mini|hochkant|Wappen des Bistums Cammin von 1605 (Siebmachers Wappenbuch) mini|hochkant|Wappen des Hochstifts Cammin (Kirchenfenster im Dom zu Cammin) Das Bistum Cammin (lat. Dioecesis Caminensis) ist ein ehemaliges Bistum. Es bestand vom 12. bis zum 17. Jahrhundert auf dem Territorium Pommerns (Sitz: Cammin in Pommern).
Geschichte 12. Jahrhundert mini|hochkant|Wappen des Hochstifts Cammin (als Deckenstuck in Schwerin) In den Jahren 1124 und 1128 hatte der Bischof Otto von Bamberg zwei Missionsreisen nach Pommern durchgeführt. Er leitete die von ihm gegründete pommersche Kirche und bemühte sich gleichzeitig beim Papst um die Einrichtung eines selbständigen Bistums in Pommern. Erst nach Ottos Tod 1139 erfolgte am 14. Oktober 1140 in Rom durch Papst Innozenz II. die Weihe des Kapellans Adalbert zum ersten pommerschen Bischof.Ernst Friedrich Moyer: Verzeichnisse der deutschen Bischöfe seit dem Jahr 800 nach Chr. Geb. Minden 1854, S. 23, . Gleichzeitig wurde die St. Adalbertskirche in Wollin zum Bischofssitz bestimmt.
Die Oberhoheit über die neue Diözese beanspruchte sowohl das Erzbistum Magdeburg als auch das Erzbistum Gnesen. Innozenz II. umging weitere Streitigkeiten, indem er das neu gegründete Bistum direkt per Exemtion dem Heiligen Stuhl unterstellte. Die Ausdehnung der Diözese wurde nicht konkret festgelegt. Im Westen sollte es sich bis zur Burg Tribsees und im Osten bis zum Fluss Leba erstrecken. Es umfasste in etwa Pommern, aber ohne die Insel Rügen und das rügensche Festland, Teile Ostmecklenburgs, der Uckermark und der Neumark. Dem Bistum wurden Abgaben aus den pommerschen Burgbezirken zugesprochen. Ob zur Gründungszeit bereits Landbesitz gestiftet wurde, ist nicht bekannt.
Während des Wendenkreuzzugs 1147 soll Bischof Adalbert bei Stettin an den Verhandlungen teilgenommen haben, die schließlich zum Rückzug des Kreuzfahrerheeres führten. In den nächsten Jahrzehnten erfolgten Kriegszüge Heinrich des Löwen und der zeitweise mit ihm verbündeten Dänen gegen Pommern. Adalberts Nachfolger, Bischof Konrad I. von Salzwedel, verlegte den Bischofssitz zunächst, wohl Anfang der 1170er Jahre, für kurze Zeit an das Prämonstratenserstift Grobe und dann um 1175 nach Cammin.Rudolf Benl: Pommern bis zur Teilung von 1368/72. In: Werner Buchholz (Hrsg.): Deutsche Geschichte im Osten Europas. Pommern. Siedler Verlag, Berlin 1999, ISBN 3-88680-272-8, S. 39. Am Camminer St. Johannis-Dom wurde ein Domkapitel gegründet. Durch Herzog Kasimir I. wurde das Christentum zur Staatsreligion erklärt. Der Papst erteilte dem Bistum Cammin die Erlaubnis, den Zehnt zu erheben. Nach dem Tod Konrad I. 1186 erhielt sein Nachfolger Bischof Siegfried I. vom Papst die Bestätigung der Verlegung der bischöflichen Residenz nach Cammin und die Anerkennung der Unabhängigkeit des Bistums.
13. Jahrhundert mini|350px|Karte: Das Hochstift Cammin um 1250 Anfang des 13. Jahrhunderts kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Polen und Dänemark, dessen Lehnsträger die pommerschen Herzöge waren. Zum Schutz vor Übergriffen und vor der Übernahme durch das polnische Erzbistum Gnesen unterstellte Bischof Sigwin sein Bistum dem Erzbischof von Magdeburg. Später suchte er diese Suffraganstellung wieder zu beenden. Er ignorierte die 1216 an ihn ergangenen Anordnungen des Papstes Innozenz III., den gegenüber dem Erzbistum Magdeburg geleisteten Eid zu befolgen. Der folgende Papst Honorius III. bestätigte dem Bistum Cammin am 20. März 1217 alle Privilegien und behandelte dessen Bischof als unabhängigen Reichsfürsten.Hellmuth Heyden: Kirchengeschichte Pommerns. Bd. 1: Von den Anfängen des Christentums bis zur Reformationszeit. Köln, 2., überarbeitete Aufl. 1957, S. 29. Gleichzeitig war es Sigwin gelungen, den Diözesebereich um Teile Zirzipaniens zu erweitern, die vorher dem Bistum Schwerin unterstellt waren. Zur Grenze der beiden Sprengel wurde der Ryck.
Um 1200 wurde an der Marienkirche in Kolberg ein zweites Domkapitel eingerichtet. Im Lauf des 13. Jahrhunderts konnten Gebiete um Kolberg und im 14. Jahrhundert um Bublitz erlangt werden. Dem Bischof Hermann von Gleichen gelang es in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts die Grundlagen des Bistums entscheidend zu festigen. Es gelang ihm, die territorialen Besitzungen seiner weltlichen Herrschaft in der Funktion als Fürstbischof zu einem geschlossenen Gebiet abzurunden. Seine selbständige Politik stand oft im Gegensatz zu den Interessen der pommerschen Landesfürsten.
Hermann von Gleichen förderte die planmäßige Ansiedlung deutscher Einwanderer in das relativ dünn besiedelte Territorium des Bistums, das durch dänische und polnische Kriege zusätzlich stark entvölkert war. Die durch die Siedler wachsenden Abgaben an das Bistum führten zu einem deutlichen Anstieg seiner Einkünfte. Bischof Hermann verlieh Kolberg 1255 das Stadtrecht. 1266 legten zwei deutsche Lokatoren in seinem Auftrag die spätere Stadt Köslin an. Die Siedlung Massow erhielt 1278 Magdeburger Recht. Aus seiner Heimat Thüringen kamen Angehörige von Adelsgeschlechtern wie Kirchberg, Kevernburg und aus dem Oberwesergebiet um die Grafschaft Everstein ins Bistum. 1274 belehnte er seinen Neffen Otto von Eberstein mit Naugard und 700 Hufen Land. Die Grafschaft Naugard wurde zu einer Unterherrschaft innerhalb des Bistums und existierte bis zum Aussterben des Geschlechtes 1663.
14. Jahrhundert mini|Camminer Dom St. Johannes, erbaut ca. 1180–1325 mini|Kolberger Dom St. Marien, erbaut ca. 1300–1400 Der um 1300 zum Bischof gewählte Demminer Archidiakon Heinrich von Wacholz ordnete zu Beginn seines Episkopats die Verwaltung der Diözese neu. In einer Urkunde von 1303 bestimmte er Grenzen und Einkünfte der fünf Archidiakonate Cammin, Demmin, Usedom, Stettin und Stargard neu.Georg Winter: Pommersches Urkundenbuch. Band 4, I. Abteilung 1301–1310, Paul Niekammer, Stettin 1903, S. 88–89 Zu dieser Zeit wurde auch der Camminer Dom vollendet, das heute noch stehende Camminer Bischofshaus gebaut und die Kolberger Marienkirche begonnen. Im Jahr 1317 wurde Konrad IV., Dekan des Camminer Domkapitels, zum Bischof von Cammin gewählt und vom Papst in Avignon bestätigt. Er musste sich der erneuten Versuche des Erzbistums Gnesen erwehren, Cammin an dessen Metropolitanverband anzuschließen. Nach seiner Rückkehr aus Avignon suchten auch die pommerschen Herzöge engere Bindungen zum Bistum Cammin herzustellen. Am 16. August 1320 nahmen Wartislaw IV. von Pommern-Wolgast und Otto I. von Pommern-Stettin ihre gesamten Länder vom Camminer Bischof zum Lehen. Ihr Ziel war es, Pommern unter den Schutz der Kirche zu stellen und so ältere Ansprüche Brandenburgs auf die Lehenshoheit über das Herzogtum Pommern abzuwehren.
Nach dem Tode Bischof Konrads ernannte Papst Johannes XXII., der im Konflikt mit dem König Ludwig IV. aus dem Haus Wittelsbach lag, aufgrund seines päpstlichen Reservationsrechtes am 14. November 1324 den Dominikaner Arnold von Eltz aus dem moselländischen Adelsgeschlecht Eltz zum neuen Bischof von Cammin. Dies führte zu einem Zwiespalt innerhalb des Bistums. Den papsttreuen Domherren, die gemeinsam mit den pommerschen Herzögen, den wittelsbachischen Markgrafen Ludwig I. von Brandenburg bekämpften, stand innerhalb des Bistums eine brandenburgisch gesinnte Partei gegenüber. Diese bestand vor allem aus Angehörigen von Adelsgeschlechtern, die sowohl in Pommern als auch in der Mark ansässig waren. Sie wählten nacheinander zwei Gegenbischöfe. Arnold von Eltz kam 1327 in sein Bistum und ging mit kirchlichen Strafen gegen seine Gegner vor. Seine Absetzung durch den Gegenpapst Nikolaus V. am 27. Januar 1329, der Heinrich von Babenberg zum Bischof erklärte, blieb ohne Auswirkung.
Als Arnold von Eltz im Sommer 1330 starb, wurde der moderate Vizedominus Friedrich von Eickstedt vom Domkapitel gewählt und im September in Avignon zum Bischof geweiht. Es gelang ihm, die Streitigkeiten innerhalb des Stiftes weitgehend beizulegen. Diese hatten die Stabilität des Bistums beeinträchtigt, von Gnesen aus wurden neue Ansprüche gestellt. Problematisch wurden auch die verringerten Einnahmen des Stiftes. Zum Ende seiner Amtszeit machte er Johann von Sachsen-Lauenburg, einen Enkel Bogislaw IV., zum Koadjutor. Dieser wurde 1343 von Papst Klemens VI. zum Bischof geweiht. Johann wehrte erfolgreich die Ansprüche des Bistums Schwerin auf das Land Schwerin und des Bistums Gnesen auf die Unabhängigkeit Cammins ab. Mit einer Schrift des Stargarder Augustiners Angelus gelang es ihm, den Papst 1349 zu einer Bestätigung der Camminer Privilegien zu veranlassen. Der Versuch, die Reichsunmittelbarkeit zu erreichen, scheiterte unter anderem an der ablehnenden Haltung des Kaisers Karl IV. Nach einem erneuten Versuch wurde Johann von Cammin 1355 von Bogislaw V. zur Anerkennung der herzoglichen Schutzherrschaft sowie des Aufsichts- und Bestätigungsrechts bei allen Wahlen innerhalb des Bistums gezwungen.
In den 1370er Jahren kam es zwischen Pommern und Brandenburg zu Auseinandersetzungen um die Uckermark. Philipp von Rehberg, 1370 mit Einverständnis der pommerschen Herzöge zum Bischof von Cammin gewählt, ergriff die Partei Brandenburgs. 1373 schloss Pommern mit Brandenburg Frieden. Die pommerschen Herzöge und der Bischof schlossen sich am 17. Mai 1373 in Kaseburg zur Wahrung ihrer Interessen und des gemeinsamen Besitzes zusammen. Im gleichen Zeitraum kam es zu Fehden der adligen Familien Schöning und Köller gegen das Camminer Domkapitel. Die zahlreichen Streitigkeiten und ein langwieriger Prozess mit dem Bistum Gnesen erschöpften beinahe die Finanzen des Stiftes. Wegen der Verschuldung des Bistums musste das Schloss Gülzow an die Gläubiger abgetreten werden. Nach dem Tod des Bischofs Johannes II. Wilcken 1385 verlegten die Bischöfe ihre Residenz von Cammin nach Körlin, wo sie eine Burg errichteten.
1385 wählte das Domkapitel den Herzog Bogislaw VIII. zum neuen Bischof. Jedoch ernannte Papst Urban VI., auf Wunsch König Wenzels, Johannes Brunonis, bisher Propst von Lebus und Kanzler Wenzels, zum Bischof. Wenzel belehnte Johannes Brunonis mit dem Bistum und nahm es so für das Reich selbst in Anspruch. Um eine Separierung des Bistums vom Herzogtum Pommern zu verhindern, verzichtete Bogislaw VIII. auf den Bischofstitel und wurde stattdessen durch einen Vertrag mit dem Camminer Domkapitel zum Schirmvogt und Vorsteher des Stiftes bestimmt. Johannes Brunonis hielt sich nur kurze Zeit in seiner Diözese auf und überließ die Geschäfte weitgehend seinen Vikaren und dem herzoglichen Verwalter.
In dieser Zeit siedelten sich in Pommern und auch innerhalb des Bistums Waldenser an. Der Inquisitor Petrus Zwicker kam deshalb 1393 nach Stettin und führte Untersuchungen durch. Johannes Brunonis verzichtete 1394 auf sein Bischofsamt. Papst Bonifatius IX. versetzte daraufhin Johann von Oppeln aus dem Bistum Gnesen, wo dieser sich nicht hatte durchsetzen können, als neuen Bischof nach Cammin. Bogislaw VIII. legte die weltliche Leitung nieder, behielt aber mehrere von ihm eingelöste Schlösser. Wegen der dürftigen Verhältnisse im Bistum ließ Johann von Oppeln sich 1398 nach Kulm versetzen. Sein Nachfolger wurde der bisherige Kulmer Bischof Nikolaus von Schippenbeil.
15. Jahrhundert mini|350px|Karte: Das Hochstift Cammin um 1400