Die Schlacht um Verdun fand an der Westfront des Ersten Weltkrieges zwischen Deutschland und Frankreich statt. Sie begann am 21. Februar 1916 und endete am 19. Dezember 1916. Die von der deutschen Seite beabsichtigte Eroberung der Festung Verdun war damit gescheitert. Nach der Marneschlacht und dem sich hinziehenden Stellungskrieg hatte die deutsche Oberste Heeresleitung erkannt, dass ihr die Möglichkeit zur strategischen Initiative allmählich zu entgleiten drohte. Sie entschied sich daher für einen Angriff auf Verdun, um den Krieg an der Westfront wieder in Bewegung zu bringen.
Unter anderem sollte durch den Angriff das auf französischem Boden kämpfende britische Expeditionskorps dazu gebracht werden, von seinen Bündnisverpflichtungen abzufallen. Als Ziel der Offensive wählte man die Festung Verdun. Die Schlacht markiert einen Höhepunkt der großen Materialschlachten des Ersten Weltkrieges. Obwohl die im Juli 1916 begonnene Schlacht an der Somme mit deutlich höheren Verlusten verbunden war, wurden die monatelangen Kämpfe vor Verdun in Deutschland und Frankreich zum Symbol für die tragische Ergebnislosigkeit des Stellungskriegs. Verdun gilt heute als Mahnmal gegen kriegerische Handlungen und dient der gemeinsamen Erinnerung und vor der Welt als Zeichen der deutsch-französischen Aussöhnung.
Vorgeschichte Mit der deutschen Niederlage an der Marne und dem anschließenden Wettlauf zum Meer, der mit der ersten Flandernschlacht endete, kam es zu einem Wendepunkt im Krieg. Da keine der Kriegsparteien in der Lage war, einen Durchbruch zu erzielen, entwickelte sich der Bewegungskrieg zum Stellungskrieg. Auf beiden Seiten wurde ein ausgedehntes Netz von Verteidigungsgräben errichtet, das sich von Flandern bis zur Schweiz erstreckte.Axelrod: The Battle of Verdun. Lyons Press, Guilford 2016, S. 59f.
Auftakt Operation Gericht Kurz vor Weihnachten 1915 legte Erich von Falkenhayn dem Kaiser ein Memorandum vor, in dem er seine Pläne für einen Sieg über die Entente umriss. In ihr wurden alle strategisch in Frage kommenden Optionen erörtert. Dabei kam er zu dem Schluss, dass Großbritannien als die treibende Kraft der Triple Entente aus dem Krieg gedrängt werden müsse. Aus diesen Überzeugungen heraus wurde ein weiteres Vorgehen sowohl gegen Italien als auch gegen Russland ausgeschlossen. Auch andere Kriegsschauplätze im Nahen Osten, in der Türkei oder in Griechenland schieden wegen ihrer geringen strategischen Bedeutung aus. Somit blieb Frankreich als einziger Ort für eine Offensive übrig.
Falkenhayn argumentierte dabei:
Falkenhayn hoffte, dass auf den Zusammenbruch des französischen Widerstands der Rückzug der britischen Streitkräfte folgen würde. Als Angriffsziel zog er die Befestigungen um Belfort und Verdun in Erwägung. Aufgrund der militärisch eher unbedeutenden Lage Belforts in der Nähe der deutsch-französischen Grenze gab Falkenhayn Verdun den Vorzug.von Falkenhayn: General Headquarters and Its Critical Decision. 1914–1916. Hutchinson, London 1919, S. 209–218. Nachdem die deutsche Offensive nach den Grenzschlachten im September 1914 bei Saint-Mihiel einen Frontkeil gebildet hatte, stellte dieser eine ständige Bedrohung für die französischen Verteidiger dar. Dadurch konnte die deutsche 5. Armee unter Wilhelm von Preußen von drei Seiten angreifen, während das französische Oberkommando GQG gezwungen war, von anderen wichtigen Frontabschnitten Truppen abzuziehen und über den schmalen Korridor zwischen Bar-le-Duc und Verdun an den angegriffenen Abschnitt zu verlegen.Buckingham: Verdun 1916. Strout, Amberley 2016, S. 80, S. 85. Der deutsche Plan sah vor, die Offensive zunächst mit einem Vorstoß der 5. Armee unter Kronprinz Wilhelm vom Ostufer der Maas zu beginnen. Ein gleichzeitiger Angriff auf beiden Seiten des Flusses wurde von Falkenhayn ausgeschlossen. Er begründete seine Entscheidung damit, dass die Truppen frontal gegen eine starke, gut ausgebaute Stellung hätten anrennen müssen. Wäre der Angriff dort gescheitert, hätte die Gefahr einer dauerhaften Entblößung der Flanke am Ostufer bestanden, da nicht genügend Truppen vorhanden wären, um den Versuch zu wiederholen. Um die Bedingungen auf der Westseite des Flusses zu verbessern, wurde beschlossen, den Angriff auf der Ostseite abzuwarten. Falkenhayn rechnete mit einem großen Anfangserfolg, worauf die Franzosen wahrscheinlich gezwungen wären, die nächstgelegenen Truppen auf dem Westufer einzusetzen, um ihn aufzuhalten. Die Regelung, die Angriffe zeitversetzt zu starten, hatte den Vorteil, dass die Truppen, die für die Operation westlich des Flusses vorgesehen waren, im Falle einer feindlichen Entlastungsoffensive an einem anderen Teil der Front zur Verfügung standen.von Falkenhayn: S. 228f.
Die Festung Verdun
Obwohl bereits zu römischen Zeiten befestigt, gehen die Verteidigungsanlagen von Verdun auf die Zeit nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 zurück. Der französische Festungsbauer Raymond Adolphe Séré de Rivières ließ ab 1874 einen Ring aus 40 Forts und 20 Werken um die Stadt errichten. Die vordere französische Verteidigungslinie zog sich von Brabant durch den Südwestzipfel des Waldes von Consenvoye, durch den Caures-Wald, den Haumont-Wald, den Wald von Ville und Herbebois. Die zweite Stellung, etwa 3 Kilometer hinter der ersten, verlief von Samogneux über Höhe 344 durch den Chaumeswald, sowie östlich des Caurrièreswalds nach Süden bis zum Dorf Bezonvaux. Die dritte Stellung verlief über den Côte de Talou, Côte du Poivre, das Dorf Louvemont sowie über die Höhe 378. Die Hauptverteidigungstellung mit dem Fort Douaumont befand sich 2 Kilometer von der Höhe 378 entfernt. Hinter der Hauptlinie folgte die innere Befestigung, zu denen die Forts Belleville, St. Michel, Souville und Tavannes gehörten. Anfang 1915 wurden die Verteidigungsanlagen von Verdun durch die deutsche Haubitze Dicke Berta getestet. Das Ergebnis: Die Befestigungen hielten direkten Treffern stand. Die Truppen im Inneren waren zwar psychisch und physisch erschüttert, aber dennoch kampfbereit. Marschall Joffre, immer noch unter dem Eindruck der Niederlage von Namur und Lüttich, überredete die Regierung in Paris jedoch zu einer Neubewertung von Verdun. In dem Bericht, der dem Präsidenten zur Genehmigung vorgelegt wurde, wurde zwar festgestellt, dass die Befestigungen durchaus einigen Wert besaßen, dennoch wurde entschieden die Verteidigungsanlagen nach und nach abzubauen. Das GQG unter Joffre erklärte Verdun am 5. August 1915 offiziell zum Zentrum der („Befestigte Region von Verdun“). Die Entscheidung kam für viele Offiziere überraschend und die Unzufriedenheit über den Zustand der Festungsanlagen von Verdun wuchs stetig an. Als General Pétain im Februar 1916 das Kommando über Verdun erhielt, erklärte er: Die Erfahrung der letzten Kämpfe hat die Widerstandsfähigkeit der Festungen bewiesen … die Festungen können und sollten daher überall dort eingesetzt werden, wo sie vorhanden sind. Schließlich machte er sich daran, die Verteidigungsanlagen wieder aufzurüsten.Mallory: The Architecture of War. Pantheon, New York 1973, S. 17, S. 27ff.
Vorbereitung der deutschen Offensive mini|Erich von Falkenhayn (1913)
In Vorbereitung auf die folgende Operation wurden von deutschen Militäringenieuren mehrere neue Bahnlinien und Bahnhöfe gebaut. Dutzende kleiner Dörfer in diesem Sektor wurden evakuiert, wobei Gebäude entweder in Beschlag genommen oder abgerissen wurden, um Quartiere und andere Einrichtungen für mehr als 140.000 Soldaten herzurichten. Auf einer Länge von über 13 km wurden 1.220 Geschütze zusammengezogen, die mit einem Vorrat von 2,5 Mio. Granaten ausgestattet waren.Axelrod: S. 108–111. Die Luftstreitkräfte bestanden aus den Kampfgeschwadern der Obersten Heeresleitung (Kagohl) I. und II., die jeweils mit zwei zusätzlichen Kampfstaffeln (Kastas) und zehn Feldflieger Abteilungen verstärkt wurden.Chant: The illustrated history of the air forces of World War I & World War II. Galley Press, Leicester 1979, S. 20.
Am Ostufer der Maas sollten am ersten Angriffstag sechs Divisionen den ersten Angriff tragen:
Das VII. Reserve-Korps unter General der Infanterie Hans von Zwehl mit der 13. und 14. Reserve-Division zwischen Consenvoye bis Flabas. Das XVIII. Armee-Korps unter General der Infanterie Dedo von Schenck mit der 21. und 25. Division in der Mitte. Das III. Armee-Korps unter General der Infanterie Ewald von Lochow mit der 5. und 6. Division zwischen Ville und Gremilly. Am linken Flügel auf der Woevre-Ebene im Osten sollten sich das V. Reserve-Korps unter General der Infanterie Erich von Gündell mit der 9. und 10. Reserve-Division das XV. Armee-Korps unter General der Infanterie Berthold von Deimling mit der 30. und 39. Division an den folgenden Tagen dem Angriff anschließen. Am Westufer der Maas sollte das VI. Reserve-Korps unter General der Infanterie Konrad Ernst von Goßler mit der 11. und 12. Reserve-Division vorerst den Hauptangriff nur durch ihre Artillerie unterstützen.
Französische Reaktion Trotz massivster Einwände von General Frédéric Herr, dem Befehlshaber von Verdun, tat Joffre die Bedenken als unbegründet ab.Die Gründe waren stets: Verdun wird nicht angegriffen, die Deutschen wissen nicht, dass Verdun unbewaffnet ist. vgl. Horne: The Price of Glory. Penguin, London 1993, S. 51. Erst als im Januar eine Nachricht von Kronprinz Wilhelm an seine Truppen entdeckt wurde, in der es um die Einnahme von Verdun bis Februar ging, wurde Joffre hellhörig. Das schlechte Wetter verhinderte nicht nur eine sorgfältige deutsche Luftaufklärung, sondern verschaffte den Franzosen Zeit, sich auf einen Angriff vorzubereiten. Als am 17. Januar das Wetter aufklarte, entdeckte die französische Luftaufklärung keine neuen Annäherungsgräben. Das Fehlen dieser Gräben deutete darauf hin, dass kein Angriff bevorstand. Doch statt sichtbarer Gräben hatten die Deutschen unterirdische Stollen angelegt, um sich vor der feindlichen Luftaufklärung zu verstecken. Dennoch ließen sich nicht alle Anzeichen für eine bevorstehende Schlacht verbergen. Berichte des Deuxième Bureau zeigten, dass die Deutschen begannen, ihre Geschütze einzuschießen. Deserteure erzählten von der Streichung sämtlichen Fronturlaubs und äußerten Bedenken, dass „etwas Schreckliches“ bevorstehe. Trotz dieser Alarmzeichen schien Paris kaum besorgt zu sein. Während Joffre Douglas Haig versicherte, dass die Deutschen einen Angriff im Osten planten, bestand das GQG darauf, dass, wenn es eine Offensive gäbe, diese im Artois oder in der Champagne stattfinden würde. Am 24. Januar schickt Joffre, wahrscheinlich aufgrund der Intervention des französischen Kriegsministers Joseph Gallieni, seinen Generalstabschef General Edouard de Castelnau nach Verdun. Dort angekommen, befahl er Herr, die Befestigungsanlagen am Ostufer der Maas zu verstärken und einen Zwischengraben zwischen der ersten und zweiten Linie auszuheben. Am 12. Februar schickte Joffre ihm schließlich das VII. und XXX. Korps sowie die 51. und 72. Infanterie-Reservedivision.Axelrod: S. 115, S. 120ff.Buckingham: S. 108f.
Herr ließ drei Gruppen bilden, die jeweils einen Sektor verteidigen sollten.
Auf dem linken Ufer der Maas befand sich das VII. Armee-Korps unter Generalmajor Georges de Bazelaire, bestehend aus der 29. Infanterie-Division und der 67. Reserve-Division.
Im Norden lag das XXX. Armee-Korps unter Generalmajor Paul Chrétien, bestehend aus der 14. Infanterie-Division sowie der 51. und 72. Reserve-Division.
Im Osten befand sich das II. Armee-Korps unter Generalmajor Denis Auguste Duchêne, bestehend aus der 3., 4. und 132. Infanterie-Division.
Als Reserve standen die 16., 37. und 48. Infanterie-Division zur Verfügung.
Die Schlacht Februar mini|Verdun mit den umliegenden Forts