mini|hochkant=1.3| mini|Unterer Teil der weltweit größten und höchsten Rolltreppenkonstruktion in den Universal Studios Hollywood mini|hochkant|Rolltreppe im Kaufhaus Polich (Leipzig) um 1900 mini|hochkant|Eine der ersten Rolltreppen heutiger Bauart in Berlin, 1925 Eine Rolltreppe, fachsprachlich Fahrtreppe genannt, historisch auch als Roll-Fußsteig, rollende Treppe oder umlaufende Plattform bezeichnet,Christoph Driessen: Premiere in Köln im Jahr 1925 – 100 Jahre Rolltreppe: Traumfahrt für 30 Sekunden, Artikel in den Stuttgarter Nachrichten vom 10. Juli 2025, online auf stuttgarter-nachrichten.de, abgerufen am 11. Juli 2025 ist ein Personenbeförderungsmittel zur Überwindung einer Höhendistanz, bei dem sich durch bewegende Metall- oder (ehemals) Holzsegmente Treppenstufen bilden. Zweck ist im Allgemeinen eine Beförderung von Personen in einer höheren Geschwindigkeit als Schrittgeschwindigkeit und/oder mit weniger Muskelkraft. Ein beschleunigter „Transport“ der Personen von/zu einer Örtlichkeit kann der Zeit- und Platzersparnis dienen (z. B. an Bahnsteigen).

Wenn die Metallelemente keine Treppe, sondern eine ebene Fläche bilden, die auch geneigt und gekurvt sein kann, heißt das Beförderungsmittel Fahrsteig. Fahrtreppen und Fahrsteige werden in der Europäischen Norm EN 115 festgeschrieben.

Das Gegenteil einer Fahrtreppe ist die klassische Festtreppe.

Geschichte mini|hochkant|Hölzerne Rolltreppen im New Yorker Kaufhaus Macy’s, 2005 1859 wurde ein US-Patent auf eine Rolltreppe mit fahrenden Stufen erteilt – da das technische Konzept jedoch zu kompliziert war, wurde keine Anlage dieser Art ausgeführt.

Am 15. März 1892 wurde Jesse W. Reno das US-Patent auf eine Personenförderanlage erteilt, die jedoch nicht aus keilförmigen Stufen, sondern aus einem Gummischrägband mit Holzplatten, also eigentlich aus einem schrägen Förderband mit festen, flachen Gliedern bestand. Diesem Konstruktionsprinzip ohne Stufen folgten alle weiteren Entwicklungen der folgenden drei Jahrzehnte, trotz des aus Benutzerperspektive wesentlichen Unterschieds wird auch diese Bauform als Rolltreppe bezeichnet.

Als eigentlicher Erfinder der Rolltreppe gilt George A. Wheeler, dessen Patent rund fünf Monate nach dem von Jesse W. Reno erteilt wurde. Den Durchbruch schaffte er jedoch nicht selbst. Charles Seeberger, der mit seinen eigenen Konstruktionen scheiterte, kaufte im Jahr 1898 das Wheeler-Patent.

1893 wurde eine „mittels Elektrizität getriebene endlose schräge Wandelbahn“ in einen nicht genauer benannten New Yorker Bahnhof eingebaut, die auch ein bewegliches Geländer besaß und mit einer Geschwindigkeit von 35 cm/s lief. Der bewältigte Höhenunterschied betrug 6 m bei 16 m Länge. Ob diese Personenförderanlage nach dem Reno-Patent oder nach dem Wheeler-Patent gebaut wurde, ist unklar.Zeitschrift für Bauhandwerker. 37. Jg., 1893, Nr. 11, 1. Juni 1893, S. 87.

1895 wurde als Attraktion in einem Vergnügungspark auf Coney Island eine Personenförderung nach dem Reno-Patent betrieben.

Der deutsche Begriff Rolltreppe ist spätestens 1899 nachweisbar, er bezog sich zu dieser Zeit aber noch auf die Funktion als Treppen-Ersatz bzw. die einem Treppenlauf ähnliche schräge Anordnung. Ein „schräger Aufzug (sog. Rolltreppe)“ – als möglicherweise erste solche Anlage in Kontinentaleuropa oder zumindest in Deutschland – ging kurz vor Weihnachten 1898 im Kaufhaus Polich in Leipzig in Betrieb.Personenaufzüge in Treppenform, in: Deutsche Bauzeitung, 1899, Heft 22, S. 144.

Der wirtschaftliche Durchbruch geschah zur Weltausstellung Paris 1900. In den Vereinigten Staaten etablierten sich die Anlagen schnell in Kaufhäusern und vor allem in Stationen der U-Bahn, die ersten 1909 bei der New York City Subway.

Eine Rolltreppe in der heute üblichen Ausführung mit bewegten Stufen wurde erstmals 1920 von der Otis Elevator Company konstruiert. Am 11. Juli 1925 installierte das Kölner Warenhaus der Leonhard Tietz AG in der Hohe Straße die wohl erste Rolltreppe Deutschlands dieser Bauart und zweite auf dem europäischen Festland.Peter Fuchs: Chronik zur Geschichte der Stadt Köln. Band 2, 1991, S. 201. Das Warenhaus warb für die Neuheit mit dem Versprechen, die „Roll-Fußsteige“ ersparen den Kunden „Zeit und damit Geld“. Noch im selben Jahr wurden Rolltreppen auch in Warenhäusern in Berlin und München in Betrieb genommen. In der Hauptstadt stand anfangs noch ein Liftboy dabei, der den Kunden beim Bedarf assistierte.

Laut Schätzungen des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau gibt es 2017 in Deutschland rund 35 600 Rolltreppen.

Nutzung im Alltag mini|hochkant|Lichthofrolltreppen im Karstadt (München) mini|Rolltreppe in Tokio, 2020.

Rolltreppen sind ein Merkmal für Urbanität, denn in der Regel gibt es sie nur an Orten mit viel Publikumsverkehr. Sie haben zwar eine langsamere Fördergeschwindigkeit als Aufzüge, bieten aber den Vorteil, dass sie deutlich mehr Personen aufnehmen können. Rolltreppen in Innenbereichen haben meistens schlankere Flanken, die oft aus Glas sind, während sie im Freien Metallverkleidungen haben. Durch die längere Laufzeit und Witterungseinflüsse werden Rolltreppen, die in Außenbereichen liegen und immer in Betrieb sind, stärker beansprucht.

Weitestgehend durchgesetzt hat sich der Grundsatz „rechts stehen, links gehen“, sofern es die Breite der Treppenstufen zulässt. Der Grundsatz gilt in dieser Form auch in manchen Ländern mit Linksverkehr, wie dem Vereinigten Königreich; andere Länder mit Linksverkehr, wie Singapur, invertieren die Regel entsprechend. In der Hausordnung der Personenbahnhöfe der Deutschen Bahn ist die Regel „auf Fahrtreppen rechts stehen“ vorgeschrieben.Hausordnung der Deutschen Bahn (Stand 01/2015; PDF; 25 kB). Andernorts wird teilweise auch mit Schildern darauf hingewiesen, wie z. B. an Zugängen zur Londoner U-Bahn. So soll die linke Seite für Notfälle freigehalten werden. Sofern an der Rolltreppe nicht bereits ein entsprechender Benutzungshinweis angebracht ist, ist die Regel „links gehen, rechts stehen“ auch in München beispielsweise gewohnheitsrechtlich anerkannt. Am Basler Bahnhof fordert die SBB die Fahrgäste zur Kapazitätserhöhung regelmäßig auf, rechts zu stehen und links zu gehen.Marc Walther: Basler müssen wieder einmal rolltreppe lernen. In: Basler Zeitung. 30. September 2016, abgerufen am 2. August 2018. In Japan wiederum geht man von dieser Regelung wieder ab. Seit 2015 beteiligen sich 51 Unternehmen aus der Bahn- und Liftindustrie an der Aktion, auf Rolltreppen das Laufen zu verbieten. Statistisch konnte nachgewiesen werden, dass die Anzahl der Unfälle dadurch erheblich verringert wird. Auch erhöht es den Personendurchsatz, wenn eine Rolltreppe stehend voll besetzt wird.

Leistungsaufnahme Eine gewöhnliche Rolltreppe benötigt im Durchschnitt 2–5 kW elektrischer Leistung. Der Bedarf hängt von der Geschwindigkeit und der Länge der Treppe ab. Die Leistungsaufnahme steigt nur wenig durch die Belastung mit Personen. Um Leerlaufzeiten zu vermeiden, verfügen modernere Anlagen über Sensoren in Form von Trittplatten oder Lichtschranken mit einer Zeitschalt-Logik. Wenn die Sensoren einige Zeit nicht mehr ausgelöst wurden und sich wohl keine Personen auf der Rolltreppe mehr befinden, wird sie von der Elektronik abgeschaltet und läuft erst wieder an, wenn jemand den Sensor auslöst. Neuere Rolltreppen werden häufig nicht mehr vollständig abgeschaltet, sondern mit stark verminderter Geschwindigkeit weiterbetrieben. Leistungsaufnahme und Verschleiß reduzieren sich dabei weniger als bei der Abschaltung, doch so kann näherkommenden Fahrgästen die Betriebsbereitschaft und die Laufrichtung signalisiert werden, und auch ein Festfrieren der Treppe bei Minustemperaturen und Nässe wird verhindert.

Rolltreppen besitzen oft an den Enden neben den Handläufen eine Statusanzeige mit zwei kleinen Leuchten. Meistens steht grün für in Betrieb, seltener auch blau; rot signalisiert die entgegengesetzte Fahrtrichtung (teilweise wird hier auch ein Piktogramm analog dem Verkehrsschild 15px verwendet) oder Defekt. Rolltreppen in geschlossenen Gebäuden haben eine solche Vorrichtung in der Regel nicht.

Sicherheit mini|Nutzungsempfehlung für Kinderwagen an einer Rolltreppe in Wiesbaden mini|hochkant|Sicherheitshinweis an der Rolltreppe der Metro von Madrid

Am Ende der Rolltreppenfahrt schaufelt heute ein Kamm, dessen schräg auslaufende Zinkenstege, ohne zu schleifen, in die Nute der Stufentrittflächen eingreift, Gegenstände genauso wie Füße tendenziell von den zuletzt flach ankommenden Stufenelementen. Ursprünglich hatten Rolltreppen keine Nute und Fahrgäste mussten daher bewusst über eine etwa 1 cm hohe Stoßkante auf die feste Endplatte steigen, was ein Risiko, zu stolpern oder sich einzuklemmen, barg. Die waagerechte Fuge wird durch den Kamm vermieden, doch die Stege zwischen den Treppennuten machen die Stufenkante zackiger. Beim Sturz im Gefällebereich der Rolltreppe besteht somit ein erhöhtes Verletzungsrisiko durch den Aufprall auf die an den Treppenkanten hervorstehenden Stege. An diesen Zacken können sich außerdem Schlaufen von Textilien, Riemen oder am Boden liegender Schuhbänder verhaken und am Treppenende in den Kamm gerissen werden. Kleine Spalte zwischen den Treppenstufen sowie zwischen den Stufen und der stillstehenden seitlichen Planke sind insbesondere für die Finger und Zehen kleiner Kinder gefährlich. Die zylindrisch gewölbte Vorderseite der Stufen war früher eher glatt ausgebildet und weist heute niedrige vertikale Stege auf. Die Spalte zwischen den Stufen und der seitlichen Planke ist heute in der Regel mit einer stationären Bürste versehen. Die Gefahr des Anreibens, Quetschens und Hineingezogenwerdens besteht auch am Handlauf aus Gummi-Textilband, sowohl längs der Planken als auch wo der Handlauf (nach Umkehr) in das Treppengehäuse eingezogen wird.Kleinkind: Finger von Rolltreppe abgerissen, orf.at, 8. November 2015, abgerufen am 9. November 2015. Hat das C-Profil des Gummis, das von einer T-Schiene geführt wird, etwas Spiel, so erhöht sich die Gefahr.

Es kommt manchmal zu Verletzungen wie der Abtrennung von Fingern. Schuhwerk, das auch seitlich einen sehr hohen Reibungskoeffizient aufweist, wie z. B. Gummistiefel, kann seitlich anreiben und den Fuß verdrehen. Die Planken werden manchmal etwas schräg gestellt (sich nach oben hin weitend) und sind meist sehr glatt aus gebürstetem NiRo-Stahl oder Glas ausgebildet, so dass jemand, der auf der Treppe stürzt, nicht zu stark an der Planke anreibt, sondern abgleitet.Rolltreppe trennt Bub Finger ab, Süddeutsche Zeitung vom 22. Juli 2008

Wenn eine Person einen Kinderwagen mit auf die Treppe nimmt und den kippenden Kinderwagen nicht waagrecht auf 2 Rädern und einer Stufe halten kann, können sich Wagen und Menschen beim Hinunterstürzen gegenseitig überschlagen, und das Verletzungsrisiko ist hoch. Manche neueren Rolltreppen zum Beispiel in Einkaufszentren (etwa: Citypark Graz) sind daher mit einem Poller vor dem Anfang der Treppe ausgestattet, um die Benutzung mit Kinderwagen zu verhindern (siehe auch weiter unten zu den EU-Richtlinien).

Der Versuch, auf dem griffigen Handlauf sitzend hinunterzurutschen oder zu fahren, kann zu Stürzen führen, ebenso der Versuch, neben dem Handlauf auf einer NiRo-Stahl-Fläche hinunterzurutschen. Mitunter sind auf solchen Flächen Knöpfe montiert, um Menschen vom Rutschen abzuhalten. Übermütige halten mitunter von außen an einem hochlaufenden Handlauf fest, werden mitgezogen und stürzen dann aus der Höhe ab. Wo Rolltreppen seitlich berührend X-förmig verlaufen oder an einer Geschossdecke vorbeilaufen, sind die spitzen Innenwinkel mit Abweisern versehen (häufig aus Plexiglas), um das Verklemmen eines hinausgestreckten Arms zu vermeiden.

Auch ein plötzliches Anhalten kann zu Stürzen führen. Ein Schwungrad am schnell drehenden Antriebsmotor soll dies verhindern.