Die Paal-Knorr-Synthese ist eine Namensreaktion der organischen Chemie, die 1884 von Ludwig Knorr und Carl Paal erstmals beschrieben wurde. Das Verfahren dient der Synthese von fünfgliedrigen Heterocyclen, also substituierten Furanen, Thiophenen und Pyrrolen, ausgehend von 1,4-Diketonen (γ-Diketonen).

Übersichtsreaktionen Bei der Paal-Knorr-Synthese werden 1,4-Diketone entweder mit Säurekatalysatoren, Aminen oder Phosphor(V)-sulfid zu heteroaromatischen Heterocyclopentadienen umgesetzt.

Die Furan-Synthese benötigt Säurekatalysatoren,T.L. Gilchrist: Heterocyclic chemistry. ISBN 0-582-01421-2. es entstehen 2,5-disubstituierte Furane:

rahmenlos|hochkant=1.6|zentriert|Übersichtsreaktion der Paal-Knorr-Furan-Synthese

Bei der Pyrrol-Synthese entstehen durch den Einsatz von primären Aminen 2,5-substituierte Pyrrole:

rahmenlos|hochkant=1.7|zentriert|Übersichtsreaktion der Paal-Knorr-Pyrrol-Synthese

Für die Herstellung 2,5-disubstituierter Thiophene wird Phosphor(V)-sulfid benötigt:

rahmenlos|hochkant=1.6|zentriert|Übersichtsreaktion der Thiophen-Synthese aus 1,4-Diketonen

Bei den Verbindungen sind die Reste R diverse Organylreste, z. B. Alkylreste.

Mechanismus Furan-Synthese Im ersten Schritt wird eine Carbonylgruppe des Diketons 1 protoniert, wodurch das Kation 2 gebildet wird. Im darauffolgenden Schritt wird das Sauerstoffatom der anderen Carbonylgruppe nukleophil unter Ringschluss an die protonierte Carbonylgruppe addiert. Gleichzeitig spaltet sich ein Proton ab, wodurch das Hydroxyfuran 3 entsteht:

rahmenlos|zentriert|hochkant=2.6|Mechanismus der Paal-Knorr-Furan-Synthese, Teil 1

Die Hydroxygruppe des Hydroxyfurans 3 wird protoniert, sodass die reaktive Zwischenstufe 4 gebildet wird. Diese reagiert durch Dehydratisierung und Deprotonierung weiter zum Furan 5:

rahmenlos|zentriert|hochkant=2.6|Mechanismus der Paal-Knorr-Furan-Synthese, Teil 2

Pyrrol-Synthese Nach Amaraths Veröffentlichung findet der Mechanismus wahrscheinlich als direkte Einführung eines Halbaminals statt. Gestützt wird diese Annahme von seinen Forschungsergebnissen, nach denen die stereochemische Konfiguration der Ausgangsverbindung erhalten bleibt.

Es ist anzunehmen, dass zunächst eine nukleophile Addition des Amins als Nukleophil an das Kohlenstoffatom einer Carbonylgruppe des Diketons 1 erfolgt. Es entsteht eine reaktive Zwischenstufe 2, die durch Protonentransfer zum Ketoaminol 3 reagiert. Dieses Ketoaminol kann auch als Halbaminal bezeichnet werden, wenn man den Stickstoff mit der Hydroxygruppe vordergründig betrachtet.

rahmenlos|zentriert|hochkant=2.9|Mechanismus der Paal-Knorr-Pyrrol-Synthese

Im nächsten Schritt findet eine weitere nukleophile Addition statt. Der Stickstoff des Aminols 3 wird unter Ringschluss nukleophil an die zweite Carbonylgruppe addiert und reagiert zu einer polaren Zwischenstufe 4. Durch Protonierung des Sauerstoffatoms mit gleichzeitiger Deprotonierung des Stickstoffs, bildet sich das Diaminol 5. Unter Dehydratisierung entsteht das Pyrrolderivat 6.

Thiophen-Synthese Ein möglicher Mechanismus der Synthese eines Thiophens wurde von Foye vorgeschlagen.

rahmenlos|zentriert|hochkant=2.8|Mechanismus der Thiophen-Synthese (Teil 1)

Zunächst wird das 1,4-Diketon 1 mit Phosphor(V)-sulfid versetzt. Phosphorpentasulfid ist ein Thionierungs- und Dehydratisierungs-Reagenz, was die Bildung von Furan begünstigen könnte. Jedoch hat Foye experimentell herausgefunden, dass Furan kein Zwischenprodukt der Thiophen-Synthese ist. Durch die Einführung von Schwefel in die Dicarbonylverbindung 1 reagiert diese zum Thioketon 2. Das Sauerstoffatom wird protoniert, sodass das Kation 3 gebildet wird.

rahmenlos|zentriert|hochkant=2.8|Mechanismus der Thiophen-Synthese (Teil 2)

Der Schwefel greift das Kohlenstoffatom der Hydroxygruppe nukleophil an, worauf unter Deprotonierung der Verbindung 3 das heterocyclische Thiohalbacetal 4 entsteht. Dessen Abspaltung von Wasser erfolgt unter Bildung des 2,5-disubstituierten Thiophens 5.

Einzelnachweise

Weblinks

Paal-Knorr-Furan-Synthese Paal-Knorr-Pyrrol-Synthese Paal-Knorr-Thiophen-Synthese

Kategorie:Namensreaktion