Braunshardt (mundartlich: Brouschd)Darmstädter Echo, 16. September 2014: Bräuschter Kerb bleibt niemals stumm ist ein Stadtteil der Stadt Weiterstadt und liegt im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg.

Geografie Geografische Lage Braunshardt liegt nordwestlich der Kernstadt Weiterstadt und ist mit dieser baulich so weit zusammengewachsen, wie es die zwischen den beiden Ortslagen verlaufende Bahnlinie zulässt. Um das Wohngebiet herum ist landwirtschaftliche Fläche. Den Südrand der Ortslage begleitet ein kleiner Bach, der Schlimmergraben. Im Süden der Gemarkung liegt ein kleines Waldstück, das Braunshardter Tännchen.

Nachbargemeinden Im Nordwesten liegt Worfelden (Kreis Groß-Gerau), im Nordosten Schneppenhausen und Gräfenhausen und im Westen liegt Büttelborn (Kreis Groß-Gerau). Südöstlich liegt Weiterstadt. Die nächstgrößere Stadt (Einwohnerzahl und Fläche) ist das kreisfreie Darmstadt.

Geschichte Ortsgeschichte Im Laufe der Jahrhunderte wird der Ort in historischen Dokumenten mit wechselnden Ortsnamen genannt. Von Brunishart im Jahr 1318 über Brunshart (1427), Obern Brunßhart und Nyddern Brunßhart (1460) bis Braunshard im Jahr 1702. Die urkundliche Ersterwähnung erfolgte am 26. August 1318, als von einer Besitzaufteilung zwischen den beiden Grafen Berthold und Eberhard von Katzenelnbogen über den Wald Brunishardt berichtet wurde. Im Jahre 1319, also ein Jahr nach der ersten urkundlichen Erwähnung Braunshardts, bekam Graf Wilhelm I. von Katzenelnbogen von der Würzburger Kirche den Wald Brinshard als Lehen. Er legte einen Gutshof an, um den sich nach und nach die Bediensteten ansiedelten und damit das Dorf gründeten. 1627 übertrug Landgraf Georg II. von Hessen-Darmstadt das herrschaftliche Hofgut seinem Kanzler Anton Wolff von Todenwarth als Erblehen. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts löste es Landgraf Ludwig VIII. von den Erben des Kanzlers wieder ein. Darauf wurde der landesfremde, der Parforcejagd verfallene Minnigerode Herr der Meierei.Handbuch der historischen Stätten Deutschlands, Hessen. 3., überarbeitete Auflage, S. 60.

Der Name Braunshardt ist eng verbunden mit dem Schloss Braunshardt. Es wurde um 1760 von Prinz Georg Wilhelm von Hessen-Darmstadt gebaut, und in der Folgezeit entwickelte sich dort eine höfische Lebenskultur. Nach häufigem Besitzerwechsel ist heute ein Teil der Anlage im Besitz des Johannesbundes e. V. Leutesdorf/Rhein und wird als Alten- und Pflegeheim genutzt. Der andere Teil, das eigentliche Schloss, wurde von privater Seite restauriert und renoviert. Im Jahr 2006 wurde das Schloss von der Stadt Weiterstadt gekauft. Nach einigen Renovierungen, wie z. B. der Schlosskapelle, wurde es der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. So finden regelmäßig Führungen statt, der Schlossgarten ist für jeden zu den Öffnungszeiten zugänglich, und im Schloss kann geheiratet werden.

Die Verwaltungszugehörigkeit von Braunshardt zur Gerauer Mark ist 1427 belegt. Unter hessischer Hoheit gehört es bis zum Jahr 1821 zum Amt Darmstadt, von 1821 bis 1832 zum Landratsbezirk Langen, von 1832 bis 1848 zum Kreis Groß-Gerau, von 1848 bis 1852 während der kurzen Zeit der Regierungsbezirke in der Provinz Starkenburg zum Regierungsbezirk Darmstadt und ab 1852 mit der Neueinführung von Kreisen zum Kreis Darmstadt.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Braunshardt:

Hessische Gebietsreform (1970–1977) Am 1. Juli 1973 schloss sich die bis dahin selbstständige Gemeinde im Zuge der Gebietsreform in Hessen freiwillig der Stadt Weiterstadt an. Ein Ortsbezirk wurde für Braunshardt nicht gebildet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Braunshardt angehört(e):

1427: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Katzenelnbogen, Gerauer Mark vor 1479: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Katzenelnbogen, Obergrafschaft Katzenelnbogen ab 1479: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen (durch Erbfall), Obergrafschaft Katzenelnbogen ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Obergrafschaft Katzenelnbogen, (1783: zum Amt Darmstadt; 1787: Oberamt Darmstadt, Cent Arheiligen) ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Fürstentum Starkenburg, Amt Darmstadt ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Starkenburg, Amt Darmstadt ab 1815: Großherzogtum Hessen,Das Großherzogtum Hessen war von 1815 bis 1866 Mitglied des Deutschen Bundes. Ein Staatenbund ehemaliger Territorien des Heiligen Römischen Reichs. Er gilt als gescheiterter Versuch einer erneuten Reichsgründung. Provinz Starkenburg, Amt Darmstadt ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk LangenTrennung zwischen Justiz (Landgericht Langen) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Groß-Gerau ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Dieburg ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Darmstadt ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Darmstadt ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Darmstadt ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis DarmstadtIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Starkenburg aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt ab 1946: Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt AB 1973: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt, Gemeinde WeiterstadtAm 1. Juni 1973 als Ortsteil zur Gemeinde Weiterstadt ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt-Dieburg, Gemeinde Weiterstadt

Gerichte Braunshardt gehörte zur Zent Arheilgen. In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für das Fürstentum Starkenburg wurde das „Hofgericht Darmstadt“ eingerichtet. Es war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen. Damit war das Amt Darmstadt zuständig. Die Zentgerichte verloren damit ihre Funktion.

Mit Bildung der Landgerichte im Großherzogtum Hessen war ab 1821 das Landgericht Langen das Gericht erster Instanz. Die zweite Instanz war das Hofgericht Darmstadt. Es folgten: 1853: Landgericht Darmstadt; zweite Instanz: Hofgericht Darmstadt 1879: Amtsgericht Darmstadt II (Landgerichte wurden durch funktionsgleiche Amtsgerichte ersetzt); zweite Instanz: Landgericht Darmstadt 1932: Amtsgericht Darmstadt; zweite Instanz: Landgericht Darmstadt

Flugplatz Braunshardt Ab dem Jahreswechsel 1944/45 etwa wurde von der Deutschen Luftwaffe im Rahmen des sogenannten Silberprogramms 1 Kilometer westlich der Ortsmitte Braunshardts aber bereits in Worfelder Gemarkung der Militärflugplatz Weiterstadt angelegt. Die Start- und Landebahn mit den Abmessungen 1698 × 46 Meter hatte die Ausrichtung 09/27 und war für den Einsatz der neuen Strahlflugzeuge vorgesehen. Um schnellstmöglich Fortschritte zu erzielen, wurde von beiden Enden her betoniert. Trotzdem gelang es nicht den Platz rechtzeitig fertigzustellen. Eine Nutzung durch die Luftwaffe fand nicht mehr statt.

Am 25. März 1945 wurde das Gebiet durch die US Army besetzt. Pioniereinheiten schlossen eiligst die Lücke in der Mitte der unvollendeten Bahn mit Sandblechen, sodass die US Army Air Forces (USAAF) den Platz ab dem 28. März als Braunshardt Airfield (Y-72) in Betrieb nehmen konnte. Er wurde bis zum 2. Oktober 1945 von verschiedene US-Fliegerstaffeln aktiv genutzt. Während dieser Zeit ereigneten sich zahlreiche Flugunfälle der dort stationierten Einheiten. Einige Jahre nach der militärischen Nutzung fanden von hier aus noch gelegentliche Flüge mit Werbebannern statt. Die Rollbahn wurde ab 1965 systematisch zurückgebaut und die Grundstücke den enteigneten Eigentümern zurückgegeben und wieder landwirtschaftlich genutzt.David C. Johnson: U.S. Army Air Forces Continental Airfields (ETO), D-Day to V-E Day. Research Division, USAF Historical Research Center, Maxwell AFB, Alabama (1988).

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Braunshardt 4830 Einwohner. Darunter waren 513 (10,6 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 975 Einwohner unter 18 Jahren, 2199 zwischen 18 und 49, 1017 zwischen 50 und 64 und 636 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 2055 Haushalten. Davon waren 627 Singlehaushalte, 543 Paare ohne Kinder und 666 Paare mit Kindern, sowie 180 Alleinerziehende und 39 Wohngemeinschaften. In 252 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 1644 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung

1557: 7 oder 8 Herdstätten 1629: 14 Hausgesesse 1806: 201 Einwohner, 32 Häuser 1829: 218 Einwohner, 33 Häuser 1867: 267 Einwohner, 45 Häuser

StichtagDie Daten bis ins Jahr 1986 stammen aus dem Buch Chronik der Gemeinde Weiterstadt von Günther Hoch. Einwohner Stichtag Einwohner 3. Dezember 1834 216 31. Dezember 1975 2.546 3. Dezember 1864 262 31. Dezember 1981 2.725 1. Dezember 1895 355 30. Juni 1986 3.163 17. Mai 1939 619 1. Januar 2001 4.393 29. Oktober 1946 965 31. Dezember 2007 4.701 6. Juni 1961 1117 31. Dezember 2014 5.392 27. Mai 1970 1991

Historische Religionszugehörigkeit 1829: 218 lutherische (= 99,54 %) und ein katholischer (= 0,46 %) Einwohner 1961: 715 evangelische (= 64,01 %), 363 katholische (= 32,50 %) Einwohner

Politik Bis zur Eingliederung in die damalige Gemeinde Weiterstadt im Jahr 1973 wurde die kommunale Selbstverwaltung der Gemeinde Braunshardt durch die von den Bürgern direkt gewählte Gemeindevertretung einerseits und den Gemeindevorstand unter dem Vorsitz des Bürgermeisters andererseits wahrgenommen. Nach der Eingliederung wurde für den Ortsteil Braunshardt davon abgesehen, einen Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher zu bilden.

Bürgermeister bis 1973 Von 1945 bis 1973 wurde die Gemeindeverwaltung von folgenden Bürgermeistern geleitet: Amtszeit Name 1945–1948 Georg Schmidt 1948–1962 Heinrich Schaus 1962–1971 Adam Schuchmann

Wappen links|100px Blasonierung: „In Blau ein mit einem goldenen Tatzenkreuz besteckter liegender goldener Halbmond über zwei goldenen Sternen.“

Das Wappen wurde der Gemeinde Braunshardt im damaligen Landkreis Darmstadt am 26. Oktober 1956 durch den Hessischen Innenminister genehmigt. Gestaltet wurde es durch den Bad Nauheimer Heraldiker Heinz Ritt.

Es basiert auf alten Gerichtssiegeln, die bis in das Jahr 1623 zurück zu verfolgen sind.Karl Ernst Demandt, Otto Renkhoff: Hessisches Ortswappenbuch. C. A. Starke Verlag, Glücksburg/Ostsee 1956, S. 81. Früher wurden Mond und Kreuz auch als Wolfsangel interpretiert.

Kultur und Sehenswürdigkeiten alt=Schloss Braunshardt|mini|Schloss Braunshardt

Bauwerke Das Rokokoschloss Braunshardt von 1780 ist eine der bedeutendsten Anlagen dieser Art in Hessen. Angegliedert ist ein öffentlicher Landschaftspark mit Brunnen und Pavillon der auch als Traustätte genutzt wird. Zwei Kastanienalleen enden am Gartenpavillon. Im Osten des Parks ist ein Teil im französischen Gartenstil gestaltet, während im Westen ein Teil als englischer Garten angelegt ist.

Das älteste Fachwerkhaus im Ort stammt aus dem Jahr 1683.

Naturdenkmale