mini|JVC-Camcorder mini|Sony-Digitalkamera Als Amateurfilm bezeichnet man Filme, die von Privatpersonen gedreht wurden und in der Regel nicht zur kommerziellen Weiterverbreitung vorgesehen sind.

Definition Amateurfilme bewegen sich in einem weiten Spektrum. So werden Homevideos und Hochzeitsfilme genauso als Amateurfilm bezeichnet, wie die private Umsetzung selbst geschriebener Drehbücher im Spielfilm-Format des Low-Budget-Bereichs. Daher können die Urheber sogar durchaus technisch versiert sein, denn als Amateurfilm gilt im allgemeinen Verständnis jeder Film, der nicht von einer professionellen Produktionsfirma getragen wird und daher auch ein geringeres Kapital aufweist. Zu beachten ist, dass in der Öffentlichkeit der Amateurfilm fast ausschließlich als amateurhaft produzierter Film, der keine Professionalität aufweist, verstanden wird. Das ist so nicht richtig, da zwar solche Filme durchaus unter diese Kategorie fallen können, es aber auch viele Beispiele für Filme gibt, die diesem Raster nicht entsprechen. Das sind unter anderem Filme, die von Studenten der Filmhochschulen angefertigt werden und einem hohen technischen Niveau entsprechen können, aber trotzdem als Amateurfilm gelten.

Dimensionen und Anwendungsgebiete In den letzten Jahren fand die Gemeinde der Amateurfilmer mit Hilfe des Internets immer enger zusammen und so gibt es im Netz mittlerweile unzählige Seiten von Amateurfilm-Gruppen und Filmbegeisterten. Auch etliche Foren und Communitys rund um das Thema sind mehr als beliebt, um Tipps und Tricks auszutauschen, aber auch, um die eigenen Werke einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Dabei spielt die Internet-Video-Plattform YouTube eine große Rolle, über der täglich tausende Amateurvideos hochgeladen und angeschaut werden. Die Qualität der Filme hat in den letzten Jahren enorm zugenommen, was auf die rasante Entwicklung von privaten Schnitt- und Bearbeitungswerkzeugen zurückzuführen ist.

Amateurfilme werden noch heute teilweise auf 8- oder 16-mm-Filmen aufgenommen, durch die zunehmende Digitalisierung des Videomarktes ist dies aber durch den Kostenaufwand selten geworden. Der Großteil der Produktionen wird daher auf DV- bzw. Mini-DV-Kameras aufgezeichnet, hauptsächlich wegen der einfachen Bearbeitbarkeit des Materials. Bei digitalen Videos kann je nach gewünschter Qualität, Klasse der Kamera und Speicherart gewählt werden, siehe Video-Containerformat.

Mit der wachsenden Verbreitung von Kamera-Handys steigt auch die Verbreitung von mit diesen aufgenommenen Videos, deren Wert meist in der Exklusivität der Aufnahme liegt, welche dann die relativ schlechte technische Qualität der Aufnahme wettmacht. Diese Entwicklung hat für Nachrichtenagenturen den Vorteil gebracht, näher am weltpolitischen Geschehen zu sein, da sie die selbst gedrehten Clips zum Beispiel im Fernsehen und Internet schnell weiterverbreiten können. So sind beispielsweise von Privatpersonen per Handy gefilmte Aufnahmen von Protesten in Syrien der einzige mediale Zugang zu der Region, die ausländische Presse weitläufig aus dem Land fernhält. Ein Beispiel ist die von dem amerikanischen Nachrichtensender CNN einberufene Plattform iReport, bei der jeder Nutzer über eine App sofort Videos zu den aktuellen Nachrichten hochladen und so der Weltbevölkerung zugänglich machen kann.CNN iReport, aufgerufen am 26. November 2011. In der Kritik stehen Handy-Videos von Gewalttaten, die vor allem bei Jugendlichen in sozialen Brennpunkten hoch im Kurs stehen.

Dachverbände Die Union Internationale du Cinéma (UNICA) ist der weltweit tätige Dachverband und Membre du C.I.C.T. auprés de l’UNESCO, der jährlich die Weltbegegnung der Filmautoren veranstaltet.UNICA, aufgerufen am 26. November 2011.

Nationale Dachverbände sind zum Beispiel: Österreich: VÖFA – Verband Österreichischer Film-Autoren Deutschland: BDFA – Bundesverband deutscher Film-Autoren Großbritannien: IAC – The Film & Video Institute USA: AMPS – American Motion Picture Society (international) EAK – Europäischer Autorenkreis für Film und Video e. V. – www.eurofilmer.eu Schweiz: Swiss movie – Bund Schweizer Film- und Videoautorenclubs

Geschichte des Amateurfilms

Literatur über die Geschichte des Amateurfilms ist rar. Das mag daran liegen, dass der Amateurfilm für die Geschichtsschreibung lange als kaum relevant erachtet wurde. Die Namen der professionellen Pioniere sind in die Geschichtsschreibung eingegangen, die der Amateure sind weitgehend anonym geblieben. Zudem befassen sich die wenigen Ansätze eher mit der Geschichte der Amateur-Filmtechnik. Für Deutschland gibt es glücklicherweise die Familienchronik von Michael Kuball. Der Autor hat mehrere Zehntausend Meter Amateur- und Privatfilme aus den Jahren 1900 bis 1960 zusammengetragen und daraus die siebenteilige Fernsehserie Familienkino erstellt, die 1978/79 ausgestrahlt wurde. Darauf basiert seine zweibändige Geschichte des Amateurfilms in Deutschland.

Der Amateurfilm entstand aus der Entwicklung der Berufskinematografie. Die Verkleinerung und Verbilligung des Materials und die Vereinfachung des Aufnahme- und Abspielvorgangs waren die Kriterien, die zur Popularisierung beitrugen und es für Amateure erschwinglich wurde, Apparate und Zubehör zu kaufen, eigene Filme zu drehen und vorzuführen.

Technische Entwicklung des Amateurfilms mini|Dickson's 35 mm movie film standard and 35 mm patent design mini|Filmstreifen aus dem ersten Film der Brüder Max und Emil Skladanowsky

1922 präsentierten die Gebrüder Pathé in Paris das Pathé Baby-System in 9,5 mm. Dies war das erste Amateurformat, das sich weltweit durchsetzte. Dazu kamen später das 16-mm- und das 8-mm-Format. Davor gab es bereits verschiedene Experimente: Bekannt ist der Fotograf Eadweard Muybridge, der 1873 und 1877 ein Pferd im Galopp fotografierte und dabei in schneller Folge Einzelbilder der Bewegung des Pferdes fotografisch festhielt. Er benutzte dazu zwei Dutzend Kameras. Damit stellt er eine interessante Vorstufe des Films dar, aber nicht den ersten Film. Der französische Astronom P. Janssen hielt 1874 den Durchgang der Venus vor der Sonne in einer Bildsequenz fest. Auch das waren in regelmäßigen Abständen festgehaltene Einzelbilder, Daguerrotypien, also Unikate auf Silberplatten, also noch kein Film. Auch die für das von Thomas Alva Edison geschaffenen Kinetoskop produzierten Streifen, die bis zu 15 m lang waren, wurden professionell hergestellt, eine Kamera für den Amateur gab es noch nicht. Georges Demeny erfand das Phonoscope, mit dem man lebende Bilder der Mundbewegung in sehr begrenztem Umfang betrachten konnte. Seine Aufnahmekampera wurde 1893 als Chronophotograph vorgestellt. In seinem Modell von 1896 verwendete er einen 60-mm-Film, ein Jahr später wechselte er zum 35-mm-Band. Aber seine Bilder konnten nicht unbegrenzt projiziert werden. Dem Edison-Apparat fehlte die Kamera, der Erfindung von Demeny der Projektor. Deshalb können beide nicht als Anfang des Amateurfilms betrachtet werden.

Für den Amateurfilm von Bedeutung ist Edisons Erfindung des 35-mm-Films. Dieses Filmformat hat sich als optimal für die Bildauflösung, den Filmtransport in Kamera und Projektor und die Ausleuchtung erwiesen. Ab 1894 interessierten sich die Gebrüder Lumière in Frankreich dafür, Bänder für Edisons Kinetoskop zu fertigen. Dazu entwickelten sie die Aufnahmekamera, die sie Cinématographe nannten. 1894 filme Louis Lumière mit dem im gleichen Jahr von Eastman-Kodak erfundenen transparenten Film mit seinem zweiten Modell des Kinematographen Arbeiter, welche die Fabrik verließen. Die erste Vorführung fand am 28. Dezember 1895 in Paris statt. Seine Kamera diente zur Aufnahme und Wiedergabe des Films.

mini|Pathé Baby, Filmprojektor von 1924 Bereits rund zwei Monate früher zeigte Max Skladanowsky seine Kurzfilme in Berlin. Er hatte schon 1892 mit einem selbstgebauten Kurbelkasten seinen Bruder gefilmt. Aber die undurchsichtigen Bilder konnten nicht projiziert werden. Er bastelte drei Jahre lang an einem Projektor, der Diapositive in schneller Folge hintereinander projizierte und so den Eindruck der Bewegung erzeugte. Sein Projektor, Bioscop genannt, funktionierte mit einem 54-mm-Film. Auf einem Blankfilm waren abwechselnd Positive vom Negativ montiert, die Perforation war mit einer Nietzange von Hand angebracht worden. So konnte er am 1. November 1895 in Berlin, rund zwei Monate vor Lumière in Paris, seine erste öffentliche Filmvorführung durchführen. Das war die erste öffentliche Filmvorführung in Europa. 1898 gründete er die Berliner Camera-Werke. Diese stellte unter anderem auch Geräte für Filmamateure her. Der Mangel an Kapital und die überlegene Qualität der Apparate von Lumière und jener von Oskar Messter verunmöglichten bald, seine Produktion aufrechtzuerhalten. Dennoch gehört Skladanowsky mit seinen Entwicklungen zu den entscheidenden Pionieren der Filmamateure.

Messters feinmechanische Werkstatt stellte u. a. auch optische Geräte her. In seinem Katalog von 1897 stand auch «Messters Amateur-Kinematograph für Aufnahmen und Projektion lebender Photographien» für 200 Mark, dem Monatslohn eines Arbeiters, im Angebot. Messters Firma ging später mit anderen in der UFA-Filmgesellschaft auf. Ab 1895 wurden in fast allen bedeutenden Industrieländern Filmapparate entwickelt und Patente angemeldet.

Einer breiten Verbreitung des Normalfilms standen damals auch die Kosten im Weg. Das Filmmaterial für anderthalb Minuten Normalfilm kostete so viel, wie ein Arbeiter monatlich für seine 3-Zimmer-Wohnung bezahlte. Deshalb gab es Bemühungen, den Normalfilm zu halbieren. Birth Acres ließ am 9. Juni 1898 eine Filmkamera patentieren, die einen Streifen von 17,5 mm Breite mit Längsperforation verwendete. Das stellte sich als wegweisende Entwicklung für den Amateurfilm heraus. Erwähnenswert ist der Apparat der Ernemann-Werke, die Ende 1902 ebenfalls einen Apparata für 17,5 mm herausbrachten. Die Perforation legte Ernemann aber zwischen die Bilder in die Bandmitte, so dass er ein größeres Filmbild erhielt als Acres. Er verwendete 1903 erstmals das Wort Kino, das zunächst eine frühe Schmalfilmkamera der Ernemann-Werke bezeichnete, dann sich aus der Fachsprache löste und in der deutschen Umgangssprache die Bedeutung des Ortes annahm, wo Filmvorführungen stattfinden. Im gleichen Jahr führte Messter den ersten Tonfilm vor. Er spielte eine Grammophonplatte zusammen mit dem Film ab. Das damalige Filmmaterial war gefährlich, weil es explosionsartig abbrennen konnte. Obwohl der unbrennbare Sicherheitsfilm 1912 auf den Mark kam, setzte er sich nur langsam und oft erst nach gesetzlichen Vorschriften durch.

mini|Pathé-Baby Filmkamera