Lemgo (niederdeutsch: Lemge, Lemje) ist eine Hochschulstadt mit Einwohnern. Sie ist die älteste und drittgrößte Stadt des Kreises Lippe und liegt 25 Kilometer östlich von Bielefeld mitten in der Region Ostwestfalen-Lippe. Die Stadt gehört zum Regierungsbezirk Detmold im Nordosten von Nordrhein-Westfalen.
Lemgo wurde 1190 an einem Kreuzungspunkt wichtiger Handelswege als Planstadt durch die Herren zu Lippe gegründet. Damit ist der Ort neben dem heute im Kreis Soest liegenden Lippstadt eine der ältesten lippischen Städte. Lemgo besitzt seit 1245 die Stadtrechte, war im Spätmittelalter Mitglied der Hanse und nennt sich daher auch Alte Hansestadt Lemgo. Diese Würdigung erfolgte 1916 durch den Fürsten Leopold IV. zu Lippe und war seinerzeit ein Politikum. Das Stadtbild wird durch zahlreiche spätmittelalterliche Bauwerke geprägt. Bis 1973 war Lemgo Sitz der Verwaltung des Kreises Lemgo, der im Rahmen einer Kreisgebietsreform im Kreis Lippe aufging. Seit 1980 ist Lemgo Sitz des Landesverbandes Lippe.
Lemgo ist Sitz der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe (TH OWL) und hat sich mit dem Innovation Campus Lemgo zu einem der drei regionalen Leistungszentren in dem Technologienetzwerk Intelligente Technische Systeme Ostwestfalen-Lippe entwickelt. Überregional bekannt ist der Ort auch durch die Erfolge der Bundesligahandballmannschaft des TBV Lemgo. Die Stadt grenzt an das ländliche Umfeld des Lipper Berglandes. Größte Erwerbszweige sind die Metallverarbeitung, die Fabrikation von Dentalinstrumenten, der Maschinenbau, die Industrieelektronik sowie der Dienstleistungsbereich.
Anlässlich des 500. Jubiläums der Reformation wurde Lemgo 2016 als 52. Stadt von 102 Städten in 17 Ländern (Stand: März 2021) der Ehrentitel „Reformationsstadt Europas“ durch die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa verliehen.Stadtporträt des Projekts „Reformationsstädte Europas“: Reformationsstadt Lemgo. Deutschland. Eine „Zwei-Klassen-Gesellschaft“. In: abgerufen am 18. November 2016. Zur Bedeutung Lemgos in der Reformationsgeschichte siehe die Abschnitte Reformation und Hexenverfolgung und Religionen sowie das Stadtporträt des Projekts „Europäischer Stationenweg“: In: r2017.org/europaeischer-stationenweg, abgerufen am 18. November 2016.
Geographie Geographische Lage mini|Luftbild der Altstadt von Lemgo mini|Marktplatz in Lemgo mini|Waisenhausplatz mit Pfarrkirche St. Nicolai mini|Rathaus mit Nicolaikirche im Jahr 1972
Lemgo liegt im Tal der Bega im hügeligen Lipper Bergland, einem Mittelgebirge im Norden des Kreises Lippe, im Nordosten des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. Das Gebiet am Nordsaum der Mittelgebirgsschwelle wird im Norden durch das Wiehengebirge, im Süden durch den Teutoburger Wald und im Osten durch die Weser begrenzt und gehört naturräumlich zum Weserbergland. Obwohl die Stadt im Tal gegründet wurde, zieht sie sich auf die umliegenden Höhen der Berge hinauf und nimmt spätestens seit den Eingemeindungen eine große Fläche im Lipper Bergland ein. Die tiefste Stelle liegt auf im Tal der Bega auf der Grenze zu Bad Salzuflen im Ortsteil Lieme. Der höchste Punkt des Stadtgebiets ist der Windelstein mit in der Lemgoer Mark östlich der Kernstadt.Statistische Angaben. In: lemgo.net. Alte Hansestadt Lemgo, abgerufen am 9. Februar 2025.
Die nächsten größeren Städte sind im Norden Minden (29 km Entfernung), im Westen Bielefeld (25 km) und im Süden Detmold (10 km) und Paderborn (35 km). Der umgebende Landesteil Lippe gehört zur Region Ostwestfalen-Lippe.
*Entfernungsangaben beziehen sich jeweils auf die Entfernung zum Ortskern per Luftlinie.
Lemgos Altstadt liegt am Nordufer der Bega, eines rechten Nebenflusses der hier von Ost nach West fließenden Werre.
Geologie mini|Geothermische Karte von Lemgo (2008) Die Stadt liegt im Lemgoer Talbecken, einer von der Bega entwässerten Niederung. Diese Vertiefung ist in der Eiszeit durch eine Grundmoräne und danach durch Flussablagerungen aufgefüllt worden. Die Oberfläche ist mit Löß bedeckt. Darunter sind Schichten aus Tonmergel, Kalk- und Sandgestein (speziell Planicosta-Sandstein) des Erdmittelalters zu finden. Im Verlauf der Erdgeschichte wurden diese Sedimentgesteine herausgehoben und bilden Sättel, Mulden, Horste und Gräben. Im Untergrund sind die Gesteinsschichten durchaus nebeneinander angeordnet. Im tiefen Untergrund sind Steinsalz und Gips gelöst, so dass dort trichterförmige Einsenkungen vorzufinden sein könnten.
Lemgos Stadtgebiet eignet sich vornehmlich im nordwestlichen und südwestlichen Gemeindeteil sehr gut, sonst weitestgehend gut zur Nutzung von geothermischen Wärmequellen mittels Erdwärmesonde und Wärmegewinnung durch Wärmepumpenheizungen. Lediglich vereinzelte Standorte sind nicht geeignet (vgl. dazu die geothermische Karte von Lemgo).
Ausdehnung und Nutzung des Stadtgebiets Lemgo liegt im ländlich geprägten Lipperland; der größte Anteil des Stadtgebietes wird landwirtschaftlich genutzt, dann folgt die Waldnutzung. Siedlungs- und Verkehrsflächen nehmen rund 20 % ein.
Mit Eingemeindungen erstreckt sich das Stadtgebiet auf rund 101 km². In Nord-Süd-Richtung erstreckt sich Lemgo maximal über 14,3 km, in Ost-West-Richtung maximal über 13,1 km.
Die Flächennutzung ist der folgenden Tabelle zu entnehmen:
Fläche nach Nutzungsart Fläche in ha Anteil an Gesamtfläche Landwirtschaftsfläche 5638 55,9 % Waldfläche 2253 22,3 % Siedlungs- und Verkehrsfläche 2098 20,8 % Wasserfläche 79 0,8 % sonstige Nutzung 17 0,2 % Stand: 31. Dezember 2013
Nachbargemeinden Lemgo liegt zentral im Kreis Lippe und grenzt im Uhrzeigersinn beginnend im Norden an die Städte und Gemeinden Kalletal, Dörentrup, Blomberg, Detmold, Lage, Bad Salzuflen (alle Kreis Lippe) und Vlotho (Kreis Herford).
Stadtgliederung
mini|Ortsteile von Lemgo
Die Stadt gliedert sich seit der Gemeindereform im Landkreis Lemgo am 1. Januar 1969 in 14 Ortsteile, die in der folgenden Tabelle samt Einwohnerzahlen (Haupt- und Nebenwohnsitze) aufgeführt sind. Ende 2016 waren insgesamt 1420 Personen mit Nebenwohnsitz in der Stadt Lemgo gemeldet, Ende 2019 waren dies 1531 Personen. Ortsteile und Bevölkerung mit Haupt- oder Nebenwohnsitz Ortsteile Einwohner (jeweils 31. Dezember) 2004 2006 20102016 2019 Lemgo 27.326 27.699 27.433 27.182 26.877 Brake 5.616 5.203 5.028 4.971 5.022 Brüntorf 737 711 717 664 643 Entrup 1.041 1.000 1.020 967 960 Hörstmar 1.481 1.482 1.433 1.422 1.406 Leese 632 651 671 629 603 Lieme 2.787 2.827 2.708 2.631 2.603 Lüerdissen 726 731 759 731 766 Matorf-Kirchheide 1.492 1.508 1.539 1.506 1.511 Trophagen 203 194 205 186 177 Voßheide 1.286 1.280 1.308 1.175 1.179 Wahmbeck 910 887 879 863 894 Welstorf 207 196 205 177 167 Wiembeck 225 217 210 167 163
Klima mini|Niederschlagsdiagramm für Lemgo Lemgo liegt, wie das ganze Lippische Bergland, im Übergangsbereich vom überwiegend vorherrschenden maritimen Klima und dem schwächer und in dieser Gegend nur zeitweise ausgeprägten Kontinentalklima. Daher sind die Temperaturen und Niederschläge im Jahresverlauf ausgeglichen. Die Sommer sind im Vergleich zum hochkontinentalen Klima eher kühl, die Winter eher warm. Die Stadt liegt im atlantischen Klimabereich, ist mit 799 mm niederschlagsreich und von den Temperaturen her verhältnismäßig ausgeglichen. Dabei schirmt der Teutoburger Wald den Ort vor den vorherrschenden Winden aus West ab, die Niederschläge vom Atlantik heranführen. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt etwa 8,5 °C bis 9 °C.
Geschichte Stadtgründung und spätes Mittelalter mini|Mittelstraße mini|Papenstraße Die erste nachgewiesene Besiedlung konnte im Jahr 2008 durch die Bestimmung des Alters eines kleinen Knochenstücks eines in Ost-West-Richtung bestatteten Leichnams auf dem ehemaligen Friedhof der ursprünglichen St.-Johann-Kirche am heute sogenannten Stumpfen Turm auf die Zeit der Sachsenkriege unter Karl dem Großen um das Jahr 780 datiert werden.Karl der Große als möglicher Urvater von Lemgo. In: Lippische Landes-Zeitung. 19. November 2009. Das Gebiet, in dem die heutige Stadt Lemgo liegt, wurde Anfang des 11. Jahrhunderts Limgauwe oder Limga genannt. Aus der durch Urkunden belegten Besiedlungsgeschichte geht hervor, dass dort im 11. und 12. Jahrhundert mehrere Siedlungen bestanden.Otto Preuß, August Falkmann (Bearb.): Lippische Regesten. 4 Bände. Detmold/Lemgo 1860–1868, hier: Band 1: Vom J. 783 bis zum J. 1300. Meyer, Lemgo/Detmold 1860, , S. 58: Nr. 13 (20. Juli 1005: Lingauwe); S. 59: Nr. 16 (10. April 1011: Limga); S. 83: Nr. 62 (1149: Limego) (). In: archive.org, abgerufen am 29. Dezember 2016. Die Burg Brake wurde schon vor 1190 errichtet, lag aber in einer sumpfigen Flussaue der Bega, die kein geeignetes Gelände für die Anlage einer Stadt bot.
So wurde Lemgo um 1190 nordwestlich davon auf trockenem Gebiet von Bernhard II. gegründet und entwickelte sich dank seiner Lage am Kreuzungspunkt zweier wichtiger HandelswegeHandelswege von Herford nach Hameln (West–Ost) und von Rinteln über Detmold nach Paderborn (Nord–Süd). des Mittelalters für lange Zeit zur größten und bedeutendsten Stadt der Grafschaft Lippe.Karl Meier-Lemgo: Geschichte der Stadt Lemgo. Verlag F. L. Wagener, Lemgo 1952, , S. 10 ff.; 3., erw. und neugestaltete Auflage (= Lippische Städte und Dörfer. Band 1; Sonderveröffentlichungen des Naturwissenschaftlichen und Historischen Vereins für das Land Lippe e. V. Band 9), ebenda 1981, ISBN 3-921428-01-7. 1215 wurde die Pfarrkirche St. Nicolai geweiht.
Im Jahr 1231 erhob die Diözese Paderborn die Stadt zum Sitz des Archidiakons, des bischöflichen Stellvertreters, um 1235 ließ die nun ein eigenes Siegel führende Civitas Münzen prägen. Nachdem Lemgo 1245 das Stadtrecht erworben hatte und das Wandschneiderprivileg dem Gewerbe Vorrechte einräumte, beantragte die Stadt 1295 die Aufnahme in den Hansebund. Doch erst 1324 wurde sie als Hansestadt aufgenommen. Lemgo verband sich daraufhin im sogenannten Kölner Quartier mit den Städten Herford und Bielefeld, um Handel mit Tuchen, Garnen und Leinen zu treiben. Die Handelsbeziehungen der Lemgoer Kaufleute führten über Lübeck bis Visby, Stockholm und Turku in Skandinavien sowie über Bremen und Elberfeld (heute zu Wuppertal) nach Flandern, und Lemgo gewann zusehends an wirtschaftlicher Bedeutung. Zusammen mit Lippstadt konnte es zudem Einfluss auf die gräfliche Politik gewinnen. Auch sicherte sich die Stadt die Kontrolle über die Finanzverwaltung. Zudem spielte die Stadt eine gewisse Rolle bei Landfriedensbündnissen, vor allem, um den Fernhandel zu sichern, und sie nahm in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts auch an Tagfahrten der Hanse teil. Möglicherweise hatte die Stadt um 1300 bereits 3500 Einwohner.
Ähnlich wie Lippstadt wurde Lemgo nach einem Dreistraßenschema angelegt und musste schon um 1265 aufgrund seines wirtschaftlichen Erfolgs durch die Anlage der Neustadt erweitert werden. Dieser Neustadt wurden durch den Edelherrn Simon I. in der am 11. November 1283 datierten Urkunde die gleichen Privilegien zuerkannt wie seinen bestehenden anderen Städten, nämlich Lippstadt, Lemgo (gemeint ist die Altstadt), Horn und Blomberg, die in der Urkunde ausdrücklich benannt wurden. Die Neustadt lag südlich der Altstadt in der feuchten Begaaue und wurde in einem Zweistraßensystem angelegt. Sie war stärker handwerklich geprägt und durch Markierungen von der Altstadt getrennt. 1365 wurden beide Stadtteile vereinigt und mit einem gemeinsamen Graben und Wall gesichert. So ist das Straßensystem aus fünf in Ost-West-Richtung verlaufenden Straßen entstanden, die durch eine Nord-Süd-Achse verbunden sind. Dies gilt als einzigartig im gesamten Raum Lippe und Ostwestfalen.Lippe. 24 Tabellen (= Landeskunde Nordrhein-Westfalen). Im Auftrag des Lippischen Heimatbundes hrsg. von Wilhelm Rinne. Grusswort von Johannes Rau. Vorw. von Walter Stich. Beitr. von Jürgen Baral u. a. Rheinland-Verlag, Köln; Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 1993, ISBN 3-506-76111-0, S. 289 ff.
Reformation und Hexenverfolgung mini|Die Stadt um 1663