Adam Gottlob Casparini (* 15. April 1715 in Breslau; † 13. Mai 1788 in Königsberg) war ein deutscher Orgelbauer.
Leben Adam Gottlob Casparini wurde 1715 als Sohn des Orgelbauers Adam Horatio Casparini (1676–1745) und damit Enkel des berühmtesten Orgelbauers der Familie, Eugenio Casparini (1623–1706) geboren. Seine Lehrzeit verbrachte er in der väterlichen Werkstatt, ab 1735 begab er sich auf Wanderschaft.Werner Renkewitz, Jan Janca, Hermann Fischer: Geschichte der Orgelbaukunst in Ost- und Westpreußen. Band II, 1: Mosengel, Caspari, Casparini. Pape Verlag, Berlin 2008, S. 302. Er war zunächst von 1735 bis Pfingsten 1737 als Geselle bei Tobias Heinrich Gottfried Trost in Altenburg in Thüringen tätig. Dieser baute in jener Zeit (1735–1739) die Orgel der Schlosskirche daselbst. Nach seiner Kündigung bei Trost, mit dem er sich über das Gelingen der Altenburger Orgel überworfen hatte, reparierte er die von Johann Christoph Oehme im Jahre 1705 errichtete Orgel der Stadtkirche zu Lucka.Ulrich Dähnert: Historische Orgeln in Sachsen. Verlag Das Musikinstrument, Frankfurt 1980, S. 196. 1737 kehrte er in die Werkstatt seines Vaters zurück. Seine Mitwirkung an der Errichtung der Orgel der Kirche St. Adalbert zu Breslau und der Dominikanerkirche zu Glogau ist belegt.Werner Renkewitz, Jan Janca, Hermann Fischer: Geschichte der Orgelbaukunst in Ost- und Westpreußen. Band II, 1: Mosengel, Caspari, Casparini. Pape Verlag, Berlin 2008, S. 304.
Nach dem Tod seines Vetters Georg Sigismund Caspari am 4. April 1741, der vier minderjährige Kinder hinterließ, reiste er sogleich nach Königsberg, wo er im Juni 1741 ankam. Dort übernahm er die Werkstatt und stellte sich im August persönlich bei der Kriegs- und Domänenkammer vor. Mit Datum vom 11. November 1741 verfasste er sein Gesuch um die Privilegierung als „Königlich Preußischer Hoforgelbauer“. Die entsprechende Urkunde hierüber konnte er am 22. Februar 1742 in Empfang nehmen, nachdem er eine Spende in Höhe von 60 Rthlr. an die Rekrutenkasse geleistet und weitere 17 Rthlr., 21 Gl. zur Begleichung der Stempel- und Siegelgebühren entrichtet hatte.Werner Renkewitz, Jan Janca, Hermann Fischer: Geschichte der Orgelbaukunst in Ost- und Westpreußen. Band II, 1: Mosengel, Caspari, Casparini. Pape Verlag, Berlin 2008, S. 305–312.
Nachdem er sich in Königsberg etabliert und ein Haus auf dem Steindamm gekauft hatte, heiratete er ca. 1746 Elisabeth Horining. Die Tochter eines Advokaten gebar einen Sohn und eine Tochter; sie starb ca. 1752 bei der Geburt ihres dritten Kindes. Nach einigen Jahren vermählte sich Casparini mit der aus Königsberg stammenden Anna Barbara Seidenhefter, mit der er zusammen drei weitere Töchter hatte.
Er starb am 17. Mai 1788 ohne vorausgehende Krankheit, denn in einer Fußnote zu seiner gedruckten Leichenpredigt heißt es: „Der Wolselige klagte sich nur Tags zuvor, und seyne Kranckheyt, welche eine hefftige Art des Brustkrampfes war, hat nicht viel über 24 Stunden gewähret.“zitiert nach Werner Renkewitz, Jan Janca, Hermann Fischer: Geschichte der Orgelbaukunst in Ost- und Westpreußen. Band II, 1: Mosengel, Caspari, Casparini. Pape Verlag, Berlin 2008, S. 317.
Werke Casparini übernahm die Werkstatt Georg Sigismund Casparis samt vorgefundenem geringem und weitgehend verbrauchtem Inventar. Die Verhältnisse müssen geradezu ärmlich gewesen sein, denn Caspari konnte zuletzt wohl seinem Gesellen Johann Heinrich Westhoff noch nicht einmal seinen Wochenlohn auszahlen und musste für seine letzte Orgel in Marggrabowa gebrauchte Pfeifen aus dem Bestand seiner Werkstatt verwenden. Trotzdem schaffte es Casparini, binnen kürzester Zeit durch den praktischen Nachweis seiner Fähigkeiten einen Ruf aufzubauen, der es ihm ermöglichte, in den über 40 Jahren seiner Tätigkeit von Königsberg aus 45 neue Orgeln zu bauen.Werner Renkewitz, Jan Janca, Hermann Fischer: Geschichte der Orgelbaukunst in Ost- und Westpreußen. Band II, 1: Mosengel, Caspari, Casparini. Pape Verlag, Berlin 2008, S. 326–330. Die Orgel in der Heilig-Geist-Kirche in Wilna ist die einzige vollständig erhaltene aus seinem reichen Opus. Teile seiner Orgeln finden sich heute noch in Mühlhausen (Kr. Preußisch Holland), Leunenburg und Barten. In Klein Jerutten hat sich ein ausgeplünderter Prospekt erhalten.
Seine bekanntesten Schüler waren Johann Preuß (1722–1798), der nach Abschluss der Lehre zum Konkurrenten wurde sowie Christoph Wilhelm Braweleit (1751–1795), der sein Nachfolger in Königsberg wurde.
Werkliste Aufgeführt sind alle 44 bekannten Orgelneubauten, Zuschreibungen und Angebote, sowie, 24 Umbauten und Reparaturen mit nicht ausgeführten Angeboten. In der fünften Spalte bezeichnet die römische Zahl die Anzahl der Manuale, ein großes „P“ ein selbstständiges Pedal, ein kleines „p“ ein nur angehängtes Pedal. Die arabische Zahl in der vorletzten Spalte bezeichnet die Anzahl der klingenden Register. Fett formatierte Ortsnamen zeigen an, dass hier entweder Teile der Orgel oder das gesamte Instrument bis heute erhalten sind. Sind zwei Jahreszahlen genannt, gibt die erste meist das Jahr des Kostenvoranschlags bzw. des Vertragsschlusses an, die zweite in der Regel die Fertigstellung bzw. Abnahme des Instruments. Die Sortierung der Orgeln erfolgt dabei nach dem Jahr der Fertigstellung, da die Orgel ab diesem Zeitpunkt genutzt werden konnte.
Die Liste der Neubauten, Umbauten und Reparaturen folgt vor allem der Übersicht in Geschichte der Orgelbaukunst in Ost- und Westpreußen.Werner Renkewitz, Jan Janca, Hermann Fischer: Geschichte der Orgelbaukunst in Ost- und Westpreußen. Band II, 1: Mosengel, Caspari, Casparini. Pape Verlag, Berlin 2008, Werkliste auf den S. 326–330, Einzeldarstellungen auf den Seiten 331–453. Aus den dort verfügbaren Einzeldarstellungen wurden auch die Erläuterungen in der Spalte „Bemerkungen“ zusammengestellt.
Neubauten