Minusio (alpinlombardisch Minüs ,Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 598. dt. früher Maniss) ist eine politische Gemeinde am Lago Maggiore im Schweizer Kanton Tessin. Sie gehört zum Bezirk Locarno und zu dessen Kreis Navegna. mini|Historisches Luftbild von Walter Mittelholzer (1919) mini|Minusio am Ufer des Lago Maggiore

Geographie Minusio ist ein Nachbarort von Locarno und grenzt an Muralto, Orselina, Avegno Gordevio, Brione sopra Minusio und Tenero-Contra. Er liegt zwischen dem Lago Maggiore und dem Cardada und besteht aus den Ortsteilen Borenco, Brighirolo, Cadogno, Ceresol, Ciossi, Fontile, Frizzi, Mappo, Mezzo, Mondacce und Rivapiana.

Geschichte Minusio war lange Zeit wichtiger als die heutige Stadt Locarno. Zum ersten Mal erwähnt wird es 1061 als Menuxio.

In der Römerzeit lag an der Stelle des heutigen Ortes ein römischer Vicus, mit Hafen, Wohnvierteln, Geschäftsvierteln, Nekropolen und Truppenlager; 1945 wurden verschiedene römische Gräber gefunden.Aldo Crivelli: Tombe del principio dell’Impero romano a Minusio. In: Rivista Storica Ticinese 9, 1946, S. 1224–1227. Eine erste Kirche wird auf das 5. oder 6. Jahrhundert datiert. Die heutige Stiftskirche wurde 1190/1200 erbaut und diente bis 1816 auch als Pfarrkirche für Locarno. Im frühen 19. Jahrhundert verlor Minusio seine Bedeutung an die nahe gelegene Stadt, nachdem dort 1825/1826 ein neuer Hafen gebaut worden war.

Auf den Fahrplanwechsel vom 10. Dezember 2023 erhielt Minusio eine eigene Station an der Bahnstrecke Giubiasco–Locarno.

Minusio sprach sich in einer konsultativen Volksabstimmung am 25. September 2011 mit 1762 zu 1259 Stimmen gegen eine Fusion mit den Gemeinden Locarno, Muralto, Orselina, Brione sopra Minusio, Mergoscia und Tenero-Contra aus. Weil sich nur in Locarno und Mergoscia eine zustimmende Mehrheit fand, beschloss das Tessiner Kantonsparlament, das Projekt nicht weiterzuverfolgen.

Bevölkerung Einwohnerzahlen: Volkszählungsdaten

Politik Minusio hat als Legislative ein Gemeindeparlament (Consiglio comunale) mit 40 Sitzen; die Exekutive ist der Gemeinderat (Municipio) mit 7 Sitzen.

Sitzverteilung in den Gemeindewahlen vom 14. April 2024 im Gemeindeparlament: 16 Sitze für die FDP. Die Liberalen (Partito Liberale Radicale), 15 für die Vereinigten x Minusio (Uniti x Minusio), 7 für die Sozialistische Union und Unabhängige (Unione Socialisti e Independenti) und 2 für die Grünliberalen und Unabhängigen (Verdi Liberali ed Independenti).

Im Gemeinderat nehmen Einsitz: je drei Vertreter der FDP und der Vereinigten x Minusio, eine Vertreterin der Sozialistischen Union und Unabhängige. Dem Gemeinderat steht als Gemeindepräsident (Sindaco) Renato Mondada (FDP. Die Liberalen) vor.Elezioni comunali 2024. In: www2.ti.ch/comunali-2024 (mit Foto)

In Minusio besteht neben der politischen Gemeinde nach wie vor eine Bürgergemeinde.

Sehenswürdigkeiten

Sakralbauten Pfarrkirche Santi Rocco und QuiricoSimona Martinoli und andere: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0, S. 165–168. Im Ortsteil Rivapiana liegt die Kirche San Quirico. Die 1313 erstmals erwähnte Kirche wurde im 18. Jahrhundert im barocken Stil neu erbaut. Im Kircheninnern sind an der Südwand Reste romanischer Malereien aus dem 13. Jahrhundert erhalten. Der romanische Glockenturm aus dem 13.–15. Jahrhundert diente früher als Wachturm, Glockenturm Profanbauten Gemeindehaus Früheres Kurhotel Esplanade Villa Margherita Villa San Quirico Villa Roccabella Pfarrhaus San Quirico Cà di Ferro, ein schlossartiges Gebäude, das sich der Urner Peter A Pro von 1540 bis 1580 als Anwerbungskaserne für Schweizer Söldner (Reisläufer) erbauen liess. Die Kapelle Vergine dei Sette Dolori stammt aus dem Jahr 1630.Ca' di ferro und Oratorium Vergine dei Sette Dolori (mit Foto) Museen und Kulturzentren Sanctuarium Artis Elisarion, heute Kulturzentrum der Gemeinde Minusio Museo Fiorenzo Abbondio, dem gleichnamigen Bildhauer gewidmetMuseo Fiorenzo Abbondio In: www.ticino.ch Museo Mecrì im Ortsteil Mondacce. Das 2014 gegründete Museum ist dem Tessiner Maler und Archäologen Aldo Crivelli (1907–1981) gewidmet, aber es werden auch Ausstellungen von zeitgenössischen Bildhauern veranstaltet.Museo Mecrì (mit Fotos und Video) auf mecri.ch Mit Persönlichkeiten verbundene Orte Von 1873 bis 1874 bewohnte der zuvor in Locarno ansässige Revolutionär Michail Alexandrowitsch Bakunin die von seinem italienischen Freund Carlo Cafiero finanzierte Villa La Baronata, die zum Zufluchtsort für polizeilich gesuchte Revolutionäre werden sollte Hermann Hesse bewohnte 1919 für einige Wochen ein kleines Bauernhaus am Ortseingang, bevor er nach Sorengo zog und später nach Montagnola. Auf dem Friedhof von Minusio liegt sih das Grab von Stefan George. An seinem Begräbnis im Dezember 1933 nahmen unter anderen Claus Schenk Graf von Stauffenberg und sein Bruder Berthold teil, die zum George-Kreis gehörten. Auf dem Friedhof liegt ferner das Grab von Robert Gilbert. Der Liedertexter (Ein Freund, ein guter Freund), Kabarettist (Theater Die Kleine Freiheit) und Musicalübersetzer (My Fair Lady, Cabaret u. a.) lebte zuletzt von 1968 bis zu seinem Tod 1978 in Minusio.Christian Walther: Robert Gilbert - Eine zeitgeschichtliche Biografie. Peter Lang, Frankfurt 2016, S. 411

Bilder

Sport Der Fussballverein AS Minusio spielt derzeit in der 4. Liga.Associazione Sportiva Minusio Ebenfalls existiert ein Schützenverein.Unione Tiratori della Fraccia

Persönlichkeiten

Literatur Virgilio Gilardoni: Il Romanico. Catalogo dei monumenti nella Repubblica e Cantone del Ticino. La Vesconta, Casagrande S.A., Bellinzona 1967, S. 430–434; derselbe: I monumenti d’arte e di storia del Canton Ticino. Band III: L’alto Verbano II. I circoli del Gambarogno e della Navegna (= Die Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 73). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Bern 1983, ISBN 3-7643-1500-8, S. 205–266. Simona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0, S. 151, 165–168.

Johann Rudolf Rahn: I monumenti artistici del medio evo nel Cantone Ticino. Tipo-Litografia di Carlo Salvioni, Bellinzona 1894, (Rivapiana) S. 172, 214–215. Clotilde Schlayer: Minusio: Chronik aus den letzten Lebensjahren Stefan Georges. Wallstein-Verlag, Göttingen 2010. Celestino Trezzini: Minusio. In: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz. Band 5: Maillard – Saint Didier. Attinger, Neuenburg 1929, S. 117 f. (Digitalisat).

Weblinks

Webauftritt der Gemeinde Minusio Amt für Statistik des Kantons Tessin: Minusio (italienisch) Minusio: Kulturgüterinventar des Kantons Tessin

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Kanton Tessin Kategorie:Schweizer Gemeinde Kategorie:Ersterwähnung 1061