mini|Wappen der Grafschaft Falkenstein mini|400px|Grafschaft Falkenstein (orangefarben) Die Grafschaft Falkenstein war ein Territorium im Heiligen Römischen Reich, das nach der im frühen 12. Jahrhundert erbauten Reichsburg Falkenstein in der Pfalz benannt wurde.
Geschichte Der erste Träger des Namens von Falkenstein war der 1135 belegte Sigbold von Falkenstein. Dessen Söhne, die Reichsministerialen Hunfried und Heinrich von Falkenstein werden der Reichsministerialität zugeordnet, Hunfried testierte 1166 als Reichstruchsess für Kaiser Friedrich I. Barbarossa. Vermutlich durch die Heirat Hunfrieds von Falkenstein mit einer Tochter Werners II. von Bolanden kam nach dem Aussterben der Falkensteiner deren Besitz (und das Reichstruchsessenamt) an die Herren von Bolanden.Jürgen Keddigkeit, Alexander Thon, Rolf Übel (Hrsg.), Pfälzisches Burgenlexikon, Band 2, F-H, Kaiserslautern 2002, ISBN 3-927754-48-X, Seite 46 ff. Im Zuge einer bolandischen Erbteilung zu Beginn des 13. Jahrhunderts begründete Philipp I. von Falkenstein die nach der Burg Falkenstein (Pfalz) benannte Seitenlinie. Er beerbte im Jahr 1258 das Reichsministerialengeschlecht derer von Münzenberg und erhielt damit die Landvogtei in der Wetterau und die Reichsvogtei im Dreieichforst. Damit wurde der neue Lebensmittelpunkt der Familie das Gebiet des Taunus. In diesem Zusammenhang wurde auch die hessische Burg Falkenstein (Taunus) nach dem Adelsgeschlecht benannt. Die in der Nordpfalz und in Rheinhessen liegenden Stammlande blieben jedoch im Besitz der Familie.
Eine Seitenlinie dieses nunmehr hessischen Adelsgeschlechtes erhielt im Jahr 1398 den Grafentitel. Die hessischen Falkensteiner starben aber schon 1418 aus und über die Schwester des letzten Grafen kamen die Besitzungen in der Nordpfalz und in Rheinhessen an die Grafen von Virneburg.
Im Jahre 1456 wurden sie an Wirich IV. von Daun-Oberstein verkauft. Die Lehnsrechte gab Kaiser Friedrich III. an das Herzogtum Lothringen. Kaiser Maximilian I. erhob die Herrschaft Falkenstein im Jahre 1518 zur Grafschaft, worauf Wirich V. von Daun-Falkenstein († 1546) und seine Nachkommen Grafen von Daun-Falkenstein wurden. 1603 brachte Amalia von Leiningen-Westerburg, geborene von Falkenstein (* um 1546; † 1608), als Witwe des Johannes II. von Hohenfels-Reipoltskirchen (1538–1568) nach dem Tod ihres Sohnes Johannes III. von Hohenfels-Reipoltskirchen († 1602) ihren beiden Brüdern Sebastian und Emich IV. von Daun-Falkenstein die reichsunmittelbare Herrschaft Reipoltskirchen zu.
1629 gelangte die Grafschaft in weiblicher Erbfolge an die schwedischen Grafen Lewenhaupt zu Rasseburg und von Manderscheid-Kail und war über Jahrzehnte strittig mit den Grafen von Daun-Falkenstein. Wilhelm Wirich von Daun-Falkenstein verkaufte die Grafschaft Falkenstein 1667 an Herzog Karl IV. von Lothringen. Als Herzog Franz Stephan 1736 anlässlich der Hochzeit mit Maria Theresia von Österreich und der Bedingungen des Präliminarfriedens von Wien sein Herzogtum gegen die Anwartschaft auf das Großherzogtum Toskana tauschte, behielt er von seinen lothringischen Besitztümern nur die Grafschaft Falkenstein. Die Reichsstandschaft, also Sitz und Stimme auf dem Reichstag, behielt er für Falkenstein und formell für die an Frankreich gefallene Markgrafschaft Nomeny, wodurch er 1745 zum Kaiser gewählt werden konnte. Falkenstein war fortan Teil des Hauses Österreich-Lothringen und wurde seit 1782 als Oberamt Winnweiler von der vorderösterreichischen Regierung in Freiburg im Breisgau verwaltet.
Im Frieden von Lunéville (Art. II) wurde die 1794/97 im Ersten Koalitionskrieg militärisch eroberte Grafschaft Falkenstein am 9. Februar 1801 von Kaiser Franz II. von Habsburg-Lothringen vom Reich an die Erste Französische Republik abgetreten. Bereits der französisch-österreichische Frieden von Campo-Formio (Art. 3) vom 17. Oktober 1797 hatte eine entsprechende vorläufige Regelung über „la souveraineté et propriété du Comté de Falkenstein et de ses dépendances“ enthalten.
Umfang mini|Burg Falkenstein (Pfalz) Zum Kern des Gebiets um Falkenstein gehörten die sogenannten Walddörfer: Winnweiler mit Hochstein, Potzbach, Schmelzhütte und mehreren Höfen, Imsbach, Höringen, Lohnsfeld, Falkenstein, Schweisweiler, Ober-Börrstadt, Steinbach, Alsenbrück (seit 1733) mit Langmeil sowie Jakobsweiler. Nördlich lag der Besitzkomplex St. Alban mit Gerbach und Gaugrehweiler. An der Alsenz lagen als Stolzenberger Gemeinschaft mit dem Herzog von Zweibrücken die Ortschaften Bayerfeld, Cölln, Dielkirchen, Steckweiler und Steingruben (später an Zweibrücken verloren). Über Ilbesheim, Hohen-Sülzen, Framersheim, Dalheim, dem halben Dorf („Hasslocher Teil“) Hillesheim und Harxheim reichte Falkensteiner Streubesitz bis kurz vor die Stadt Mainz; mit Eckelsheim, Biebelsheim und Kalkofen wies weiterer Streubesitz zum pfälzischen Amt Neubamberg. Im Süden gehörte zeitweilig auch die Herrschaft Wilenstein mit Trippstadt, Stelzenberg und Mölschbach dazu. Bereits um 1190 besaß Werner von Bolanden das Kurkölner Lehen der Herrschaft Bretzenheim, zunächst als Afterlehen der Pfalzgrafen. Im Mittelalter waren Bretzenheim, Winzenheim und Ippesheim Zubehör der Grafschaft Falkenstein, die als Lehen unmittelbar vom Kölner Erzbischof empfangen wurden. Von 1589 bis 1628 residierte Graf Emich IV. von Daun-Falkenstein-Oberstein im Schloss Bretzenheim. 1642 wurde die Herrschaft (bis auf eine Hälfte von Ippesheim) für 27.000 Reichstaler an Graf Alexander II. von Velen verkauft. Dessen Tochter Alexandrine Marie († 1656) war in diesem Jahr bis zu dessen Tod kurz mit Emich (1614–1642) verheiratet, einem Sohn des Johann Adolf von Daun-Falkenstein-Broich. Von 1603 an gehörte die Herrschaft Reipoltskirchen mit Berzweiler, Dörnbach, Finkenbach und Gersweiler, Hefersweiler, Moorbach, Niederkirchen, Nußbach, Rathskirchen, Reichsthal, Relsberg, Rudolphskirchen, Schönborn und Seelen zur Grafschaft Falkenstein,Ueber die Herrschaft Reipolzkirchen. Commissionsbericht … Februar 1764. In: Historisch und statistisches Magazin vornemlich von Oberteutschland 1 (1764), S. 3–22 (=). ab 1628 (1636) im Kondominium zweier Linien der Grafen von Lewenhaupt-Rasburg-Falkenstein, 1648 im Westfälischen Friedensvertrag bestätigt, bis 1722/30 (Verkauf einer Hälfte an die Grafen von Hillesheim) bzw. bis 1763 (Verkauf der zweiten Hälfte an die von Ellrodt, später Weiterverkauf an Karoline Franziska Dorothea von Parkstein bzw. die Fürsten von Isenburg-Büdingen).
Vor dem Ersten Koalitionskrieg (1792) hatte die vorderösterreiche Grafschaft Falkenstein rund 125 km² mit 7714 Einwohnern.Kurt Oberndorffer: Die Reichsgrafschaft Falkenstein. In: Friedrich Metz (Hrsg.): Vorderösterreich. Eine geschichtliche Landeskunde, Bd. II. 2. Auflage Rombach, Freiburg i. Br. 1967, S. 565–578, bes. S. 569, nach Johann Alfons Lugo: Statistik der k. k. Vorlande (30. May 1797). In: ebenda, S. 797–818, bes. S. 797. In den Tabellen des preußischen Verwaltungsbeamten Karl Heinrich von Lang, der auf die Ungenauigkeit aller Quellen hinweist, sind 1798 für Falkenstein 4200 Einwohner, für Bretzenheim 2000 und für Reipoltskirchen 4000 Personen vermerkt.Karl Heinrich von Lang: Tabellen über Flächen-Inhalt, Menschen-Zahl, Einkünfte, und Bevorstehenden Verlust der Teutschen Reichs-Lande. J. Decker, Basel 1798, Bilanz nach S. 55; vgl. S. 3f (unpaginiert), 9, 17f und 23 (Google-Books). Nach der Zugehörigkeit des Linken Rheinufers zu Frankreich zwischen 1794/97 und 1814 wurde die österreichische Herrschaft nur kurz restituiert, bis 1816 der überwiegende Teil an Bayern zum Rheinkreis und einige Gemeinden zu Rheinhessen (Provinz des Großherzogtums Hessen) kamen. Seit 1946 gehören alle Orte des ehemaligen Oberamts Winnweiler zu Rheinland-Pfalz.
Regierende Herren und Grafen Herren und Grafen von Bolanden-Falkenstein vor 1233–1298 Philipp I. (IV.) von Bolanden-Falkenstein (* um 1200, † 1271), verheiratet mit Isengard von Münzenberg 1271–1298/1300 Philipp II. (V.) von Falkenstein-Münzenberg-Butzbach († 1293/95) und Werner I. von Falkenstein-Münzenberg-Lich (* 1234/37; † 1298/1300); 1271 Erste Falkensteiner Teilung 1293/1300–1322 Philipp III. (VI.) von Falkenstein-Münzenberg (* um 1257, † 1322), Reichserbkämmerer, Grabplatte in der Marienstiftskirche Lich, und sein Sohn Philipp IV. von Falkenstein-Münzenberg (* um 1272, † 1312) 1322–1333 Kuno II. von Falkenstein-Münzenberg († 1333), Grabplatte in der Marienstiftskirche Lich 1333–1343 Philipp V. von Falkenstein-Münzenberg († 1343) 1343–1349 in Vormundschaft Kuno (III.) von Falkenstein-Münzenberg (* um 1320; † 1388), als Kuno II. Erzbischof von Trier, Wandgrab in der Basilika St. Kastor in Koblenz 1349–1370/73 Philipp VI. von Falkenstein-Münzenberg (* um 1320; † 1370/73) 1370/73–1407 Philipp VII. von Falkenstein-Münzenberg († 1410), 1398 in den Grafenstand erhoben, resignierte 1407, und Philipp VIII. von Falkenstein-Münzenberg († 1407), Epitaphe in der Markuskirche Butzbach 1407–1418 in Vormundschaft Werner von Falkenstein (* um 1355; † 1418), als Werner III. Erzbischof von Trier, Hochgrab in der Basilika St. Kastor in Koblenz, für seine Nichten, den Nachkommen der Luitgard von Falkenstein (* um 1357; † nach 1391), verheiratet mit Eberhard I. von Eppstein, und der Agnes von Falkenstein (* um 1358, † 1409), verheiratet mit Otto I. von Solms-Braunfels Grafen von Virneburg 1418–1444 Ruprecht IV. von Virneburg († 1444), verheiratet mit Agnes von Solms († 1412/20), Tochter von Otto I. von Solms-Braunfels; 1420 Zweite Falkensteiner Teilung unter Sayn, Virneburg, Solms, Isenburg, Eppstein und Hanau 1444–1456 Wilhelm von Virneburg-Falkenstein († 1487), verkaufte die Grafschaft Grafen von Daun-Oberstein 1456–1501 Wirich (IV.) VI. von Daun-Oberstein (1418–1501), Grabstein in der Abteikirche Otterberg 1501–1517 Melchior von Daun-Oberstein (1445–1517), Grabstein in der Abteikirche Otterberg, verheiratet mit Margaretha von Virneburg 1517–1530 Philipp von Daun-Oberstein († 1530), Falkenstein wurde 1518 von Kaiser Maximilian I. zur Reichsgrafschaft erhoben, verheiratet seit 1527 mit Claudine de Dompmartin († nach 1573), Tochter von Guillaume de Dommartin († 1525), Herr zu Fontenoy-le-Château und Finstingen, und Anne de Neufchâtel (* um 1470; † 1543), Grabstein in der Abteikirche Otterberg 1530–1546 Wirich (V.) VII. von Daun-Falkenstein († 1546) 1546–1579 Johann von Daun-Falkenstein (1506–1579), auch als Vormund seines geistesschwachen Bruders Kaspar († 1576), 1549 von der Herzoginwitwe Christina von Lothringen belehnt, 1554 durch einen Erbteilungsvertrag mit seinen Brüdern Philipp II. von Daun-Falkenstein-Broich (* um 1514; † 1554) und Sebastian von Daun-Oberstein (* um 1530; † um 1576) bestätigt. Die Reichsstandschaft der Grafschaft wurde 1559 von Kaiser Ferdinand I. bestätigt. Grabmal in der Klosterkirche Marienthal 1579–1585 Regentschaft der Witwe, Rhein- und Wildgräfin Ursula zu Salm-Kyrburg (1515–1601), die in erster Ehe mit Ruprecht von Pfalz-Zweibrücken-Veldenz († 1544) verheiratet gewesen war 1585–1615 Sebastian von Daun-Falkenstein-Oberstein (* um 1546; † 1615), Grabplatte in der Felsenkirche Oberstein. Seine Schwester Sidonia von Daun-Falkenstein (1549–1588) war seit 1579 verheiratet mit Axel Stensson Lewenhaupt-Raasepori (1554–1619), einem Neffen der schwedischen Königin Margareta Eriksdotter Leijonhufvud. Die Schwester Amalia von Falkenstein (1547–1608) war verheiratet in erster Ehe mit Johannes II. von Hohenfels-Reipoltskirchen (1538–1568), in zweiter Ehe seit 1578 mit Philipp I. von Leiningen-Westerburg (1527–1597) 1615–1628 Emich IV. von Daun-Falkenstein-Oberstein († 1628), Bruder des vorherigen, residierte in Bretzenheim, Grabmal in der Klosterkirche Marienthal Daun-Falkenstein-Oberstein 1628–1633 Lothar von Daun-Falkenstein-Oberstein († 1633), Vetter des Emich IV., gefallen an der Werbener Schanze, und sein Bruder