Die Fasanenstraße ist eine knapp zwei Kilometer lange Straße in der Berliner City-West im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf. Ihren heutigen Namen trägt die Fasanenstraße seit mindestens 1881 Stadtplan von 1881 zur Erinnerung an eine 1755 von König Friedrich II. angelegte Fasanerie am Ende des heutigen Verkehrswegs, die 1841 der Anlage des Zoologischen Gartens weichen musste und nach Potsdam verlegt wurde. Frühere Bezeichnungen der Straße lauteten Ringstraße II, Wolfenbütteler Straße und Gravelotter Straße.

Verlauf und Abschnitte

Überblick Die Fasanenstraße führt geradlinig in nord-südlicher Richtung von der Müller-Breslau-Straße (am Charlottenburger Tor bzw. an der Straße des 17. Juni) im Ortsteil Charlottenburg über Hardenbergstraße, Kantstraße, Kurfürstendamm, Lietzenburger Straße, Fasanenplatz (mit Schaperstraße und Ludwigkirchstraße) sowie Pariser Straße bis zum Hohenzollerndamm und endet am Hohenzollernplatz im Ortsteil Wilmersdorf.

In ihrem Verlauf (heute Einbahnstraße in nord-südlicher Richtung von Hardenbergstraße bis Fasanenplatz, durchgehend gebührenpflichtige Kurzparkzone) ändert die relativ verkehrsarme und baumbestandene zweispurige Straße mehrfach ihren Charakter.

Müller-Breslau-Straße bis Hardenbergstraße Von der parallel zum Landwehrkanal verlaufenden Müller-Breslau-Straße bis zur Hardenbergstraße grenzt die Fasanenstraße an den südlichen Campus der Technischen Universität Berlin (TUB). Im nördlichsten Teil dieses sehr uneinheitlich bebauten Abschnitts sind Institute der TUB angesiedelt wie das Institut für Kraftwerkstechnik und Apparatebau (KWT) im ehemaligen Kraft- und Fernheizwerk (um 1884, Fasanenstraße 1) sowie das Kessel- und Maschinenhaus (um 1884, Fasanenstraße 1a).

Im Rahmen des 2009 beschlossenen Masterplan Universitäts-Campus City West (UCCW) soll dieser Bereich der Fasanenstraße als zusätzlicher Schwerpunkt im östlichen Unicampus aktiviert berlin.de und durch entsprechende publikumsbezogene Nutzungen zu einer Promenade der Künste und Wissenschaften entwickelt werden.Stadtplanerische Konzepte – Leitbild City West (PDF; 917 kB) stadtentwicklung.berlin.de

mini|links|Zentralbibliothek der TU und UdK, Fasanenstraße Ecke Hertzallee

Vor der Einmündung der Hertzallee, die als Fußgängerstraße über das Campusgelände bis zum Ernst-Reuter-Platz ausgebaut werden soll, und gegenüber dem Campus der Universität steht die 2005 eingeweihte gemeinsame Bibliothek der TUB und UdK, die Volkswagen-Bibliothek (Architekten: Lothar Jeromin, Walter A. Noebel).

In diesem Abschnitt hatte Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff im Jahr 1742 für Friedrich II. eine Fasanerie angelegt, die sternförmig mit Wegen durchkreuzt war. Den Hauptweg der Fasanerie bildete die heutige Hertzallee und deren Verlängerung auf den TU-Campus. In den Jahren 1846/1847 legte Peter Joseph Lenné anstelle der Fasanerie ein Hippodrom an, das die Fläche zwischen Fasanenstraße, Hertzallee und Müller-Breslau-Straße einnahm. Im Osten reichte der Reitplatz bis in das heutige Zoogelände hinein. Lennés Gestaltung wurde 1875 durch den Bau der Berliner Stadtbahn beeinträchtigt, die das östliche Drittel abtrennte. Sie blieb aber in Teilen bis 1945 bestehen, wobei der größere, westliche Teil als Sportplatz diente.

Auf dem 14.000 m² großen Gelände des alten Wirtschaftshofs des Zoologischen Garten an der Hertzallee wollte die eigens gegründete Gesellschaft World Wheel Berlin bis 2012 ein 175 Meter hohes Riesenrad errichten. Die städtebauliche Entwicklung des Umfeldes sollte hierbei mit dem Riesenrad in Einklang gebracht werden. Der Zoo wurde zur Hälfte am Grundstückserlös beteiligt, den das Land Berlin erzielt hatte und konnte damit einen Neubau auf der Nordfläche des alten Geländes errichten. Zu Füßen des Riesenrades sollte ein Busparkplatz entstehen, wobei das Verkehrskonzept des Berliner Senats davon ausging, dass die überwiegende Zahl der erwarteten zwei Millionen Besucher jährlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreist. Das Projekt wurde eingestellt.Berlin will Grundstück am Zoo zurückkaufen. In: Berliner Zeitung, 17. Juli 2012.

Südlich der Hertzallee auf der westlichen Straßenseite befindet sich der 1902 fertiggestellte Altbau der ehemaligen Hochschule für Musik (heute Teil der Universität der Künste Berlin, UdK); Architekten: Heinrich Kayser und Karl von Großheim.

mini|links|Konzertsaal der Udk mini|Skulptur von Hans Nagel

Auf dem Gelände des vorderen Bauteils der ehemaligen Musikhochschule an der Ecke Hardenbergstraße steht der zwischen 1952 und 1954 errichtete Konzertsaal der UdK (Architekt: Paul Gotthilf Reinhold Baumgarten). Der unter Denkmalschutz stehende Saal mit seinen 1360 Plätzen und bemerkenswerter Akustik war einer der ersten größeren Nachkriegsbauten in West-Berlin. Baumgarten nahm stilistisch wenig Rücksicht auf die benachbarten Altbauten und setzte vor allem auf Leichtigkeit und Transparenz. Dem Konzertsaal ist an der Hardenbergstraße ein zweigeschossiger verglaster Flachbau als Foyer vorgelagert, durch dessen Fenster die Treppenanlagen sichtbar sind. Die tagsüber eher unauffällige Fassade entfaltet ihre Wirkung bei Dunkelheit, wenn das Licht aus dem Foyer nach außen dringt. An der Fasanenstraße ist die Fassade schlicht und hell mit einfachen Fenstern gestaltet. Von dieser Seite aus ist auch das geschwungene Saaldach zu erkennen. Vor dem Gebäude befindet sich am Rande des Vorplatzes eine schwarze Skulptur von Hans Nagel aus PVC.

mini|Ein Teil des Skulpturenensembles Stadtzeichen (Raumzeichen) mini|Effizienzhaus Plus mit weiterer Hajek-Plastik, Fasanenstraße 87

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite zwischen Hertzallee und Hardenbergstraße zeichnet sich der Nachkriegsbau des Berliner Dienstgebäudes des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (BBR) und der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben allenfalls durch seine Unauffälligkeit aus. Davor und im Innenhof befindet sich das Skulpturenensemble Stadtzeichen (Raumzeichen) von Otto Herbert Hajek. Das umliegende Areal gerät immer wieder in den Fokus von Stadtplanern, die die gute innerstädtische Lage für zukunftsweisende Bebauungslösungen nutzen wollen. Auf dem Gelände sollte z. B. laut Plänen von Florian Mausbach, dem Präsidenten des BBR, und dem Architekten Josef Paul Kleihues aus dem Jahr 1999 eine Ortslage namens Europolis errichtet werden. Er sollte aus etwa einem Dutzend Neubaublöcken bestehen, die eine Art Central Park im Kleinformat umrahmen, gekrönt von einem 300 Meter hohen Wohnturm. Auch dieses Projekt wurde nicht weiter verfolgt.

Zwischen Ende 2011 und Mitte 2013 konnte das für die Dauer von 15 Monaten von einer Familie bewohnte Effizienzhaus Plus mit Elektromobilität von außen besichtigt werden. Das großflächig verglaste Gebäude erzeugte mehr Energie als es verbrauchte und bot somit einen Blick in die Zukunft des Wohnens. Die überschüssige Energie wurde in Hochleistungsbatterien gespeichert und unter anderem für die Aufladung von Elektrofahrzeuge genutzt.

Hardenbergstraße bis Kantstraße mini|links|Ludwig-Erhard-Haus, von Norden gesehen

An der Ecke zur Hardenbergstraße steht das ehemalige Gebäude der Industrie- und Handelskammer (1954/1955; Architekten: Franz Heinrich Sobotka und Gustav Müller), dem sich an der Fasanenstraße ein zugehöriger Neubau anschließt: das architektonisch außergewöhnliche Ludwig-Erhard-Haus (1994–1998; Architekt: Nicholas Grimshaw) – im Volksmund „Gürteltier“ genannt. Auf einem Teil des heutigen Grundstücks des Ludwig-Erhard-Hauses stand zuvor das Vereinshaus der Berliner Kaufleute und Industriellen, ein Baudenkmal der 1950er Jahre.

Gegenüber dem Ludwig-Erhard-Haus, im früheren Gebäude der Deutschen Ueberseeischen Bank, befindet sich die Bibliothek des Konservatismus, eine wissenschaftliche Spezialbibliothek, die das gesamte geistesgeschichtliche Spektrum des Konservatismus erschließt.

Über einen begrünten Innenhof mit Restaurant, unter dem sich eine Tiefgarage befindet, ist die Fasanenstraße nebenan mit der parallel verlaufenden Uhlandstraße verbunden.

mini|Theater des Westens an der Kantstraße von der Fasanenstraße gesehen

Das 1930 eröffnete und bei Geschäftsleuten und Prominenten, die auf Luxus in Verbindung mit Diskretion Wert legen, beliebte Savoy Hotel kurz vor der Ecke Kantstraße galt zu Zeiten des Kalten Krieges als beliebtes Quartier für Mitarbeiter westlicher Geheimdienste. In der ehemaligen Havanna Bar des Hotels, die 1984 den Namen Times Bar aufgrund einer zentralen Säule erhielt, an der die Uhrzeiten der Metropolen der Welt angezeigt werden, verkehrte unter anderem bereits Thomas Mann. Schräg gegenüber befindet sich etwas erhöht der traditionsreiche, an das Theater des Westens angrenzende Delphi Filmpalast (1927/1928; Architekt: Bernhard Sehring). Das Delphi-Palais, wie es damals hieß, wurde als Tanzlokal errichtet und nach starker Kriegszerstörung durch Fliegerbomben im Jahr 1943 bereits kurz nach Kriegsende wieder für Tanzveranstaltungen genutzt, die anfänglich im Erdgeschoss stattfanden. Außerdem lockten Jazz-Jamsessions interessierte Berliner und Besatzungssoldaten hierher. Künstler, die hier musizierten, waren Helmut Zacharias und Fritz Schulz-Reichel am Klavier. In den Jahren 1948/1949 waren alle Kriegsschäden beseitigt und die Einrichtung wurde zum Kino Delphi – Filmpalast am Zoo mit rund 1200 Plätzen (1981 auf 725 Plätze reduziert). Bei den Reparatur- und Umbauarbeiten erhielt das Gebäude seinen ursprünglich zur Kantstraße gelegenen Haupteingang nun an der Fasanenstraße.Steinmann: Sonntagsspaziergänge 2, S. 90. Damals hatte es die größte Leinwand und die modernste technische Kinoausrüstung Berlins. Ava Gardner, Gary Cooper und James Stewart feierten hier Premieren und brachten etwas Hollywood-Glamour in die Fasanenstraße. In den 2010er Jahren ist der Delphi-Filmpalast als Filmkunstkino mit gehobenem Filmangebot eine Institution in Berlin und eines der wenigen Berliner Kinos mit Vorführtechnik für klassische 70-mm-Filme. Der ursprüngliche Betreiber Walter Jonigkeit (1907–2009) residierte noch mit 102 Jahren bis kurz vor seinem Tod im Büro seines Kinos.

Vom Theatergarten und heutigen Biergarten an der Ecke zur Kantstraße ist der prunkvolle ursprüngliche Haupteingang des Theaters des Westens (1895/1896; Architekt: Bernhard Sehring) zu sehen, der über die Kaisertreppe erreicht wurde. In dem Haus war Anfang der 1920er Jahre die Große Volksoper untergebracht. Die Gartenanlage, die Kaisertreppe, sowie die historischen Fassaden des Delphi wurden 1997/1998 rekonstruiert.

Unterhalb des Delphi befindet sich der Jazzkeller Quasimodo, einer der ältesten Berliner Jazzclubs, in dem seit 1969 Lifemusik (Jazz, Funk, Soul, Latin, Blues, Rock) gespielt wird. Im Erdgeschoss zur Kantstraße hin gibt es ein gleichnamiges und mit dem Kino verbundenes Café.

Die Künstlerbewegung Berliner Secession um Max Liebermann, Max Slevogt, Lesser Ury und Lovis Corinth wurde 1899 in einem von März bis April 1899 von dem Architekten Hans Grisebach errichteten ersten Ausstellungshaus auf dem späteren Delphi-Gelände an der Kantstraße 12 gegründet. Dort wurden von der Eröffnung am 20. Mai 1899 bis zum Umzug zum Kurfürstendamm 208/209 im Jahr 1905 Werke damals umstrittener Künstler gezeigt.

Das zwischen 1954 und 1956 errichtete Büro- und Geschäftshaus (Volkswohlbund-Haus; Architekt: Curt Hans Fritzsche) Kantstraße 13 bildet die nordwestliche Ecke zur Kantstraße. Als typisches Beispiel für die Architektur der 1950er Jahre steht es heute unter Denkmalschutz. Kennzeichnend sind die horizontale Gliederung durch Fensterbänder, einen Balkon im ersten Obergeschoss und das auskragende Dachgesims. Die Ecke wird durch die Abrundung und eine vertikale Fensteranordnung mit Lisenen betont und von einer Rotunde auf dem Dach als Dominante und höchstem Element bekrönt. Das Gebäude wurde 2006 restauriert und mit einem stilistisch angepassten Dachaufbau erweitert.

Kantstraße bis Kurfürstendamm Zwischen Kantstraße und Kurfürstendamm befindet sich eine Reihe interessanter Bauten:

Kant-Dreieck