mini|578. Dresdner Striezelmarkt 2012 mini|Weltgrößte erzgebirgische Stufenpyramide mini|Der 575. Striezelmarkt 2009 von oben

Der Dresdner Striezelmarkt ist ein Weihnachtsmarkt in Dresden. Er wird seit 1434 im Advent meistens auf dem Altmarkt veranstaltet und zieht jährlich im Durchschnitt zwei Millionen Besucher an. Er ist der älteste mit einer Urkunde bestätigte Weihnachtsmarkt Deutschlands. Der Markt wird von der Stadt Dresden, vom Amt für Wirtschaftsförderung, veranstaltet. 80 Prozent der Händler stammen aus Sachsen. Der Gesamtumsatz betrug 2018 ca. 48 Millionen Euro.

Name Der Name Striezelmarkt leitet sich seit ca. 1500 vom Dresdner Stollen ab, einem Hefegebäck in länglicher Form, das im Mittelhochdeutschen Strutzel oder Striezel genannt wird.

Geschichte vor 1945

Der Dresdner Striezelmarkt geht zurück auf ein landesherrliches Privileg, das der sächsische Kurfürst Friedrich II. der Sanftmütige (residierte 1428 bis 1464) und sein Bruder Herzog Sigismund am 19. Oktober 1434 „um gemeines nutzens und unserer stadt besten willen“ dem Rat der Stadt Dresden ausstellten. Dresden hatte zu dieser Zeit 4000 Einwohner.Heidrun Wozel: Der Dresdner Striezelmarkt. Geschichte und Tradition des ältesten deutschen Weihnachtsmarktes. Husum Verlag, Husum 2009, S. 7–10. Ursprünglich handelte es sich um einen freien eintägigen Fleischmarkt an einem beliebigen Wochentag und am Tag vor Heiligabend, auf dem die Bewohner nach den vorweihnachtlichen Fastentagen ihren Weihnachtsbraten kaufen konnten. Da sich der Markt bewährte, wurde er beibehalten.

Der Begriff „Christbrod“ erschien 1474 auf einer Rechnung an den Dresdner Hof. 1484 bzw. 1491 gab es den päpstlichen Erlass von Innozenz VIII., den „Butterbrief“, dass der Stollen mit Butter anstatt Öl gebacken werden durfte.

Später kamen weitere Verkaufswaren hinzu. Das Christbrot, auch Striezel, „Strutzel“ oder Stollen genannt, gab dem am Montag vor Weihnachten stattfindenden Markt seit etwa 1500 den Namen Striezelmontag.

Für den einst eintägigen Markt lohnte es sich nicht, Buden oder wettergeschützte Verkaufsstände zu errichten. Daher wurden für die Striezel (Strutzel) einfache Bretter (Struzelbreten) als Unterlage genutzt, welche der Rat zu Dresden gegen Gebühr leihweise abgab. Karren zum Transport wurden ebenfalls schon 1507 vermietet.Adolf Hantzsch: Geschichte des Dresdner Christmarkts. Mitteilungen des Vereins für Geschichte Dresdens, Achtes Heft, 1888

Im 16. Jahrhundert lockte die steigende Nachfrage immer mehr Handwerker und Händler aus benachbarten Ortschaften, aus dem Erzgebirge, der Oberlausitz und aus Böhmen an. In dieser Zeit kam es zu ersten Streitigkeiten zwischen den ansässigen Handwerkern und Händlern sowie den zum Striezelmontag angereisten auswärtigen Verkäufern. Beschwerden wurden an den Rat zu Dresden gerichtet, um die angereisten Händler vom Markt zu verbannen, die oftmals ihre Waren billiger verkauften. Vorerst ohne Erfolg, denn weiterhin blieb das Feilhalten durch „die Fremden“ am Striezelmontag gebräuchlich. Nebenher waren auf dem Markt zahlreiche Gaukler, Marktschreier und Liedersänger anzutreffen, ebenso Wunderdoktoren, Zahnkünstler und Bruchmeister. Später kam noch das Comödienspiel hinzu.

Ab 1655 boten die Pfefferküchler aus Pulsnitz ihre Waren an. Ab 1704 wurde die Anwesenheit von „fremden Händlern“ auf dem Striezelmarkt durch einen kurfürstlichen Entscheid eingeschränkt. Im Jahre 1706 war das Abhalten des Striezelmarktes lange Zeit ungewiss, denn auch nach dem abgeschlossenen Friedensvertrag mit Schwedenkönig Karl XII. hielten sich dessen Truppen noch zahlreich im Lande auf. Ab 1710 wurden die Marktdauer auf drei, später acht, Tage verlängert und das Angebot deutlich erweitert. Mit dem Erlass vom 5. September 1721 war dann den fremden Händlern das Feilhalten zum Striezelmontag auf . Der Dresdner Striezelmarkt zählte bald neben dem Nürnberger Christkindlesmarkt und dem Frankfurter Christkindchesmarkt zu den bedeutendsten deutschen Weihnachtsmärkten.

Neben Töpferwaren bestimmten ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zunehmend Spielzeugausladen mit gedrechseltem und geschnitztem „Puppenwerk“ das Bild des Marktes. Besonders die erzgebirgischen „Schachtelleute“ (Spielzeughändler) bestimmten zum Ärger der Dresdner Drechslerinnung das Geschäft. Die Dresdner Töpfer beklagten sich oft über die angereiste Konkurrenz aus anderen sächsischen Städten. 1727 wurde den angereisten Töpfern nur ein Korb mit Ware zum Verkauf gestattet. Da die Händler nun mit größeren Körben nach Dresden kamen, prüfte ab 1728 ein Marktmeister deren Größe. Es durfte nun nicht mehr Ware im Korb sein, als in einem Korb getragen werden konnte. Grundsätzlich weggenommen wurde damals der gesamte Warenbestand, welcher durch Kontrolle beim verbotenen Hausierengehen gefunden wurde. Damit war der Streit nicht beendet. 1767 waren zum Beispiel die Töpfer aus Meißen vom Striezelmarkt verdrängt.

Vor allem ab dem 18. Jahrhundert war der Markt ein Handelsplatz für auswärtige Händler: z. B. Lausitzer Leineweber, böhmische Glashändler und v. a. erzgebirgische Spielwarenhändler aus Grünhainichen, Olbernhau oder Seiffen.

1780 wurde vom Rat festgelegt, dass der Markt am 19. Dezember beginnt. Ab 1787 konnten die Händler eine feste, d. h. nicht übertragbare und lebenslange Stelle für 16 Groschen bei der Stadtbehörde durch Eingabe erwerben. Ab dem Jahre 1791 wurde jedem Händler, der für die letzten drei Märkte nicht nach Dresden gekommen war, der weitere Besuch des Striezelmarktes verboten. Im Jahre 1811 gab es auf dem Dresdner Striezelmarkt insgesamt 271 fest eingeschriebene Plätze.

Ab 1800 konnten auf dem Markt auch Christbäume erworben werden. Der Kleinhandel auf dem Markt und in den umliegenden Straßen wurde um 1800 besonders von Kindern, die Striezelkinder, betrieben. Sie bereicherten den Striezelmarkt mit handgefertigten Papierlaternen, Puppen, Pflaumentoffeln und anderen weihnachtlichen Gegenständen. Nach der Verordnung vom 28. November 1850 wurde den Kindern der Handel an den letzten 14 Tagen vor Weihnachten erlaubt.

mini|Julius Otto Fritzsche – Striezelmarkt auf dem Neustädter Markt (Datierung um 1910) Eine besondere Rolle nahmen die Friedrichstädter Bäcker (Dresden-Friedrichstadt) ein, welchen der Verkauf auf dem Striezelmarkt bisher untersagt war. Sie bildeten zwar seit 1765 eine zünftige Innung, doch galten sie als Fremde und wurden nicht mit ihren Verkaufsständen geduldet. Ab 1791 galten dann alle Händler aus der Stadt Dresden und deren Vorstädten als gleichberechtigt. Die Marktbestimmungen wurden streng durch die Mitglieder der Handelsinnung überwacht. Wurde ein Händler beim vorzeitigen Verkauf ertappt, musste dieser 10 Taler Strafe bezahlen.

1853 setzte Ludwig Richter mit dem Holzschnitt Ausverkauf wegen Geschäftsaufgabe den Kindern ein Denkmal, die auf dem Markt Feuerrüpel (Pflaumentoffel) verkauften.

1861 trat eine Ordnung in Kraft, die alle Einschränkungen der Handels- und Gewerbefreiheit aufhob. Die für das Jahr gültigen Marktbestimmungen wurden ab 1864 im Dresdner Anzeiger veröffentlicht. Ab 1875 durfte der Markt auch sonntags ganztägig öffnen. Ab 1879 durften die Inhaber von Christmarktständen nur ihre Angehörigen oder Personen zum Verkauf beschäftigen, welche sich in ihren persönlichen Diensten befanden oder die in der Stadt Dresden wohnten. Bei Zuwiderhandlung drohten das Schließen des Standes und eine Geldstrafe von bis zu 60 Mark.

Ab den 1890er Jahren gab es Thüringer Glaskugeln zu kaufen.

Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fand der Dresdner Striezelmarkt nicht durchgehend am Altmarkt statt. Der Standort wechselte und so wurde der Striezelmarkt oft in der Neustadt am Goldenen Reiter und auf der Hauptstraße abgehalten.

1910 wurde der kindliche Verkaufshandel untersagt.

In den 1930er Jahren fand der Markt im Stallhof statt.

Der Striezelmarkt hatte mehrfach prominenten Besuch. Am Abend des 22. Dezember 1852 wurde Kaiser Franz Joseph von Österreich von der königlichen Familie über den Striezelmarkt geführt. Einige Mitglieder der königlichen Familie besuchten regelmäßig den Striezelmarkt.

Geschichte 1945 bis 1989

Der traditionelle Dresdner Striezelmarkt musste nach der Zerstörung der Innenstadt und ihrer Plätze für einige Jahre ausweichen. Vom 5. bis 13. Dezember 1945 fand eine Weihnachtsmesse in einem Saal der ehemaligen Goehle-Werke (heute Zentralwerk) an der Riesaer Straße unter dem Motto „Jedem Kind ein Weihnachtsgeschenk“ statt, zu der mehr als 30.000 Besucher kamen. Von 1946 bis 1953 fand die „2. Weihnachtsmesse mit Striezelmarkt“ in der Stadthalle am NordplatzNordhalle Königsbrücker Straße heute ist es der Standort des Militärhistorisches Museum der Bundeswehr (heute Olbrichtplatz) statt. Im Erdgeschoss der Halle waren nach alter Sitte Verkaufsbuden aufgestellt und in der oberen Etage stellte das Spielzeugmuseum Sonneberg (Thüringen) einige Exponate aus. 1946 kamen mindestens 200.000 Besucher.

Von 1954 bis 1976 wechselte der Dresdner Striezelmarkt oft seinen Standort: Theaterplatz, Altmarkt, Webergasse, Wallstraße, Gewandhausstraße, Weiße Gasse und Kreuzstraße. So fand der Striezelmarkt 1954 erstmals wieder in der Altstadt und einmalig auf dem Theaterplatz mit 100 Verkaufsständen statt, 1955 und 1956 auf dem Altmarkt.

1959 bis 1962 fand aufgrund von Baugeschehen in der Innenstadt der Striezelmarkt und die Weihnachtsmesse in der Stadthalle statt. 1963 war wieder die Innenstadt Standort des Marktes, z. B. Webergasse. 1967 waren 87 Verkaufsbuden rings um den Altmarkt aufgestellt.

Für einige Jahre von 1971 bis 1976 zog der Striezelmarkt in die damaligen Ausstellungshallen am Dresdner Fučíkplatz (seit 1991: Straßburger Platz) um, kehrte aber 1977 wieder zum Altmarkt zurück.

Weihnachtsmessen in der Stadthalle (bis 1965) und der Striezelmarkt fanden in der DDR über viele Jahre hinweg gleichzeitig statt. Während der Weihnachtsmessen erklang ein Glockenspiel aus Meißner Porzellan mit sechs Glocken, welches in einer weihnachtlichen Kulisse eingebaut war. Unter dem Motto „Laßt Friedensglocken über Deutschland klingen“ ertönten diese mehrmals täglich. Ab 1954 war dieses Porzellanglockenspiel in einer Pyramide auf dem Dresdner Striezelmarkt eingebaut und bis 1989 zu erleben. Der heutige Verbleib des Glockenspiels ist leider unbekannt.

Besuchermagnet war meist ein riesiger Adventskalender. Weitere Kennzeichen waren damals ein Schnee-, ein Berg- und ein Räuchermann sowie ein Pflaumentoffel von sieben Metern Höhe. Zwischen dem Striezelmarkt und der Kreuzkirche am Altmarkt existierte eine enge Verbindung, u. a. durch die Veranstaltungen „Adventsmusik zum Striezelmarkt“ mit Orgelkonzerten und dem Dresdner Kreuzchor in der Kreuzkirche. 1977 wurde eine 7,50 Meter hohe Pyramide mit 75 Spielzeugfiguren aufgestellt.

Es gab oft ein Sonderpostamt auf dem Dresdner Striezelmarkt, welches Sammler und Besucher wegen des Sonderstempels der Deutschen Post der DDR gern für ihre Weihnachtspost nutzten. Das Reisebüro der DDR bot Sonderfahrten mit Bus und Bahn zum Dresdner Striezelmarkt an.Neue Zeit vom 7. Dezember 1950, Berliner Zeitung vom 25. November 1967, Neues Deutschland vom 1. Dezember 1969, Neues Deutschland vom 1. Dezember 1973, Neue Zeit vom 19. Dezember 1987.

In den 1980er Jahren gab es 100 Verkaufsstände auf dem Markt.MDR Sendung: Das letzte Weihnachten in der DDR am 17. Dezember 2024

Für den 1988 erschienenen DDR-Fernsehfilm Die Weihnachtsgans Auguste wurden Szenen auf dem Striezelmarkt gedreht.

1989 fand der 555. Striezelmarkt statt, der letzte in der DDR.

Geschichte ab 1990 1990 bis 2019 mini|„Nizza-Sperre“ auf dem Weihnachtsmarkt Dresden 2018

1991 gab es ca. 250 Buden auf dem Striezelmarkt. Seit 1992 wurde die Gestaltung der schönsten Marktbude prämiert. 1994 wurde das 1. Dresdner Stollenfest gefeiert. 1997 erhielt der Markt eine neue Pyramide.