulgarien Kategorie:Weltkulturerbestätte