Der Schelling-Architekturpreis ist eine Auszeichnung für Architektur und Architekturtheorie in Deutschland.

Bedeutung Der Schelling-Architekturpreis wird im Abstand von zwei Jahren an einen Architekten, eine Architektin, ein Architekturbüro und einen Architekturtheoretiker verliehen. Der Preis ist nach dem deutschen Architekten Erich Schelling benannt und wurde 1992 anlässlich der Gründung der Schelling-Architekturstiftung erstmals vergeben. Er würdigt sowohl zukunftsweisende Entwicklungen in der Architektur wie prägnante Leistungen in der Architekturtheorie. Die Initiatoren der Stiftung waren Schellings Witwe Trude Schelling-Karrer und Heinrich Klotz, der damalige Direktor des Deutschen Architekturmuseums in Frankfurt. Im Gegensatz zu anderen Architekturpreisen kann der Preis auch für nicht realisierte Projekte verliehen werden. In den Jahren 2004 bis 2010 wurden zusätzlich Medaillen vergeben. Der Preis ist mit insgesamt 30.000 Euro dotiert.

Zur Findung der Preisträger wird ein Kuratorium berufen. Diese Jury schlägt seit 2012 für den Architekturpreis drei Architekturbüros vor, die sich am Tage der Preisverleihung öffentlich präsentieren, und wählt den Preisträger.

Eine Bewerbung für die Preise ist nicht möglich.

Verleihung und Aberkennung 2024

Im Juni 2024 wurde James Bridle von der Jury einstimmig für den Schelling-Architekturpreis für Architekturtheorie ausgewählt. Im November 2024, drei Tage vor der Verleihungszeremonie, erklärte die Stiftung jedoch, dass sie Bridle den Preis wieder aberkannte, da er in The Literary Hub einen Aufruf zum Boykott israelischer Kultureinrichtungen unterzeichnet hatte. Die Stiftung erklärte, sie respektiere zwar das Recht eines jeden, seine politische Haltung kundzutun, und werfe Bridle auch nicht Antisemitismus vor, doch sie könne nicht mit einem Aufruf zur kulturellen Isolation Israels in Verbindung gebracht werden. Bridle fasst die Entscheidung als klaren Affront auf und sagte: »Auch wenn sie nicht bereit sind, es offen auszusprechen, ist die Entscheidung der Stiftung ein Vorwurf des Antisemitismus, der verabscheuungswürdig ist. Dies gilt insbesondere angesichts der eigenen Geschichte der Organisation.« Der Preis ist nach Erich Schelling benannt, der NSDAP- und SA-Mitglied war und der als Architekt und lehrender Beamter eng mit dem nationalsozialistischen Regime verflochten war.Schelling Architecture Prizes 2024 Schelling Architekturstiftung; James Bridle loses German architecture award over Israeli cultural boycott ArtReview, 8. November 2024; Katinka Corts: Bridle erhält Schelling-Preis doch nicht german-architects.com, 10. Dezember 2024; Philip Oltermann: architecture award rescinded over British artist’s Israel boycott vow The Guardian, 18. November 2024; Dan Sheehan: Thousands of Authors Pledge to Boycott Israeli Cultural Institutions LitHub, 28. Oktober 2024; Astrid Kaminski: James Bridle bekommt Preis aberkannt. Boykottieren und boykottiert werden taz, 20. November 2024; Britischer Künstler erhält renommierten Preis doch nicht – wegen Israel-Boykottaufrufs Der Spiegel, 18. November 2024; Jonny Walfisz: German architecture prize rescinded over artist signing Israel boycott letter Euronews, 19. November 2024; Raquel Guertzenstein Frohlich: German architecture foundation revokes award to artist over Israel boycott stance Jerusalem Post, 20. November 2024; James Bridle: ‘The Denial of Genocide Is on the March Everywhere’ ArtReview, 19. November 2024.

Preisträger

Architektur 1992: Coop Himmelb(l)au (Helmut Swiczinsky & Wolf D. Prix) 1994: Zaha Hadid 1996: Peter Zumthor 1998: Sauerbruch Hutton und Busse & Geitner 2000: Kazuyo Sejima 2002: Sonderveranstaltung zum 10-jährigen Bestehen der Stiftung ohne Preisverleihung 2004: Benjamin Foerster-Baldenius (raumlaborberlin) 2006: Lacaton & Vassal 2008: Jensen & Skodvin 2010: Wang Shu und Lu Wenyu (Amateur Architecture Studio) 2012: Al Borde Arquitectos 2014: Diébédo Francis Kéré 2016: Architecten De Vylder Vinck Taillieu (DVVT) 2018: Rotor Architects 2020: Lina Ghotmeh 2022: Sophie Delhay 2024: LOLA Landscape Architects, Rotterdam. Publikumspreis an Bas Smets, Brüssel.Schelling-Architekturpreis 2024

Architekturtheorie

1992: Werner Durth 1994: Wolfgang Pehnt 1996: Nikolaus Kuhnert 1998: Stanislaus von Moos 2000: Martin Steinmann 2002: Sonderveranstaltung zum 10-jährigen Bestehen der Stiftung ohne Preisverleihung 2004: Manuel Castells 2006: Werner Sewing 2008: Friedrich Achleitner 2010: Jean-Louis Cohen 2012: Kenneth Frampton 2014: Juhani Pallasmaa 2016: Doug Saunders 2018: Keller Easterling 2020: Itohan Osayimwese 2022: Paola Viganò 2024: James Bridle (Preis verliehen und aberkannt)

Medaillen Zwischen 2004 und 2010 wurden auch Medaillen vergeben:

2004: Nikolaus Bienefeld, Beate Hølmebakk, Andreas Hild 2006: Alejandro Aravena, Titus Bernhard, Sergison Bates Architects 2008: Jürg Conzett, Richard Kroeker 2010: Tom Heatherwick, Knapkiewicz & Fickert (Kaschka Knapkiewicz, Alexander Fickert)

Nominierungen Auf die Shortlist kamen ab 2012 folgende Architektinnen, Architekten oder Architekturbüros: 2012: AFF Architekten, 6a architects 2014: Anna Heringer, Carla Juaçaba 2016: Atelier Kempe Thill, Rozana Montiel 2018: Aristide Antonas, Bruther (Stéphanie Bru und Alexandre Thériot) 2020: Xu Tiantian und Ted'A Arquitectes (Irene Pérez Piferrer und Jaume Mayol Amengual) 2022: Sophie Delhay, LaCol Cooperativa, summacumfemmer

Weblinks Webseite der Schelling-Architekturstiftung

Einzelnachweise

Kategorie:Architekturpreis (Deutschland) Kategorie:Erstverleihung 1992 Kategorie:Kultur (Karlsruhe)