60px|rechts|Dollarzeichen Dollarisierung ist die Einführung des US-Dollars als Ersatz für die nationale Währung eines Staates, also ein Fall von Währungssubstitution, bei dem der Dollar als Zahlungs- und Transaktionsmittel sowie zur Wertaufbewahrung innerhalb des nationalen Territoriums anerkannt wird. Zu unterscheiden sind informelle und offizielle Dollarisierung. Gegenbegriff ist Dedollarisierung.

Gründe für die Dollarisierung Es gibt hauptsächlich drei Gründe für das Zustandekommen einer Dollarisierung; erstens Kolonialisierung, zweitens, wenn ein Land dieses Medium unabhängig einführt, und drittens als Mittel zur Krisenbekämpfung.S. 10

Dollarisierung an sich ist kein neues Phänomen. Zur Jahrtausendwende trugen Globalisierung, Zollabbau, Kapitalfreiheit und die Zunahme von internationalem Handelsvolumen zur Entfaltung der Kapitalmärkte und zur eigentlichen Dollarisierung bei. Die seit dem Zweiten Weltkrieg vorherrschende Abrechnung des Ölhandels (Petrodollar) und anderer Rohstoffe trug zur Dollarisierung des internationalen Handels maßgeblich bei. Es wird auch in der Wissenschaft debattiert, wie die Globalisierung kleine Wirtschaften zwingt, ihre monetäre Politik abzugeben.

Das Trilemma des Wechselkursregimes besagt, dass freie Kapitalflüsse, ein fester Wechselkurs und eine unabhängige monetäre Politik nicht miteinander vereinbar sind. Dies ist nun beispielsweise für Ecuador anwendbar.

Eine Besonderheit spielt dabei der Zugriff von Entwicklungsländern auf ausländische Kredite, die ihre Schulden in fremden Währungen aufnehmen müssen. Laut Tobias Roy liefert die Tatsache, dass Entwicklungsländer oder hoch verschuldete Länder keine Kredite in eigener Währung aufnehmen können, die Erklärung von Dollarisierung. Auch Länder mit andauernden Leistungsbilanzdefiziten sind für die Dollarisierung anfällig. Er erklärt auch, dass in der Regel die Währungen der Entwicklungsländer aufgrund der hohen Verschuldung überbewertet sind.S. 20 Der Begriff „Dollarisierung“ wird insbesondere erst im Laufe der 1990er Jahre, aufgrund der zunehmenden Anzahl von Ländern, die ihre gesetzlichen Zahlungsmittel durch andere Währung (insbesondere dem US-Dollar) ersetzt haben, geprägt. Die Anzahl der Länder, deren Geldanlage in fremder Währung mehr als 30 % der Gesamtanlagen ausmachen, hat sich von 7 im Jahr 1990 auf 46 Länder im Jahr 2000 erhöht.Yilmaz 2006: 12 miniatur|Ein-Dollar-Schein

Der Dollarisierungsbegriff beinhaltet unterschiedliche Dollarisierungsformen. In der Literatur wird die Dollarisierung in zwei Phänomene unterteilt. Dollarisierung gilt als Währungssubstitution oder „currency substitutability“ und als Aktivasubstitution oder „asset substitutability“.S. 17 Es gibt also verschiedene Definitionen von Dollarisierung. Sie lässt sich auch als Substitution der Aktiva und Substitution der Währung erklären. Die Aktivasubstitution erfolgt unter Berücksichtigung der Rentabilität und des Risikos. Dies geschieht, wenn eine ausländische Währung als Wertaufbewahrungsmittel dient. Die Währungssubstitution erfolgt auch, wenn Individuen für ihre Transaktionen anstelle der lokalen Währung eine andere Währung als Zahlungsmittel bevorzugen.S. 161S. 32

Eine Dollarisierung entsteht vornehmlich, wenn politische Instabilität und Hyperinflation herrschen. Dollarisierung ist ein Ergebnis einer lang anhaltenden geldpolitischen Misswirtschaft. Zusätzlich wird der Begriff „Dollarisierung“ von Andrew Berg und Eduardo Borensztein wie folgt definiert: „as the holding by residents of foreign currency and foreign currency-denominated deposits at domestic banks“. Dieses Phänomen ist vor allem in Lateinamerika und andere Transitionswirtschaften zu erkennen.Andrew Berg und Eduardo Borensztein: The pros and cons of full dollarization. International Monetary Fund, 2000. S. 3

Die Abwertung als Geldpolitik kann als mangelnde Funktionalität des Entscheidungssystems betrachtet werden. Eine langfristige Nutzung solcher Politik ist nicht gerechtfertigt, denn: „If a government is in possession of a devaluation option, those who own money issued by the government face the prospect of having their property rights confiscated in an arbitrary, ad hoc manner via devaluations. Accordingly, governments that fail to protect the value of their money are guilty of not abiding by the rule of law.“Hanke 2003: 133

Darüber hinaus ist es zu erwarten, dass unter solchen Voraussetzungen ein Dollarisierungsprozess stattfindet. Calvo und Vegh verstehen unter einem Dollarisierungsprozess, wenn eine ausländische Hartwährung die drei wichtigsten Funktionen des Geldes übernimmt: Zahlungsmittel-, Wertaufbewahrungs- und Wertmessfunktion. Dadurch ersetzt das Land die schwache oder kaum existierende inländische „Rule of Law“ durch eine stärkere ausländische. Laut Milton Friedman, Robert Mundell und Friedrich von Hayek ist dann eine Dollarisierung gerechtfertigt, weil sie die Erwartungen der Wirtschaftsakteure stabilisiert.Hanke 2003: 135

Dieses Bild wiederholte sich vor allem in Entwicklungsländern, die Schwierigkeiten mit der Feststellung des Wechselkurses hatten und hohe Inflationsraten verzeichneten. Dollarisierung ist ein irreversibles Phänomen, wenn sie sich als ein Ergebnis der Entscheidungen von Individuen ableitet.

Dollarisierung kann bei einem freien Wechselkurs auftreten, wenn das Abwertungsrisiko der Währung sehr hoch ist. Auch tragen die historischen Entwicklungen von Ab- oder Aufwertungen zur Dollarisierung bei. Man sollte auch in Betracht ziehen, dass ein fester Wechselkurs auch ein gewisses Risiko mit sich bringt, nämlich dann, wenn der Wert einer Währung mit ihrem festen Wechselkurs nicht mehr den makroökonomischen Grundlagen entspricht. Wenn die Währung anpassungsbedürftig ist, entsteht bei den Individuen das Bedürfnis, die Währung zu ersetzen.

Die wichtigsten Elemente, die die Dollarisierung erleichtern, werden von Naranjo wie folgt beschrieben: „Die Fakten, die die Dollarisierung vor allem in Lateinamerika erklären, sind die makroökonomische Instabilität, die geringe Entwicklung der Finanzmärkte, Glaubwürdigkeitsverlust des Stabilisierungsprogramms, die Globalisierung der Wirtschaft, hohe Inflationsraten in der Vergangenheit und die institutionellen Aspekte.“S. 164 Dollarisierung ist ein langfristiger Prozess, in dem die Bevölkerung das Vertrauen in den Staat verliert. Sie bezweifeln die Fähigkeit des Staates seinen Verpflichtungen nachzugehen. Dabei handelt es sich um Staaten, in denen versucht wird, die Ungleichgewichte der Staatsbilanzen durch Inflation und Geldschöpfung zu korrigieren.

Darüber hinaus entsteht ein Dualwährungssystem. Das bedeutet, dass zwei verschiedene Währungen die Geldfunktionen innerhalb eines Landes übernehmen. Die Banken bieten zwei verschiedene Zinssätze an; einen Zinssatz in lokaler Währung und den anderen in Fremdwährung. Aufgrund des Inflationsrisikos und dem daraus resultierenden Wertverlust der lokalen Währung muss der Zinssatz der abgewerteten Währung diesen Wertverlust absichern. Das heißt, er besteht aus dem Zinssatz der ausländischen Währung plus der erwarteten InflationsrateS. 165. Durch die Dollarisierung verzichtet ein Land auf seine monetäre Unabhängigkeit und ist deswegen gezwungen, die ausländische Geldpolitik – in diesem Fall die US-amerikanische, anzunehmen.

Informelle Dollarisierung und ihre Folgen Wie oben bereits erwähnt, braucht die Dollarisierung eine Konsolidierungsphase, bevor man sie als solche überhaupt erkennen kann. Darüber hinaus unterscheidet man zwischen offizieller und inoffizieller Dollarisierung. Letztere ist auch als Semi- oder informelle Dollarisierung bekannt. Allgemein gilt, dass Dollarisierung zustande kommt, wenn eine Bevölkerung das Vertrauen in ihre eigenen Währung verloren hat.

Schuler definiert die informelle Dollarisierung wenn: “…residents of a country extensively use the U.S. dollar or another foreign currency alongside or instead of the domestic currency. Unofficial dollarization occurs when individuals hold foreign-currency bank deposits or notes (paper money) to protect against high inflation in the domestic currency. Official dollarization occurs when a government adopts foreign currency as the predominant or exclusive legal tender.”Kurt Schuler: 2000: 15

Fischer schreibt, die informelle Dollarisierung “… is result of a period of economic instability in the past, generally a period of high inflation. In such circumstances, economic agents will want to hold safer assets, and the economic and political systems will produce them. That can be done by allowing the banking system to offer foreign currency, or exchange-rate-linked, accounts; and the banking system in turn will want to lend in a similar form.”Stanley Fischer: Dollarization. 2006: 3

Der Prozess der informellen Dollarisierung hat ebenfalls verschiedene Entwicklungsphasen: Zuerst werden die Aktiva substituiert, und die Fremdwährung übernimmt die Wertaufbewahrungsfunktion. Die ökonomischen Repräsentanten wählen ausländischen Anleihen oder bewegen ihre Ersparnisse ins Ausland. Dies wird auch als Kapitalflucht bezeichnet. In einer zweiten Phase übernimmt die ausländische Währung die Zahlungs- und Umtauschfunktion. Das heißt, es wird überwiegend mit der ausländischen Währung gehandelt. Die dritte Phase tritt auf, wenn die Preise verschiedener Güter oder Dienstleistungen, wie zum Beispiel ein Haus, ein Auto oder ein Fernsehgerät oder die Miete eines Büros in US-Dollar ausgewiesen wird. Diese drei Phasen müssen nicht unbedingt nacheinander, sie können auch gemeinsam auftauchen.

Nach Naranjo existieren zwei wesentliche Nachteile der informellen Dollarisierung. Erstens der Steuerungsverlust des Geldes, und zweitens der zunehmende Druck auf den Wechselkurs.S. 167 Durch die informelle Dollarisierung wird die Geldnachfrage innerhalb des Wirtschaftskreises instabil und schwierig zu steuern. So wird der US-Dollar ein Teil des Geldes im Umlauf, das man nicht präzise regulieren kann. Die Geldmenge ist schwierig festzustellen. In Ländern der Andengemeinschaft erreicht die informelle Dollarisierung ca. 80 % bis 90 %.Aramburú in Comunidad Andina 2001: 59

Durch die Erhöhung der Nachfrage nach dem US-Dollar steigt im Prinzip sein Wert. Demzufolge wird die nationale Währung abgewertet. Darüber hinaus werden die Einkommen oder Löhne in lokaler Währung auch reduziert, weil die Kaufkraft sinkt.

Im Endeffekt sind die schwächeren sozialen Schichten am meisten davon betroffen, denn ihre niedrigen Einkommen bieten keinen Schutz vor Inflation und Abwertung. Andere Gruppen der Gesellschaft erleiden ebenfalls Verluste, aber die Folgen sind für sie nicht so gravierend, denn sie verfügen über mehr Ressourcen. Durch hohe Inflation werden Investitions- und Produktionsangebote verlangsamt. Das heißt, Projekte werden verspätet oder gar nicht durchgeführt. Deshalb entsteht weitere Arbeitslosigkeit.S. 169 Weiterhin zu erwähnen ist, dass durch die Semi-Dollarisierung, der vom Staat erzielte Gewinn durch die Münzprägung oder Seignorage schrumpft, denn die Geldnachfrage in lokaler Währung sinkt ebenso.

Um eine unerwartete Abwertung einer Währung zu vermeiden, können Zentralbanken beispielsweise die Zinsen erhöhen. Damit wird der Abwertungsdruck weitestgehend verhindert. Dieses Instrument kann allerdings nicht immer eingesetzt werden, denn Glaubwürdigkeit spielt dabei eine wichtige Rolle. Es kann beispielsweise zu einem Teufelskreis kommen: Inflation führt zur Abwertung, und diese fördert zugleich die Inflation. In solchen Szenarien nimmt die Spekulation zu, und die Dollarisierung wird nun verstärkt. Der Wechselkurs destabilisiert sich. Die hohen Schwankungen des Wechselkurses verteuern die Kredite in ausländischer Währung und erhöhen die realen Kosten der nationalen Kredite. Die Verzerrungen führen zum wirtschaftlichen Chaos.