mini|Reinhard Hardegen an seinem 103. Geburtstag

Reinhard Hardegen (* 18. März 1913 in Bremen;Rainer Busch, Hans-Joachim Röll: Der U-Boot-Krieg 1939–1945. Band 5. Die Ritterkreuzträger der U-Boot-Waffe von September 1939 bis Mai 1945. E. S. Mittler & Sohn, Hamburg 2003, ISBN 3-8132-0515-0, S. 186–189 † 9. Juni 2018 in Bremen-Oberneuland) war ein deutscher Marineoffizier, Kaufmann und Politiker. Im Zweiten Weltkrieg war er einer der erfolgreichsten und bekanntesten deutschen U-Boot-Kommandanten. Danach gehörte er zu den frühen Mitgliedern der Bremer CDU. Von 1959 bis 1979 war er, mit einer Unterbrechung, Mitglied der Bremischen Bürgerschaft.

Leben Hardegens Vater, Friedrich Hardegen, war Gymnasiallehrer in Bremen und unterrichtete Geschichte, Erdkunde und Französisch. Zudem war er Verfasser eines Buches über die Imperialpolitik des englischen Königs Heinrichs II. sowie einer Biographie des Bremer Kaufmanns Hermann Henrich Meier, Gründer des Norddeutschen Lloyd.Eintrag zu Friedrich Hardegen in der DNB aufgerufen am 19. April 2022

Frühe Jahre Reinhard Hardegen besuchte ab 1925 die Zinzendorfschule in Königsfeld (Schwarzwald), was unter anderem mit einem gründlichen Bibelstudium verbunden war. Bei der Rückkehr nach Bremen im Jahr 1927 musste Hardegen eine Aufnahmeprüfung für das Gymnasium absolvieren, bei der er durchfiel, da er sich auf den falschen Stoff vorbereitet hatte, woraufhin er ein Schuljahr wiederholte. Während des Unterrichts zeigte er zunächst nur mäßige Leistungen und fiel zudem mehrfach störend auf, wovon Einträge in den Klassenbüchern zeugen. Hardegen besuchte die Hanseatische Yachtschule in Neustadt in Holstein, die sich als Teil der verdeckten Rüstungsmaßnahmen um Nachwuchs für das Offizierskorps der Marine bemühte. Da seine schon früh ins Auge gefasste Karriere als Marineoffizier durch seine schlechten schulischen Ergebnisse jedoch gefährdet war, bekam Hardegen Nachhilfestunden. Er konnte dadurch seine Leistungen verbessern und schließlich das Abitur absolvieren.

Im Jahr 1932 wurde seine Bewerbung zur Reichsmarine, auch aufgrund einer Empfehlung Paul Königs, Freund der Familie und U-Bootkommandant ("U-Deutschland") des Ersten Weltkriegs, angenommen.Michael Gannon: Operation Paukenschlag. Der deutsche U-Boot-Krieg gegen die USA. Bechtermünz Verlag, Augsburg 1997, ISBN 3-86047-905-9, S. 37–38 Hardegen trat entsprechend am 1. April 1933 in die Reichsmarine ein. Nach seiner Infanterieausbildung in Stralsund absolvierte Hardegen seine Bordausbildung auf dem neu in Dienst gestellten Segelschulschiff Gorch Fock. Anschließend nahm er von Oktober 1933 bis Juni 1934 als Seekadett an einer Weltreise auf dem Leichten Kreuzer Karlsruhe teil. Diese Fahrt führte die Karlsruhe vom Mittelmeer über Indien und Indonesien nach Süd-Ost-Asien und nach Überquerung des Pazifik zunächst zur West- und dann zur Ostküste der USA.Fahrten des Leichten Kreuzers Karlsruhe, aufgerufen am 19. April 2022 In New York City besuchte Hardegen 1933 im Rahmen dieser Reise das Empire State Building. Vom 1. Oktober 1935 bis zum 30. September 1936 erhielt er in Warnemünde und Parow eine Ausbildung zum Marineflieger, zunächst zum Beobachter, später zum Flugzeugführer. 1936 wurde er zum Leutnant zur See und 1939 zum Oberleutnant zur See befördert. Von Oktober 1937 bis Oktober 1939 war er Nachrichtenoffizier und später Kompaniechef auf dem Seefliegerhorst Kamp. Von einem Flugzeugabsturz am 19. September 1936 behielt er ein verkürztes Bein zurück, womit er eigentlich für den U-Boot-Dienst als untauglich gegolten hätte.

U-Boot-Kommandant BeförderungenRainer Busch, Hans-Joachim Röll: Der U-Boot-Krieg 1939–1945. Band 5: Die Ritterkreuzträger der U-Boot-Waffe von 1939 bis Mai 1945. E. S. Mittler & Sohn, Hamburg 2003, ISBN 3-8132-0515-0, S. 188–192. Fähnrich zur See am 1. Juli 1934 Oberfähnrich zur See am 1. April 1936 Leutnant zur See am 1. Oktober 1936 Oberleutnant zur See am 1. Juni 1938 Kapitänleutnant am 1. Dezember 1940 Korvettenkapitän am 1. März 1944

1 Feindfahrt mit U 147 11. Dezember 1940 bis 4. April 1941 (1 Schiff mit 4.811 BRT versenkt)

10 Feindfahrten mit U 123 8. Juni 1941 bis 12. Juni 1941 15. Juni 1941 bis 23. August 1941 (5 Schiffe mit 21.507 BRT versenkt) 14. Oktober 1941 bis 22. November 1941 (1 Schiff mit 13.984 BRT versenkt) 23. Dezember 1941 bis 9. Februar 1942 (8 Schiffe mit 49.421 BRT versenkt) 2. März 1942 bis 2. Mai 1942 (8 Schiffe mit 39.917 BRT versenkt) 16. Mai 1942 bis 24. Mai 1942 25. Mai 1942 bis 26. Mai 1942 26. Mai 1942 bis 27. Mai 1942 28. Mai 1942 bis 29. Mai 1942 3. Juni 1942 bis 5. Juni 1942

Da es ihm gelang, den Folgeschaden von dem Flugzeugabsturz einstweilen zu verheimlichen, wurde Hardegen im November 1939 zur U-Bootwaffe versetzt. Hier fuhr er vom 19. August bis zum 1. Dezember 1940 als Kommandantenschüler und Erster Wachoffizier auf U 124 unter Georg-Wilhelm Schulz. Von Dezember 1940 bis April 1941 war er Kommandant des „Einbaums“ U 147 und als Kapitänleutnant von April 1941 bis Juli 1942 von U 123.

Er versenkte auf acht Feindfahrten 22 Schiffe mit insgesamt 118.314 BRT und beschädigte fünf Schiffe mit 46.500 BRT. Beim Unternehmen Paukenschlag Anfang 1942 versenkte er mit U 123 acht Schiffe der Handelsmarine; insgesamt 220 Seeleute verloren dabei ihr Leben. Als versenkt gemeldet hatte Hardegen neun Schiffe.Rainer Busch, Hans-Joachim Röll: Der U-Boot-Krieg 1939–1945. Deutsche U-Boot-Erfolge von September 1939 bis Mai 1945 S. 102 Mit der Versenkung des siebten tatsächlich versenkten Schiffes des lettischen Frachters Ciltvaira, bei der zwei Mann der 32-köpfigen Besatzung ums Leben kamen, notierte Hardegen in sein Kriegstagebuch, nun habe er über 100.000 BRT feindlichen Schiffsraumes versenkt. Dies war die Menge an versenkten gegnerischen Schiffsraumes, die einem U-Bootkommandanten für das Ritterkreuz qualifizierte. Hardegen hatte für die Berechnung seine Erfolge auf 105.502 BRT summiert. Dabei ging er bei einigen Schiffen allerdings von zu großem Schiffsraum aus, zum anderen rechnete er unbestätigte Versenkungen und den Hilfskreuzer Aurania (13.984 t) mit ein, den er jedoch nur beschädigt und nicht versenkt hatte. Tatsächlich hatte Hardegen zu diesem Zeitpunkt 71.215 BRT versenkt.Michael Gannon: Operation Paukenschlag. Bechtermünz Verlag, Augsburg 1997, S. 267 und S. 465 Dönitz funkte: „An den Paukenschläger Hardegen. Bravo! Gut gepaukt. Dönitz.“ Am 23. Januar 1942 erhielt er das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes.Veit Scherzer: Ritterkreuzträger 1939–1945. Die Inhaber des Eisernen Kreuzes von Heer, Luftwaffe, Kriegsmarine, Waffen-SS, Volkssturm sowie mit Deutschland verbündete Streitkräfte nach den Unterlagen des Bundesarchivs. 2. Auflage. Scherzers Militaer-Verlag, Ranis/Jena 2007, ISBN 978-3-938845-17-2, S. 366.

Auf der zweiten Amerikafahrt von März bis Mai 1942 versenkte er neun Schiffe; irrtümlich glaubte er, ein zehntes versenkt zu haben. Insgesamt fanden dabei 253 Menschen den Tod.Jan Heitmann: Reinhard Hardegen. Preußische Allgemeine Zeitung, Nr. 13, 30. März 2013, S. 10. Der sprachlich gebildete Hardegen fasste die Ergebnisse dieser Feindfahrt in einem Funkspruch in Form eines Gedichtes mit Kreuzreim zusammen: „Sieben Tankern schlug die letzte Stund,/ Die U-Falle sank träger./ Zwei Frachter liegen mit auf Grund,/ Versenkt vom Paukenschläger.“

Für seine erneuten Versenkungserfolge wurde ihm am 23. April 1942 das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes (89. Verleihung) verliehen. Nachdem er bereits im Wehrmachtbericht vom 24. Januar 1942 namentlich genannt worden war, erfolgte eine erneute Nennung am 14. April 1942.Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt … Der deutsche Wehrmachtbericht. Band 2: 1942–1943. Biblio Verlag, Osnabrück 1982, ISBN 3-7648-1282-6, S. 18, 86.

Das Ritterkreuz sollte nach den ursprünglichen Verleihrichtlinien eigentlich erst für eine Versenkung von mehr als 100.000 BRT Schiffsraum vergeben werden, das Eichenlaub für mehr als 200.000 versenkte BRT,Manfred Dörr (Bearb.): Die Ritterkreuzträger der U-Boot-Waffe. (= Die Ritterkreuzträger der Deutschen Wehrmacht 1939–1945. IV). Osnabrück 1989, Band 1, S. XV. wobei Hardegen zumindest die letzte Vorgabe klar nicht erfüllte. Die Aufweichung der Vorgaben entsprach aber der damaligen Marinepraxis.Bodo Herzog: Ritterkreuz und U-Boot-Waffe. Bemerkungen zur Verleihpraxis. In: Deutsches Schiffahrtsarchiv. Band 10, 1987, S. 245–260; Ders.: Provozierende Erkenntnisse zur deutschen U-Boot-Waffe. In: Historische Mitteilungen der Ranke-Gesellschaft. Band 11, 1998, S. 101–124, insbes. S. 105f: „Die Kriterien hierfür (100.000-BRT-Versenkungsergebnis) wurden ständig unterlaufen. Von 122 mit diesem Orden ausgezeichneten Kommandanten (es gab neun Ausnahmen) erzielten nur 31 diese hohe Norm (Es gab sogar mit dem Ritterkreuz dekorierte Offiziere ohne Versenkungsergebnisse)“. Daneben ging es darum, der Öffentlichkeit mehr hochdekorierte U-Boot-Kommandanten präsentieren zu können.René Schilling: „Kriegshelden“. Deutungsmuster heroischer Männlichkeit in Deutschland 1813–1945 (= Krieg in der Geschichte. Band 15). Schöningh, Paderborn 2002, ISBN 3-506-74483-6, S. 368 Anm. 199 Hardegen war auch Träger des U-Boot-Kriegsabzeichens mit Brillanten.

Hardegens Versenkungserfolge hätten noch wesentlich höher ausfallen können, doch machten die notorischen Torpedoversager zu Beginn des Krieges auch ihm in mehreren Fällen zu schaffen. Wiederholt entging Hardegen mit seinem Boot nur knapp der Versenkung durch alliierte Einheiten. Unter anderem wäre es Einar Gleditsch, dem Kapitän des norwegischen Walfangschiffes „Kosmos II“ (des damals weltweit größten Schiffes dieser Art) im Januar 1942 beinahe gelungen, U 123 zu rammen, eine Episode, die noch 2001 vom amerikanischen Fernsehen aufgegriffen wurde.

Mit der Verleihung des Eichenlaubs zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes im Frühling 1942 verbunden war eine Einladung zum Abendessen bei Adolf Hitler, der Hardegen persönlich zur Auszeichnung gratulierte. Hardegen kritisierte die militärische Führung nach eigenen Angaben bei dieser Gelegenheit für das Versäumnis, keine eigene Seeaufklärung für die Kriegsmarine zur Verfügung zu haben, worüber Hitler sehr in Zorn geriet. Hardegen, der bei diesem persönlichen Empfang Hitler noch für einen „feinen Kerl“ gehalten hatte, bezeichnete diese Einschätzung im Jahr 2012 jedoch als „großen Irrtum“. Nach Recherchen des amerikanischen Marinehistorikers Michael Gannon (1927–2017) war Hardegen bei seinen Unternehmungen sehr darum bemüht, die Zahl der menschlichen Opfer so gering wie möglich zu halten. Konsequent versorgte er Schiffbrüchige in Rettungsbooten mit Nahrungsmitteln und Navigationshilfen. In mindestens einem Fall nahm er Schiffbrüchige sogar direkt an Bord seines Bootes und zwang später ein neutrales (unter Schweizer Flagge fahrendes) Schiff, sie zu übernehmen und an Land zu bringen.

In einem Interview der US-amerikanischen Atlanta-Journal Constitution fasste er 1999 seine Motivation im Kriegseinsatz so zusammen:

Buch "Auf Gefechtstationen"