mini|Vorderseite der k.k. Landwehr Regimentsfahnen mini|Rückseite der k.k. Landwehr Regimentsfahnen Die kaiserlich-königliche Landwehr (auch: k.k. Landwehr) bestand von 1869 bis 1918 aus den Territorialstreitkräften der cisleithanischen Reichshälfte, die als Pendant zur k.u. Landwehr aufgestellt wurden. Die beiden Landwehren bildeten mit der Gemeinsamen Armee und der k.u.k. Kriegsmarine die Streitkräfte von Österreich-Ungarn (offiziell „Bewaffnete Macht“ oder auch „Wehrmacht“ genannt).

Im Gegensatz zum Deutschen Reich, wo sich die Landwehr größtenteils aus Reservisten und Ungedienten zusammensetzte, bestand die kaiserlich-königliche Landwehr aus regulären Verbänden. Sie war etatmäßig voll aufgestellt und nicht teilmobil oder gekadert. Die Landwehr ist nicht mit dem Landsturm zu verwechseln.Im Jahre 1917 wurde der Begriff Landwehr bei der Infanterie durch Schützen ersetzt „Landwehr-Infanterie-Regiment = Schützen-Regiment“

Geschichte mini|Die Gebäude der ehemaligen k.k. Franz-Joseph-Landwehrakademie in Wien Die Wurzeln der Landwehr finden sich im 16. Jahrhundert als Aufgebot aller Wehrfähigen zur Landesverteidigung.

Während der Napoleonischen Kriege wurde mit kaiserlichem Patent vom 9. Juni 1808 eine Landwehr als ständige und allgemeine Einrichtung zur Ergänzung der regulären österreichischen Armee geschaffen. Eingesetzt wurde diese Truppe 1809 und zwischen 1813 und 1814. Im Jahre 1859 wurde die Landwehr aufgehoben.

Nach dem verlorenen Krieg des Kaisertums Österreich gegen das Königreich Preußen erreichte das Königreich Ungarn mit dem Österreichisch-Ungarischen Ausgleich 1867 seine Teilsouveränität. Ungarn wollte nun neben der k.u.k. Armee und der k.u.k. Kriegsmarine, die nur dem Kaiser und dem k.u.k. Kriegsminister unterstanden, auch eigene Streitkräfte besitzen, die der ungarischen Regierung unterstehen sollten. Der Ausgleich umfasste daher auch das Recht Ungarns, die königlich ungarische Landwehr, Király Honvédség, umgangssprachlich meist kurz Honvéd genannt, aufzubauen.

Als cisleithanisches Pendant dazu wurde in den im Reichsrat vertretenen Königreichen und Ländern, dem verbliebenen Kaisertum Österreich, auf Grundlage der mit dem Wehrgesetz vom 5. Dezember 1868 eingeführten allgemeinen Wehrpflicht (RGBl. Nr. 151 / 1868Reichsgesetzblatt S. 437), daher ebenfalls mit dem österreichischen Landwehrgesetz vom 13. Mai 1869 (RGBl. Nr. 68 / 1869Reichsgesetzblatt S. 315) eine Landwehr errichtet. Ihre Aufgaben wurden zuletzt 1889 im österreichischen Wehrgesetz (RGBl. Nr. 41 / 1889Reichsgesetzblatt S. 93) wie folgt festgelegt:

§ 4. Die Landwehr ist im Kriege zur Unterstützung des Heeres und zur inneren Vertheidigung, im Frieden ausnahmsweise auch zur Aufrechterhaltung der Ordnung und Sicherheit im Inneren bestimmt.

In § 14 Wehrgesetz 1889 wurde das jährliche Rekrutenkontingent für die Landwehr mit 10.000 Mann festgelegt.

Die Wehrpflicht bei der Landwehr bestand vom 21. bis zum 32. Lebensjahr und betrug zwei bzw. drei aktive Jahre bei der Truppe. Die Einjährig-Freiwilligen dienten nur ein Jahr, erhielten aber keine Löhnung und mussten für ihre Ausrüstung selbst aufkommen. Nach der Vollendung des 32. Lebensjahres wurden die wehrpflichtigen Landwehrmänner zum Landsturm überstellt. Da mehr Wehrpflichtige vorhanden waren, als benötigt wurden, entschied das Los, wer der Armee, der Landwehr bzw. der Ersatzreserve zugewiesen wurde.

mini|Zertifikat: Austritt aus der k.k. Landwehr, Reserveleutnant Dr. Robert Korn, (1911)

Bei Kriegsausbruch 1914 bestand die k.k. Landwehr aus 35 Infanterie-Regimentern, 2 Gebirgs-Infanterie-Regimentern, 3 Tiroler Landesschützen-Regimentern (als Gebirgstruppe), 2 Reitenden Landesschützen-Divisionen, 6 Ulanen-Regimentern, 8 Feldkanonen-Divisionen und 8 Feldhaubitz-Divisionen und bildete so einen bedeutenden Anteil an der Bewaffneten Macht. Die fünf Regimenter der k.k. Gebirgstruppe waren bei Kriegsbeginn die am besten ausgebildeten und ausgerüsteten Truppenteile Österreich-Ungarns.

Im April 1917 wurden auf Vorschlag des k.k. Landesverteidigungsministers Friedrich von Georgi die Landwehrtruppen in Schützen umbenannt. Dementsprechend hießen die Landwehrinfanterieregimenter ab Frühjahr 1917 Schützenregimenter.

Mit dem Zusammenbruch der Armee der Habsburgermonarchie am Ende des Ersten Weltkrieges 1918 entstanden die Streitkräfte der Nachfolgestaaten – zumeist unter Rückgriff auf Personal und Material der österreich-ungarischen Armee. Letzte mit der Leitung des k.k. Landwehrministeriums betraute Person war der Sektionschef Friedrich Freiherr Lehne von Lehnsheim vom 27. Oktober bis 11. November 1918 (Ministerium Lammasch).

Truppenfahne Die k.k. Landwehr führte zunächst keine Truppenfahne, jedoch wurde im September 1915 von Kaiser Franz Joseph I. in Anerkennung der besonders verdienstvollen Leistungen der k.k. Landwehr die Fahne M 1915 gestiftet, und unter Aufsicht des Heeresmuseums 1916 produziert. Sie sollten nach Kriegsende an die Einheiten übergeben werden. Der Vorgang war geregelt im Verordnungsblatt für die k.k. Landwehr, Normalverordnungen, 22. Stück, vom 8. September 1915, in welchem das Procedere für die Verleihung der Fahnen mit Zirkularverordnung vom 4. September 1915, Präs.Nr. 14.256 bestimmt wurde. Dazu wurde das folgende Schreiben erlassen:

„Seine k.u.k. Apostolische Majestät haben in neuerlicher allergnädigster Anerkennung der besonders verdienstvollen Leistungen der k.k. Landwehr, welche während der ganzen bisherigen Kriegsperiode mit den Truppen des k. und k. Heeres in unentwegter und treuester Pflichterfüllung vor dem Feinde wetteifert und bereits wiederholt die Allerhöchste Anerkennung fand, die Beteilung der k.k. Landwehrfußtruppen mit Fahnen huldvollst in Aussicht zu nehmen geruht. Die Verfügung wegen Ausstattung und Ausführung dieser Fahnen sowie betreff Anfertigung und feierlicher Ausgabe werden nach Beendigung des Krieges erfolgen. Dieser Allerhöchste Gnadenakt soll für die Truppen der k.k. Landwehr ein weiterer Ansporn zu neuen Heldentaten sein und wird sich dieselbe gewiß durch weitere glänzende Leistungen vor dem Feinde dieser Allerhöchsten Verfügung immer wieder würdig weisen!“

Freiherr von Georgi m.p.General der Infanterie

Die Fahnen wurden während der Dauer der Monarchie nicht mehr ausgegeben, erst später erfolgte die Verabfolgung an Traditionsverbände. Wie viele dieser Fahnen angefertigt wurden, ist nicht bekannt. Nachweislich wurde zumindest die Fahne des „k.k. Landwehr-Infanterieregiments - Linz - Nr. 2“ am 8. Juni 1924 an den „Kameradschaftsbund ehemaliger Zweierschützen“ in Linz übergeben. Ebenfalls ist die Existenz der Fahne des „k.k. Landwehr-Infanterieregiments ‚Wien‘ Nr. 1“ nachgewiesen.

Aufbau Dienstgradabzeichen 1896–1918 Offiziere Stabsoffiziere Hauptleute / Leutnante Oberst (brigadir)(pukovnik) Oberstleutnant (pukovnik)(potpukovnik) Major (bojnik) Hauptmann (satnik) Oberleutnant (natporučnik) Leutnant (poručnik) Unteroffiziere Unteroffiziere mit Portepee Unteroffizier Fähnrich (časnički namjesnik)(zastavnik) Offiziersstellvertreter (stožerni narednik)(časnički namjesnik) Stabsfeldwebel (nadnarednik)(stožerni narednik) Feldwebel (narednik) Zugsführer (desetnik)(vodnik) Mannschaften Chargen Gemeiner Korporal (skupnik)(kaplar) Gefreiter (razvodnik) Infantrist (pozornik)(domobran)

Die österreichische Landwehr unterstand dem k.k. Landesverteidigungsministerium (wie der Honvéd dem k.u. Honvédministerium – beide unabhängig vom gemeinsamen Kriegsministerium).

mini| Das k.k. Landesverteidigungsministerium befand sich in Wien in der Babenbergerstraße 5. Das Landwehroberkommando war im ersten Stock des damaligen k.k. Justizministeriums am Schillerplatz 4 untergebracht. Landwehrstäbe und das Landwehrplatzkommando waren in Privathäusern einquartiert. Während des Ersten Weltkrieges war das k.k. Ministerium für Landesverteidigung im Kriegsüberwachungsamt vertreten.

Die Landwehr verfügte über eigene Kasernen, Depots und Bildungsstätten für die Offiziere. Die Ausbildung der Landwehroffiziere erfolgte in der k.k. Franz-Joseph-Militärakademie in der Boerhaavegasse in Wien, einer von fünf Militärakademien in Österreich-Ungarn. Zusätzlich gab es eine Militär-Oberrealschule in Wien und eine Militär-Unterrealschule in Bruck an der Leitha.

Kasernen der Landwehr in Wien waren die Kaiserebersdorfer Landwehr-Artilleriekaserne, Kaiser-Franz-Joseph-Landwehrkaserne und die Landwehrkaserne Siebenbrunnengasse. Benachbart zu dieser Kaserne war das Landwehr-Ausrüstungsdepot. Das k.k. Landwehr-Waffendepot wurde beim Arsenal in Wien errichtet.

Bei Kriegsausbruch 1914 bestand die k.k. Landwehr aus: 35 Infanterie-Regimentern 2 Gebirgs-Infanterie-Regimentern (4. und 27. k.k. Landwehr-Infanterieregiment) 3 Tiroler Landesschützen-Regimentern (seit 1917 „k.k. Kaiserschützen“) 1 Reitende-Tiroler-Landesschützen-Division (in Bataillonsstärke - Divisionen als Großverband hießen Infanterie-Truppendivision) 1 Reitende Dalmatiner Landesschützen-Division 6 Ulanen-Regimentern 8 Feldkanonen-Divisionen 8 Feldhaubitz-Divisionen

Obwohl die Landwehr-Infanterieregimenter personell schwächer ausgestattet waren als die Regimenter der k.u.k. Infanterie (die Landwehrregimenter hatten nur drei statt der bei der Gemeinsamen Armee üblichen vier Bataillone – ausgenommen hiervon waren die Landesschützen-Regimenter Nr. I und Nr. III, die ebenfalls über vier Bataillone verfügten), waren sie ausrüstungsmäßig diesen oft überlegen. Die Parlamente Cis- und Transleithaniens waren nämlich eher gewillt, „ihren“ Truppenverbänden finanzielle Mittel bereitzustellen als der gemeinsamen Armee.

Als Besonderheit galt auch die Bezeichnung der Regimenter, die den Garnisonsort des Regimentsstabes im Namen führten (z. B. k.k. Landwehrinfanterieregiment „Eger“ Nr. 6). Das Gleiche galt auch für die Landesschützen, die ja zur Landwehr gehörten (k.k. Landesschützen-Regiment „Innichen“ Nr. III)Die Landesschützenregimenter waren mit römischen Ziffern nummeriert. Damit wurde die Verbundenheit des jeweiligen Regiments mit dem betreffenden Garnisonsort betont.„Schematismus der k.k. Landwehr und k.k. Gendarmerie“ (Siehe unter Benennung des Truppenkörpers) Seidels kleines Armeeschema (Dislokation und Einteilung des k.u.k. Heeres, der k.u.k. Kriegsmarine, der k.k. Landwehr und der königlich ungarischen Landwehr) Nr. 76 Herausgeber L.W. Seidel & Sohn, k.u.k. Hofbuchhändler - Wien August 1914 - S. 145 ff

Infanterie Am 11. April 1917 wurden die Infanterieverbände der Landwehr umbenannt. Der Begriff „Landwehr“ wurde durch „Schützen“ ersetzt.

Landwehr Infanterietruppendivision (später k.k. Schützendivision)Das Wort Truppen wie es bei Landwehr Infanterietruppendivision und Infanterietruppendivision gebräuchlich war, kam hier in Fortfall Landwehrinfanteriebrigade (später k.k. Schützenbrigade) k.k. Landwehr Infanterieregiment „Pola“ Nr. 5 = k.k. Schützenregiment „Pola“ Nr. 5Die Zusatznamen wurden 1917 ebenfalls abgeschafft, daran hielt sich aber niemand, insbesondere die vorhandenen Briefbögen und Stempel zuerst „aufzubrauchen“ waren (gem. „Verlautbarung der Quartiermeisterabteilung“ des Heeresgruppenkommando FM. Erzherzog Eugen / Q.Op. Nr. 665/17. Ausgegeben vom Feldpostamt 512)

Landwehr Infanterietruppendivisionen I. II.13. Landwehr Infanterietruppendivision - Wien VIII. Bez. Albertgasse 24 Kommandant: Feldmarschalleutnant Eduard Edler von Kreysa Generalstabschef: Hauptmann des Generalstabskorps Heinrich Mazanee Edler von Engelhardswall Landwehrkommando in Wien Verbände:

25. Landwehrinfanteriebrigade (Wien VII Bez. Neustiftgasse 28) Kommandant: Generalmajor Karl Englert LIR 1 - LIR 24 26. Landwehrinfanteriebrigade (Brünn) Kommandant: Generalmajor Emil Lischka LIR 14 - LIR 2521. Landwehr Infanterietruppendivision - Prag Kommandant: Feldmarschalleutnant Artur Ritter von Przyborski Generalstabschef: Oberstlt. des Generalstabskorps Josef Ritter von Hiltl Landwehrkommando in Prag Verbände:

41. Landwehrinfanteriebrigade (Pilsen) Kommandant: Generalmajor Otmar Panesch