mini|Neil Gaiman (2019) mini|Neil Gaimans Stimme – Ausschnitt aus einem BBC-Interview
Neil Richard Gaiman (* 10. November 1960 in Portchester) ist ein britischer Autor zahlreicher Science-Fiction- und Fantasygeschichten, Comics und Drehbücher.
Zu seinen bekanntesten Werken zählen die Serie Sandman, das Jugendbuch Coraline und mehrfach ausgezeichnete Werke wie American Gods (2002), Anansi Boys (2006), Das Graveyard-Buch (2008) und der Roman Der Ozean am Ende der Straße (2013).
Im Jahr 2019 wurde Neil Gaiman für sein Lebenswerk in die Science Fiction and Fantasy Hall of Fame aufgenommen.Winners by Year: 2019 (engl.) Science Fiction Award Database, abgerufen am 13. Mai 2021.
Leben Gaiman entstammt einer seit Anfang des 20. Jahrhunderts in England ansässigen jüdischen Familie, die der Scientology-Kirche angehörte.Hannes Stein: Neil Gaiman: „Es gibt keine Erwachsenen, nicht einen einzigen“. welt.de, 14. Oktober 2017, Zugriff am 16. April 2017. Als Jugendlicher hatte er den Wunsch, als Comicautor zu arbeiten. Ein Berufsberater verwies jedoch auf die geringen Erfolgsaussichten und riet dem 16-Jährigen, zunächst eine Ausbildung zu absolvieren.
In den frühen 1980er Jahren arbeitete Gaiman als freier Journalist und schrieb Interviews, Artikel und Rezensionen für verschiedene britische Magazine. In dieser Zeit veröffentlichte er sein erstes Buch, eine Biografie über die Band Duran Duran, sowie eine große Anzahl von Artikeln im Knave Magazine. Außerdem verfasste er Don't Panic: The Official Hitchhiker's Guide to the Galaxy Companion über Douglas Adams.
In den 1980er Jahren lebte Gaimans Interesse an Comicgeschichten wieder auf. Nachdem er Freundschaft mit dem Comicautor Alan Moore geschlossen hatte, begann er selbst Comics zu verfassen. Zusammen mit seinem Mitarbeiter und langjährigem Freund Dave McKean schuf er Violent Cases und Signal to Noise. Er erhielt einen Auftrag von DC Comics und verfasste die Mini-Serie Black Orchid.
mini|Neil Gaiman (2009) Gaiman schrieb eine Vielzahl von Comics für mehrere Verlage. Am bekanntesten wurde seine Serie Sandman, deren Protagonist Dream der Herrscher des Traumreichs ist. Die 1988 gestartete Serie fand sofort großen Anklang und wurde erst nach acht erfolgreichen Jahren 1996 eingestellt, allerdings nicht wegen nachlassenden Publikumsinteresses, sondern weil Gaiman seine Geschichte zu Ende erzählt hatte. Alle 75 Einzelausgaben wurden nach Abschluss der Serie als zehnbändige Sammlung veröffentlicht.
1991 veröffentlichte Gaiman The Books of Magic, eine vierteilige Miniserie, die in der mystischen und magischen Welt der DC-Comics angesiedelt ist. Held der Serie ist ein englischer Teenager, der vom Schicksal auserkoren wurde, der Welt größter Magier zu werden. Aus dem Comic entwickelte sich eine Fortsetzung gleichen Titels, die größtenteils von John Ney Rieber verfasst wurde.
1992 zog Gaiman in die Vereinigten Staaten um. Er wandte sich nun der erzählenden Literatur zu, da er meinte, dem Medium Comic zumindest vorläufig nichts mehr hinzufügen zu können. Seinen ersten Roman, Ein gutes Omen, eine Erzählung über eine bevorstehende Apokalypse, schrieb er bereits während der Arbeit an Sandman zusammen mit Terry Pratchett. Nach Abschluss der Comicserie folgten u. a. Neverwhere (deutsch Niemalsland), beruhend auf der gleichnamigen BBC-Fernsehserie, für die Gaiman die Drehbücher geschrieben hatte, Stardust (deutsch Sternwanderer), der Kurzgeschichtenband Smoke and Mirrors und die Romane American Gods sowie The Ocean at the End of the Lane (deutsch Der Ozean am Ende der Straße). American Gods bezeichnete er selbst als den Roman, der seinem Sandman am nächsten kommt. Darüber hinaus schrieb Gaiman Liedtexte, Gedichte und Novellen.
Seine Kinderbücher The day I swapped my dad for two goldfish, Coraline, Wolves in the Walls und The Graveyard Book (deutsch Das Graveyard-Buch) wurden von Dave McKean illustriert, der auch die Sandman-Cover gestaltete und den Gaiman als guten Freund betrachtet.
Als erstem Autor gelang es Gaiman, für sein 2008 erschienenes Graveyard Book gleich zwei begehrte Literaturpreise zu erhalten; ihm wurden dafür die Newbery Medal und die Carnegie Medal verliehen.Neil Gaiman wins Carnegie medal (engl.) The Guardian, abgerufen am 13. Mai 2021.
Gaiman unterhält seit Anfang der 1990er Jahre eine enge Freundschaft zur Sängerin Tori Amos. Auf jedem ihrer Alben wird er in mindestens einem Song erwähnt, wenn auch mitunter stark verschlüsselt. Er schrieb Vorworte zu mehreren ihrer Tourprogramme und trug einige Sätze zum Booklet ihres Albums Strange Little Girls bei.
mini|Neil Gaiman und seine Frau Amanda Palmer (Arena 2011) Gaiman, Vater von vier Kindern, lebt seit 2002 nahe Minneapolis in den USA. Ab Ende 2008 war er mit der Musikerin Amanda Palmer (The Dresden Dolls) liiert, die er im Januar 2011 heiratete. Mit ihr arbeitete er an gemeinsamen Projekten wie beispielsweise „Who Killed Amanda Palmer“. Im September 2015 kam ihr gemeinsamer Sohn zur Welt. Im November 2022 gab das Paar seine Scheidung bekannt.
2018 hatte Gaiman einen Cameo-Auftritt in der Sitcom The Big Bang Theory: Er spielt sich selbst als Kunde im Comicbuchladen, twittert darüber und macht den Laden bekannter.https://screenrant.com/neil-gaiman-movie-tv-shows-cameos-explained/ abgerufen am 15. Dezember 2022 Darüber hinaus tritt er in der Folge Homers Sieben als Autor (The Book Job, Staffel 23, Episode sechs) und in der Halloween-Folge Der Exorzismus von Maggie Simpson (Staffel 29, Episode vier) der Zeichentrickserie Die Simpsons auf. Die drei schwarzhumorige Kurzgeschichten umfassende Halloween-Folge der Simpsons enthält eine erzählerische Parodie auf Gaimans Roman Coraline, in der Gaiman im englischsprachigen Original die Stimme der Katze Schneeball V. spricht.
Im Sommer 2024 wurden Vorwürfe der sexuellen Nötigung gegen Gaiman veröffentlicht. Fünf Frauen warfen ihm sexuelle Nötigung und Übergriffe vor. Weitere Vorwürfe und Hintergründe wurden im Januar 2025 bekannt.Schwere Anschuldigungen: Weitere Frauen werfen Autor Neil Gaiman sexuelle Nötigung vor, t-online vom 14. Januar 2025.
Auszeichnungen Gaiman rangiert unter den Top Ten der (noch lebenden) postmodernen Autoren im Dictionary of Literary Biography. Er wurde für sein Werk vielfach prämiert. Bereits in den 1990er Jahren gingen mehrere Eisner Awards in unterschiedlichen Kategorien an Gaiman, darunter von 1991 bis 1994 viermal in Folge der Preis als bester Autor. Er ist Ehrendoktor der Philadelphia University of Arts und der University of St Andrews. Jahr Werk Auszeichnung Anmerkungen1991 A Midsummer Night's Dream, Teil der Sandman-Reihe World Fantasy Award Erstverleihung für einen Comic2002Sternwanderer (engl. Stardust)Geffen-PreisFantasy-BuchGeffen Awards 2000 Science Fiction Awards Database, abgerufen am 13. Mai 2021.2002 American Gods Hugo Award, Locus Award und Nebula Award Nebula Award für Besten RomanAmerican Godsby Neil Gaiman, Winner, Best Novel in 2002 Nebula Awards, abgerufen am 13. Mai 2021.2003CoralineKinderbuchpreis der American Library AssociationNotable Children's Book American Library Association, abgerufen am 13. Mai 2021.2006 Anansi BoysBritish Fantasy Award, Locus Award und Geffen-PreisGeffen-Preis für das beste Fantasy-BuchGeffen Awards 2006 Science Fiction Awards Database, abgerufen am 13. Mai 2021.2009 Das Graveyard-BuchNewbery Medal und Hugo AwardDie Newbery Medal gilt als angesehenster Kinderbuchpreis der Vereinigten StaatenSüddeutsche Zeitung vom 28. Januar 2009, Seite 14. Hugo Award in der Rubrik Best Novel2010 Das Graveyard-BuchCarnegie Medal renommierter britischer Kinderbuchpreis2011 Der lächelnde Odd und die Reise nach AsgardDeutscher Phantastik Preis,als bester Roman International2011. Roman International. Neil Gaiman. Der lächelnde Odd und die Reise nach Asgard Literaturpreisgewinner, abgerufen am 13. Mai 2021.2013 Der Ozean am Ende der Straße Locus Award und Britischer National Book Award Book of the Year2015 Der Ozean am Ende der Straße Deutscher Phantastik Preis und Geffen-Preis 2015. Roman International. Neil Gaiman. Der Ozean am Ende der Straße Literaturpreisgewinner, abgerufen am 13. Mai 2021.Book of the YearGeffen Awards 2015 Science Fiction Awards Database, abgerufen am 13. Mai 2021.2015 Lebenswerk Science Fiction and Fantasy Hall of Fame
Rechtsstreit 1993 wurde Neil Gaiman von Todd McFarlane beauftragt, eine Ausgabe der Comicreihe Spawn zu schreiben (Spawn #9), in der er die Figuren Angela, Cogliostro und Medieval Spawn einführte. Als diese Charaktere später von McFarlane weiterverwendet wurden, entstand ein Konflikt über die Urheberschaft: Gaiman sah sich als Miterschaffer, während McFarlane die alleinigen Rechte beanspruchte. Der Streit eskalierte 2004 vor Gericht, wo entschieden wurde, dass die Figuren ein gemeinsames Werk sind und beide Urheberrechte daran haben.
Werke (Auswahl) Comics Violent Cases, zusammen mit Dave McKean, Titan Books, 1987. Black Orchid #1–3, zusammen mit Dave McKean, DC Comics, 1988. The Sandman, zusammen mit verschiedenen Künstlern, DC Comics, 1988–1996. Miracleman #17–24, zusammen mit verschiedenen Künstlern, Eclipse Comics, 1990–1993. Books of Magic #1–4, zusammen mit verschiedenen Künstlern, DC Comics, 1991. Signal to Noise, zusammen mit Dave McKean, VG Graphics/Dark Horse Comics, 1992. Death: The High Cost of Living #1–3, zusammen mit Chris Bachalo, Vertigo, 1993. The Tragical Comedy or Comical Tragedy of Mr. Punch, zusammen mit Dave McKean, Vertigo, 1994. The Last Temptation, zusammen mit Michael Zulli (Die Story basiert auf Alice Coopers Album The Last Temptation), Marvel Comics, 1994. Angela, zusammen mit Todd McFarlane, Image Comics, 1995. Death: The Time Of Your Life, zusammen mit Chris Bachalo, Vertigo, 1996. Neil Gaiman's Midnight Days, (Eine Sammlung früher Werke zusammen mit verschiedenen Künstlern), Vertigo, 1999. Green Lantern/Superman: Legend of the Green Flame, (One-Shot), zusammen mit verschiedenen Künstlern, DC Comics, 2000; dt. bei Panini Comics, 2001. Harlequin Valentine, zusammen mit John Bolton, Dark Horse Comics, 2001. Murder Mysteries, Illustrationen von Philip Craig Russell, Dark Horse Books, 2002. 1602 #1–8, zusammen mit Andy Kubert, Marvel Comics, 2003. Endless Nights, zusammen mit verschiedenen Künstlern, Vertigo, 2003. Creatures of the Night, zusammen mit Michael Zulli, Dark Horse Comics, 2004. Eternals #1–7, zusammen mit John Romita Jr., Marvel Comics, 2006–2007.
Romane Good Omens – The Nice and Accurate Prophecies of Agnes Nutter, Witch, zusammen mit Terry Pratchett, Random House, London, 1990. ISBN 0-552-13703-0; dt.: Ein gutes Omen, Piper, 1997, ISBN 3-492-28505-8. Neverwhere, BBC Books, London, 1996, ISBN 0-7472-6668-9; dt.: Niemalsland, Heyne, 1996 (erweiterte Fassung 2005), ISBN 3-453-13757-4. Stardust (illustriert von Charles Vess), Random House, London, 1999, ISBN 1-56389-470-X; dt.: Sternwanderer, Panini Comics, 2007, ISBN 978-3-453-50141-6. American Gods Harper Collins, 2001; dt.: American Gods, Heyne, 2003 (erweiterte Fassung 2004), ISBN 3-453-87422-6. Anansi Boys, HarperCollins, 2005, ISBN 0-06-051519-8; dt.: Anansi Boys, Heyne, 2007, ISBN 978-3-453-26530-1. InterWorld, zusammen mit Michael Reaves, EOS / HarperCollins, 2007; dt.: Interworld, Arena, 2009, ISBN 978-3-401-50130-7. The Ocean at the End of the Lane, William Morrow, 2013, ISBN 978-0-06-225565-5; dt.: Der Ozean am Ende der Straße, Eichborn, Köln 2014, ISBN 978-3-8479-0579-0.
Kinder- und Jugendliteratur The Day I Swapped My Dad for Two Goldfish, illustriert von Dave McKean, White Wolf Publishing, 1997, ISBN 1-56504-944-6. Coraline, illustriert von Dave McKean, HarperCollins, New York, 2002, ISBN 0-380-97778-8, dt.: Coraline, Heyne, 2005, ISBN 978-3-453-40060-3. Ebenso bei Arena ISBN 978-3-401-06445-1. The Wolves in the Walls, illustriert von Dave McKean, HarperCollins, New York, 2003, ISBN 0-380-97827-X. dt. Die Wölfe in den Wänden, Carlsen, 2003, ISBN 3-551-51648-0.