mini|Marktplatz im Ortszentrum mit Haus Steinweg 25 und Margarethenkirche
Gehrden ist eine Kleinstadt in der niedersächsischen Region Hannover.
Geografie Lage Die Stadt Gehrden befindet sich im Calenberger Land. Westlich der Kernstadt liegt der langgestreckte Gehrdener Berg mit den Erhebungen Köthnerberg, Suerser Berg, Kniggenberg und dem Burgberg als höchste Erhebung mit einer Höhe von . Dementsprechend wird Gehrden auch als die „Burgberg-Stadt“ bezeichnet. Die höchste Erhebung ist der östlich der Gehrdener Ortsteile Everloh und Northen gelegene Benther Berg bei der Ortschaft Benthe (Stadt Ronnenberg) mit . Die Stadt Gehrden selbst liegt auf einer Höhe von 70–90 m ü. NHN. Östlich von ihr fließt das Gewässer Haferriede vorbei. In der Nähe liegt der Höhenzug Deister, der ein beliebtes Naherholungsgebiet ist. Gehrden ist ca. 13 Kilometer Luftlinie vom Stadtzentrum von Hannover entfernt.
Stadtgliederung Die Stadt Gehrden besteht aus folgenden Ortschaften: Gehrden (Kernort) Lenthe Northen Everloh Ditterke Redderse Leveste Lemmie
Gehrden zeichnet sich durch eine überwiegend kleinteilige Wohnbebauung aus. Der Großteil der Wohngebäude besteht aus selbst genutzten Einfamilienhäusern. Die Fußgängerzone liegt im Zentrum von Gehrden. Dort finden sich unter anderem Einzelhandelsgeschäfte, Restaurants und Dienstleistungsunternehmen. Abseits der Fußgängerzone liegt das Gehrden Carré, ein Geschäfts- und Gesundheitszentrum an der Schulstraße.
Leveste ist mit 1600 Einwohnern die nach der Kernstadt zweitgrößte Ortschaft der Stadt Gehrden.
Nachbargemeinden
Geschichte Vor- und Frühgeschichte Im Gebiet der heutigen Stadt Gehrden herrschten durch die Lage innerhalb der Calenberger Lößbörde mit fruchtbaren Böden günstige Siedlungsbedingungen. Bronzezeitliche Siedlungsspuren entdeckten Archäologen im Jahre 2014 bei der Erschließung des Neubaugebietes Großes Neddernholz rund einen Kilometer östlich des Ortszentrums. Anhand von Bodenverfärbungen waren Pfostengruben von kleinen Speicherbauten und einem annähernd 30 Meter langem Langhaus zu erkennen. Es fanden sich auch Siedlungsgruben mit Resten von Keramikgefäßen und Tierknochen sowie Feuerstellen. Obwohl die Funde zunächst keine genaue Datierung zuließen, wird angenommen, dass die Siedlung vor etwa 3000 Jahren bestand.Dirk Wirausky: in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 6. August 2014
Auf die Anwesenheit römischen Militärs zur Zeit um Christi Geburt deutet der Schatzfund von Gehrden mit 30 römischen Silbermünzen am Hang des Suerser Berges. Auf dem Burgberg befand sich der Ringwall auf dem Gehrdener Berg, dessen Entstehungs- und Nutzungszeit im Zeitraum zwischen Christi Geburt und dem Frühmittelalter vermutet wird. Etwa vom 3. bis 7. Jahrhundert bestand die Germanische Siedlung Gehrden, die bei Ausgrabungen in einem Gewerbegebiet etwa 1,3 km nördlich vom Ortszentrum entdeckt wurde.Auf den Spuren der Germanen in Gehrden in Neue Presse vom 21. September 2011. Aufgrund der reichhaltigen Funde gehen Archäologen davon aus, dass hier Angehörige einer germanischen Elite gelebtEin germanischer Big Man in Gehrden? in Archäologie online vom 28. September 2011. und den in West-Ost-Richtung vorbeiführenden Hellweg kontrolliert haben.Ute Bartelt: In bester Lage - eine Siedlung des 1. Jahrtausends von Gehrden am Hellweg. In: Babette Ludowici (Hrsg.): Saxones, Theiss, Darmstadt 2019, S. 87–88 Aus Westfalen kommend verlief er aus Richtung Leveste über Gehrden nach Ronnenberg und dann über Pattensen weiter nach Hildesheim.Peter Kühlechner: Der Hellweg bei leveste.gehrden.de Bei Gehrden passierte er eine etwa zwei Kilometer breite Engstelle zwischen dem Gehrdener und dem Benther Berg. Archäologen nehmen an, dass die Verbindung bereits um Christi Geburt genutzt wurde.Catalina Grobe: Die Skelette vom Gehrdener Berg: Was wir bislang über die Toten wissen in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 11. Juni 2026 Wegen der zahlreichen Bodenfunde halten Archäologen das Gehrdener Gebiet für einen „Hotspot“ im ersten Jahrtausend nach Christus.Catalina Grobe: Römische Münzen, germanische Eliten, alte Gräber: „Gehrden war im ersten Jahrtausend wirklich ein Hotspot“ in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 15. Juni 2026.
Mittelalter bis 19. Jahrhundert mini|Archäologisch freigelegte frühmittelalterliche Körpergräber, 2026 Zwei merowingerzeitliche Körpergräber aus dem 7. Jahrhundert wurden 1997 am Hang des Burgbergs entdeckt. Ebenfalls an dem Hang nahe dem Matthias-Claudius-Gymnasium fanden sich im Jahr 2026 sieben frühmittelalterliche Körpergräber aus dem 7. bis 9. Jahrhundert.Bei Bauarbeiten in Gehrden: Sieben menschliche Skelette gefunden bei ndr.de vom 8. Juni 2026 Seit dem Bebauungsbeginn in den 1950er Jahren gibt es am östlichen Hang des Gehrdener Bergs Funde von menschlichen Knochen und von Hunde- sowie Pferdeskeletten. Das deutet darauf hin, dass dieses Gebiet über Jahrhunderte als Gräberfeld genutzt wurde.Catalina Grobe: Die Skelette vom Gehrdener Berg: Was wir bislang über die Toten wissen in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 11. Juni 2026
Siedlungsspuren aus dem 9. Jahrhundert im Stadtkern zeugen davon, dass die Faktoren trockener Baugrund, Ackerflächen, Wasser und Grünland die Ansiedlung am Fuß des Gehrdener Berges während der mittelalterlichen Rodungszeit begünstigten.
In einer 1154 von Herzog Heinrich der Löwe in Goslar ausgestellten Urkunde wird ein Gerhardus von Gerdine (Gerhard von Gehrden) genannt. Das Jahr gilt als erste urkundliche Erwähnung Gehrdens. Später wird im 14. Jahrhundert mehrfach ein Arnold von Gehrden genannt. Historiker sehen die Familie von Gehrden als Angehörige des niederen Adels an.Antje Bismark: Von der Siedlung bis zur Stadt: Feiert Gehrden in vier Jahren ein Jubiläum? in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 23. Juli 2025
Der Ortsname Gehrden lautet in alten Urkunden „Gerdinum“, später „Gerdene“, „Gherden“, „Gherdene“, „Gerde“ und „Herden“. Er wird auf das Wort „gerd“ zurückgeführt, das vom altsächsischen Wort „gard“ für Garten abgeleitet ist und ursprünglich umhegte Malstatt bedeutete. Hinzu tritt das altfränkische Wort inun bzw. ene für Wohnung. Dementsprechend wird Gehrden als „Siedlung bei der Malstatt“ (Gerichtsstätte) gedeutet. Auf die Malstatt weisen, abgesehen von dem noch 1353 bestätigten Gericht und der „Dingbuche“ (1359), noch heute unterschiedliche Flurnamen hin, wie der „hillige Kamp“, „achter dem Recht“ und „Wulfwinkel“.
mini|Rest des früheren Befestigungswalls um den Ort, parallel zum Zaun verlaufend
In einer Urkunde vom 28. Januar 1298 verlieh Graf Adolf VI. von Schauenburg und Holstein als Oberherr seinem Flecken Gehrden (oppidum nostrum) ein Immunitäts-Privilegium. Darin erklärte er den Ort für frei und erteilte insbesondere Sicherheit und Freiheit allen, die darin wohnten und wohnen wollten. Adolf VI. gab zugleich seinen hier wohnenden Leibeigenen die Freiheit, indem er ihnen die Schatzungen erließ und sich selbst nur seine vogteilichen Rechte vorbehielt. Der Ort erhielt einen Markt, das Braurecht, eigene Gerichtsbarkeit und das Befestigungsrecht.Dirk Wirausky: Spielzeug ist das älteste Fundstück in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 12. April 2017 Zuvor war schon um 1250 die Margarethenkirche entstanden. In einer späteren Urkunde vom 29. September 1332 bezeichnet Adolf VII. Gehrden als Weichbild und beschreibt dessen Vogtei-, Feld- und Weiderechte. Gehrden war im Mittelalter durch einen umlaufenden Wall mit Palisadenzaun sowie vorgelagertem Graben und Wallhecke befestigt. Ein kleiner Wallabschnitt hat sich südlich der Altstadt erhalten.Mit Rainer Piesch der Geschichte Gehrdens auf der Spur in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 28. Dezember 2025 Zur Befestigung gehörten das Spehrtor, das Suerser Tor und das Nedderntor als Stadttore, die bis ins 19. Jahrhundert bestanden. Außerdem gab es im weiteren Vorfeld drei Landwehren.
Dass im Ortskern bereits im 12. Jahrhundert kontinuierlich gesiedelt wurde, ergaben stadtarchäologischen Untersuchungen im Jahr 2016.Ingo Rodriguez Gehrdens Stadtgeschichte wird verlängert in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 11. Oktober 2016 Bei den Ausgrabungen auf einem zur Neubebauung vorgesehenen Grundstück wurden mittelalterliche Siedlungsspuren festgestellt.Siedlungsgeschichte tritt zu Tage bei hannover.de vom 25. August 2016 Dazu zählten Reste eines Befestigungswalls, ein unterkellertes Haus und fünf Brunnen.Holzreste an Brunnen lassen Einblick in frühe Siedlungsgeschichte zu bei Calenberger online news vom 11. Oktober 2016 (pdf) Eine dendrochronologische Datierung der hölzernen Brunnenreste ergab, dass die verwendete Bäume in den Jahren 1136, 1137 und 1143 gefällt wurden.Archäologen legen unter Marktplatzpflaster alten Brunnen frei in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 30. März 2020 Eine gefundene Ritterfigur aus Ton wird in das 14. Jahrhundert datiert und als Kinderspielzeug angesehen.Maximilian Hett: Archäologen erforschen die Keimzelle von Gehrden bei Norddeutscher Rundfunk vom 24. August 2016
mini|Bei Ausgrabungen auf dem Marktplatz freigelegte Fundamentreste eines frühneuzeitlichen Gebäudes, 2020 mini|Brauereiteich nach der Umgestaltung, 2024 Im Jahr 2020 fanden sich bei Sanierungsarbeiten auf dem Marktplatz neben der Margarethenkirche und dem Haus Steinweg 25 weitere archäologische Reste. Dabei handelte es sich um einen in Sandstein gefassten Brunnen aus der Zeit des 17. bis 19. Jahrhunderts, Knochenreste von 31 bestatteten Menschen auf dem Kirchhof der MargarethenkircheDirk Wirausky, Rainer Piesch: Die sterblichen Überreste von 31 Menschen sind nach mehr als 170 Jahren bestattet worden in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 6. September 2022 und Fundamentreste eines frühneuzeitlichen Gebäudes. Es könnte sich um das in den 1970er Jahren abgerissene Haus Schaumann oder dessen Vorgängerbau handeln.Dirk Wirausky: Sanierung des Marktplatzes kommt gut voran in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 17. Juni 2020 Laut der die Ausgrabungen leitenden Archäologin Ute Bartelt war der Marktplatz früher bedeutend kleiner als heute.Thea Schmidt: Archäologische Funde: So hat der Marktplatz früher einmal ausgesehen in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 15. Mai 2022 Bei Tiefbauarbeiten für einen Anbau am Rathaus Gehrden wurden 2026 spätmittelalterliche Siedlungsreste und zwei Brunnen gefunden.Erster Spatenstich für Rathausanbau – Archäologische Funde bremsen Bauarbeiten aus bei leine-on.de vom 20. August 2026
In den Jahren 1467, 1562, 1568, 1628 und 1669 wurde die Gemeinde infolge mehrerer Fehden und Feuersbrünste verwüstet. Um auf Brände vorbereitet zu sein, wurde schon im Jahr 1754 eine Bestimmung für die Feuerlöschung erlassen. Im Jahr 1689 hatte Gehrden 591 Einwohner, von denen 93 als Gesinde arbeiteten und 41 als Häuslinge zur Miete wohnten. Es gab 101 Höfe, darunter sieben Vollmeier, 16 Halbmeier und 47 Kötner. Die meisten Kötner als Kleinbauern betrieben zusätzlich ein Handwerk.
Gehrden besaß seit 1298 das Braurecht, gegen das die hannoversche Brauergilde aus Monopolgründen einen Prozess anstrengte und 1694 verlor. Die Brauberechtigten erbauten ein Brauhaus, in dem sie abwechselnd brauten. 1665 wurde es wegen eines Brandes neu erbaut. Heute befindet sich darin das Stadtmuseum Gehrden. Seit 1666 belieferte das kleine Gewässer des Brauereiteichs das Brauhaus mit Wasser, was zunächst in einem offenen Graben und später durch Holzrohre erfolgte.Dirk Wirausky: So sieht der umgestaltete Brauereiteich in Gehrden aus in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 27. August 2023 1776 gab es 102 Brauberechtigte im Ort.
Während des Siebenjährigen Krieges besetzten 1757 französische Truppen nach der Schlacht bei Hastenbeck das nahe liegende Hannover. In der Folge bekam Gehrden eine Einquartierung von 2200 französischen Soldaten. Während der Franzosenzeit belasteten in den Jahren 1803–1807 französische und russische Einquartierungen den Ort.Einquartierungen von 1803 bis 1807 in Gehrden und in den Dörfern bei heimatbund-gehrden.de